Oh, wie schön ist Panama!

Am Sonntagmorgen geht es endlich wieder los – Panama wir kommen. Diesmal wird es aber kein gewöhnlicher Ausflug, sondern wir haben eine Mission. Wie vor sieben Wochen versprochen, helfen wir Matthias und Regina von der SY Jasina bei der Passage des Panamakanals. Wir haben einen Gabelflug nach Panama City gebucht, weil der ca. 200 Euro pro Nase billiger ist als ein Direktflug von Santa Marta aus. Zwischenstopp ist in Medellin, wir kommen gegen Mittag an und haben erst einmal sechs Stunden Aufenthalt. Da die Stadt fast 40 Kilometer entfernt ist, rentiert sich ein Ausflug nach Medellin leider nicht wirklich und so erkunden wir die Umgebung des Flughafens ein wenig, gehen Essen und können um kurz vor 20 Uhr nach Panama City abheben. Bevor wir einchecken können, müssen wir allerdings nachweisen, dass wir auch einen Rückflug von Panama nach Kolumbien haben. Obwohl wir mit Viva Colombia hin- und zurückfliegen, will die Tante am Schalter unsere Buchungsbestätigung sehen. Mit den letzten paar Prozent Strom rufe ich den Schrieb auf dem Tablet auf, zeige ihn der Dame und bekomme dafür eine von ihr flugs ausgedruckte Buchungsbestätigung ausgehändigt!? Okay, damit sind wir für die Einreise nach Panama gerüstet. Im Duty Free Shop erstehe ich noch eine Stange Zigaretten. Die sind allerdings 1000 Pesos pro Schachtel teurer als in jedem kolumbianischen Supermarkt – sind wahrscheinlich die einzigen Zigaretten in Kolumbien, auf die Steuern bezahlt werden müssen, sehr seltsam!

Kanal (71)

Mit einer halben Stunde Verspätung erreichen wir den Flughafen Panama Pacifico International nahe Panama City. Während des Flugs haben wir die üblichen Formulare für Customs und Immigration ausgefüllt und hoffen, möglichst zügig einreisen zu können, weil unser Hotel für die Nacht nochmals eine halbe Stunde entfernt liegt. Am Boden angekommen erwartet uns allerdings erst einmal ein Klimaschock. Bei gefühlten 30°C Außentemperatur und ungefähr 780% Luftfeuchtigkeit finden wir uns in einer Waschküche wieder – pfui! Wir stehen binnen weniger Minuten im eigenen Saft. Als wir den Immigrationbereich erreichen, dürfen wir uns in eine 50 Meter lange Schlange einreihen. Nach einer Dreiviertelstunde sind wir endlich dran. Die ausgefüllten Einreisepapiere und unsere Rückflugbescheinigung interessieren natürlich keinen, dafür wird jeder von uns fotografiert und unsere Fingerabdrücke werden elektronisch erfasst – da verwette ich doch meinen Kopf, dass unsere schönen biometrischen Daten auf direktem Weg in alle Datenbanken der Vereinigten Staaten wandern, schöne neue Welt! Nach einer Stunde sind dann endlich alle Formalitäten erledigt. Vor dem Flughafen warten natürlich jede Menge Taxis, wir suchen uns ein Auto mit Klimaanlage, handeln einen vernünftigen Fahrpreis aus und steuern in der Nacht unsere Bleibe, das Radisson Summit Hotel, an. Da Edmundo ganz gut englisch spricht, vereinbaren wir mit ihm, dass er uns am nächsten Morgen im Hotel abholen und danach in die Shelter Bay Marina nahe Colon bringen soll. Damit ist die Weiterreise zur SY Jasina auch schon organisiert. Glücklicherweise kommen wir noch rechtzeitig im Hotel an, das Restaurant hat noch genau fünf Minuten auf. Nach einem anstrengenden Tag fallen wir nach Salat und Clubsandwich todmüde in die herrlich großen, aber bedingt durch die hohe Luftfeuchtigkeit sehr klammen Kingsize-Betten …

 

Am nächsten Tag erwachen wir im Dschungel. Rundum das Hotel und den dazugehörigen Golfplatz befindet sich ein Naturschutzgebiet. Soweit das Auge reicht blicken wir auf undurchdringlichen Regenwald in den schönsten Grüntönen, die ich jemals gesehen habe. Untermalt wird die Szenerie durch ein morgendliches Vogelkonzert erster Güte – das ganze Spektakel ist einfach unbeschreiblich! Nach diesem sensationellen Auftakt geht es erstmal zum Frühstücken und Edmundo ist auch schon da! Offensichtlich hatte er Bedenken, wir könnten mit jemand anderen nach Colon fahren. Das Frühstücksbuffet ist ansprechend – vor allem der Milchreis mit Mandelmilch – danach schnell zusammenpacken und schon geht es weiter in die Shelter Bay Marina. Zunächst führt die Straße ca. 10 km durch den Regenwald des Naturschutzgebietes. Am liebsten würde ich alle 100 Meter anhalten und mir mit der Machete ganz Indianer Jones like einen Weg durch den Dschungel bahnen und ihn erkunden, geht aber leider nicht. Also weiter und über die Autobahn Richtung Colon. Da sich die Shelter Bay auf der anderen Seite des Kanals befindet, setzen wir mit der Fähre über. Die neue Brücke über den Kanal wird wohl erst 2018 fertiggestellt sein. Wir können allerdings schon jetzt die riesigen Pylone der zukünftigen Schrägseilbrücke bewundern. Nach drei Stunden ist es dann geschafft, wir finden uns am Rand des Dschungels im Nirgendwo wieder!

 

Das Wiedersehn mit Matthias und Regina ist sehr herzlich. Nach einer kurzen Marinaführung gehen wir zum Essen und tauschen die letzten Neuigkeiten aus. Bereits am nächsten Tag soll es durch den Panamakanal nach Panama City gehen. Trotz aller Wiedersehensfreude wirken die beiden ziemlich gestresst, da offensichtlich noch nicht alle Vorbereitungen für die Kanalpassage abgeschlossen sind. Also entschließen Antje, Felix und ich uns zu einem kleinen Spaziergang durch den angrenzenden Dschungel. Begleitet vom echt angsteinflößenden Geschrei der hiesigen Brüllaffen schleichen wir durch den Regelwald. Überall wuselt tropisches Getier durch den Wald. Wir können viele leider nur hören, entdecken aber Blattschneideameisen, vielfältige Schmetterlinge und können in den Palmenkronen sogar Gelbschulterkapuzineräffchen beobachten. Echt cool und viel besser als im Zoo! Der absolute Höhepunkt sind allerdings armdicke, baumhohe Bambusstangen! Da uns ein zusätzlicher Baum zur Stabilisierung des Vorsegels fehlt, suche ich schon lange nach einer kostengünstigen Alternative und jetzt stehe ich direkt davor – sensationell. Wenn wir im Herbst wieder in der Shelter Bay sind, werden wohl zwei oder drei der acht bis zehn Meter langen Stängel dran glauben müssen.

 

Als wir zuückkommen werden wir schon von Matthias erwartet. Er hat während unserer Abwesenheit einen kurzen Ausflug für uns organisert. Joachim, ein befreundeter deutscher Segler und Ingenieur der neuen Kanalbrücke, bringt uns mit seinem Auto zum nahe gelegenen Nationalpark, wo wir das Fort Morgan besuchen wollen. Die kurvenreiche Straße führt uns heute zum zweiten Mal durch den Dschungel. Ziel ist ein Hochplateau mit Blick über die Mündung des Rio Chagres in den Atlantik. Über diesen Fluss wird der Wasserspiegel des zum Panamakanal gehörigen Gatunsees reguliert. Wird bei Hochwasser über eine Schleuse Wasser abgelassen, kann sich schon mal eine acht Meter hohe Welle ihren Weg in den Atlantik bahnen. Kurz vor Erreichen des Forts versperrt allerdings ein umgefallener Baum die Straße und wir legen den Rest des Weges zu Fuß zurück. Während des kurzen Fußmarsches können wir einige Adler und Geier beobachten. Oben angekommen erwartet uns ein herrlicher Ausblick über die Flussmündung. Das Fort diente im 16. Jahrhundert dem walisischen Freibeuter Henry Morgan als Stützpunkt für sein räuberisches Treiben, u.a. wurde er berühmt, weil er das damalige Panama City über den Landweg plünderte und fast völlig zerstörte. Wir besichtigen die Reste des Forts und lassen uns von Joachim allerlei interessante Hintergrundinformationen geben. Anschließend gibt es noch ein Bierchen und eine Besichtigung seines Segelbootes.

 

Als wir wieder zurück auf der SY Jasina sind, haben Matthias und Regina ihre Hausaufgaben erledigt und wir können guten Gewissens an Bord kommen. Obwohl wir zu fünft auf dem 10 Meter Boot übernachten, können alle dank Klimaanlage gut und erholsam schlafen. Nach dem Frühstück werden wir nochmal von Matthias für die Kanalpassage gebrieft, die Aufgaben werden verteilt und die von der Kanalbehörde gelieferten acht Autoreifen an der Reling platziert. Um 13:30 Uhr legen wir ab und steuern den Treffpunkt mit unserem Lotsen (Advisor) in der Bucht von Colon an. Hier melden wir uns via UKW bei der Kanalbehörde und erfahren, dass unser Advisor gegen 15:45 Uhr an Bord kommen soll. Bis zu seiner Ankunft treiben wir ein wenig gelangweilt in der riesigen Bucht herum. In Blickweite befinden sich mehrere Tanker und Containerschiffe der Panamaxklasse. Diese riesigen Schiffe werden so konstruiert, dass sie gerade eben noch den Kanal passieren können und bilden eine eigene Schiffsklasse.

 

Endlich ist es 15:45 Uhr, allerdings ist noch kein Lotse in Sicht. Die bereits angspannten Nerven der beiden Hamburger werden noch eine weitere Stunde strapaziert, bis unser Advisor mit einer Stunde Verspätung endlich an Bord kommt. Nach einer kurzen Vorstellung und Erklärung des Ablaufes geht es auch schon los in Richtung erster Gatún-Schleuse. Macelin, unser Lotse, wird mit Cola und Hamburgern versorgt, da die Bereitstellung einer warmen Mahlzeit für den Lotsen während der Kanalpassage im Transitvertrag vorgeschrieben ist! Der Panama-Kanal ist einschließlich der Zufahrtswege ca. 40 Seemeilen lang. Er verläuft zwischen den Städten Colón an der Atlantik- und Balboa, einem Vorort von Panama-Stadt an der Pazifikküste. Vor dem Bau des Kanals führte die kürzeste Seeverbindung von der Ostküste zur Westküste Nordamerikas durch die Magellanstraße um Südamerika herum. Die Einsparung von 15.000 Kilometern (8.100 Seemeilen) entspricht bei einer Schiffsgeschwindigkeit von 15 Knoten einer Verkürzung der Reisezeit um rund drei Wochen. Bei unserer Durchschnittsgeschwindigkeit von fünf Knoten bedeutet das eine Zeitersparnis von gut neun bis zehn Wochen! Nach zwei Seemeilen erreichen wir die erste der insgesamt drei Gatún-Schleusen. Die Baltic Mercury, ein mittelgroßes Frachtschiff, ist bereits in die Schleuse eingefahren. Wir werden zusammen mit einem Fischerboot und einem norwegischen Katamaran zu einem soliden Päckchen verschnürt und hinter dem Frachter geparkt. Neben uns ragen die Wände der gigantischen Schleusenkammern elf Meter nach oben. Jedes Schleusenbecken hat eine Länge von 327 Metern und eine Breite von 33,5 Metern, da kommen wir uns noch ein bisschen kleiner vor als sonst. Da unser Schiffspäckchen nur auf einer Schleusenseite mit Seilen gesichert wird, haben wir als Linehandler praktisch nichts zu tun und können das anschließende Schauspiel in Ruhe genießen.

 

Nachdem alles gesichert ist, beginnen sich sich die riesigen Tore zu schließen und das Wasser kann einlaufen. Innerhalb weniger Minuten steigt der Wasserspiegel um über 8 Meter und wir befinden uns auf Höhe der Schleusenkanten – unglaublich. Danach werden die vorderen Tore geöffnet und die Baltic Mercury wird von vier Lokomotiven in die zweite Schleuse gezogen. Anschließend fährt unser Päckchen hinterher. Alle drei Boote setzen ihre Maschinen ein, um in der starken Strömung nicht aus dem Ruder zu laufen, schließlich wäre eine Kollison mit der Schleusenmauer für uns trotz reichlicher Befenderung fatal. Aber unsere Advisor hat die Situation im Griff, gibt ruhig und gezielt Anweisungen und wir erreichen sicher die nächste Schleusenkammer. Hier wiederholt sich das ganze Schauspiel erneut. Mittels der drei Gatún-Schleusen werden die Schiffe insgesamt auf 26 Meter über dem Meerespiegel angehoben und auf das Niveau des dahinterliegenden Gatún-Sees geschleust. Nach zwei Stunden öffnen sich die Tore der letzten Schleusenkammer und der erste Teil ist ohne Schäden überstanden.

 

Wir werden zu einer riesigen Boje im See gelotst, machen in der beginnenden Dämmerung fest, verabschieden uns von Macleen und lassen den ereignisreichen Tag bei einem verspäteten Sundowner ausklingen. Nach ein, zwei Sunden fällt auch bei Matthias und Regina die Anspannung langsam etwas ab! Obwohl wir ruhig liegen, haben Antje, Felix und ich eine unruhige Nacht, da es furchtbar heiß im Boot ist. Fünf Menschen heizen eben doch mehr als nur zwei. Mitten in der Nacht verholen sich meine Frau und ich ins Cockpit und können bei halbwegs erträglichen Temperaturen noch ein wenig schlafen, bevor um 05:30 Uhr die Dämmerung beginnt.

 

Nach einem schnellen Kaffee, wird um 07:30 der Lotse für die nächste Etappe angeliefert. Nach einer kurzen Begrüßung heißt es keine Zeit verlieren und wir legen fünf Minuten später ab. Der norwegische Katamaran vom Vortag, mit dem wir heute wieder schleusen sollen, ist ebenfalls schon auf dem Weg. Bis zu den Pazifikschleusen müssen ca. 30 sm zurückgelegt werden. Bei herrlichem Sonnenschein durchqueren wir den Gatunsee. Links und rechts von uns befindet sich weitgehend unberührter Regenwald. Außer einigen Adlern bekommen wir leider keine anderen Dschungelbewohner zu sehen, dabei hatte ich gehofft, eines der berüchtigten Kanal-Krokodille zu sichten. Nach knapp zwei Stunden erreichen wir die Ortschaft Gambo. Dort beginnt der rund sieben Seemeilen lange Culebra Cut oder Culebra-Durchstich durch die Berge der kontinentalen Wasserscheide. Kurz vor dem Ende des Culebra-Durchstichs überquert die Puente Centenario (Jahrhundertbrücke), eine sechsspurige Schrägseilbrücke, den Kanal in 80 Metern Höhe.

Der Seeweg endet an der Pedro-Miguel-Schleuse, die den Abstieg zum Pazifik einleitet. Obwohl wir mit 6,5 Knoten über die Wasserstraße düsen, werden wir vom norwegischen Katamaran schnell abgehängt. Unser Advisor, der bis dahin noch keinen Kontakt zu seinem Kollegen auf dem Katamaran aufgenommen hat, gibt drei Seemeilen vor der Schleuse die Anweisung langsamer zu fahren, weil die Norweger angeblich bereits in der Schleuse seien und wir auf ein anderes Segelboot warten müssen. Wir sind über diese Information ein bisschen verwirrt, da sich der Katamaran laut unserem AIS noch eine Seemeile vor der Pedro-Miguel-Schleuse befindet. Offensichtlich haben wir diesmal nicht den kompetentesten Lotsen zugeteilt bekommen. Plötzlich sollen wir wieder Gas geben und kommen mit nur leichter Verspätung an der Schleuse an. Anders als bei den Atlantikschleusen, müssen hier zuerst die Kleinboote und danach die dicken Pötte in die Kammern. Aber irgendwie ist heute sowieso alles anders als gestern. Beim Vertäuen mit dem Katamaran kommt es zum nächsten Missverständnis mit den Lotsen, aber schließlich sind alle zufrieden und es kann losgehen.

Wir fahren gemeinsam langsam in die Pedro-Miguel-Schleuse ein. Von der Seite kommen die berühmten Affenfäuste angeflogen. An diesen dünnen Leinen werden unsere dicken 30 Meter langen Halteleinen befestigt, hochgezogen und anschließend über die Poler der Schleusenmauer geworfen. Mit den vier Leinen können wir unser Päckchen in der Mitte der Schleuse halten. Anschließend wird die Maersk Interoi, ein Containerschiff, von den Lokomotiven in die Schleuse gezogen und fixiert. Langsam wird das Wasser aus der Schleusenkammer abgelassen, wir lassen gleichmäßig die Leinen nach und werden um acht Meter abgesenkt. Die Schleusentore öffenen sich und im Päckchen motoren wir zu den zwei Seemeilen entfernten beiden Miraflores-Schleusen. Offensichtlich hat es der Kapitän des Katamarans eilig und düst mit uns an seiner Seite mit fünf bis sechs Knoten und ächzenden Leinen zu den nächsten Schleusen. Matthias Laune geht während dieser Aktion deutlich gegen Null. Muss ja schließlich auch nicht sein, oder? In den Miraflores-Schleusen wiederholt sich das ganze Prozedere noch zweimal. Allerdings befindet sich hier ein großes Besucherzentrum und wir werden wie die Affen im Zoo bestaunt. Und dann öffnet sich das letzte Schleusentor, die Kanalarbeiter winken uns zu und wir haben es geschafft – vor uns liegt der Pazifik! Erleichterung macht sich auf dem Boot breit, alles gut gegangen und nichts passiert.

Wir motoren noch mit dem Katamaran aus dem Fahrwasser und wollen die Boote voneinander lösen. Allerdings gibt es wieder Unstimmigkeiten mit dem Lotsen, als wir dann auch noch Gefahr laufen mit unserem Geräteträger den Windgenerator des Katamarans zu touchieren, eskaliert die Situation endgültig, aber zum Glück geht alles gut und wir tuckern gemütlich an den Hafenanlagen Balboas vorbei und unter der Puente de las Américas hindurch in den Golf von Panama. Die Amerikabrücke verläuft 61,3 m über dem Meeresspiegel, weshalb die Höhe der durchfahrenden Schiffe auf maximal 57,91m über der Wasserlinie begrenzt ist. Direkt dahinter befindet sich unser Ziel – der Balboa Jachtclub. Auf dem Weg dahin müssen wir nur noch unseren Lotsen loswerden. Nach mehrfachem Fragen lässt sich dieser endlich den Treffpunkt mit dem Lotsenschiff aus der Nase ziehen und wir sind glücklich, als er wenig später das Boot verlässt. Man kann mit den Lotsen halt Glück oder auch Pech haben, aber was soll´s, es ist geschafft. Kurz darauf erreichen wir den Jachtclub Balboa, machen an einer Mooringboje fest und lassen uns ein kühles Bier schmecken. Eine halbe Stunde später beginnt es zu regnen, da sind wir ja gerade noch rechtzeitig angekommen!

Unsere erste Nacht auf dem stillen Ozean ist allerdings ziemlich unruhig, da das Boot im Schwell der vorbeifahrenden Schiffe ganz schön durchgeschaukelt wird. Trotzdem können alle gut schlafen und nach einem langen Frühstück verlassen wir Matthias, Regina und die Jasina und ziehen nach drei Tagen in unser Hotel in Panama City um. Vielen Dank für die herzliche Aufnahme und die gute Bewirtung. Wir haben viel gelernt! Trotz der räumlichen Enge haben wir uns gut verstanden und die gemeinsamen Erlebnisse werden uns sicher lange in Erinnerung bleiben. Wir genehmigen uns noch eine Tasse Kaffee im Jactclub, WLANen ein bisschen und lassen uns danach ins Hotel fahren. Die Fahrt führt durch dreckige und heruntergekommene Viertel. Der Putz bröckelt von den Wänden, Moos- und Schimmelbewuchs wohin das Auge blickt, überall liegt Müll und Dreck herum – nicht sehr einladend! So habe ich mir Süd- bzw. Mittelamerika eigentlich immer vorgestellt. Unser Hotel ist einigermaßen in Schuss. Schnell einchecken, kurze Zimmer- und Hotelbesichtigung – nicht schlecht. Vor allem vom Dach des Hotels hat man einen herrlichen Ausblick über die Altstadt einerseits und über die Skyline des Bankenviertels mit ihren unzähligen Hochhäusern auf der anderen Seite.

Kanal1 (12)

Der Capitän will unbedingt mal wieder zum Inder und so lassen wir uns im Taxi in die Calle 51 kutschieren. Allerdings sieht das Lokal nicht besonders einladend aus, also latschen wir bis zur nächsten Kreuzung zurück und entdecken das „Os Secreto de Carne“ – ein brasilianisches Asado -jah! Wir sitzen kaum am Tisch schon kommt der erste Kellner mit einem Fleischspieß vorbei und schneidet uns eine Scheibe lecker duftendes Rumpsteak ab. Bevor wir uns versehen quellen unsere Teller von gegrilltem Hühnchen, Hühnerherzen, Rinderfilet und Spareribs über. Nach den anstrengenden letzten Tagen schlagen wir uns hemmungslos die Bäuche voll und genießen das Schlachtfest in vollen Zügen. Allerdings sind wir danach so voll, dass wir den restlichen Tag nur noch faul in unserem Hotelzimmer herumhängen können und bis zum nächsten Morgen mit Verdauen beschäftigt sind – aber es war wirklich ausgesprochen lecker!

Gut erholt wollen wir am nächsten Tag Panama City erkunden. Unser erstes Ziel ist der „Mercado de Marisco“ der Fischmarkt. Bei Sonnenschein und der allgegenwärtigen drückenden Schwüle machen wir uns auf. Allerdings wird die Markthalle gerade renoviert und der davor arrangierte Containermarkt ist siffig und wenig einladend. Schließlich erfahren wir, dass der eigentliche Fischmarkt während der Renovierungsarbeiten ein paar Ecken weiter gezogen ist. Kurze Zeit später befinden wir uns in einer deutlich appetitlicherern Markthalle. Hier werden vor allem Meeresfrüchte angeboten. Die Preise können sich wirklich sehen lassen. Langustenschwänze (ohne Kopf) werden für 6 USD das Pfund angeboten und sehen auch noch sehr gut aus. Leider haben wir in unserem Hotel keine Möglichkeit zum Kochen, sonst hätte uns sicher die eine oder andere Languste in die Innenstadt begleitet. Wir latschen durch ein heruntergekommenes Chinesenviertel und erreichen die Altstadt. Von einem zum anderen Straßenzug ändert sich plötzlich die Umgebung. Überall schön renovierte spanische Kolonialarchitektur, die Wege sind gepflastert und sauber, hin und wieder mal ein verlassenes Haus. Hier macht das Flanieren wieder Spaß! Wir wollen die Kathedrale besichtigen, die wird allerdings auch renoviert, also geht es ins Kanalmuseum. Die Ausstellung zur Entstehung des Panamakanals ist sehr ausführlich und natürlich werden die 25.000 Menschen, die während seiner Erbauung gestorben sind, nur mit einer Randnotiz erwähnt. Insgesamt ganz gut, aber nicht atemberaubend – größtes Highlight ist die Klimaanlage. Danach schlendern wir weiter durch die Altstadt, die vor ein paar Jahren zum UNESCO-Weltkulturerbe erhoben wurde. Selbstverständlich besuchen wir auch einen der vielen Hutläden und erstehen für den Kapitän einen orginal in Ecuador gefertigten Panamahut, einen schönen Sonnenhut für Antje und schon neigt sich der Tag wieder dem Ende zu.

Tagsdarauf wollen wir die größte Shoppingmall Amerikas besuchen. In der Albrook Mall erwarten uns insgesamt 700 Shops. Wir brauchen fast einen ganzen Tag um einmal durch das Einkaufsparadies zu laufen. Ich kann mir gar nicht vorstellen, wer so viele Schuhe und Klamotten kaufen soll. Trotzdem sind alle Läden besetzt und kaum leerstehende Shops zu sehen. Vor allem Elektronik ist relativ günstig und so erstehen wir für Antje ein neues Tablet. Abwohl wir die Funktionalität im Laden überprüft haben, stürzt es später im Hotel komplett ab und lässt sich weder laden noch anschalten. Damit haben wir wenigstens für den nächsten Tag eine Aufgabe, weil uns langsam die Sehenswürdigkeiten ausgehen und der Höhepunkt der Stadt nun mal einfach der Panamakanal ist. Stadtrundfahrten werden zwar angeboten, aber bei Preisen von 120 USD aufwärts haben wir keine Lust. Da uns die hohe Luftfeuchtigkeit immer noch zu schaffen macht, vertrödeln wir viel Zeit im Hotel und hängen ein bisschen herum. Eigentlich hätten auch zwei Tage in Panama City genügt. Am Sonntag gehen wir noch mal im Stadtzentrum frühstücken und lassen uns danach von einem kleinen Panamanesen für 40 USD durch die Innenstadt führen. Wir besichtigen das französische Viertel, einige Kirchen, die interessanterweise alle mit Klimaanlage ausgestattet und dementsprechend gut gefüllt sind.

Nach einem kleinen Snack treffen wir uns mit Matthias und Regina vor dem futuristischen Biomuseum. Thema hier ist die Biodiversität in Mittelamerika. Erdgeschichtlich gesehen hat sich der Isthmus von Panama erst relativ spät geschlossen und die bis dato isolierte Tier- und Pflanzenwelt Nord- und Südamerikas sich unabhängig voneinander entwickelt. Erst mit der entstandenen Landbrücke zwischen den Kontineten kam es zu einer Durchmischung der Arten. Die Ausstellung inklusive Kino mit sechs Leinwänden ist ganz gut gemacht, rechtfertigt aber nicht den hohen Eintrittspreis von 40 USD für uns drei. Trotzdem ist es ein kurzweiliger Nachmittag mit den Hamburgern, die jetzt wieder deutlich entspannter sind. Nach einer herzlichen Verabschiedung geht es zürück ins Hotel. Vielleicht treffen wir die beiden ja in Ecuador wieder, wer weiß!

Da wir am Montag erst am Abend nach Medellin zurückfliegen, wollen wir bis dahin noch das Bankenviertel besuchen. Per pedes geht es 20 Blocks nach Süden. Die schwülheiße Luft ist mal wieder hart an der Grenze des Erträglichen. Allerdings entschädigt der beeindruckende Anblick der Hochhausschluchten doch für die Anstrengungen. So ziemlich alle bekannten und unbekannten Bankeninstitute haben sich hier verewigt. Schon interessant, was man mit Steuerhinterziehung und Geldwäsche alles finanzieren kann! Nach einem kurzen Mittagessen machen wir nochmal einen Ausflug in die Albrook Mall und spielen eine Runde Bowling, wobei wir uns köstlich amüsieren. Nach dem üblichen nachmittäglichen heftigen Regenschauer geht es mit dem Taxi zuerst ins Hotel und danach zum Flughafen. Beim Einchecken gibt es die gleichen Probleme wie beim Hinflug. Die nur spanisch-sprachige Dame von der Fluggesellschaft will unsere Situation einfach nicht verstehen, verlangt unsere Bootspapiere (die wir natürlich nicht dabei haben) und so stellen wir uns einfach blöd – nix verstehen und können doch einchecken!

Pünktlich um kurz vor 20 Uhr geht es endlich wieder nach Kolumbien. Obwohl uns die Kanalpassage wirklich fasziniert hat, sind wir von Panama und den Menschen weniger begeistert. Da sind wir doch glücklich wieder in unserer Wahlheimat Kolumbien anzukommen. Bei der Einreise erhalten wir problemlos eine weitere Aufenthaltsgenehmigung für 90 Tage und werden mit einem herzlichen „Welcome to Colombia“ empfangen. Via Shuttleservice geht es ins Hostal Hanger unweit des Flughafens und nach einem kleinen Schlummertrunk direkt ins Bett. Vor unserem Weiterflug nach Santa Marta am späten Nachmittag nutzen wir noch die Gelegenheit und statten der nahe gelegenen Geburtsstadt Pablo Escobars – Rionegro – einen Besuch ab. Mit einem Taxi aus Medellin geht es Richtung Stadtzentrum. Die Fahrt führt an sanften Berghügeln und Wiesen mit Weidevieh vorbei. Der blaue Himmel und die Schäfchenwolken erinnern uns stark an die Allgäuer Heimat.

Kanal (5)

Allerdings traut sich der Taxler nicht in die City, also werden wir auf halbem Weg an eine örtliche Taxifahrerin übergeben und zu unserem Ziel transportiert. Dass sie für die Fahrt nichts verlangt, spricht mal wieder für die kolumbianische Natur. Natürlich entlohnen wir die nette Frau entsprechend für ihren Service. Im Zentrum sind gerade umfangreiche Umbauarbeiten im Gange und so besichtigen wir zunächst die Kathedrale und schlendern danach noch durch die Einkaufsstraßen von Rionegro. Wir fühlen uns mal wieder wie Aliens! Außer uns sind weit und breit keine anderen Touristen zu sehen, wir ziehen wieder alle Blicke auf uns und kommen mit dem einem oder anderen Einheimischen ins Gespräch. Danach geht es zurück zum Flughafen und ab nach Santa Marta. Nach neun Tagen Kanalexkursion kommen wir wieder wohlbehalten in der Marina an. Schon der Anblick von unserer Auriga löst bei uns Heimatgefühle aus. Dahoam is dahoam!

Fair winds und bis bald,

eure Tigerenten von der Auriga

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2 Gedanken zu “Oh, wie schön ist Panama!

  1. Hallo,meine Lieben, vielen Dank dass ich Euch durch die tollen Aufnahmen, und Dokumentation vom Panamakanal und Umgebung virtuel begleiten konnte, da habt ihrEuch
    sehr viel Arbeit gemacht, ich habe alle Eure Berichte nach Themen ausgedruckt, damit nichts verloren geht.
    Ihr seid aber wieder froh,dasihr auf derAuriga seid,Euch von den vielen Eindrücken erholen müsst.
    Ich hoffe es geht Euch gut, und passt auf Euch auf, das liegt mir sehr am Herzen.
    Lb. Grüsse besonders an Felix
    von Oma Inge

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  2. Hallo ihr lieben, wir hoffen, dass es euch gut geht. Auch bei uns war jetzt eine recht warme Zeit und mir ist es sehr klar geworden, dass ich euch um die Hitze nicht beneide. Denn bereits jetzt freue ich mich auf Minusgrade und Sonnenschein. Nachdem ich euren Bericht, bzw. Mail gelesen habe, fragte ich den schlauen Google nach den Indianer, die ihr besuchen wollt. GUT und BERUHIGEND ist es, dass sie keine Menschen verspeisen. Auch Mama werden sie nicht anknabbern, wie in dem altem Witz. So wünschen wir schöne Erlebnisse und sind gespant, was ihr weiterhin berichtet.
    Und FELIX !!, schön, freue dich, die Ferien klopfen an. Nur noch ein Paar Wochen. —– HEJ Mann und noch was, du hast bald Geburtstag, da wünschen wir dir schon jetzt eine schöne Feier – lasse es krachen.
    Ganz feste Umarmung und 1000 Küsschen euch allen.

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