730 Sonnenauf- und -untergänge später …

Was, schon wieder ein Blogeintrag? Nein, nicht die Langeweile ist zurückgekehrt, sondern es gibt allen Grund zum Feiern: Am 08.08.2017 sind wir genau seit 2 Jahren unterwegs, 7379 Seemeilen liegen hinter uns, 12 verschiedene Gastlandflaggen haben wir gehisst, viele Abenteuer erwarteten uns, neue liebe Menschen haben wir kennengelernt und es wird Zeit, Bilanz zu ziehen. Ich habe beschlossen, mal wieder selbst in die Tasten zu hämmern, auch wenn mein Ghostwriter Helmut einen Superjob macht, seine Beiträge mich immer wieder schmunzeln lassen und ich eigentlich lieber fotografiere.

 

Ich kann mich noch gut erinnern, wie unsere Freunde uns mit Sack und Pack nach Italien brachten, wir mit einem mulmigen Gefühl im Bauch die Leinen loswarfen und mit Tränen in den Augen Abschied von liebgewonnen Freunden und unserem alten Leben nahmen. Was uns wohl erwartet? Als ziemliche Segelneulinge trieb uns unsere erste Nachtfahrt von Vis nach Bari die Schweißperlen auf die Stirn und anfangs blieben wir bei angesagten 15 kn Wind (4 Beaufort) vorsichtshalber im sicheren Hafen liegen. Inzwischen hoffen wir, dass der Wind mit 15 kn bläst, damit wir vorankommen und können Nachtfahrten unter sternenklarem Himmel genießen. Wie sich doch alles relativiert. Nach unserer anstrengenden Atlantiküberquerung hatte ich erst einmal die Nase voll vom Segeln und war mir sicher, keinen Ozean mehr mit unserem kleinen Boot bezwingen zu wollen. Jetzt liegt der Pazifik zum Greifen nahe, das nervige Gerolle des Atlantiks ist vergessen und ein Teil der Welt will entdeckt werden, in den wir so schnell nicht zurückkehren werden. Bis Australien würden wir es gerne schaffen, Südseeflair genießen, nachdem uns das Karibikfeeling nicht wirklich gepackt hat. So ist der Plan, aber Pläne ändern sich bekanntlich immer wieder…

Zwei Jahre (40)

Dass unser Leben an Bord eines 32 Fuß langen Schiffes mit Einschränkungen verbunden sein wird, war uns klar. Ich habe mal nachgemessen, unsere aktive Lauffläche im Boot, d.h. Fläche, auf die wir ungehindert unseren Fuß setzen können, beträgt inklusive Cockpit 3,49 m², das macht pro Person 1,16 m². Die empfohlene Auslauffläche für eine deutsche Biohenne beträgt 10 m² pro Huhn! Da fallen wir wohl eher in die Kategorie Batteriehaltung. Somit ist es nicht verwunderlich, dass unkontrolliertes Im-Weg-Rumstehen mit Gezicke und Angeraunze kommentiert wird. Trotzdem haben wir drei uns inzwischen gut arrangiert, jeder hat sein bevorzugtes Eckchen und die Stimmung an Bord ist meistens harmonisch. Was für ein Luxus, so viel Zeit mit meiner Familie verbringen zu können, fremde Länder und neue Menschen kennenzulernen und unsere tapfere Auriga ist ein richtiges Zuhause geworden.

 

Felix ist mir inzwischen über den Kopf gewachsen und ich bin mit 1,77 m die Kleinste in der Familie. Unglaublich! Er ist nicht nur körperlich gewachsen, sondern auch mental gereift und ist ein richtiger Teenager geworden. Die meisten Bootskinder, die wir treffen, sind alle viel jünger als er und wenn dann doch mal ein älteres Kind an Bord ist, heißt es noch lange nicht, dass die Chemie zwischen den beiden auch stimmt. Da sind jüngere Kinder einfach unkomplizierter. Trotzdem fühlt er sich noch wohl mit uns, genießt es auch, dass Alex und Birger da sind, mit denen wir ausgiebieg Karten spielen können und die San Blas Inseln gemeinsam erkunden werden.

 

730 Sonnenaufgänge und fast jeden Tag Sonnenschein. Traumhaft? Ich sehne mich inzwischen nach richtigem Mistwetter mit Regen, Nebel und kühlen Temperaturen. Der tägliche 20minütige Regenschauer bringt nicht wirklich Abkühlung, im Gegenteil, anschließend ist es noch dampfiger als vorher. Tropisches Klima mit konstanten 30 Grad und 80 % Luftfeuchtigkeit ist definitiv kein Wohlfühlklima für mich. Gemessen an den etlichen Litern Schweiß, die ich hier schon vergossen habe, hätte ich mich schon längst auflösen müssen. Wir Seglerfrauen in Kolumbien (alle ungefähr im gleichen Alter) sind uns einig, dass ein Verschleppen von Frauen in den Wechseljahren in tropische Gefilde schon an Tierquälerei grenzt. Uns ist doch eh schon die ganze Zeit heiß! Erstaunlicherweise scheinen die kolumbianischen Frauen damit keine Probleme zu haben. Sie sehen immer aus wie aus dem Ei gepellt und bis auf wenige Ausnahmen ist keine Spur von Schweißtropfen zu entdecken. Wie machen die das nur? Auf jeden Fall habe ich festgestellt, dass ich vier Jahreszeiten brauche, mir andauernder Sonnenschein auf die Nerven geht und ich auf Schweißfilm als ständigen Begleiter gut verzichten kann. Ein Hoch auf unsere Klimaanlage, ohne die es hier nicht auszuhalten wäre.

 

Erstaunlich, dass es doch fast 2 Jahre gedauert hat, bis so etwas wie Langeweile aufkam, ein Gefühl, das ich schon fast vergessen hatte nach den letzten Jahren, die vollgepackt waren mit Terminen und Verpflichtungen. Das ist der wahre Luxus auf dieser Reise, Zeit zu haben und vor allem sich seine Zeit frei einteilen zu können. Natürlich bestimmt das Wetter unseren Rhythmus der Weiterfahrt, aber das ist auch schon alles. Das süße Nichtstun verliert jedoch auch nach einiger Zeit seinen Reiz und so sucht man sich eine Beschäftigung. Der Schulunterricht mit Felix macht mir wirklich Spaß und jetzt, wo Ferien angesagt sind, habe ich angefangen zu häkeln, Mitbringsel für die Kinder auf den Inseln. Alex hat ihre Nähmaschine dabei und somit wird Stoff gekauft und unsere Winschen, der Förthmann und unser Außenborder mit Mützen versorgt. Und Alex hat noch etwas Tolles dabei: Ein Fahrrad, das sie nicht benutzt. Sie war so lieb, es aus der Backskiste herauszukramen. Jetzt kann ich endlich wieder nach Lust und Laune radeln. Das viele Herumgesitze auf dem Boot ist auch so ein Punkt, der mir zu schaffen macht. Ich war es einfach gewohnt, immer in Bewegung zu sein, mit unserer Luna Gassi zu gehen, zu radeln mit meinen Mädels Sport zu treiben und hier? Einfach zu heiß. Das Fitnessstudio gegenüber der Marina öffnet um 6 Uhr, aber auch dazu kann ich mich nicht aufraffen. Da radle ich doch lieber durch die Stadt und entdecke immer wieder neue Wände, die mit faszinierender und sehr fantasievoller Streetart bemalt sind. Eine tolle Form, seinen Gefühlen Ausdruck zu verleihen.

 

Wir haben einige Segler getroffen, die schon jahrelang auf dem Boot leben oder mit „open end“ unterwegs sind und da habe ich mich immer wieder gefragt, ob das eine Lebensform wäre, die ich mir für mich vorstellen könnte. Die Antwort ist ein klares „nein“, nicht auf Dauer, gerne immer mal wieder, aber ich vermisse meine Familie, meine Freunde, unsere Tiere und einen Garten, in dem ich herumwühlen kann. Trotzdem genieße ich die unvergessliche Zeit mit meinen zwei Männern, die wir noch auf unserer Auriga verbringen werden und möchte sich nicht missen.

 

Fair winds,

eure Antje

Kleines Schiff – großes Abenteuer

Zwei Jahre (70)

Boh ey, ich weiß schon, ihr seid die Größten – aber wer macht denn hier die ganze Arbeit? Na ICH! Also finde ich es an der Zeit, dass ich auch mal zu Wort komme. Mein Name ist übrigens Auriga und dass ich in meinem Alter nochmal auf große Fahrt gehe, hatte ich eigentlich nicht gedacht. Aber erstmal zum Anfang zurück. Ich bin eine Phantom 32 vom Mittelrhein, mein Stapellauf war 1978 und heute bin ich wahrscheinlich eine der letzten meiner Art. Meine 300 Brüder und Schwestern treffe ich kaum noch, aber einer von uns soll sogar mal um die Welt gesegelt sein, hab ich jedenfalls von einem alten Schoner in irgendeinem Hafen gehört – Hut ab. An meine Kindheit kann ich mich nicht mehr richtig erinnern, dafür hatten es die letzten zehn Jahre aber in sich.

Zwei Jahre (64)

Meine letzten Besitzer hatten ja auch was ganz Besonderes mit mir vor, aber außer dem Mittelmeer habe ich nicht viel zu sehen bekommen. Und dann ging es plötzlich von Griechenland in die Lagune von Merano, ich werde aus dem Wasser gezerrt, an Land gestellt und bin nur noch ein besserer Wohnwagen! Was habe ich im ersten Winter gefroren und was soll das überhaupt? Fast ein Jahr haben die mich da stehen lassen. Hin und wieder kamen mal ein paar Fremde vorbei, sind auf mir rumgeturnt, haben den Kopf geschüttelt und mir nicht gerade Komplimente gemacht. Hey, ich habe auch Gefühle! Okay, ich bin zwar nicht groß und schon älter, aber ein bisschen Anstand kann man ja wohl erwarten! Eigentlich hatte ich mich schon damit abgefunden an Land zu verrotten, Klappe zu – Affe tod! Doch dann kam wieder neuer Schwung in mein Leben. Im Herbst 2013 stehen plötzlich diese beiden Nasen aus dem Allgäu vor mir, Gott was für Typen. Stellen sich nicht richtig vor und schauen mir dann gleich in die Bluse und unter den Rock – Was für eine Unverschämtheit.

Zwei Tage sind die bei mir geblieben, haben sich alles angeschaut, an mir rumgefummelt und mir sogar schöne Augen gemacht. Zum Schluss durfte ich auch mal wieder ins Wasser und mir die Beine etwas vertreten. Ich war wohl ein bisschen aus der Übung und bin gleich mal in einer Sandbank hängen geblieben – wie peinlich, aber es war trotzdem herrlich. Endlich wieder in meinem Element. Eigentlich war die beiden doch ganz sympathisch und als sie beschlossen hatten mich zu kaufen, war ich ziemlich happy und dachte jetzt geht’s hoffentlich gleich wieder ins Wasser zurück. Jaja, Pustekuchen! Die haben sich dann erstmal bis Weihnachten nicht mehr blicken lassen und dann kamen sie auch noch zu dritt zurück und haben sich bei mir häuslich eingerichtet. Baden gehen war natürlich wieder nicht drin und nach einer Woche sind sie auch wieder abgezogen, aber inzwischen mag ich die drei. Erst fünf Monate später kam der Typ wieder zu mir! Dann ging es aber ganz schnell und ich durfte ins Wasser und bin in einen Fluss bei San Giorgio di Nogaro umgezogen. In meinem neuen Hafen konnte ich zwar im Wasser bleiben, aber der Punk ging hier nicht so richtig ab. Meine Nachabarn sprachen nur italienisch und mir wurde ziemlich schnell langweilig. Als ob man so mit einem neuen Familienmitglied umgeht! Eigentlich bin ich ja nicht nachtragend, aber unseren ersten Ausflug musste ich den dreien dann doch versauen. Kaum waren wir im offenen Meer, ging mein Motor nicht mehr aus – haha, die Gesichter hättet ihr sehen sollen! Die haben zwar danach ganz schön mit mir geschimpft, dafür kamen sie anschließend aber öfter zu Besuch und haben mich wieder so richtig auf Vordermann gebracht. So ging´s dann die nächsten zwei Jahre weiter und wir haben uns dabei so richtig gut kennen- und schätzen gelernt.

Deshalb waren wir auch bis auf einen Ausflug nach Slowenien nicht so oft zusammen unterwegs und ich hatte mich schon auf einen gemütlichen Lebensabend im Süßwasser eingestellt. Aber im Frühling 2015 musste ich schon wieder umziehen und wurde in den hiesigen Yachtclub verlegt. Hier war vielleicht was los! Endlich mal wieder Landsleute treffen und schnacken. Das war ganz nach meinem Geschmack! Doch schon ein paar Tage später heben die mich wieder aus dem Wasser und stellen mich an Land. Fast vier Wochen haben die an mir rumgebastelt und lauter komisches Zeug in mich eingebaut. Ich habe eine Radarschüssel, einen Plotter und ein SSB-Radio bekommen – geht mir zwar ein bisschen auf die Hüften, sieht aber echt cool aus. Als sie dann auch noch mit einer neuen Rettungsinsel ankamen dämmerte mir, dass hier was ganz Großes läuft!

Zwei Jahre (39)

Meine weibliche Intuition hat mich dann auch nicht getäuscht. Anfang August waren plötzlich ganz schön viele Leute bei mir am Steg, die haben alle geheult wie die Schlosshunde und dann hieß es Leinen los. Wir sind dann erstmal nach Süden gefahren, waren jeden Tag in einem anderen Hafen und ich voll in meinem Element. War zwar zunächst alles nichts Neues für mich, aber ich hatte trotzdem Spaß. Und was ich für Typen getroffen habe, einfach unglaublich. Dann ging´s aber in unbekannte Gewässer. In der Straße von Messina haben wir dann unseren ersten Sturm abgewettert, das haben die aber ganz ordentlich gemacht. Richtig zusammengewachsen sind wir aber auf der Überfahrt nach Sardinien. Man hat´s da in der Nacht gekachelt, aber die drei haben trotz Seekrankheit und schlechtem Wetter gut durch und mich auf Kurs gehalten. Danach hatte ich allerdings kurz der Gefühl, das war´s jetzt! Aber die haben sich nach ein paar Tagen wieder beruhigt und wir sind dann immer weiter nach Westen gesegelt.

An der Südküste Spaniens waren dann aber nach vier Monaten ein paar Kuscheleinheiten fällig. Ich habe ein neues Vor- und Backstag und neue Isolatoren bekommen. Mein Motor wurde überholt und die Navigatioselektronik verbessert. Drei Wochen haben mich die drei nach Strich und Faden verwöhnt. Ich hab´s aber auch echt verdient – finde ich jedenfalls! Anschließend segeln wir nach Gibraltar. Diese verrückten Hühner wollen doch wohl nicht in den Atalntik, oder? Aber genau so war´s dann! Obwohl ich drei Anläufe gebraucht habe die Straße von Gibraltar in meinem Kielwasser zu lassen, haben wir schließlich den Atlantik erreicht. So viel Wasser habe ich noch nie gesehen, mein Gott ist der riesig und so herrlich erfrischend. Hier habe ich mich sofort wohl gefühlt. Bis auf die kanarischen Inseln hat mir dann die Blam III Gesellschaft geleistet. Die Süße war sogar nur 8,50 Meter lang, da bin ich mir richtig GROß vorgekommen, was für ein herrliches Gefühl.

In Las Palmas war dann aber erstmal für sechs Monate Schluss. Irgendwie war das Wetter kaputt und deshalb mussten wir auf den Herbst warten. Mittlerweile war mir auch klar, dass die mit mir über den Atlantik in die Karibik wollen. Anfangs war mir ja etwas mulmig bei dem Gedanken, aber die drei werden schon wissen was sie tun. Dafür habe ich hier die Samantha, meine neue beste Freundin kennengelernt. Wir hatten wirklich viel Spaß in Gran Canaria. Aber irgendwann trennen sich die Wege eben wieder. Ich bin mir aber sicher, ich werde die Dicke (4,25 m breit!!!) nochmal wiedersehen. Wir sind dann nach Teneriffa und die haben wieder wie wild an mir rumgemacht. Mein Hintern hat ein Komplettlifting bekommen. Die alte, hässliche Davit kam runter und eine sehr elegante Windsteueranlage und zwei Badeplattformen wurden angebaut. Untenrum haben die mich auch frisch gemacht und mir einen neuen Unterwasseranstrich verpasst. Ich bin jetzt eine richtige Hochseeyacht und kein Küstenhüpfer mehr. Alles klar, wegen mir kann es dann losgehen.

Ende November war es dann auch so weit! Vorher haben die noch Unmengen Proviant in mir verstaut. Als ich den riesigen Haufen Essen gesehen habe, dachte ich zuerst, das klappt doch nie. Aber irgendwie haben die doch alles untergebracht. Allerdings fühlte ich mich danach etwas beleibt und hing ganz schön tief im Wasser. Schon Tage vor dem Start war ich total aufgeregt. Weil wir bei einer Regatta teilnahmen, wollte ich natürlich nichts falsch machen und war voll bei der Sache. Aber noch vor dem Start war´s vorbei, beim Segel setzen macht es Ratsch und ich habe einen Riss im Großsegel, ach nee – was für eine Scheiße! Natürlich waren wir zunächst alle total fertig und enttäuscht. Aber egal, zwei Tage später sind wir dann doch aufgebrochen und eine Woche später auf den Kapverdischen Inseln angekommen. Hier wurde mein Großsegel geflickt und nach ein paar Tagen waren wir wieder unterwegs. Nächstes Ziel Bridgetown, Barbados! Man, man, man, das war vielleicht ein Törn!

Zwei Jahre (77)

Zuerst hatten wir ganz easy Bedingungen mit niedirgen Wellen und schönen Tradewinds. Nach einer Woche ging´s dann aber echt zur Sache. Eine Woche Schwerwetter. Ich hatte ganz schön zu kämpfen. So hohe Wellen habe ich noch nie gesehen und da waren auch noch Squalls mit Regen und Sturmböen und, und …. der reine Wahnsinn! Aber der Förthmann, die neue Windsteueranlage, hat mich souverän durch alle Unwetter gebracht und die drei waren auch total cool und haben mir die ganze Zeit vertraut. Vielen Dank! In Barbados waren wir dann natürlich alle unheimlich stolz auf uns und haben erstmal richtig gefeiert. Die nächsten vier Monate waren wir dann in der Karibik unterwegs. Obwohl das Wasser sehr angenehm temperiert ist, hatten wir doch mehr erwartet. Überflüssigerweise wurde ich auch noch Opfer eines Überfalls! Zuerst haben die Barbaren versucht mein Türschloss aufzubrechen und sind anschließend über eine Decksluke eingedrungen. Zum Glück wurden keine lebenswichtigen Systeme zerstört, aber wenn die nochmal kommen, dann … Anschließend waren alle froh, als wir auf den niederländischen Antillen ankamen. Unglaublich, wie viele verschiedene Fische es hier gibt und es kitzelt immer so herrlich, wenn sie an meinem Rumpf herumknabbern! Mittlerweile sind wir in Kolumbien angekommen und ich werde schon wieder verschönert – Jaaaah. Hier habe ich auch meine liebe Freundin Samantha nach acht Monaten wiedergetroffen – das war vielleicht eine Wiedersehensfreude!

Ach Kinder, wie die Zeit vergeht. Mittlerweile bin ich schon seit zwei Jahren unterwegs und es gefällt mir immer noch ziemlich gut. Ich glaube die drei wollen mit mir noch in den Pazifik, aber mir soll´s recht sein. Schließlich werde ich gut behandelt und ein Langzeittörn ist ja artgerechte Segelboot-Haltung. Ich genieße auf alle Fälle die Zeit mit den dreien und freue mich auf den nächsten Ozean und viele neue Abenteuer. Außerdem soll der Pazifik ja eher ein ruhiger Typ sein – also ganz mein Ding. Liebe Oma Inge keine Angst, ich bring dir die drei schon wieder heil nach Hause. In diesem Sinne …

Fair winds und bis bald

Eure Auriga

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Endlich eine Arbeit …

Seit wir in Santa Marta auf Reede liegen ist einiges passiert. Wir waren in Medellin, Bogota, Panama und haben den Kanal durchquert aber manchmal passiert einfach nichts! Auch nicht schlecht, mag der eine oder andere denken, aber mich macht das irgendwie unruhig. Die Hitze und unsere Hafenroutine – Frühstück, Schule, Mittagessen, Schule, Sundowner, Abendessen … zerren langsam an meinen Nerven. Ich spüre immer wieder dieses unlustvolle, unangenehme Gefühl, eine Mischung aus erzwungenem Nichtstun und monotonem Alltag, in mir aufkommen – die anonyme Langeweile! Ganz langsam nähert sie sich von hinten, lauert manchmal hinter jeder Ecke, um dann zuzuschlagen. Miststück! Andererseits behaupten einige Leute, dass sich Langeweile inmitten der totalen Spaßgesellschaft manchmal als intelligente Antwort auf ein überbordendes Angebot aus Dekadenz und Völlerei entwickelt – auch ein interessanter Standpunkt! Ich kann mich allerdings nicht erinnern, dass in den 85 Büchern über Weltumsegelungen, die ich gelesen habe, irgendjemand von Langeweile geschrieben hat. Alle wirken immer irgendwie furchtbar busy, ständig passieren furchtbar aufregende Dinge – das Klo ist verstopft oder die Gasflasche leer – und die Lösungen der Probleme sind immer wahnsinnig anspruchsvoll (Spülen/Auffüllen!?) und einen täglichen Blogbericht wert. Es ist teilweise unglaublich, welche Banalitäten thematisiert werden, vielleicht bin ich ja kaputt, aber mir ist trotzdem langweilig!

Refit (1)

Allerdings bin ich nicht der Einzige, der mit diesem temporären Phänomen zu kämpfen hat. Beim Sundowner finde ich in Ken ich einen Leidenskollegen. Er ist mit seiner Frau vor zwei Jahren in Thailand gestartet und teilt meine Gefühle. Geteiltes Leid ist halt eben doch nur noch halbes Leid. Aber was tun? Ich könnte natürlich mein Englisch verbessern und Vokabeln pauken, oder – ganz verrückt – spanisch lernen, aber ich bin einfach zu träge. Der tägliche Mathematikunterricht mit Felix ist schon anstrengend genug, vor allem, weil das Kind manchmal so rechenunwillig ist. Bevor mich endgültig der Reiseblues erwischt, muss also unsere arme Auriga dran glauben. Ich habe mich für ein gepflegtes „klar Schiff machen“ entschieden. Als erstes wird das Deck gesäubert. Nachdem wir ungefähr ein halbes Kilo Kohlestaub vom nahegelegenen Verladehafen abgespült haben, geht es mit der Handbürste weiter. Einen ganzen Vormittag wird geputzt und geschrubbt bis die Außentemperaturen 35°C erreicht haben, dann ist Schluss und der innere Schweinehund gewinnt wieder die Oberhand, aber der Anfang ist gemacht!

Refit (3)

Als nächstes geht es dem allgegenwärtigem Flugrost an den Kragen. „Als Flugrost bezeichnet man nach DIN 50 900, Teil 1 eine beginnende Korrosion von Eisen oder Stahl. Die Flugrost geht zurück auf feine Eisenstäube, die an der Luft rosten und sich auf Gegenständen niederschlagen. Sie entstehen beispielsweise am Bremssystem alter Eisenbahnen. Metallteile in der Umgebung der Staubquelle sehen verrostet aus, obwohl nur die Oberfläche von Roststaub bedeckt ist“. Aus Herbert Beneke: Lexikon der Korrosion und des Korrosionsschutzes. Vulkan-Verlag, Vulkan-Verlag einfach unglaublich! Zur Rostbeseitigung genügt angeblich ein einfaches Abwischen des Staubes. Lieber Herr Beneke, das glauben Sie doch selbst nicht, oder? Ohne eine gehörige Portion „Rost Remover“ und kräftigem Schrubben geht nämlich gar nix! In einem viertägigen Putzmarathon werden Reeling, Wanten, Beschläge, Geräteträger, Badeplattform, Zierleisten und andere Edelmetallteile an unserem Boot gereinigt und poliert, bis sie sich dem Blitzen in der Sonne nicht mehr verweigern können. Die körperliche Arbeit weckt alte Lebensgeister, tut mir gut und die Langeweile hat sich die letzten Tage auch nicht blicken lassen!

Kol1 (38)

Jetzt ist das Cockpit fällig. Die Holzauflage auf unseren Sitzbänken beginnt schon langsam zu modern und auseinanderzufallen – also weg damit. Allerdings sieht unser Cockpit jetzt ziemlich öde aus. Sollen wir doch zum äußersten greifen und es komplett renovieren? Die Frage beschäftigt mich mehrere Tage. Argumente werden abgewogen, wir diskutieren mögliche Lösungen, leider ist alles mit viel Arbeit verbunden – puh. Um den Kopf frei zu bekommen machen wir einen kurzen Ausflug und besuchen Simon Bolivars Sterbeort in Santa Marta! Wer sich in Südamerika aufhält kann ihm einfach nicht entkommen – Simon Bolivar. In keiner noch so kleinen Stadt, wo nicht eine Straße, ein Platz, eine Schule, eine Universität oder ein Flughafen nach ihm benannt oder er irgendwo im Zentrum mit einer Statue verewigt ist. Aber auch international ist er ein beliebter Namensgeber. Der 1911 entdeckte Asteroid 712, eine Zigarrenmarke, ein südamerikanischer Staat, eine Währung sowie ein venezolanischer Verdienstorden wurden nach ihm benannt, die UNESCO verlieh von 1983 bis 2004 den Simón-Bolívar-Preis, die Marine der Vereinigten Staaten nannte ihr 1964 fertiggestellte strategische Atom-U-Boot USS Simon Bolivar. Auch in Deutschland diente er als Namensgeber für Straßen und Plätze. Statuen von ihm können vor dem Ibero-Amerikanischen Institut in Berlin-Tiergarten, in Bonn in einer Anlage an der Friedrich-Ebert-Allee oder auf dem Gelände der Universität Bremen bestaunt werden. Also wer war Simón José Antonio de la Santísima Trinidad Bolívar Palacios y Blanco genannt „El Libertador“? Geboren wurde er am 24.07.1783 in Caracas, Neugranada; gestorben ist er am 17.12.1830 in Santa Marta, Großkolumbien.

Die nun eigentlich folgende zweiseitige Zusammenfassung der südamerikanischen Unabhängigkeitsgeschichte habe ich wieder gelöscht, weil meine Frau beim Lesen eingeschlafen ist. Auf alle Fälle war Simon Bolivar ein südamerikanischer Unabhängigkeitskämpfer und ist Nationalheld mehrerer südamerikanischer und karibischer Länder. Er führte die Unabhängigkeitsbewegung gegen die spanische Kolonialherrschaft in Venezuela, Kolumbien und Ecuador an und griff auch in die Unabhängigkeitsprozesse Perus und Boliviens entscheidend ein. Letzendlich trat er nach einer gescheiterten Konferenz über den Zusammenhalt Großkolumbiens 1830 von allen seinen politischen Ämtern zurück. Bolívar entschloss sich, Exil auf den Karibischen Inseln oder in Europa zu suchen. Bevor er den Kontinent jedoch verlassen konnte, starb er am 17. Dezember 1830 in Santa Marta an einer Mischung aus Malaria, Tuberkulose und Leberzirrhose. Nach seinem Tod zerfiel Großkolumbien in die einzelnen Staaten Ecuador, Venezuela und Kolumbien. Simon Bolivar hielt sich genau elf Tage auf einer Hacienda in Santa Marta auf, bevor dort den Löffel abgab. Das ehemalige Anwesen Quinta de San Pedro Alejandrino beherbergt heute das Bolivar-Museum, den botanischen Garten, ein Ehrenmal des Befreiers sowie eine Kunstausstellung. An einem Freitagvormittag machen wir uns zusammen mit Annie von der SY Little Wing mit dem Taxi auf und erreichen nach 10 Minuten die Quinta de San Pedro Alejandrino. Nach einer kurzen Einweisung können wir uns entscheiden, ob wir das Gelände auf eigene Faust erkunden oder einer kostenlosen Führung beiwohnen wollen.

Wir entschließen uns für die Führung und erfahren von unserem mehr schlecht als recht englisch sprechenden Führer weniger als von den vielen englisch-sprachigen Erklärungstafeln. Das Bolivarmuseum ist das ehemalige Wohnhaus des Befreiers. Wir stehen also auf histroisch bedeutsamen Boden. Links von uns wurde er bekocht, rechts Klo und Badezimmer – aha – Schlaf- und Arbeitszimmer sind ähnlich spannend, dafür aber nach über 150 Jahren hundertprozentig TBC-frei, wenigstens etwas! Wir wandeln ein wenig durch den botanischen Garten, können ein paar Iguanas und tropische Vögel beobachten und erreichen schließlich das angemessen, protzige Ehrenmal Bolivars. Das ist allerdings Klasse. In einer großen Marmorhalle steht eine Skulptur des Freiheitskämpfers. Je nachdem, von welcher Seite man den Libertador betrachtet, sieht man den jungen, engagierten oder alternden Mann – sehr schöne Gesichte, möchte ich auch in meinem Mausoleum mal haben. Danach noch die Ausstellung über zeitgenössische südamerikanische Malerei besucht und schon sind zwei Stunden vorbei! Die anonyme Langweile hat also keine Chance!

Während Annie und Antje zurück zur Marina fahren, suche ich den nahegelegenen Baumarkt auf, mein zweites Zuhause für die nächsten zwei Wochen, was ich allerdings in diesem Augenblick noch nicht richtig realisiere. Ich besorge etwas Schleifpapier und eine Dose weißer Farbe für eine Probebehandlung unseres Cockpits. Zurück auf der Auiga werden die besorgten Utensilien sofort ausprobiert und es sieht echt gut aus – Scheiße, dann wird es wohl doch auf eine Komplettrenovierung rauslaufen! Am nächsten Tag geht es los. Ich bin für die nächste Woche vom Unterricht befreit und lege los. Als erstes wird alles, was möglich ist, abgeschraubt. Fangen wir doch einfach mal mit den Winschen an – Okay. Unglücklicherweise sind keine Schrauben oder ähnliche Befestigungsvorrichtungen zu sehen. Also ab ins Internet und bei Antal nach einem Manual suchen. Gibt es natürlich nicht mehr, weil die Winschen schon zu alt sind. Geht ja schon mal gut los. Also bei Youtube suchen! Nach zwanzig Minuten stoße ich auf ein Wartungsvideo – super. Ach, da muss nur ein Sicherungsring gelöst werden, dass ist ja einfach. Eine halbe Stunde später sind die Winschen abgebaut und so geht es weiter. Allerdings ist es gegen 13 Uhr bereits wieder so heiß, dass an ein Weiterarbeiten nicht zu denken ist, aber ich habe doch einiges geschafft. Die nächsten zwei Tagen geht es fröhlich so weiter, was sich mir nicht sofort ergeben will, wählt den Weg der rohen Gewalt, aber es klappt ganz gut. Da unsere Backskistendeckel angenietet sind, müssen die Nieten durchgebort werden, was zu meiner Überraschung relativ problemlos klappt oder am zunehmenden Verrottungsgrad der Nieten liegen mag. Zum Schluss reiße ich noch das Motorpanel inklusive Einbaurahmen aus dem Cockpit und dann ist es geschafft, Teil 1 der Operation Refit ist abgeschlossen.

Mittlerweile ist es Ende Juni und ich werde als Lehrer wohl noch länger ausfallen. Die gute Nachricht für Felix ist, dass der Matheunterricht erst wieder aufgenommen wird, wenn er das 13. Lebensjahr erreicht hat! Mittlerweile hoch motiviert kann es weiter gehen, aber vorher erstmal ein Kurzbesuch im Baumarkt!. Die zwanzig Blatt 360iger Schleifpapier sind ja auch auf spanisch nicht schwer zu besorgen, aber bei Primer- und Farbspray wird es schon schwieriger. Mehr oder weniger ratlos stehe ich vor dem Regal und lese mir spanische Gebrauchsanweisungen durch! Da sich:“Pintura en aerosol ideal para superficies de madera, metal, paredes, ceramica o plastico que deban restauradas, protegidas y/o decoradas. Acabado parejo y uniforme, de mayor resistencia. Alto cubrimiento, alto rendimiento, con filtro UV para mayor duration y un secamiento ultra rapido“ eigentlich ganz gut anhört und die Worte superficies plastico, restauradas, resistencia und filtro UV vorkommen entscheide ich mich spontan für die „Pintura Multisuperficie, Blanco Mate! Außerdem handelt es auch noch um eine Zwei-Komponentenfarbe, da kann ja nichts mehr schief gehen, oder? Ausgerüstet mit zwei Dosen Primer und sechs Dosen Farbe geht es zurück auf´s Schiff. Die nächsten zwei Tage wird erstmal per Hand geschliffen – ich hasse es schon nach einer Viertelstunde, überall runde Ecken (für unsere sprachanalytisch gebildeten Leser, mein Lieblingsoxymoron), es ist zum Kotzen!. Natürlich reicht das Schleifpapier nicht, war ja klar. Bevor ich wieder in den Baumarkt tigere kann ein zweiter Farbtest ja nicht schaden, schließlich habe ich ja Plastikprimer – oder so – besorgt. Ich öffne die Dose und der Sprühkopf fehlt natürlich, na super. Also kein Farbtest und doch erst in den Baumarkt, ist ja mit dem Taxi nur eine halbe Stunde einfach. Im Baumarkt erst zum Schleifpapier, danach einen Sprühkopf abmontieren und zurück zum Boot. Zu meiner persöhnlichen Motivation wird zunächst der zweite Farbtest durchgeführt – sehr schön und dann der Rest des Cockpits abgeschliffen. Antje hat die eher unglückliche Aufgabe den Einbaurahmen des Motorpanels zu schleifen und die abgebauten Kleinteile zu reinigen, aber das macht sie sehr gut!

Nach einem weiteren Tag hat es sich ausgeschliffen, dreimal gründlich das ganze Cockpit geputzt, zum Schluss alles mit Aceton entfetten und dann kann gesprüht werden. Antje und Felix werden in die klimatisierte Captainslounge der Marina verbannt und ich beginne mit dem Plastikprimer. Natürlich reichen zwei Dosen nicht und so muss ein wenig improvisiert werden. Eine Stunde in der Captainslounge abkühlen und danach die erste Farbschicht auftragen. Eigentlich sollte eine Dose für einen Quadratmeter reichen, aber offensichtlich ist die Oberfläche unseres Cockpits größer. Das größte Problem ist, dass ich bei 33°C Außentemperatur auf den frischen Farbanstrich schwitze und Farbfehler verursache. So eine Scheiße. Ich könnte schon wieder durchdrehen! Nach drei Stunden können wir unsere Auriga wieder betreten. Das erste Ergebnis ist nicht schlecht, aber durchaus verbesserungswürdig. Nach 24 Stunden kann erneut geschliffen werden, aber sicher nicht mehr mit der Hand, abgesehen von den Oxymoronen! Also wieder zum Homecenter, einen Exzenterschleifer und noch mehr Farbe besorgen. Wir finden ein handliches Schleifgerät von Markita, besorgen unterschiedliche Schleifscheiben und kaufen nochmal zwölf Dosen der 2-Komponentenfarbe. Nachdem Schleifen kann ich allerdings wegen zu viel Wind keine neue Farbschicht auftragen und habe nach einer gründlichen Cockpitreinigung eine Zwangspause. Natürlich nutze ich die Zeit für einen Ausflug in den Baumarkt, um mir noch einen vernünftigen Atemschutz zu besorgen, da meine sowieso schon malträtierten Atemwege, was sicher nicht am Rauchen liegen kann, beim ersten Sprühen doch etwas gelitten haben. Antje und Felix werden wieder vom Schiff entsorgt und ich kann mich an die Arbeit machen. Nach zwei Stunden ist die zweite Lackschicht drauf, die Dosen haben geradeso gereicht und es sieht jetzt wirklich gut aus! Jedoch läßt der Gesamteindruck nach dem Schleifen am nächsten Tag etwas nach. Mich packt jetzt der Ergeiz und ich entschließe mich für eine dritte Farbschicht. Am Vormittag geht es mal wieder ins Homecenter, hier erwartet mich allerdings ein schwerwiegendes Problem – ich habe bereits die gesamte 2-Komponentenfarbe in Blanco Mate aufgekauft – Mist. Da hilft woll nur ein anderer Hersteller. Also studiere ich wieder spanische Gebrauchsanweisungen und entscheide mich spontan für den einzigen anderen Hersteller mattweißer Farbe in Dosen.

Vorsichtshalber erstehe ich gleich alle 16 verfügbaren Dosen und ziehe wieder von dannen. Am Sonntag ist relative Windstille angesagt, die Famile wird auf einen Ausflug nach Minca abkommandiert und ich habe freie Hand. Nach der üblichen Vorbereitungs- und Vermumungsaktion geht’s los. In den nächsten drei Stunden verarbeite ich 14 Dosen Farbe, mir läuft bei 33 °C der Schweiß aus den Handschuhen, aber das Ergebnis ist wirklich ansprechend. Ich schälle mich aus meinem Schutzanzug und gehe erstmal duschen. Eine Stunde später ist die Farbe bereits trocken und muss nur noch durchhärten. Ich nutze die Zeit, räume den Müll der letzten zwei Wochen aus dem Schiff und fühle mich großartig. Nachmittags kommt die Familie zurück, das Boot ist inzwischen gut durchgelüftet und wir gehen zur Feier des Tages noch zum Essen. Am nächsten Tag führe ich die finalen Schleifarbeiten durch und genehmige mir dann einen freien Nachmittag.

Refit (22)

Da unsere alte Holzauflage entsorgt wurde, wollen wir die Sitzflächen im Cockpit mit Decksbelag bekleben. Das bedeutet mal wieder Schablonen anfertigen, auf den Decksbelag übertragen, alles ausschneiden, nachbessern und anschließend kann geklebt werden. Glücklicherweise ist der Kleber, den ich im Herbst aus Deutschland mitgebracht habe, noch 6 Wochen haltbar. Nach zwei Tagen ist alles erledigt und das Cockpit macht jetzt einen richtig guten Eindruck. Die nächsten beiden Tage werden alle abmontierten Cockpitteile nochmals gereinigt und danach mit Sikaflex ordentlich eingeklebt oder angenietet und schon ist nach einer 16-tägigen Behandlungszeit das Refit unserer Cockpits abgeschlossen. Fazit – für einen Anfänger sieht es gar nicht schlecht aus und ich habe nur 34 Dosen Farbe verbraucht.

Natürlich haben wir die letzten Wochen nicht nur am Cockpit gearbeit oder Felix unterrichtet, sondern hatten auch reichlich Sozialkontakte. Innerhalb der letzten vier Wochen hat sich eine richtige deutsche Seglergemeinschaft in Santa Marta eingefunden. Zuerst kamen Kiki und Stefan mit der SY Sawadi aus Panama. Eigentlich wollten sie noch bis Curacao weiter, haben sich aber dann entschieden, nicht 300 sm gegen Wind und Strömung zu segeln, sondern ihr Boot in Santa Marta liegen zu lassen, bevor es für ein paar Monate nach Deutschland geht. Da Stefan die letzten sieben Jahre auf den San Blas Inseln verbracht hat, ist er natürlich ein gefragter Gesprächspartner unter den Seglern. Unglücklicherweise hat er seit seiner Ankunft Probleme mit dem temporären Import seines 36 ft Bootes und so tingelt er seit Wochen zwischen Marina Büro, Customs und Port Capitaneria hin und her, ohne dass wirklich etwas passiert. Seine täglichen Berichte sind teilweise wirklich haarstrübend und zum Verzweifeln – armer Tropf. Kurz darauf trifft die SY Mango mit Isabella, Nick und ihren beiden Kindern aus Curacao ein. Die vier Thüringer sind schon fast zwei Jahre unterwegs und wollen ebensfalls bis nach Australien segeln. Vor kurzen sind sie zu den San Blas Inseln aufgebrochen. Ich denke, wir werden sie in der Shelter Bay in Panama wieder treffen und wir freuen uns darauf. Zum Schluss kamen noch Jochen und Sabine von der SY Atanga hier an. Die beidem Glücklichen sind seit 2014 mit offenem Ende unterwegs, sehr beneidenswert. So viele deutschsprachige Segler haben wir seit den kanarischen Inseln nicht mehr getroffen. Wir genießen es, bei den täglichen Sundownertreffen mal wieder richtig deutsch sprechen zu können. Da fehlt eigentlich nur noch die SY Samantha mit Alex und Birger und die sind vor einer Woche in Martinique gestartet und sollten in den nächsten Tagen hier eintreffen – wir freuen uns riesig. Leider haben die beiden es nicht mehr zu Felix Geburtstag geschafft. Ja, ja, unser Kleiner wird schon wieder ein Jahr älter und darf sich jetzt offizell als Teenager fühlen. Lieber Felix, wird sind wirklich sehr stolz auf Dich und hoffen, dass du die nächsten 18 Monate bis Australien noch durchhältst mit deinen beiden Alten.

Fair winds und bis bald,

eure Heimwerker und das Geburtstagskind von der Auriga