Bogota – die urbane Bombe

Bogota, eigentlich Bogoto D.C., Hauptstadt von Kolumbien. Als Distrito Capital eine eigene Verwaltungseinheit mit allen Rechten innerhalb des Departamento Cundinamarca, wie das Bundesland Berlin bei uns. Der autonome Bezirk Bogota wurde bereits 1955 vom damaligen Diktator Gustavo Pinilla geschaffen und 1991 durch die neue Verfassng zum jetzigen Hauptstadtdistrikt umfunktioniert. Die „urbane Bombe“ – Zitat aus unserem Reiseführer – wurde 1538 von Gonzalo de Quesada gezündet, hieß zunächst Santa Fe und entwickelte sich schnell zum politischen Machtzentrum von Neugrenada. Hier entstand auch die Unabhängigkeitsbewegung gegen die spanischen Besatzer. 1819 eroberte der lateinamerikanische Volksheld Simon Bolivar die Stadt und erhob sie zur Hauptstadt von Gran Columbia. Nach Abspaltung der Schwesterstaaten Venezuela und Ecuador wurde sie zur Hauptstadt Kolumbiens. Nach Jahrzehnten der Kriminalität und Gewalt im 20. Jahrhundert erfolgte in den 90ern im Rahmen der Tranformacion die radikale Verwandlung in eine der interessantesten und sehenswertesten Städte Kolumbiens. Die schlimmsten Viertel wurden geräumt, abgerissen und neu aufgebaut. Lage: 2600 Meter über dem Meerespiegel auf einem Hochplateau mitten in den östlichen Anden, eingekeilt zwischen den 3800 Meter hohen Bergrücken der Cerros Guadalupe und Monserrate. Der Bevölkerungsmagnet kann dadurch nur noch in Nord-Süd-Richtung wachsen. Im Norden wohnen die Wohlhabenden, je weiter man nach Süden kommt desto ärmer und gewalttätiger wird die Gegend. Mittlerweile lebt jeder Fünfte Kolumbianer hier, insgesamt über 8,5 Millionen Menschen. Das Bussystem Transmilenio durchzieht die Metropole wie ein Spinnennetz. In der Umgebung Bogotas wird intensiv Landwirtschaft betrieben. Klima: Sensationell! – Durchschnittstemperatur 14 °C, aber bedingt durch die Hochlage sind mächtige dunkle Wolken, Regen und Gewitter ständige Begleiter der Einwohner.

Wir kommen am Dienstagmittag auf dem Flughafen „El Dorado“ an und genießen sofort die angenehmen, wenn auch jackenpflichtigen, Temperaturen von 16 °C. Obwohl es bis zur Innenstadt nur ca. 10 km sind, lassen wir uns abholen und in die Casa Platypus (Haus des Schnabeltiers) im Herzen der Altstadt kutschieren. Únsere Erwartungen an Bogota sind groß und die Besichtigungsliste lang. Nach dem Einchecken, erstmal Hostel- und Zimmerinspektion – sehr süß, WLAN-Test und dann geht’s auch schon los zum ersten Bummel durch das historische und intelektuelle Zentrum der Stadt – La Candelaria. Wir haben das Viertel gewählt, weil sich hier die meisten Sehenswürdigkeiten per Pedes erreichen lassen. Der erste Eindruck ist gut. Eigentlich haben wir einen eher siffigen Großstadtsumpf erwartet, werden aber positiv überrascht. Gegenüber von unserem Hostel befindet sich der Parque de los Periodistas mit mittig angelegter Bolivarstatue. Inoffizell wird der Platz Plaza de la Journalista genannt, ist also Klatschumschlagplatz Nummero Uno in der Stadt. Sonntags findet hier ein großer Flohmarkt statt. In den engen Gassen der Altstadt findet sich noch reichlich spanische Kolonial-Architektur. Kleine Häuschen mit vorgelagerten Holzbalkonen, schwere Türen und Eisengitter verschließen die einzelnen Anwesen. Daneben Kirchen, Museen und viele moderne Universiätsgebäude. Dazwischen unübersehbar an den Wänden schöne, teilweise auch bizarre Graffitis! Natürlich ist auch für gastronomische Kurzweil gesorgt. Da es aber erst früher Nachmittag ist, haben wir Pech und alle drei anvisierten Restaurants mit typischer kolumbianischer Küche sind geschlossen. Felix ist von der Herumlauferei genervt und wir sind nach eineinhalb Stunden Stadterkundung immer noch hungrig! Schließlich finden wir ein Resaurant – La Bruja (Die Hexe) – um die Ecke. Hinter unscheinbaren Fenstern verbirgt sich ein liebevoll eingerichteter kulinarischer Hexenkessel. Wir stärken uns mit Pollo de la Luna, mystischem Schwein und anderen Leckereien. Gesättigt und wieder guter Laune geht es ins Hostel zurück, wo wir einen gemütlichen Internetabend verbringen – schließlich müssen wir uns erst noch in der Höhe aklimatisieren!

 

Am nächsten Morgen sind wir etwas durchgefroren als wir aufwachen. Die Morgentemperaturen um die 10 °C sind für uns doch gewöhnungsbedürftig. Zum Aufwärmen geht es erstmal unter die heiße Dusche – jaaah. Eigentlich wollten wir am Vormittag die Touren für die nächsten Tage organisieren, aber unser Rezeptionist empfiehlt uns wegen des guten Wetters (der erste sonnige Morgen seit drei Wochen!!) einen Ausflug auf den Cerro de Monserrate. Mit einer Höhe von 3200 Metern ragt die Spitze des Berges aus der östlichen Bergkette hinter Bogota heraus. Auf seinem Gipfel thront das schneeweiße Santuario de Monserrate, eine Klosteranlage und Pilgerstätte aus dem 17. Jahrhundert. Außerdem soll man von da oben einen guten Blick über die Megametropole haben. Also ändern wir spontan unsere Pläne und begeben uns in luftige Höhen. Es gibt drei Möglichkeiten auf den Gipfel zu kommen: Einen Fußweg, eine Standseilbahn und eine Seilbahn. Aus Gründen der noch fehlenden Höhenanpassung – und nur aus diesem Grund – entschließen wir uns gegen den Fußweg und für die über hundert Jahre alte Standseilbahn. Außerdem würde der Fußmarsch eine Stunde dauern und es muss unter der Woche auf dem Weg nach oben mit Räubern und Wegelagerern gerechnet werden. Mit der Standseilbahn geht es 700 Höhenmeter steil nach oben. Das alte Gefährt knarzt und ächzt wenig vertrauenerweckend, aber schafft die Strecke in knapp 10 Minuten – nicht schlecht. Oben angekommen müssen wir trotz fehlender körperlicher Anstrengung in der dünnen Luft ganz schön schnaufen. Allerdings entschädigt die sensationelle Aussicht über Bogota hundert prozentig. Die Stadt scheint sich zwischen den beiden Bergketten wie Schmelzkäse auszubreiten. Trotz der Höhe können wir weder das südliche noch das nördliche Ende der wabernden Stadt erkennen – im wahrsten Sinne des Wortes – atemberaubend. Wir schlendern den Kreuzweg zum Kloster hinauf und genießen den Blick über die Regenwälder an den Berghängen. Auf einem naheliegenden Berggipfel entdecken wir noch die überlebensgroße Statue des gefallenen Christus, die uns ein bisschen an Rio in Brasilien erinnert – nur nicht so protzig. In der Klosterkirche entzünden wir eine elektrische Kerze und begeben uns langsam wieder Richtung Standseilbahn.

Leider ist es erst früher Vormittag und das exquisite französische Gipfelrestaurant „Casa San Isidro“ hat noch geschlossen. Schon zum zweiten Mal kulinarisches Pech. So kann es natürlich nicht weitgehen – essenstechnisch gesehen. Also beschließen wir uns in die Zona G (=gastronomica), heißt wirklich so, im Norden zu verlegen. Hier befinden sich entlang der Calle 70 im Gourmetviertel alle gastronomischen Highlights der Stadt. Wir sind pünktlich zur besten Lunchzeit vor Ort und haben die Qual der Wahl. Ein Restaurant neben dem anderen, alle sehen nach lecker, lecker Essen aus. Zielsicher entscheidet sich der Kapitän für das „Criterion“, dass seit Jahren zu den 50 besten Restaurants Südamerikas gehört. Ich will euch diesmal nicht mit kulinarischen Einzelheiten langweilen, aber das 6-gängige Klassiker-Menü à la Criterion war einfach formidabel oder delicioso, wie es der Kolumbianer auszudrücken pflegt.

Während des Essens können wir beobachten, wie Falschparker hier aus dem Unterholz aufgescheucht werden. Eine Gruppe lebendiger Verkehrshütchen patroulliert mit einem Megaphon bewaffnet auf der Straße. Sobald sie einen Falschparker entdecken geht das Spektakel los. Über Megaphon wird das Kennzeichen sowie der Typ des Fahrzeugs lautstark durch die Gegend gebrüllt. Nach spätestens zwei bis drei Minuten kommt der Parksünder aus irgendeinem Loch gekrochen, spurtet zu seinem Auto und parkt es mit lautstarker Unterstützung um – sehr lustig!

Danach wollen wir wieder ins Zentrum zurück um noch das Botero-Museum zu besuchen. Allerdings will uns der Taxler aus irgendeinem Grund nicht nach Candelaria fahren. Dann nehmen wir halt den nächsten Bus, der in unsere Richtung fährt. Natürlich haben wir keine Fahrkarten und im Bus kann man nur mittels einer speziellen Nahverkehrskarte bezahlen – typisch blöde Touristen. Wir stehen etwas ratlos beim Busfahrer, als dieser die Fahrgäste auffordert für uns zu bezahlen. Ein netter junger Mann erbarmt sich schließlich und wir dürfen mitfahren. Leider kann er auf meinen 20.000 Pesos-Schein (ca. 7 Euro) nicht rausgeben, also gibt er uns einfach die Fahrt aus! Vielen Dank, wirklich sehr nett unbekannter Student! Gut gelaunt erreichen wir das Botero Museum, der Eintritt ist frei und wir können weitere Bilder und disproportionierte Skulputren des kolumbianischen Künstlers Fernando Botero bewundern. Außerdem sind Teile seiner Privatsammlung ausgestellt. Wir entdecken ein, zwei Picassos, Werke von Miro, Matisse, Degas, Braque und Renoir. In den beiden Räumen hängt ein echtes Vermögen rum. Danach geht es durch das Münzmuseum zurück Richtung Ausgang. Hier bekommen wir noch drei Spezialprägungen der Münze als Souvenir überreicht – echt cool. Anschließend steht nur noch Ruhe und Fußpflege auf dem Programm. Damit ist auch der zweite Tag in Bogota schon vorbei und die nächste kühle Nacht erwartet uns!

Am dritten Tag sind wir entlich aklimatisiert – ich fühle genau wie die roten Blutkörperchen nur so aus meinem Knochenmark heraussprudeln – sodass wir die erste Tour in Angriff nehmen können. Anders als in Medellin entscheiden wir uns nicht für die Free-Walking-Tour durch die Innenstadt, sondern buchen eine vierstündige Fahrradtour durch die Stadt. Wir teffen uns vormittags mit Felipe, unserem Guide, bekommen unsere Fahrräder und nach einer kurzen Einweisung geht es schon los. Erstes Ziel ist die Plaza Bolivar, das Herz Kolumbiens. Hier treffen sich täglich tausende Menschen und noch mehr hungrige Tauben. Der Platz wird von drei Gebäuden (Parlament, Bürgermeisteramt und Justizministerium) und der Kathedrale von Bogota eingerahmt. Hier stand auch das 1985 von Guerilliakämpfern besetzte Justizministerium, das erst nach schwerem Beschuss durch Panzer des kolumbianischen Militärs wieder zurück erobert werden konnte. Das Justizministerium war danach jedoch so schwer beschädigt, dass es anschließend abgerissen werden musste. Sein heutiger Nachfolger wurde erst 1999 fertig gestellt. In der Mitte des Platzes befindet sich – wie überraschend – eine Statue von Simon Bolivar.

Bogota (43)

Danach geht es weiter Richtung Norden, wir radeln ins Finanzzentrum der Stadt. Hier haben sich alle namhafte Banken Kolumbiens mit protzigen Hochhäusern verewigt, die jetzt die Skyline von Bogota bilden. Im Lauf der Tour geht es natürlich wieder um die Transformacion in Kolumbien und speziell in Bogota, aber auch um die Unabhängigkeit von Spanien. Überall in der Stadt sind Statuen von wichtigen Persönlichkeiten des Unabhängigkeitskampfes in Südamerika aufgestellt. Wir durchqueren mehrere unterschiedliche Viertel und Parks. Machen in einer Kaffeerösterei halt, die bis zum Ende des II. Weltkrieges einem Deutschen gehört hat und genießen fabelhaften kolumbianischen Kaffee.

Während der Tour können wir immer wieder Graffitis unterschiedlicher Art bewundern und erfahren, dass diese Kunstrichtung seit 2014 legal ist und in Bogota sogar gefördert wird. Viele Kunstwerke beschäftigen sich mit politischen oder indigenen Themen. Via Rotlichtviertel geht es wieder zurück ins Zentrum. Wir bedanken uns herzlich für die wirklich empfehlenswerte Tour und haben natürlich nach vier Stunden Radeln echt Kohldampf. Glücklicherweise konnte der Kapitän während der Tour ein vielversprechendes Asadorestaurant ausmachen. Nach einem kurzen Fußmarsch lassen wir uns saftiges Rindfleisch vom Holzkohlegrill schmecken – mmmmh!

Ausreichend gestärkt können wir damit den letzten Programmpunkt des Tages angehen, das Highlight Bogotas – das Goldmuseum. Im Museo del Oro werden ca. 35000 Objekte präkolumbianischer Kunst ausgestellt. Die meisten Ausstellungsstücke sind aus Gold und spiegeln das große handwerkliche Können der Ureinwohner Kolumbiens wieder. Die Sammlung ist die größte ihrer Art auf der Welt und wirklich beeindruckend. Auf drei Etagen werden entsprechen ihrer kulturellen Herkunft Schmuck, Masken und rituelle Gegenstände ausgestellt. Vor allem die Darstellungen von Tieren sind ausgesprochen kunst- und phantasievoll ausgeführt. Bei machen Schmuckstücken stellt sich allerdings durchaus die Frage des Tragekomforts. Ein Höhepunkt der Sammlung ist das Balsa Muisca, ein kleines Floß aus Gold, das u.a. für den Mythos des sagenumwobenen El Dorado verantwortlich sein soll. Zum Schluss betreten wir einen runden, dunklen Raum. Nach und nach werden die 8000 hier ausgestellten Goldartefakte kurz illuminiert, um danach wieder in der Dunkelheit zu verschwinden. Der Raum symbolisiert eine heilige Lagune, in der die indigenen Urvölker goldene Opfergaben versenkt haben und soll dem Besucher den unwiderruflichen Untergang der alten Kulturen vor Augen führen. Das ganze Spektakel dauert etwa fünf Minuten und ist eine gelungene Inszenierung. Sollten wir jemals wieder ins Goldmuseum kommen, weden wir ganz sicher eine der vielen Führungen mitmachen, weil leider bei vielen Ausstellungsstücken fremdsprachige Erklärungen fehlen und die Faszination und Bedeutung der Goldarbeiten häufig im Detail liegen. Nach so viel Kunstgenuss sind wir echt am Ende und machen uns nach einem langen Tag auf den Weg in unser Schnabeltiernest.

Mit der Fahrradtour ist unser üblicher Besichtigungsmarathon eröffnet. Freitagmorgen treffen wir uns mit Edgar zur Smaragdtour, da Bogota heute der größte Umschlagplatz für die grünen Edelsteine ist. Nordöstlich von Bogota befinden sich die bedeutensten Smaragdminen der Welt. Obwohl die Konzession zum Abbau vom Staat vergeben werden, wird das ganze Geschäft von wenigen Familien kontrolliert. Bis 1991 tobte ein 30 Jahre dauernder Krieg in den unzugänglichen Bergen um die Vorherrschaft im Smaragdbuisness. Mittels paramilitärischer Gruppen bekämpften sich die einzelnen Akteure. Da der Smaragdhandel gute Möglichkeiten zur Geldwäsche bot, mischte die medelliner Kokainmafia ebenfalls kräftig in diesem Chaos mit. Schließlich entschied der spätere Smaragdzar Victor Carranza die Schlacht für sich. Bis zu seinem Tod 2013 kontrollierte er 40% des kolumbianischen Smaragdgeschäfts. Während wir gemütlich zum Smaragd-Trade-Center schlendern, erklärt uns Edgar die Strukturen des Smaragdhandels in Kolumbien. Wir besuchen eine Smaragdwerkstatt und lernen wie man echte und falsche Smaragde unterscheiden kann. Da bald Muttertag ist, bekommt Antje einen schönen, garantiert echten Smaragdanhänger spendiert. Danach geht es zum Plazoleta del Rosario nahe dem Goldmuseum, wo täglich eine Art öffentliche Smaragdbörse stattfindet. Obwohl alles legal ist, verhalten sich die Händler wie Drogendealer. Verpackt in kleine weiße Papiertütchen werden die Edelsteine auf dem ganzen Platz mehr oder weniger offen angeboten. Wir begutachten das Angebot einiger Trader und ziehen weiter zum Smaragdmuseum im 23. Stock eines nahegelegenen Hochhauses. Die Privatsammlung enthält einige der kostbarsten Smaragde der Welt und viele wunderschöne Schmuckstücke. Die Führung ist interessant, allerdings spricht unser Guide so schnell, dass wir nur die Hälfte verstehen – aber informativ war es trotzdem. Edgar bringt uns noch zu einem typisch kolumbianischen Restaurant, wir bekommen noch einige kleine Rohsmaragde als Abschiedesgeschenk und die Tour ist nach knapp drei Stunden vorbei.

Im Restaurant „Puerto de la Cathedral“ probieren wir zwei typische bogotaer Eintöpfe. Die eingedickten Suppen mit Huhn oder Schweinefleisch sowie dicken Bohnen sind ziemlich deftig und nicht so wirklich unser Ding. Als wir uns auf den Rückweg machen geht ein gradezu apokalyptischer Gewitterschauer über dem Zentrum herunter. Wir flüchten in die Kathedrale und nutzen die Zeit für eine Besichtigung des herrlichen Sakralbaues. Nach einer halben Stunde ist der Spuk wieder vorbei und via Supermarkt geht es ins Hotel zurück, weil wir heute zur Freude unseres Kindes einen lazy Nachmittag geplant haben.

Bogota (37)

 

Am letzten Besichtungstag haben wir wieder volles Programm. Wir sind früh auf den Beinen, da unser erstes Ziel die Markthallen in der Stadt sind. Mit dem Taxi geht es durch das Häusermeer von Bogota zum Paloquemao Markt. In einer riesigen Halle befinden sich in unterschiedlichen Bereichen Fleisch, Fisch, Obst, Gemüse und frische Schnittblumen. In der Obstabteilung finden wir die mittlerweile bekannten Täter. Riesige Mango-, Papaya-, Passionsfrucht und Ananasberge türmen sich vor uns auf. Es riecht einfach himmlisch in diesen Hallen! Natürlich entdecken wir auch die von uns so geliebten Drachenfrüchte. Daneben sind wir von der großen Auswahl frischer Schnittblumen begeistert und überrascht. Vorallem Rosen werden in allen Farben und Variationen angeboten – schließlich ist am Sonntag Muttertag. In der Fleischabteilung entdecken wir abgezogene Schweinehäute inklusive Kopf. Haben wir auch noch nie gesehen! Wie von einem Kätzer abgezogen hängen die Häute zum Trocknen an großen Haken. Die Häute werden von den Garküchen vor Ort mit Reis und Schweinefleisch gefüllt und anschließend im Ofen gegart – sah sehr lecker aus, aber wir hatten erst gefrühstückt – Schade eigentlich. Mit dem Taxi geht es zum nächsten Markt nach San Vincente. Hier befindet sich ein kunterbunter Straßenmarkt, der sich über insgesamt 16 Straßenzüge erstreckt. Die Verkaufsstände befinden sich in den Gebäuden, auf der Straße, in Tiefgaragen. Es gibt kein noch so kleines Loch, wo nicht irgendetwas verkauft wird. Neben allerlei Krimskrams werden vor allem Klamotten jeder Art angeboten. Bei einsetzendem Regen schlendern wir durch ein paar Straßen, leiden an extremer Reizüberflutung und wollen zurück Richtung Zentrum.

Bogota (42)

Zufälligerweise entdecken wir noch in einer Seitenstraße eine kleinen kunsthandwerklichen Kunstmarkt und der Kapitän kann doch noch sein obligates Souvenir-T-Shirt erstehen. Damit haben wir an einem Vormittag alle wichtigen Märkte Bogotas kennengelernt – reife Leistung, oder? Wir kämpfen uns langsam Richtung Zentrum vor und kommen schließlich am Plaza Bolivar mit seinen unzähligen Tauben heraus. Diesmal kann ich nicht widerstehen und muss eine kleine Tüte Futtermais erstehen. Kaum wird mir der Mais überreicht, bin ich Ziel der Begierde und Landeplatz von ca. 100 Tauben. Bei dem Andrang möchte man die Körner so schnell wie möglich wieder los sein. Glücklicherweise erbarmt sich Felix und nimmt mir den halben Mais ab und so stehen wir in Taube gekleidet auf dem Platz und lassen uns aus der Hand fressen – sehr nett. Innerhalb von wenigen Minuten ist der Spuk allerdings vorbei und wir werden von den Tauben keines Blickes mehr gewürdigt – undankbares Federvieh!

Bogota (44)

Anschießend wollen wir uns noch etwas stärken bevor am Nachmittag die Graffiti-Tour los geht. Nach einer schnellen Pizza geht es zum Treffpunkt vor unserem Hotel. Nachdem 2011 ein Jugendlicher beim Sprühen eines Graffitis in den Straßen von Bogota von einem Polizisten erschossen wurde, gab es großen Unmut in der Bevölkerung. Daraufhin entschloss sich der Bürgermeister von Bogota die Wandbemalungen zu legalisieren. Inzwischen hat sich aus den ehemaligen Schmiereien eine eigene Kunstrichtung – Street Art entwicklet. Nach dieser Einführung unseres Tourguides Monika – ihres Zeichens selbst Graffitikünstlerin – wandern wir durch Candelaria und bekommen an verschiedenen Graffitis die Entstehung und Weiterentwicklung der eher jungen, modernen Kunstrichtung erklärt. Nach 60 Minuten sehr, sehr detailintensiver Erklärungen – wer, was, wieso und warum – beschließen wir die Tour zu verlassen und kehren nach einem anstrengenden Tag ins Hostel zurück.

Bogota (1)

Wir brauchen noch ein bisschen Ruhe, schließlich steht am Abend noch das obligatorische Abschiedsessen an. Leider ist das von uns vorab ausgewählte Restaurant – T-Bone – bis auf den letzten Platz gefüllt und so müssen wir uns enttäuscht nach einer Alternative umsehen. Da wir nach vier Tagen Hardcore-Sightseeing etwas fußlahm sind, entscheiden wir uns für einen Shawama-Laden um die Ecke. Obwohl heute gut gegrilltes Fleisch ausfällt, lassen wir uns Fallafel, Humus und reichlich Gemüse mit einem kräftigen Fruchtsaft schmecken – natürlich alles halal! Nach einer unruhigen Nacht mit Donner, Blitzen und Dauerregen – es tropft in mein Bett – stehen am nächsten Morgen die Abreisevorbereitungen an. Da wir nach dem Frühstück noch vier Stunden Zeit haben bis wir zum Flughafen müssen, beschließen wir noch das National Museum zu besichtigen. Neben Malereien der letzen Jahrhunderte, soll es hier eine große Ausstellung zur Geschichte der Indianer Südamerikas geben. Leider beschränkt sich diese auf drei kleine Säale. Wir schlappen noch ein bisschen durch das Museum und fahren anschließend zum Flughafen. Mit einer Stunde Verspätung wegen schwerer Gewitter geht es am Nachmittag zurück nach Santa Marta.

Bogota hat uns sehr gut gefallen, die Stadt ist für Touristen absolut sicher, die Museen sind wirklich phantastisch, gastronomisch ist alles was das Herz begehrt geboten und die Touren waren auch sehr interessant. Aber im Gegensatz zu Medellin war hier die in Kolumbien herrschende Aufbruchstimmung nicht so intensiv zu spüren – deshalb reicht es leider trotz aller Kunstschätze nicht zu einem neuen Städtetipp – Sorry Bogota!

Fair winds und bis bald,

Bogota (62)

eure Schnabeltiere von der Auriga

Was für ne sch… Hitze

Hitze, die. Feminines Substantiv – war ja klar. Plural: die Hitzen – war nicht klar. Etymologische vom althochdeutschen hizz(e)a, zu heiß. Kommt im Lexikon nach hitverdächtig. Synonyme: Glut[hitze], hohe Temperaturen, Wärme; (umgangssprachlich) Bruthitze, Bullenhitze, Irrsinnshitze; (umgangssprachlich emotional verstärkend) Affenhitze, Bombenhitze, Höllenhitze (religiös motiviert), Mordshitze, Wahnsinnshitze. Häufigste Bedeutung: sehr starke, als unangenehm empfundene Wärme, hohe Lufttemperatur. Kann aber auch Empfindung von starker Wärme im Körper, heftige Erregung, Zornesaufwallung oder Zeit der Läufigkeit, Paarungsbereitschaft bei Tieren bedeuten. Die Hitze gehört zu den häufigsten 10.000 Wörtern im Dudenkorpus und nimmt damit im Sprachgebrauch einen Mittelplatz ein. Sie gehört außerdem zum Wortschatz des Zertifikats Deutsch.

Hitze (11)

Von Hitze spricht man beispielsweise bei einer hohen Lufttemperatur, besonders in den Tropen und Wüsten, in den jeweiligen Sommermonaten jedoch auch in den Subtropen und gemäßigten Breiten. Der Begriff wird dabei ganz allgemein als Ausdruck für ungewöhnlich hohe Lufttemperaturen verwendet, meteorologisch als Hitzeanomalie bezeichnet. Besonders heiße Tage wurden in den mittleren Breiten früher durch eine Tageshöchsttemperatur von über 25°C definiert, wobei man dann von einem Sommertag sprach. Diese Bezeichnung ist jedoch – nicht zuletzt durch den gegenwärtigen Klimawandel – veraltet, und wurde durch den Begriff des Heißen Tages (Hitzetag, Tropentag >30°C) ersetzt, zunehmend findet sich auch der Wüstentag (Temperatur > 35 °C), ergänzt durch den Begriff der Tropennacht. Eine ungewöhnlich lange Phase von aufeinander folgenden heißen Tagen bezeichnet man auch als Hitzewelle…

Hitze (10)

Nachdem wir von Medellin zurück gekommen waren, erwartete uns in Santa Marta eine Gluthitze, die uns an unseren Start in Italien erinnerte. Bereits bei unserer Ankunft am Abend liegen die Temperaturen noch weit über 30 °C. Tagsüber kletterte das Thermometer im Durchschnitt auf 35°C – klassischer Wüstentag. Bei dieser Bruthitze werden Unternehmungen jeder Art zu einem Kampf gegen die Dehydrierung. Sobald wir das Boot verlassen, beginnen wir zu schwitzen. Das T-Shirt klebt wie Sicaflex am Körper und der Schweiß rinnt in Sturzbächen herunter. Kennt ihr Kniekehlen – oder Ellenbeugenschweiß? Es ist heiß, heißer … einfach nur heiß! Wir sind außerhalb des Bootes wie gelähmt. Träge schleppen wir uns alle zwei Tage zum Supermarkt, der nur ca. 200 Meter entfernt ist. In der Bullenhitze ist der Weg eine einzige Tortour. Die irrsinnig heiße Luft flimmert über der Straße, der Teerbelag wird schon weich…. wenn ich mich zu langsam bewege, bleibe ich wahrscheinlich kleben und verdörre wie eine sonnengetrocknete Tomate!

Die Höllenhitze, die UV-Strahlung und die salzige Luft machen unserer Auriga ebenfalls zu schaffen. Also wird unser Schiffchen hitzebeständig verpackt, ganz Christolike! Das Großsegel wird eingetütet, Sonnensegel gespannt, der Chinese mit einer Einkaufstüte verschönert und unser Dingy mit seiner Abdeckung versehen. Wir haben lustige, gestreifte Mützchen für unsere Winschen gebastelt. Am Heck wurde bis auf den Foerthmann alles abgebaut und verstaut. Der Dieseltank bis zum Anschlag gefüllt, um die Bildung von Kondenswasser zu minimieren. Unter Deck wird Platz geschaffen, geputzt und aufgeräumt. Jetzt können wir guten Gewissens noch ein paar Wochen in Santa Marta bleiben … nur die Hitze schafft uns echt!

Wegen der Mordshitze bleiben wir tagsüber solange wie möglich im gut klimatisierten Boot und kommen erst bei Sonnenuntergang wie Zombies den Niedergang hinaufgekrochen. Zum Glück befinden wir uns in einem riesigen Land mit reichlich kühlen Hochlagen, wo es einiges zu erkunden gibt. Also entwicklen wir einen neuen Plan. Wir wollen in Zukunft eine Woche ins Hochland reisen, um der Wahnsinnshitze zu entgehen, und eine Woche in Santa Marta bleiben. Um nicht mit dem Schulstoff für Felix zu weit zurückzufallen, wurde zu seiner Freude der Nachmittagsunterricht eingeführt. Nach heftigen Protesten, sinnlosen Diskussionen und mehreren Verwünschungen beginnt das neue Programm am 01. Mai – ist ja schließlich Tag der Arbeit! Mit dem neuen Konzept sind Schüler und Lehrer bis nachmittags um 16:30 Uhr aufgeräumt und wir haben jeden Grund unter Deck zu bleiben. Vormittags wird Mathematik, Französisch, Englisch und Deutsch gelehrt, während am Nachmittag Erdkunde, Biologie und Reisevorbereitungen auf dem Programm stehen. Die ersten Tage laufen ganz gut und wir werden das neue System wohl beibehalten.

Mittlerweile haben wir mal wieder mit der SY Samantha telefoniert. Alex und Birger wollen von Antigua nach Süden segeln und Ende Mai auf den ABC-Inseln sein. Wir haben beschlossen hier in Santa Marta auf die beiden zu warten und wollen danach mit Ihnen weiter Richtung Cartagena und Panama segeln. Wir freuen uns schon, wenn wir unsere Freunde aus Aachen wieder sehen werden. Matthias und Regina von der SY Jasina haben mittlerweile die Shelter Bay nahe Colon in Panama erreicht und bereiten die Kanalpassage vor. Dazu wird ihr Boot von der Kanalgesellschaft vermessen und basierend auf diesen Daten der Passagepreis berechnet. Bin gespannt wieviel sie für die Kanaldurchfahrt blechen müssen. Da das Boot der beiden ebenfalls nur knapp 10 Meter lang ist, kleines Boot – große Reise, werden wir einen aktuellen Anhaltspunkt für die Kanalkosten haben. Schließlich wollen wir Ende des Jahres auch noch durch den Kanal, Bin ja gespannt, wann sie ihren Passagetermin bekommen, da zurzeit durchaus Wartezeiten von bis zu vier Wochen drin sein können. Wir sind weiterhin entschlossen, die beiden während der Kanaldurchfahrt zu unterstützen, schließlich kann ein bisschen Übung ja nicht schaden! Da der Panamakanal auf der Pazifikseite in Panama City endet, werden wir natürlich die Gelegenheit nutzen und uns im Anschluss noch die Stadt und den Hafen ansehen.

Hitze (19)

Fast alle Freunde und Bekannten von der Odyssee bereiten sich inzwischen schon auf die Rückkehr nach Europa vor. Die meisten werden in der zweiten Maiwoche starten, da dann die Bedingungen für die Überfahrt zu den Azoren gut sind und insgesamt mit weniger Schwerwetter zu rechnen ist. Wir beneiden die vielen Crews nicht. Schon wieder Atlantik, da haben die doch auch schon alles gesehen – oder? Wir freuen uns jetzt aber erst einmal auf unsere nächste Reise in die Hauptstadt Kolumbiens nach Bogota. Die drittgrößte Stadt Südamerikas hat neben den 8,5 Millionen Einwohnern einiges zu bieten. Außerdem liegt sie 2500 Meter über dem Meeresspiegel auf einem Hochplateau in den östlichen Anden und verspricht mit einer Durchschnittstemperatur von 18 °C angenehmes Sightseeingklima. Am Dienstag geht’s los.

Fair winds und bis bald,

euer Hitzeopfer von der Auriga

Medellin – Don`t mention his name!

Spricht man von Medellin, so sind die ersten Assoziationen: Pablo Escobar, das Medellin-Kartell, Kokain, Drogengelder, Mord und Guerillakrieg. Wer kann sich da schon vorstellen, dass Medellin 2014 vom Wall Sreet Journal zur innovativsten Stadt der Welt gekürt wurde, während sie Mitte der 80er Jahre noch als gefährlichster Ort auf dem Planeten galt. Damals lag die Mordrate noch bei 395/100.000 Einwohnern. Pablo Escobar und das Medellin-Kartell waren auf dem Höhepunktihrer Macht, kontrollierten die Stadt und hatte dem Staat Kolumbien den Krieg erklärt. Außerdem herrschte seit Jahrzehnten ein brutaler Bürgerkrieg in Kolumbien, in dem sich rechte und linke Guerillabewegungen gegenseitig be- und gegen den Staat kämpften. Alle vier Akteure stürzten die Stadt und das Land über viele Jahre in ein blutiges Chaos. Nachdem Rebellen in Bogota den obersten Gerichtshof stürmten und die Hälfte der obersten Richter Kolumbiens ermordeten, kam die Wende. Escobar, mittlerweile der siebt reichste Mensch der Welt, wurde zum Staatsfeind Nummer 1 erklärt. Unter George Bush wurden Milliarden zur Bekämpfung des kolumbianischen Drogenhandels investiert und Escobar schließlich 1993, barfuß auf einem Dach in Medellin erschossen. 1995 hatte die Guerillabewegung FARC eine Bombe unter einer Vogelstatue des kolumbianischen Künstlers Fernando Botero versteckt. Die Explosion auf dem San-Antonio-Platz mitten in Medellín während eines Musikfestivals tötete mindestens 30 Menschen und verletzte mehr als 200. Die Explosion des „Friedensvogels“ war der Höhepunkt von Terror und Gewalt in der Stadt. Botero setzte damals durch, dass seine zerfetzte Statue als Mahnmal stehenblieb. Er stellte eine unversehrte identische Statue direkt daneben und schuf damit ein neues Kunstwerk. Die Installation ist heute ein Symbol der Hoffnung in Medellin. In den nächsten Jahren führten konsequente Verhandlungen mit der größten Guerilliavereinigung FARC zu einem deutlichen Nachlassen der Gewalt in Medellin und Kolumbien. 2016 wurde ein Friedensvertrag ausgehandelt und der jetzige kolumbianische Präsident, Juan Manuel Santos, wurde dafür mit dem Friedensnobelpreis geehrt.

Med (35)

Am Samstagmorgen machen wir uns zum Flughafen in Santa Marta auf und starten pünktlich um 08:00 Uhr Richtung Medellin. Obwohl der Flug nur ca. eine Stunde dauert, sind wir bei 20°C Kabinentemperatur ganz schön durchgefroren als wir ankommen. Zum Glück haben wir Jacken und lange Hosen im Gepäck. Vom Flughafen José María Córdova geht es erstmal mit dem Bus in die 30 km entfernte Stadt. Medellín liegt im Aburrá-Tal, innerhalb der Zentralanden im nordwestlichen Kolumbien, auf einer Höhe von 1538 m, wodurch das ganze Jahr über angenehme frühlingshafte Temperaturen herrschen. Die 1616 gegründete Stadt bildet heute zusammen mit den umliegenden Gemeinden die Metropolregion Medellin, ist die zweitgrößte Stadt Kolumbiens, Hauptstadt des Departameto Antioquia und Heimat von ca. 3,5 Millionen Menschen. Während der Busfahrt bekommen wir einen ersten Eindruck der Stadt, die sich wie eine Krake an den Berghängen des Aburratals ausbreitet. Vom Busterminal aus geht es mit dem Taxi zu unserem Hostel Primavera Zero ins angesagte Viertel El Poblado. Wir checken ein und machen einen ersten Rundgang durch unsere neue Kurzzeitheimat. Bei 22°C Außentemperatur können wir endlich einmal schweißfrei herumschlendern. Der erste Eindruck ist großartig. Gepflegte Straßen, Restaurants und Boutiquen wohin das Auge blickt, Bäume und riesige Bambuspflanzen spenden überall Schatten, der Verkehr ist überschaubar, wir fühlen uns wohl und sicher. Als nächstes machen wir das, was wir am besten können – Essen gehen. Wir haben allerdings die Qual der Wahl – italienisch, indisch, kolumbianisch, peruanisch, mexikanisch oder doch zum Argentinier? Wir entschließen uns schließlich für ein argentinisches Steakhaus und lassen uns eine riesige Fleischplatte ausgezeichneten Rindes schmecken – für Felix das beste Fleisch seit langem und er hat absolut recht. Danach zum Verdauen zurück ins Hostel, den Tag erst einmal in Ruhe ausklingen lassen und die geplanten Stadtführungen buchen. Wir haben ein hartes Programm vor uns: Montag Stadtführung durchs historische Zentrum (4 Stunden), Dienstag Besuch eines typischen Medelliner Barrios (3,5 Stunden) und am Mittwoch noch die Exotic Fruit Tour (3 Stunden) auf dem lokalen Markt, natürlich alles per Pedes. Da wollen die untrainierten Segler-Füßchen noch ein bisschen geschont werden.

Am nächsten Tag wollen wir uns erst einmal auf eigene Faust einen Überblick über die Stadt verschaffen. Am besten eignet sich dazu die Metro, übrigens die einzige in ganz Kolumbien, sie führt in Nord-Süd-Richtung etwa 30 km durch die Stadt, verläuft teilweise auf Stelzen und ausschließlich oberirdisch. Wir wollen von Poblado nach Norden zur Metrostation Acevodo. Hier verbindet eine Seilbahn (Metrocable) die höhergelegenen, armen und schwer zugänglichen Barrios (Viertel) mit der Innenstadt. Als wir die Metrostation betreten fallen uns zwei Dinge sofort auf: Es ist unheimlich sauber. Keine Graffities an den Wänden, niemand isst oder trinkt auf dem Bahnsteig. Auf jedem Bahnsteig befinden sich zwei Polizisten und eine Putzfrau. Außerdem werden wir beobachtet, bestaunt. Mensch am Bahnsteig drehen sich nach uns um, ein freundliches „Buenos dias“ hier und dort, irgendwie ein komisches Gefühl. Außer uns sieht man nicht viele andere Touristen. In der Metro das gleiche Bild, man könnte vom Boden essen, keine Schmierereien, keine Kaugummis auf den Sitzen und wir ziehen wieder alle Blicke auf uns. Später werden wir erfahren, dass die Metro eine ganz besondere Bedeutung für die Medelliner hat, sie verbindet nicht nur die abgelegenen Vororte mit der City, sondern ist Symbol der „Transformacion“, des Wandels von einer Drogenhochburg zu einer modernen, lebenswerten Stadt. Die Menschen sind unheimlich stolz auf ihre Metro auf und deshalb passen sie auch auf sie auf!. In Acevodo steigen wir in die Metrocable, die Seilbahn, um und fahren die steilen Flanken des Aburratals hinauf, während sich unter uns ein Gewirr aus übereinander gebauten Ziegelhäusern erstreckt. Zwischen den Häusern finden sich schmale Gassen, Treppen und Trampelpfade, die kaum mit dem Auto zu passieren sind. Von oben gesehen ein einziges Labyrinth! Die Seilbahn verläuft so tief über den Häusern, dass wir in jeden Hinterhof, Balkon sehen können, überall trocknet Wäsche in der Sonne, Kinder spielen auf der Straße …. irgendwie ist es wie im Zoo!. Je höher wir kommen, desto mehr können wir die Ausmaße Medellins erkennen. Ein unglaublicher Ausblick! In Santo Domingo steigen wir um und fahren mit der nächsten Seilbahn in den Parque Ecotouristico Arvi. Bis zur Endstation überqueren wir reichlich renaturierten Nebelwald mit riesigen Farnen und unterschiedlichsten Bäumen – sogar Felix ist fasziniert! Früher soll die Kokain-Mafia hier ihre Leichen entsorgt haben…

Danach geht es wieder abwärts ins Stadtzentrum, wir wollen zum Plaza Botero. Der Platz wurde 2002 im Rahmen der Transformacion neugestaltet und mit insgesamt 23 Skulpuren des kolumbianischen Künstlers Fernando Betero bestückt. Der ganze Platz wirkt wie eine Freilichtmuseuum. Die disproportionierten Figuren haben einen hohen Wiedererkennungswert und werden uns sicher im Gedächtnis bleiben. Bevor es ins Museo de Antioquia geht, müssen wir uns erst einmal stärken. Nach einigem Suchen finden wir das Traditionslokal „Hacienda“ und müssen natürlich das Nationalgericht Kolumbiens probieren – die „Bandeja Paisa“. Die Bandeja Paisa (Bandeja = Platte, Paisa = Name für die Bewohner Antioquias) ist ein wirklich deftiges Gericht und war ürsprünglich ein typisches Essen der schwer arbeitenden Landbevölkerung. Auf eine Bandeja Paisa gehören: geriebenes Rindfleisch, Chorizo, Blutwurst, frittierter Schweinebauch, frittierte Banane, ein Spiegelei, rote Bohnen, Reis, Avocado und Arepa (Maisfladen). Die Kolumbianer sind stolz auf ihre Bandeja Paisa und jeder, der einmal nach Antioquia reist, muss dieses Gericht einmal probiert haben. Man bekommt es im ganzen Land, aber nur in Antioquia und Medellin schmeckt es wie es schmecken muss. Mit einem Stein im Magen geht es ins Museo de Antioquia, das im ehemaligen Palacio Municipal untergebracht ist und eines der wichtigsten Museen des Landes darstellt. Es beherbergt unterschiedliche Gemälde und Plastiken kolumbianischer Künstler, natürlich dürfen auch hier Werke von Fernando Botero nicht fehlen. Die Ausstellung ist sehr abwechslungsreich und ein echter Kulturgenuss. Nach so vielen neuen Eindrücken kehren wir erst einmal erschöpft ins Hostel zurück.

Montags beginnt dann unser Besichtigungsmarathon! Die Tour startet bereits um 08:54 Uhr, also müssen wir zum Leidwesen unseres Sohnes früh raus. Treffpunkt ist glücklicherweise unsere Metrostation El Poblado. Wir sind pünktlich, werden freundlich empfangen, in die erste Gruppe eingeteilt, finden uns unter 20 – 30jährigen Backpackern wieder und mit der Metro geht es ins Zentrum Medellins. Bevor es allerdings richtig losgeht, bekommen wir von Camillo, unserem Tourguide, noch ein paar Verhaltensregeln mit auf den Weg. Regel 1: You are the aliens! Wir erfahren, dass wir für die Einheimischen noch fremdartiger sind, als sie für uns. Viele haben noch nie einen Ausländer gesehen. Vor allem unsere Größe (kolumbianische Männer sind im Schnitt 170 cm und kolumbianische Frauen 155 cm groß), unser Aussehen und die fremdartige Sprache sind für viele Kolumbianer gewöhnungsbedürftig. Wir sollen uns also nicht wundern, wenn wir angestarrt oder beäugt werden. Camillo beteuert jedoch, dass die Medelliner nur neugierig und ganz harmlos sind. Regel 2: Do not mention his name, Pablo Escobar! – Wieso? Obwohl Escobar bereits über 30 Jahre tot ist, spaltet er die Medelliner Gesellschaft immer noch. Während er für die einen ein skrupelloser Möder, Verbrecher und Drogendealer war, ist er für die armen Leute eine Art Robin Hood. Er hat Wohnungen, Schulen, Krankenhäuser und vieles mehr für die Ärmsten der Armen gebaut und sie verehren „Il Padrone“ dafür immer noch. Ein Barrio trägt auch seinen Namen. Obwohl die Führung in Englisch ist, was wahrscheinlich 95 % der Einheimischen nicht verstehen, bleiben doch immer wieder Leute stehen und hören zu. Wenn im Rahmen der Führung also sein Name fällt, wissen die Menschen nicht, ob gut oder schlecht über ihn gesprochen wird. In der Vergangenheit führte diese Situation wohl hin und wieder zu unschönen Szenen – also, you can call him the famous guy or P.E. or so …!

Nach dieser Einführung beginnt die Führung vor dem Sitz der Provinzregierung und dem Justizpalast. Vor dem Gebäudeensemble befindet sich das 38 m hohe „Monumento a la Raza“ des Bildhauers Rodrigo Arenas Betancur, welches die Geschichte und wirtschaftliche Entwicklung Medellins darstellt. Danach geht es weiter zum Square of Lights. 15 Jahren zuvor wurde die Gegend noch von Straßengangs regiert, Mord und Todschlag standen hier auf der Tagesordnung. Im Rahmen der Transformacion wurde der Straßenzug vollständig platt gemacht, die Kriminalität aus der Innenstadt verbannt und als Symbol der Erneuerung der Square of Lights, eine monumentale Bibliothek sowie ein neues Bildungszentrum errichtet. Die Transformacion spielt auf der weiteren Führung immer wieder eine zentrale Rolle und Camillo erklärt uns anhand von Gebäuden und Plätzen die Verwandlung Medellins vom kriminellen Drogenmoloch in eine weitgehend friedliche und wirklich sehenswerte Stadt. Neben den massiven infrastrukturellen Investitionen, die zur Anbindung der Armenviertel an die City geführt haben, ist vor allem die überall sichtbare Präsenz von Polizei und Sicherheitskräften die Grundlage für den Erfolg Medellins. Die Führung ist aber kein Lobgesang auf die gelungene Veränderung der Stadt, das Konzept Medellins wird mittlerweile von anderen Problemgroßstädten kopiert, sondern zeigt auch die Schattenseiten der Transformacion sowie die weiterhin bestehenden Probleme der Stadt.

Als wir an der Kirche Veracruz vorbeikommen steht das Thema Prostitution auf der Agenda. Ambitionierte Frauen bieten hier ihre Dienste für 10-15 US an, Stundenhotel inklusive. Interessanterweise findet man die Damen immer neben oder hinter den großen Kirchen. Hintergrund: Nach der begangenen Sünde sucht der kolumbianische Mann offensichtlich die schnelle Vergebung in der Kirche! Erst f…., dann beichten und alles ist wieder gut – dieser Verdrängungsmechanismus ist auch Teil der kolumbianische Seele! Danach geht es weiter über den Botero Square zum Bolivar Park. Zwischendurch stärken wir uns in der Fußgängerzone mit ein paar Empanadas (frittierte, gefüllte Maisfladen) und exotischen Fruchtsäften. Am Bolivar Park können wir wieder die Schattenseiten Medellins beobachten. Im Licht der Metropolitan Cathedral sehen wir Prostituierte, einige Freaks kiffen gemütlich ihre Joints, andere spritzen sich Heroin, dazwischen ältere Herren beim Mittagsplausch! Was für eine skurrile Mischung. Obwohl der Platz als nicht ungefährlich gilt, ist alles ganz entspannt. Wir werden bestaunt, staunen zurück und alles ist gut. Den Abschluss bilden der San-Antonio-Platz, wo 1995 das verheerende Attentat stattfand. Wir machen noch ein Gruppenfoto und verabschieden uns von Camillo. Seine unglaublich enthusiastische Führung, die vermittelte Aufbruchstimmung in Medellin und die herzliche Art der Einwohner haben uns tief beeindruckt! Nach 4,5 Stunden Stadtführung und reichlich Informationen sind wir allerdings ziemlich geschafft. Wir gehen noch ins Museo de Antioquias etwas essen und sind danch reif für´s Hostel – so viel Info muss erst einmal verdaut werden!

Am Dienstag ist erstmal ausschlafen angesagt, da unsere Tour durch das Vorstadtviertel Moravia glücklicherweise erst am Nachmittag beginnt. Während Felix und ich am Vormittag im Hostel chillen, geht Antje zum Friseur und lässt sich im Massagestuhl eine neue Frisur verpassen. Wir nehmen die Veränderung wohlwollend zur Kenntnis und ziehen nach einem leichten Mittagssnack los. Treffpunkt ist diesmal die Metrostation Caribe. Wir kommen just in time an und werden schon von unserem Guide Pablo erwartet. Während wir auf der Citytour noch beinahe 30 Leute waren, sind wir hier nur zu neunt. Nach der bereits bekannten Einführung: You are the aliens, do not mention his name, you are not in a zoo! – geht es los. Wir besuchen das Barrio Moravia. Mitte der 70er Jahre diente die Region als Müllhalde und lag am Rande der Stadt. Auf der Flucht vor den innerstaatlichen Konfliken siedelte sich hier die Landbevölkerung an. Sie bauten sich Hütten aus Müll und lebten vom Abfall der Großstadt. Alles war natürlich illegall. In den 90er Jahren wurde das Viertel legalisiert und umgestaltet. Der Müllberg wurde mit Erde bedeckt, spezielle Pflanzen zur Absorbtion der Gifte gepflanzt und ein schöner Garten angelegt, alles in Zusammenarbeit mit Biologen der Universidad de Antioquias.

Im Westen Medellins baute die Stadtverwaltung mehrere Hochhausburgen für die Einwohner. Etwa 90% der Bewohner der ehemaligen Müllhalde wurden umgesiedelt, aber ca. 10% wollten bleiben und leisteten Widerstand. Anhand dieser Menschen erklärt uns Pablo die Vor- und Nachteile der Transformacion ganz direkt. Anders als in der Tour am Vortag geht es heute wirklich ins Detail – sehr spannend. Wir schlendern an den Behausungen der „Resistance“ vorbei, kommen mit den Bewohnern ins Gespräch, alles ist unglaublich interessant, aber auch bedrückend. Danach geht es tiefer ins Barrio hinein. Wir überschreiten eine imaginäre Linie und befinden uns plötzlich nicht mehr im Umsiedlungsgebiet. Sofort verändern sich die Wohnverhältnisse und wir stehen in einem typischen Medelliner Viertel. Mit dem Beginn der Transformacion entstanden in diesen Barrios moderne Schulen, Bibliotheken und Parks. In Moravia schuf der kolumbianische Architekt Rogelio Salmona ein modernes kulturelles Begegungszentrum, das seinesgleichen sucht. Wir erfahren viel über das kolumbianisches Gesundheits- und Bildungssystem. Pablo erklärt uns verschiedene Projekte und wir besuchen eine Ausstellung über die Entstehung des Barrios. Die Bilder an den Wänden sind echt schockierend, andererseits ist die Verwandlung des Viertels wirklich beeindruckend – wow. Jetzt ist uns auch klar, warum die Transformacion ein Exportschlager Kolumbiens ist, auch wenn sich damit nicht alle Probleme einer modernen Großstadt lösen lassen! Am Ende der Tour befinden wir uns auf der Spitze des ehemaligen Müllbergs, genießen die Aussicht über Medellin, im Süden der Stadt fällt Regen, während wir im Norden im Trockenen stehen. Bei diesem Ausblick verstehen wir, warum die Widerständler diesen Ort nicht verlassen wollen. Nach einer herzlichen Verabschiedung fahren wir mit der Metro nach Poblado zurück, ab ins Hostel, duschen, umziehen und schon geht es weiter… am Abend steht ein kulinarisches Highlight an!

Med (50)

Am Vortag habe ich einen Tisch im El Cielo (der Himmel) reserviert. Laut meinen Internetrecherchen kredenzt hier der Sternekoch Juan Manuel Barrjentos exzellente Molekularküche. Schließlich müssen wir uns auf die am nächsten Tag bevorstehende Exotic Fruit Tour einstimmen. Gegen 19:00 Uhr treffen wir völlig underdressed in dem Nobelschuppen ein. Wir werden von Kellnern in Livree begrüßt, an unseren Tisch geleitet und nicht schräg angesehen!. Ohne eine Speisekarte gesehen zu haben, werden sofort drei Amuse Gueules serviert – fängt ja schon mal gut an! Danach kommt der Oberkellner um unsere Bestellung aufzunehmen. Wir haben die Wahl zwischen dem neungängigen Menü „The Trip“ und der vierzehngängigen Gourmetschlacht „The Journey“. Wir entscheiden uns – natürlich – für die kulinarische Reise. Wer kann bei einem Preis von 45 Euro pro Menü schon Nein sagen! Bevor es losgeht erwartet uns eine sehr eigenwillige Reinigungsprozedur. Wir bekommen eine Schokoladenpraline gefüllt mit Kakaobutter in die Hand gelegt, müssen diese zerdrücken und uns damit die Hände einseifen. Danach werden wir mit Erdbeersalz bestreut und alles wird mit lauwarmen Wasser aus einer Silberkaraffe abgewaschen – Gott, wie dekadent, aber ich liebe es sofort!

Nach dieser Vorbereitung gibt es endlich wieder was zu beißen. The Journey beginnt mit einer Spinatsuppe und einem Kartoffelkeks, dazu einen Cava-Sekt aus Spanien. Hört sich zwar langweilig an, aber der Keks ist die reinste Geschmacksexplosion und ziemlich spicy! Anschließend wird eine perfekt glasig gegrillte Garnele auf Kürbismousse und getrockneten Tomatenbröseln gereicht – hmmm. Der Sauvigon Blance aus Argentinen war natürlich auch durchaus trinkbar. Der Kapitän zieht sich daraufhin mal kurz zurück und legt eine frische Marlboro auf. Vor dem Lokal entdeckt er ca. 10 anzugtragende Leibwächter mit Knopf im Ohr – Okay, offensichtlich haben wir prominente Gesellschaft. Kaum wieder zuück geht es auch schon weiter: Catch of the Day (Seebarsch) mit Risotto, dazu ein wohltemperierter chilenischer Rosé. Kurze Pause, das anschwellende Bäuchlein streicheln und weiter geht’s. In einer tristen grauen Schale kommt ein Ravioli mit Hühnchenfüllung und Trüffel-Bechamelsause angeflogen, das seinesgleichen sucht. Ich will hier niemehr weg! Der Hauptgang – Schweinebauch auf Baumtomatensauce mit Biscuit-Schmetterlingen – ist zwar lecker, enttäuscht aber ein bisschen, weil einfach zu fettig. Glücklicherweise im Laufe des Abends der einzige kulinarische Rückschlag. Der dazu gereichte Malbec aus Argentinen bekommt dafür die volle Punktzahl.

Anschließend lassen wir uns eine Art Beef-Marshmallow mit Cassischutney schmecken, das wir zusammen mit dem restlichen Rotwein runterspülen – Give me more from this stuff! Das Marshmallow kennzeichnet den Übergang zum süßen Teil des Menüs, obwohl wir gerade mal zweieinhalb Stunden im Restaurant sitzen… Der Dessertmarathon beginnt natürlich mit einer Schokoladenkreation, dazu ein 20 Jahre alter Portwein – sehr lecker, so kann es weiter gehen. Endlich gibt’s Kaffee. Kaffeepflanzen werden auf dem Tisch drappiert, eine Glaskaraffe mit angeschnalltem Filter plaziert und mit einem wahnsinnig intensiv riechenden kolumbianischen Kaffee bestückt. Während der Kaffee langsam durch den Filter rinnt, wird unser Tisch eingenebelt. Die Kaffeeplantation-Hochland-Frühnebelstimmung kommt bei uns genauso gut an wie der frische Kaffee und die kleinen Baiserstückchen. Zum Schluss bekommen wir noch Mango-Macarons in einer Geschenkschachtel überreicht – wow, klasse, sensationell. Definitiv das beste Essen auf unserer gesamten Reise, alle sind restlos begeistert, auch wenn das Schwein … Hoffentlich ist Juan Manuel Barrjentos kinderlos und adoptiert mich! Vier Stunden später wackeln wir ins Hostel zurück und schlafen schmatzend ein …

Mittwochs ist wieder ein Frühstart angesagt. Weil wir aber noch wehe Füßlein haben und nicht schon wieder 20 Minuten bis zur Metrostation latschen wollen, nehmen wir uns ein Taxi bis zum Treffpunkt Minorista, dem Obst- und Gemüsemarkt. Wir quälen uns eine ¾ Stunde durch den morgenlichen Verkehr und kommen gerade noch rechtzeitig an. Nach den üblichen einleitenden Worten bekommt jeder einen Löffeln von Diana, unserer Führerin, in die Hand gedrückt und es geht los. Sobal wir den Markt betreten werden wir mal wieder von allen Seiten beäugt, aber die Menschen beißen nicht! Wir schlendern ein wenig durch den Markt und probieren immer wieder unterschiedliche Obstsorten. Interessanterweise gibt es für manche gar keinen deutschen sondern nur englische Namen. Als wir gerade einem Bauern beim Mais schälen beobachten, beginnen einige Jugendliche ganz aufgeregt zu schnattern. Auf Nachfrage unserer Führerin stellt sich heraus, dass die Jungs wirklich noch nie Touristen gesehen haben. Die vier sind ganz aus dem Häuschen! Im Rahmen der Tour kosten wir insgeamt 14 verschiedene Fruchtsorten: Guanabana (Soursop), Borojo (Borojo), Maracuja (Yello Passion Fruit), Curuba (Banana Passion Fruit), Gulupa (Passion Fruit), Granadilla (Sweet Granadilla), Tomate de Abrol (Tree Tomato), Guayaba (Guave), Lulo (Little Orange), Chontaduro (Peach Palm), Algarroba (West Indian Locust), Uchuva (Cape Gooseberry), Pitahaya (Dragon Fruit), Higo (Prickly Pear), Tamarindo (Tamarind) und Cherimoya (Custard Apple). Außerdem erfahren wir wie die Früchte im reifen Zustand aussehen bzw. sich anfühlen müssen. Obwohl wir auf unserer Reise immer wieder neue Obstsorten endeckt und probiert haben, finden sich hier doch einige bisher unbekannte auf dem Markt. Zum Abschluss darf sich jeder noch einen Milchshake mit einer Frucht seiner Wahl wünschen. Während wir die leckeren Drinks genießen, erzählt uns Diana, dass der Minorista Markt immer noch relativ schlecht besucht ist, weil es hier früher regelmäßig zu gewalttätigen Auseinandersetzungen kam und die Einheimischen den Markt deshalb immer noch meiden. Wir sind u.a. auch hier um den Menschen zu zeigen, dass ihr Obst- und Gemüsemarkt mittlerweile sicher ist und so können wir auch einen kleinen Beitrag zur Medelliner Transformacion leisten – wirklich ein sehr netter Gedanke. Nach einer herzlichen Verabschiedung wollen wir noch zum Botanischen Garten, natürlich nicht wegen der Pflanzen sondern zum Essen. Das „In situ“ wird in mehreren Reiserführern für seine Küche gelobt. Nach unserer kulinarischen Reise vom Vortag liegt die Messlatte jedoch sehr hoch. Das Essen ist natürlich lecker, aber selbstverständlich kein Vergleich. Danach geht es mit der Metro zurück ins Hostel, unsere Füße haben nach der stundenlangen Lauferei in den letzten Tagen ein wenig Ruhe verdient.

Tagsdarauf müssen wir schon wieder nach Santa Marta zurück. Am Vormittag wird gepackt, danach noch ein Kurzausflug zum Majorista, dem größten Markt in Medellin, der allerdings auf einem riesigen Gelände verteilt ist und nur wenige touristische Aspekte bietet. Als wir an der Metrostation Poblado aussteigen, spricht uns eine Metroangestellte an und meint, sie hätte uns die letzten Tage immer wieder gesehen und würde sich wirklich freuen, dass wir Medellin besuchen – sowas haben wir noch nie erlebt! Nach dem Essen geht es am Nachmittag mit dem Taxi zum Flughafen. Am späten Abend kommen wir in Santa Marta bei 36 °C an, schwitzen wieder und sind kurz danach zurück auf unserer Auriga. In den letzten fünf Tagen haben wir viel über Kolumbien im Allgemeinen und Medellin im Speziellen gelernt. Uns haben vor allem die Aufbruchstimmung in der Stadt, unsere engagierten Guides, die überall spürbare Hoffung auf Veränderung nach den Jahren der Kriminalität, aber auch die unglaubliche Herzlichkeit der Menschen sehr beeindruckt. Wir hatten jederzeit das Gefühl, als Touristen willkommen zu sein. Leider hatten wir keine Zeit mehr, die berüchtigte Communa 13 oder ein Fußballspiel zu besuchen. Außerdem hätten wir gerne noch eine Pablo Escobar Tour mitgemacht. Wegen ihrer Kontraste und der vielseitigen Möglichkeiten, die die Stadt bietet wird Medellin hiermit unser erster Städtetipp – Bienvenido a Medellín!

Med (49)

Fair winds und bis bald,

eure Aliens von der Auriga

Kolumbien – Liebe auf den ersten Blick!

Montagmorgen haben sich alle Bedenken in Luft aufgelöst. Bei Hans bezahlen wir unsere Liegegebühr, schaffen eine Übersichtskarte für die süd-westliche karibischen See an und bekommen zu unserer Überraschung noch einen echt klasse Cruising Guide für Kolumbien geschenkt, vielen Dank. Dann heißt es bye, bye Aruba, ayo ABC-Inseln! – für uns kein leichter Abschied. Bevor wir zum Ausklarierungspier umsiedeln können, melden wir uns vorschriftsmäßig bei Port Control, bekommen die Freigabe und tuckern los. Die Beamten von Custom und Immigration sind schon vor Ort und die Formalitäten können rasch erledigt werden, wie auf den anderen Inseln der ehemaligen niederländischen Antillen ist alles umsonst. Wir verlassen den Hafenkanal durch die nördliche Zufahrt, bringen den Foerthmann in Stellung, rollen unsere Genua aus und setzen Kurs 300° auf den 100 nm entfernten nördlichsten Punkt des südamerikanischen Kontinents – Punta Gallina. Bei 4-5 Bft. achterlichem Wind und bis zu 2 kn westlicher Strömung machen wir zwischen 6-7 kn Fahrt. Bei der Geschwindigkeit haben wir das Gefühl uns anschnallen zu müssen, wir düsen ganz schön und erreichen ein Rekord-Etmal von 150 nm. Am zweiten Tag lassen Wind und Strömung etwas nach, aber trotzdem erreichen wir Santa Marta am Mittwoch Nachmittag, nach nur 53 Stunden mit einer Durchschnittsgeschwindigkeit von 5,7 kn! Offensichtlich wird unsere Auriga magisch von Kolumbien angezogen.

Kol1 (40)

Wir melden uns via VHF in der Marina Santa Marta an, werden kurz darauf von zwei Marineros in einem Dinghi empfangen und zu unserem Liegeplatz geleitet. Antje legt entspannt an, wir müssen uns allerdings nach 15 Minuten wieder verlegen, weil der zugewiesene Liegeplatz leider besetzt ist. Bei einer Affenhitze machen wir wieder alle Leinen klar, legen ab, fahren einmal um den Ponton herum und legen mit vielen helfenden Händen wieder an. Wir klären mit den Marineros die Stromversorgung, unser neuer Adapter kommt planmäßig zum Einsatz und wir melden uns danach in der Marina an. Seitdem wir vor über 14 Monaten Afrika / Agadir verlassen haben, haben wir heute zum ersten Mal wieder Festlandboden unter den Füßen. Im Marinabüro werden wir sehr, sehr herzlich empfangen und mit allen Einrichtungen vertraut gemacht, ein Marinaagent übernimmt für uns die Einklarierungsformalitäten. Kurz darauf besucht uns Matthias von der SY Jasina, er und seine Freundin Regina liegen mit ihrer Etap 32 seit etwa fünf Monaten hier, gibt uns ein paar Tipps und wir verabreden uns für den nächsten Abend – schöner Auftakt. Die Marina Santa Marta liegt direkt an der Strandpromenade und nur ein paar Meter vom historischen Stadtzentrum entfernt. Direkt neben den Wellenbrechern der Marina befindet sich ein langer, schöner Sandstrand. Nach einer herrlichen Dusche wollen wir natürlich noch zum Essen gehen.

Der Zugang zur Marina wird von mehreren Wachleuten und einem Soldaten mit angeschlagener MG bewacht. Mein Sicherheitsbedürfnis ist sofort aufs Höchste befriedigt, hier müssen wir uns auf alle Fälle keine Sorgen um unser Hab und Gut machen. Wir erkundigen uns nach dem nächsten Geldautomaten, heben gleichmal eine halbe Million Pesos (ca. 150 Euro) ab und fühlen uns wie Millionäre! An der Strandpromenade haben wir die Qual der Wahl. Es gibt jede Art von Restaurants und die Preise sind überschaubar … günstig … praktisch extrem billig. Wir finden auf keiner Speisekarte ein Hauptgericht für mehr als 10 Euro. Seit unserer Ankunft punktet Kolumbien schon zum dritten Mal! Nach einem gepflegten Dinner mit einer Flasche Wein und anschließendem Dessert sind wir gerade mal 120.000 Pesos los. Obwohl wenig englisch gesprochen wird, klappt die Verständigung trotzdem ganz gut und die Menschen sind unheimlich herzlich und freundlich. Ich fühle den Beginn einer großen Liebe! Nach dem Essen schlendern wir zurück, fallen todmüde in unsere Kojen und schlafen erstmal richtig aus.

Kol1 (24)

Santa Marta ist die Hauptstadt des Departamento del Magdalena und liegt im Nordosten des Landes relativ nah an der Grenze zu Venezuela. In Santa Marta leben 480.000 Menschen, im ganzen Departamento 500.000! Die Straßen sind geometrisch angelegt. In Nord-Süd-Richtung verlaufen die Carreras, die Wege von Ost nach West werden als Calle bezeichnet. Alles ist durchnummeriert, es gibt kaum Straßennamen, aber dadurch fällt die Orientierung sehr leicht. Nördlich von Santa Marta befindet sich die Sierra Nevada de Santa Marta mit den höchsten Bergen Kolumbiens, dem Pico Cristóbal Colón sowie dem Pico Simón Bolívar, die beide über 5.700 Meter hoch sind. Die Berge gehören zu den nördlichen Ausläufern der Anden (Kordillere) und sind damit das höchste Küstengebirge der Welt. Vom Meeresgrund aus gesehen sind die beiden schneebedeckten Gipfel praktisch über 10.000 Meter hoch. Santa Marta wurde am 29. Juli 1525 vom Conquistador Rodrigo de Bastidas als eine der ersten heute noch bestehenden spanischen Städte auf dem amerikanischen Festland gegründet. Ca. 16 km vom Stadtzentrum entfernt befindet sich die Quinta de San Pedro de Alejandrino, auf der am 17. Dezember 1830 der Freiheitskämpfer Simon Bolivar verstarb. Santa Marta ist eine der wichtigsten Hafenstädte im Norden Kolumbiens. Rund um die Stadt wird intensiv Landwirtschaft betrieben, es werden Palmen, Bananen und Mangobäume angepflanzt.

Am nächsten Morgen stehen um 09:00 Uhr die Einklarierungsbehörden auf der Matte – ups. Bei uns sieht es mal wieder aus….! Ein Beamter kommt an Bord um das Boot zu inspizieren. Wir müssen alle Unterlagen vorlegen, zum ersten Mal wird auch unser Gelbfieberimpfstatus überprüft, unser Bad (haha!) kontrolliert, aber alles ist okay und nach einer Viertelstunde zieht der Offizielle wieder ab, wir bekommen unsere Pässe zurück und dürfen 90 Tage in Kolumbien bleiben. Danach ist Felix gefragt, weil die nächste Bio-Schulaufgabe ansteht. Anschließend ist unser Sohn natürlich so erschöpft, dass er nicht in der Lage ist, in die Stadt mitzukommen. Mama hat mal wieder Verständnis und das Kind darf an Bord bleiben, während wir uns aufmachen. Zuerst besuchen wir aber die SY Jasina und machen unser Date für den Abend klar. Wir dürfen an Bord kommen und ich entdecke eine kleine kompakte Klimaanlage – A dream comes true! Wir erfahren, dass Klimaanlagen dieser Art überall erhältlich sind und ich habe sofort ein neues Objekt der Begierde, eine Haceb muss her! Da die beiden nächste Woche nach Panama wollen und anschließend in den Pazifik, schenken sie uns auch noch ihren Kolumbienreiseführer. Danach geht es ins Marinabüro, weil wir beschlossen haben, mindestens einen Monat hier zu bleiben, um von hier aus Kolumbien zu erkunden. Unser erstes Ziel in Santa Marta ist natürlich ein Supermarkt. Bei 32°C im Schatten latschen wir los und finden uns in einer richtigen Stadt wieder. Das Verkehrschaos tobt, es stinkt, es ist unglaublich laut, die Luft zum Schneiden, Smog pur, aber wir fühlen uns wohl. Zuerst stoßen wir auf einen Haushaltswarenladen, entdecken einen neuen Mülleimer, eine Köderbox, silikonierte Aufbewahrungsdosen, wir sind im Plastikhimmel – kaufen aber nichts, wir haben schließlich eine Mission. Die Carrera 5 ist Lateinamerika pur. Links und rechts Geschäfte aller Art, vor den Geschäften fliegende Händler und Garküchen, unbeschreiblich, endlich mal wieder Zivilisation. Wir finden den ersten Supermarkt, sondieren das Sortiment, ich entdecke eine Haceb für 110 Euro! Es gibt alles, was das Herz begehrt, die Preise treiben einem nach der Karibik die Tränen in die Augen – wir sind happy. Zigaretten kosten 1,30 Euro, 5 Liter Wasser 1,00 Euro, Grundnahrungsmittel sind etwa 60% billiger als in Europa, Bier gibt es für 0,50 Euro die Dose, Wein ist erschwinglich, Obst und Gemüse auf marokkanischem Niveau. Außerdem kann man echt billig Essen gehen. Für ein durchschnittliches Mittagessen legt man zwischen drei und fünf Euro hin! Wir besorgen ein paar Lebensmittel und fahren mit dem Taxis zur Marina zurück, dabei erfahren wir, dass man innerhalb des Stadtgebietes pro Taxifahrt nur 2 Euro bezahlt.

Am Abend treffen wir uns mit Matthias und Regina und lernen außerdem Hank und Susi kennen. Die beiden Amerikaner sind vor ein paar Wochen mit dem Boot aus Puerto Rico gekommen, waren so begeistert von Santa Marta, dass sie sich gleich um die Ecke eine Eigentumswohnung gekauft haben. Wir beschließen in die Stadt zum Essen zu gehen und verbringen einen kurzweiligen Abend in einem sehr netten Restaurant am Parque de Los Novios, dem Zentrum des Nachtlebens. Im Laufe des Abends erfahren wir viel über Kolumbien, Santa Marta und das Leben hier. Als wir das Lokal verlassen, tobt der Bär vor dem Lokal, Lebensfreude pur. Wir schlendern gemütlich zum Hafen zurück und legen uns erschöpft von so vielen neuen Eindrücken hin. Allerdings ist die Familie bereits um 02:30 wieder fit, es ist wahnsinnig warm und wir werden von einem Haufen Mücken malträtiert. Mitten in der Nacht beginnt eine wilde Jagd auf die kleinen Mistviehcher. Die erste Schlacht können wir zwar für uns entscheiden, allerdings befürchten wir eine langwierige Auseinandersetzung mit den Biestern. Wir müssen definitiv massiv aufrüsten. Obwohl am nächsten Tag Karfreitag ist, haben viele Geschäfte am Morgen geöffnet. Als erstes muss eine Klimaanlage her! Wir laufen wieder zum Supermarkt und erstehen die Haceb, die letzte, die es noch gibt. Danach geht es in die Abteilung Schädlingsbekämpfung – wir decken uns mit Mückengift, Klebefallen und Antimückenmittel ein. Wir wollen doch mal sehen, wer hier der Herr im Haus ist! Zurück an Bord wird die neue Klimaanlage natürlich sofort ausprobiert, mit der Größe einer Mikrowelle passt sie genau in den Niedergang. Wir lassen sie eine halbe Stunde laufen und unsere Kabine ist nach kurzer Zeit angenehm temperiert – sehr schön.

Abends laufen wir bei drückender Schwüle und 30°C zur Kathedrale und wollen uns die Karfreitagsprozession ansehen. Vor der Kirche herrscht Volksfeststimmung, einige Heiligenfiguren sind bereits auf Holztragen aufgestellt. Nach einer Stunde Wartezeit erscheinen sechs Würdenträger und es werden lange, lange Predigten zum Besten gegeben. Da auf dem Platz kein Lüftchen weht, wir mal wieder in unserem eigenem Saft stehen, brechen wir die Aktion Osterprozession ab und suchen uns ein gut klimatisiertes Restaurant auf dem Dach des Strandkasinos mit herrlichem Ausblick über den Hafen und lassen uns ganz unchristlich Steak und Meeresfrüchte schmecken. Wir kehren in unser wohltemperiertes Heim zurück und freuen uns auf eine ruhige Nacht. Als ich am nächsten Morgen aufwache, haben wir eine Innentemperatur von 23 °C – es ist saukalt! Antje hat sich nachts in eine Wolldecke eingerollt, dafür haben wir deutlich weniger Mückenstiche. In den nächsten Tagen werden wir ein bisschen mit den Einstellungen spielen und unser persönliches Wohlfühlklima sicher finden.

Durch die Neuanschaffung der Klimaanlage können wir seit langem wieder bei guten Bedingungen schlafen, aber tagsüber wird es trotz Windsegel unter Deck schweineheiß und unsere beiden kleinen Kabinenventilatoren bringen nur wenig Bewegung in die stehende, feuchte Luft. Nächstes Tagesziel – ein neuer Ventilator muss her. Vormittags schreibt Felix noch eine Deutschschulaufgabe, während ich die Jasina besuche. Matthias bekommt unseren alten, kaputten elektrischen Autopiloten (wir haben zwei vom gleichen Typ) und ich dafür einen aktuellen Cruising Guide für Panama. Da Matthias Schiffsingenieur ist, nutze ich die Gelegenheit und löchere ihn mit Fragen über dieses und jenes. Gleichzeitig kontrolliere ich die Bordapotheke der beiden, so wäscht eine Hand die andere – so habe ich mir das Blauwasserleben immer vorgestellt. Die beiden sind vor fünf Jahren in Hamburg gestartet und wollen innerhalb der nächsten zehn Jahre die Welt umsegeln – „Wir wüssten sonst gar nicht, was wir machen sollen“ – es gibt also genung Gesprächsstoff. Zu meiner Überraschung erfahre ich, dass wir am Ostersonntag zusammen mit Matthias und Regina bei den Amerikanern zum Essen eingeladen sind, wird bestimmt interessant. Am Nachmittag sind wir im Ventilator-Jagdfieber und machen uns in die Ocean Mall auf. Am frühen Nachmittag haben die Temperaturen bereits 33°C erreicht. Glücklicherweise ist die Mall klimatisiert und wir können eine 18-Zoll Windmaschine für wenig Geld erstehen. Damit sollte der Wohlfühlfaktor auf unserer Auriga weiter deutlich steigen. Außerdem bekommt der Kapitän ein neues Tablet.

Ostersonntag beginnen wir mit einem gemütlichen, reichhaltigen Frühstück. Bis alles fertig ist darf Felix nach seinem Ostergeschenk suchen, was bei unseren Wohnverhältnissen ja eher überschaubar ist. Nach einer kurzen Suche findet er seine neuen Kopfhörer und freut sich sehr darüber. Wir vertrödeln den Vormittag, treffen uns mittags mit den beiden Hamburgern und machen uns zu Hank und Susi auf. Ihr Appartment (200 qm) befindet sich direkt am Strand im 13. Stock und bietet einen herrlichen Ausblick. Auf der einen Seite kann man über den Hafen und das Meer blicken, auf der anderen Seite sieht man Santa Marta mit den Andenausläufern im Hintergrund – Wow. Wir kochen gemeinsam und verbringen einen netten, fröhlichen Nachmittag zusammen. Obwohl am Ostermontag in Kolumbien kein Feiertag ist, sind wir lazy, das Kind hat schulfrei und wir hängen ein bisschen herum. Nachmittags schlendern Antje und ich durch die Stadt, aber die Temperaturen machen uns mal wieder zu schaffen, nach zwei Stunden sind wir durchgeschwitzt und kehren zum Schiff zurück.

Außerdem haben wir heute mit der SY Samantha telefoniert. Die beiden sind ja mittlerweile vor einer Woche in Antigua angekommen und wollen jetzt zügig nach Süden segeln. Ich bin ja gespannt, wo und wann wir uns wieder treffen werden. Die nächsten Tage ist wieder verstärkt Schul- und Bordalltag angesagt. Abends treffen wir uns mit der Jasina-Crew zum Sundowner, tauschen Programme, elektrische Seekarten, Filme und mehr aus. Festplatten wandern über die Stege, mehrere Gigabyte Daten wechseln den Besitzer. Die beiden erfahrenen Segler geben uns viele Tipps für die San Blas Inseln und leihen uns zu guter letzt auch noch ein Ankerbuch. Wir genießen die gemeinsame Zeit mit den Hamburgern sehr, leider brechen sie nach meherern Aufschüben doch Ende der Woche nach Panama auf. Allerdings ist ein Wiedersehen in den nächsten Wochen geplant. Wir haben beschlossen, die beiden als „Lineholder“ während der Passage des Panamakanals zu unterstützen. Nach einem letzten gemeinsamen Abend, heißt es dann wirklich Abschied nehmen.

Obwohl uns der Abschied diesmal wirklich schwer fällt, geht das Leben natürlich weiter und wir haben für nächste Woche Ferien anberaumt. Während unserer Inselhüpferei waren die Ausflugsziele ja meistens ziemlich überschaubar. Hier in Kolumbien müssen wir uns erst einmal gedanklich umstellen. Mit einer Fläche von 1,1 Mio km² ist Kolumbien ungefähr drei mal so groß wie Deutschland, da gibt es natürlich einiges zu entdecken. Nach vielen Gesprächen und einer ausgiebigen Recherche haben wir uns entschlossen als erstes Medellin im kolumbischen Hochland zu besuchen. Flüge und Hotel werden über´s Internet gebucht und am Samstagmorgen geht es los. Wir sind sehr gespannt, was uns in der Metropole mit 3,5 Millionen Einwohnern erwartet! Eines wissen wir aber ganz gewiss – es wird deutlich kühler sein als an der Küste!

Kol1 (16)

Fair winds und bis bald,

eure Konquistadores von der Auriga

One Happy Island – Aruba

Arub (19)

Die 80 nm von Curacoa nach Aruba sind bis auf die letzen Seemeilen eigentlich angenehm zu segeln. Allerdings sind die vielen Fracht- und Kreuzfahrtschiffe vor Willemstad durchaus ein Herausforderung, aber mit Radar und AIS können wir den Ozeanriesen sicher ausweichen. Nachdem wir mit 22 kn achterlichem Wind gestartet sind und die Sonne bereits zwei Stunden später untergegangen ist, stellen wir fest, dass wir viel zu schnell sind. Wir machen über 6 kn pro Stunde. Unter diesen Voraussetzungen kommen wir mitten in der Nacht in Oranjestad an. Also verkleinern wir unser Vorsegel auf Handtuchgröße und erreichen die Südwestspitze Arubas bei nachlassendem Wind pünktlich zum Sonnenaufgang. Hier begrüßen uns seit langem mal wieder ein paar Tüpfeldelphine – geht doch! Die letzten 10 nm bis zur Hauptstadt werden noch ein bisschen kappelig, aber das stört uns nicht mehr. Wir sind voll auf die bevorstehenden Einklarierungsformalitäten konzentriert. Eine halbe Stunde bevor wir den Kanal zur Hafeneinfahrt erreichen, melden wir uns via VHF bei Aruba Port Control und kündigen unsere Ankunft an. Port Control erklärt uns den Weg sowie das weitere Vorgehen. Wir müssen uns am Eingang des Zufahrtkanals nochmal melden, sobald wir die Freigabe erteilt bekommen, dürfen wir in den Kanal einschwenken – ein- oder auslaufende Kreuzfahrtschiffe haben in Aruba absolute Priorität und dürfen keinesfalls behindert werden! – sollen das angedockte Kreuzfahrtschiff westlich passieren und dahinter im zweiten Hafenbecken festmachen. Wir dürfen das Boot nicht verlassen und müssen warten bis die Beamten von Immigration und Customs eintreffen.

Arub (4)

Okay, kein Problem. Wir erreichen das zweite Hafenbecken und legen bei 25 kn Seitenwind längsseits am Pier an. Hier ist es ziemlich ungemütlich, der herrschende Schwell und der Wind drücken uns mit voller Kraft gegen die Betonmauer. Wir bringen alle Fender aus und versuchen den Druck bestmöglich auf den Rumpf zu verteilen. Die Leinen reißen tierisch an den Klampen und unsere arme Auriga ächzt und stöhnt herzzerreißend bei diesen Verhältnissen – Welcome to One Happy Island.

Da wir die Formulare für die Einreise im Internet heruntergeladen und bereits ausgefüllt haben, jedes natürlich in dreifacher Ausfertigung, hoffen wir auf eine schnelle Erledigung der Formalitäten. Die Wartezeit nützen wir um etwas aufzuräumen, schließlich müssen wir befürchten, dass die Offiziellen an Bord kommen wollen und es sieht mal wieder aus wie bei Hempels unterm Sofa! Endlich erscheinen die Beamten, jeder will nur ein einziges Formular! Dafür habe ich mir nachts mit Stirnlampe auf dem Kopf die Frisur ruiniert und mir die Finger wundgeschrieben, oder was? Es folgt das übliche Prozedere und nach einer Stunde ist alles erledigt. Bevor wir die Renaissance Marina im Zentrum Oranjestads anlaufen können, muss Port Control erneut befragt und um Durchfahrterlaubnis gebeten werden. Okay, Captain, you can leave, the dockmaster is already waiting for you. Call him on canal 16. We do, as commanded! Wir funken den Hafenmeister an, werden an der Einfahrt von einem Dinghy empfangen, zu unserem Liegeplatz geleitet und Antje parkt unsere Auriga rückwärts bei 25 kn Gegenwind spektakulär unspektakulär ein! Unsere Steuerfrau ist im Hafen halt doch immer wieder die Heldin, da soll nochmal einer behaupten Frauen können nicht einparken! Also gut wir wollen nicht übertreiben, ich meine natürlich mit dem Boot anlegen. Wir werden herzlich vom Hafenmeister empfangen, die Marinadinge können wir am nächsten Tag erledigen – sehr zuvorkommend – wir bekommen einen Adapter für den Stromanschluss und eine Kurzeinweisung in die Anlage. Wir befinden uns im Renaissance Hotel-, Casiono- und Marinekomplex Oranjestad, aha. Ähnlich wie in der Marigot Bay auf St. Lucia dürfen wir alle Hoteleinrichtungen nützen. Das Angebot ist allerdings der Hammer: Kostenloser Transfer zur Privatinsel!, zwei Pools, Handtuchservice, Fitnesscenter, Eismaschine und vieles mehr sind in der Liegegebühr eingeschlossen. Internet ist kostenlos, wenn wir fünf Tage bezahlen, können wir eine Woche bleiben – sehr geil! Wir erkunden ein wenig das Hotel, sehen uns die Pools an – ganz nett – gehen um die Ecke noch was essen und sind eigentlich schon bettreif, aber als wir am Nachmittag wieder in die Marina zurückkommen, bebt unser Boot im Rhythmus karibischer Bässe, die tägliche Party hat begonnen – One Happy Island, na herrlich!

Aruba wurde 1499 von den Spaniern entdeckt und besiedelt. 1636 erwarben die Niederländer die Insel. Aruba blieb jedoch wegen ihrer Bedeutungslosigkeit vom Sklavenhandel verschont, weshalb die ehemaligen Kolonialherren heute einigermaßen gut ankommen. Von 1825 bis etwa 1915 war auf Aruba die Goldgewinnung der größte Wirtschaftszweig. Die Reste einer alten Goldschmelze können im Südwesten der Insel noch besichtigt werden. 1924 siedelte sich die Lago Oil & Transport Company auf Aruba an, sie diente während des Zweiten Weltkriegs dem Energienachschub der amerikanischen Truppen. Nach 1945 verlor die Erdölindustrie an Bedeutung. Daneben existieren auf Aruba viele Offshore-Banken und Datenverarbeitungsfirmen. Seit Aruba auf dem Index der OECD als Steueroase steht, da seine finanziellen Strukturen einer großangelegten Steuerhinterziehung und Geldwäsche förderlich sind, hat die Regierung viele Schritte unternommen, um den „Steuersparern“ diese Möglichkeiten zu nehmen. Mittlerweile ist die Haupteinnahmequelle der Tourismus. Kilometerlange Badestrände, riesige Shopping Malls, Luxusgeschäfte jeder Art, alles natürlich umsatzsteuerfrei, Nightlife und unzählige Casinos ziehen jedes Jahr 1,5 Millionen Touristen an. Täglich liegen mindestens zwei Kreuzfahrtschiffe am Pier vor Oranjestad und die Insel wird mit Amerikanern und Kanadieren geflutet. Obwohl der Aruba Florin offizielle Währung ist, kann es schon mal vorkommen, wenn man in der Landeswährung zahlt, dass man US Dollar als Wechselgeld zurückbekommt – Sorry, we don´t have Florin! Die gesamte Tourismusindustrie ist auf nordamerikanische Urlauber ausgelegt – One Happy Island.

Für die ganze Woche auf Aruba haben wir keine größeren Ausflüge geplant, weil sich die Insel landschaftlich nicht sehr von den anderen ABC-Inseln unterscheidet. Außerdem können wir von unserem Liegeplatz Pelikane beim Fischen beobachten, Leguane und Eidechsen liegen wirklich an jeder Ecke herum und Flamingos soll es auf der Privatinsel am Flamingobeach geben, damit ist die Tierwelt Arubas auch schon abgehakt. Wir wollen uns ein wenig treiben lassen und unsere nächste Fahrt ins 280 nm entfernte Santa Marta in Kolumbien gemütlich vorbereiten.

Also startet Antje am Montag den Unterricht mit Felix, während ich zum Marinabüro schlappe und einchecke. Hans, der Marinamanager, ist sehr hilfsbereit, erklärt mir den Hotelkomplex sowie die nähere Umgebung nochmal ganz genau. Ohne fragen zu müssen zeichnet er Supermärkte, Hardwarestores, Laundrys und andere für Langzeitsegler wichtige Einrichtungen in den Stadtplan ein – er weiß sehr genau, welche Bedürfnisse wir haben! Wir bekommen Schlüsselkarten um überall in der Hotelanlage Zutritt zu bekommen. Seitdem wir in der Karibik sind gibt es in den Marinas eigentlich nur noch amerikanische Stromanschlüsse und wir müssen teilweise 5 US pro Tag Leihgebühr für einen Adapter zahlen. Weil mich das nervt, beschließe ich einen Adapter zu bauen. Hans hat einen entsprechenden Anschluss im Sortiment und so lege ich 100 US! für den blöden Stecker hin, nur für den STECKER, danach bin ich voll elektrisch und bastle uns einen funktionsfähigen Adapter. Der erste Test mit unserem Wasserkocher verläuft erfolgreich, keine Sicherung fliegt und wir haben wieder Landstrom – Hurra, One Happy Island.

Nach der Schule ist unser Sohn so gestresst, dass er unbedingt auf dem Boot bleiben will. Also machen sich Antje und ich alleine in die Stadt auf, auch mal schön. Wir schlendern durch die Geschäftsstraßen am Hafen, alle namhaften Luxusgeschäfte sowie zahlreiche Juweliere, unzählige Souvenirläden und die unvermeidlichen Shopping Malls konzentrieren sich auf ein paar Straßen um das Kreuzfahrterminal sowie die Innenstadt. Alles ist in niederländisch-kolonialem Stil oder postmoderner Architektur gehalten – eigentlich ganz hübsch. Dazwischen reichlich übergewichtige Amerikaner, die sich den Einkaufstüten zufolge, im Shoppinghimmel befinden müssen. Unser eigentliches Ziel ist aber Lin & Son, ein großer Supermarkt, der mit seinem amerikanischem Sortiment wirbt, we have all brands, you know. Das können wir uns natürlich nicht entgehen lassen! Zurvor Besuchen wir noch Iguana Joe´s Bar und genehmigen uns einen Joe´s Hurrikan und einen Mojito. Nach einem kurzen Fußmarsch von zwei Kilometern erreichen wir den einzigen amerikanischen Verpflegungsstützpunkt südlich des Hurrikangürtels. Zu unserer Enttäuschung finden wir allerdings nur wenig Unbekanntes oder wir erkennen es einfach nicht. Mit dem Taxi geht es zurück in die Marina und die komplette Familie macht noch einen Abstecher zum Pool. Das Wasser ist angenehm temperiert, wir bekommen Handtücher gestellt und verbringen den Rest des Nachmittags damit den Sonnenbrandgrad der Hotelgäste einzuschätzen, sofern sie noch laufen oder schwimmen können – Wir amüsieren uns köstlich, One Happy Island.

Am nächsten Nachmittag will die Privatinsel erkundet werden. Mit dem Shuttelboot geht es in zehn Minuten über´s Meer, bei gefühlten 500 PS Motorleistung kein Problem und schon sind wir auf Renaissance Island. Es gibt zwei Bereiche – Familylike and Adults only – die Buchten werden von Wellenbrechern geschützt, das Wasser ist türkisfarben, weiße Sandstrände, Liegestühle unter Palmen, an jeder zweiten Palme eine Steckdose, highspeed Internet, Bars und natürlich der Flamingobeach. Hier tummeln sich sechs bis sieben gestutzte und dadurch flugunfähige Vögel zur Belustigung der Besucher – wer´s mag! Wir plantschen ein bisschen im Wasser, ich versuche zu schnorcheln, aber das Wasser ist so trübe, dass man nicht wirklich was sehen kann. Ein Drink an der Bar und nach zwei Stunden lassen wir uns wieder in die Marina bringen. Vom Steg geht es direkt in den Pool zum Salzwasser ausspülen und Amis gucken. Zurück auf dem Boot erfahren wir, dass unsere lieben Freunde von der SY Samantha endlich Antigua in der Karibik erreicht haben – Wir ziehen den Hut vor eurer Leistung, freuen uns ganz arg für Euch und wären gerne dabei gewesen! Wir wären nach all den Rückschlägen wahrscheinlich nicht mehr losgesegelt! Erholt euch schön ihr Lieben und vielleicht treffen wir uns ja doch noch in Panama, müsst halt ein bisschen hinne machen! Mittlerweile wird es erst gegen 19:00 Uhr dunkel, man merkt doch, dass wir uns inzwischen 600 nm westlicher befinden. Sobald es dämmert legen die Kreuzfahrtschiffe ab, im Hafen geht die Lichtshow an, es wird laut und die Party beginnt – One Happy Island.

Wahnsinn, wie mich meine krauses Haupthaar mittlerweile nervt. Ich sehe aus wie ein … ein Blauwassersegler und muss schleunigst zum Frisuer. Am Vormittag schwächelt Felix ein bisschen und die Schule fällt nach der zweiten Stunde aus. Er soll sich ausruhen, während Antje und ich eine kostenlose Stadtrundfahrt mit der Trambahn machen wollen. Auf dem Weg laufen wir an einem Friseur vorbei und ich bin kurz entschlossen. Ich betrete als zerzauster Seebär den Barbershop und verlasse ihn als astreiner Amerikaner wieder – offensichtlich sprach der Frisur nicht das gleiche Spanisch wie ich! Hallo, I´m Helmut from Ohio, how are you?. Antje lacht sich halbtod und ich muss den Rest des Tages mit gegelter und Haarspray bearbeiteter Frisur leben.

Die Stadtrundfahrt ist vor allem wegen der schönen Trambahnen wirklich nett. Wir werden durch die Mainstreet kutschiert und danach am Cruising Terminal wieder ausgeladen. Ist aber alles halb so schlimm, weil sich der Busbahnhof um die Ecke befindet und wir noch zum Einkaufen müssen. Wir wollen zu „Superfood“ in den Norden. Unser Busfahrer, der wie alle Einheimischen wirklich unheimlich freundlich ist, gibt uns Bescheid und wir steigen am Eagle Beach aus.

WIR SIND AN DEM EAGLE BEACH! Mehrfacher sowieso Awardgewinner, schönster Strand der Karibik, 2014 schönster Strand der Welt …. und es ist, ja, was soll man sagen der reine WAHNSINN. Der Strand ist etwa 30 Meter breit, gefühlte drei Kilometer lang, weißer, weißester Korallensand ever, das Wasser natürlich mit einem fabelhaften Farbenspiel von türkis, über … bis … selbstverständlich! – WOW. Ich bin wahrlich kein Strandliebhaber, aber sowas habe ich noch nie gesehen – Sensationell, Aruba kann zum ersten Mal wirklich punkten! Wir genißen einen Cocktail am Strand, sind echt überwältigt, werden morgen die Schule ausfallen lassen und mit Felix nochmal herkommen – ach ja, Superfood war auch ganz toll! Da es Felix am Abend besser geht, wollen wir mal wieder ins Kino gehen. Bisher haben wir es nicht geschafft, weil „King Skull Island“ erst um 21:15 beginnt und wir dann meistens schon im Bett sind, aber heute sind alle wach. Pünktlich stehen wir vor dem Kino um zu erfahren, dass der Film seit heute nicht mehr läuft – Programmwechsel am Donnerstag! Da das Alternativprogramm am Abend nicht so prickelnd ist, fällt Kino wieder aus. Dafür spielt in der Shopping Mall, wo sich das Kino befindet, noch eine Steelband. Wir lauschen der Musik, genießen noch ein Glas Wein und freuen uns des Lebens – One Happy Island

Für Freitag ist ein klassischer Aruba-Tag geplant. Nach einem reichhaltigen Donuts-Frühstück packen wir unsere Badesachen ein und nehmen den Bus nach Palm Beach im Norden der Insel. Wir finden einen langen,langen weißen Sandstrand, der allerdings zum größten Teil von den Hotelanlagen okkupiert wird. Zwar sind alle Strände in Aruba öffentlicher Art, aber direkt am Wasser gibt es halt keinen Schatten und die Sonne brennt heute echt erbarmungslos. Bei 35°C in der Sonne latschen wir den Strand entlang bis wir ein paar schattenspendende Büsche finden. Alle wollen sofort ins Wasser um sich abzukühlen. Das Meer ist herrlich kühl, aber leider nur etwa 80 cm tief. Wer ins tiefere Wasser will läuft allerdings Gefahrt von irren Jetskifahrern oder anderen highspeed Spaßfahrzeugen überfahren zu werden, dann lieber doch im Nichtschwimmerbereich bleiben.

Trotz unseres opulenten Frühstücks ist die Brut bereits um 11:30 hungrig! Wehe der wächst schon wieder! Wenn es so weiter geht, müssen wir ihn bald in seine Kabine falten. Jaja, das Kind entwickelt sich prächtig, wir haben vor ein paar Tagen Bilder vom Anfang der Reise angesehen und festgestellt, wie süß unser Felix da noch war. Und jetzt? Wir haben inzwischen die gleiche T-Shirtgröße, seit heute ist er offiziell so groß wie Antje und immer diese Haare. Aber was soll´s, zum Bestrahlen ist es einfach schon zu spät. Nachdem Felix mittlerweile vor Hunger Bauchschmerzen hat, packen wir zusammen und nehmen einen sündhaft teuren Lunch in einem der Strandrestaurants zu uns. 82 USD für zwei Sandwiches, einen Salat, drei Getränke, 15% Servicegebühr und 2% Healthtax werden einfach oben drauf geschlagen – Autsch! One Happy Island

Danach geht es mit dem Taxi nochmal zum Eagle Beach. Hier stehen wenigstens keine Hotels direkt am Strand, sondern sind durch eine Straße nach hinten versetzt. Obwohl die einzelnen Resorts natürlich ebenfalls Platz für ihre Gäste beanspruchen, ist es hier doch deutlich weniger gedrängt. In der frühen Nachmittagshitze schlendern wir ein wenig herum, baden ist viel zu anstregend, also ab zur Strandbar und ein paar Cocktails schlürfen, ist heute auch schon Wurst! Im luftigen Schatten genießen wir den Ausblick und versuchen nicht übertrieben zu transpieren. Der Sand ist im Sonnenschein allerdings so hell, dass es ohne Sonnenbrille gar nicht geht, Strandblindheit ist im Verzug. Wir fotographieren noch ein bisschen, entdecken endlich einen der berühmten Divi-Divi-Bäume (die Baumkronen wachsen durch den steten Passatwind waagerecht) und ziehen 30 USD später weiter. Mit dem Bus geht es zurück zur Marina, direkt in den Hotelpool. Wir müssen uns schon wieder abkühlen. Obwohl immer eine kräftige Brise weht, ist es heute einfach extrem heiß, wir leiden unfassbare Qualen! Antje und ich gewinnen einen Sonnenbrand im Gesicht, unfassbar – obwohl wir mittlerweile doch eindeutig sonnengegerbt sind. Sobald wir abgekühlt sind, geht es natürlich … wieder an die Bar – heute ist schließlich Arubatag, oder so. Ich bin mir sicher, jeder eisgekühlte Cocktail verringert die Körpertemperatur bestimmt um … wenn nicht sogar mehr! Nach einer kurzen Ruhepause gehen wir noch ins Panekekkenhus und Felix lässt sich ein riesiges Schnitzel schmecken. Während das Kind einen elternfreien Abend genießen darf, machen sich Antje und ich ins Casino auf. Wir verbringen einen kurzweiligen Abend mit Roulette und Black Jack, gewinnen 300 USD und haben damit die Tagesausgaben mehr als wieder reingeholt. One Happy Island

Am Samstag sind die üblichen Abreisevorbereitungen dran. Es gibt allerdings nicht viel zu tun, da wir ja praktisch jede Woche auf einer anderen Insel waren und so ist alles schnell erledigt. Ein bisschen putzen, abwaschen, noch etwas Proviant einkaufen. Wir wollen Aruba am Sonntagmorgen verlassen und hoffen, am Dienstag oder Mittwoch in Santa Marta / Kolumbien anzulegen. Auf unserer Fahrt muss jedoch der nördlichste Punkt Südamerikas – Punta Gallinas und das berüchtige Kapo de la Vela umschifft werden und hier kann es ganz schön ungemütlich werden! Allerdings sind für die nächsten Tage nur 15-20 kn und 1-2 Meter Welle angesagt und wir rechnen mit einer ruhigen Überfahrt auf den südamerikanischen Kontinent. Inzwischen haben wir einen Agenten organisiert, der uns in Santa Marta beim Einklarieren helfen wird. Laut unseren Informationen sind die Einreiseformalitäten sonst nicht zu machen, weil alles auf Spanisch ist und die Beamten zicken wohl auch rum. Bereits gegen Mittag ist alles erledigt, wir machen uns einen lazy Spätvormittag am Pool, um der Mittagshitze zu entgehen flüchten wir ins Kino und schauen den neuen Schlümpfefilm an. Danach kurz in die Stadt und sofort wieder zum Pool! Nach dem Abendessen hängen wir noch ein bisschen auf dem Boot herum und schlafen schön aus. Eigentlich wollten wir am Sonntag ablegen, aber Felix hat ein schlechtes Gefühl für die Überfahrt nach Kolumbien. Also tagt der Familienrat und wir beschließen erst am Montag aufzubrechen, auch recht! Wir starten mit einem reichhaltigen Frühstücksbuffet im Hotel in den neuen Tag… One Happy Island

Fazit ABC-Inseln

Grundsätzlich finde ich, wenn schon unbedingt in die Karibik dann auf die ABC-Inseln. Obwohl sich Aruba, Bonaire und Curacao was die Landschaft, Flora und Fauna betriff sehr ähnlich sind, unterscheiden sie sich in ihrer Entwicklung doch erheblich. Wer es gerne ruhiger hat, auf Natur und unglaubliche Unterwasserwelten steht, ist in Bonaire genau richtig. Kulturliebhaber und Freinschmecker kommen in Curacao auf ihre Kosten. Natürlich kann man auf allen Inseln in warmen, türkisfarbenen Wasser baden, aber Aruba besitzt eindeutig die schönsten Strände und bietet das umfangreichste Unterhaltungsprogramm. Alle Inseln sind europäisch-niederländisch geprägt, haben sich aber ihren eigenen karibischen Charm erhalten. Die Menschen sind unglaublich freundlich und hilfsbereit. Wir haben uns überall sicher und wohl gefühlt, auch wenn Bonaire unser absoluter Favorit ist. In diesem Sinne – Ayo, ihr abwechselungsreichen Inseln

Fair winds und bis bald,

euer Urlaubs-TÜV von der SY Auriga

30 Grad und es wird immer heißer – Blue Curaçao

Wenn ich an Curaçao denke, fällt mir alles erstes der blaue Bitterorangen-Liquör ein und danach setzen die Kopfschmerzen wieder ein. Ich kann mich noch gut erinnern, Mitte der 80iger als ich vierzehn oder fünfzehn war, es war Sommer, zusammen mit ein paar Kumpels im Ostpark in München, eine oder zwei Flaschen Blue Curaçao … was habe ich gekotzt! Keiner von uns hätte gedacht, dass die Übelkeit und die Kopfschmerzen jemals wieder nachlassen werden. Am Samstag Morgen verlassen wir Bonaire bei sehr, sehr flauem Wind und motoren bei leichtem Wellengang die 35 nm bis nach Curaçao. Einziges Highlight der Überfahrt ist ein kleiner Schwarm Flamingos auf dem Weg zu ihren Futterplätzen. Wir warten schon seit Beginn unserer Reise auf Wale – Hallo, zeigt euch, springt aus dem Wasser oder macht andere Kunststücke! Delfine haben wir auch schon eine gefühlte Ewigkeit nicht mehr gesehen.

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Am frühen Nachmittag erreichen wir „Spanisch Waters“, einen herrlichen natürlichen Hafen im Südwesten der Insel. Die Einfahrt ist nicht ganz ohne, links von uns befinden sich reichlich Korallenriffe, rechts eine ausgedehnte Sandbank – Betonnung, Fehlanzeige. Antje steuert unsere Augria jedoch souverän durch den nur 15 Meter breiten „Bottleneck“ in die völlig geschütze blumenkohlförmige Lagune. Spanisch Waters diente schon den ersten Europäern, die hier 1499 anlandeten, als natürlicher Hafen. Wir checken in der Seru Boca Marina ein, befinden uns in der Windabdeckung eines größeren Berges, schwitzen bei 30° C im Schatten sofort wie die Schweine und befinden uns am Arsch der Welt, innerhalb einer riesigen Ferien- und Golfanlage! Eingentlich haben wir die Marina angesteuert, weil sich laut Crusing Guide direkt am Eingang der Anlage eine Bushaltestelle befinden soll, wo stündlich eine Verbindung zur Inselhauptstadt Willemstad besteht. Stimmt zwar auch, aber der Eingang des Santa Barbara Beach- und Golfresorts liegt etwa vier Kilometer nördlich – Pech gehabt! Glücklicherweise können wir in der Marina ein Auto für die nächsten zwei Tag mietem, da wir innerhalb von 24 Stunden nach unserer Ankunft zum Einklarieren nach Willemstad müssen.

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Am nächsten Morgen machen wir uns auf den Weg in die Inselhauptstadt. Wir parken in der Innenstadt und machen uns auf den Weg zur Einwanderungsbehörde. Wir laufen in sengender Hitze und laufen und laufen, verlaufen uns und stehen plötzlich in einem typischen Vorort Willemstads. Wir erkundigen uns nach Immigration, ernten nachhaltiges Achselzucken und laufen zurück Richtung Industriehafen. Hier finden wir einen Kontrollpunkt – Jackpot, wir sind richtig! Ein Passierschein wird ausgefüllt, wir laufen weiter und finden schließlich Immigration in einem kleinen, unscheinbaren Gebäude am Ende des Hafens. Ein wahrer Formularwahn erwartet uns, wir füllen zig Zettel aus: Bootsdaten, GPS-Seriennummer?, Eigenauskunft, Passnummern, wieso, woher, wohin und wie lange, natürlich alles in dreifacher Ausfertigung …. Ein echter Bürokratiemarathon, dafür aber für umme. Nach einer Stunde sind wir fertig, allerdings liegen Customs und Port Control noch vor uns. Port Control ist zum Glück um die Ecke, aber natürlich am Wochenende nicht besetzt. Warum auch? Schließlich befinden wir uns nur in einem der größten Karibikhäfen und am Ölumschlagplatz Nummer 1 vor der Küste Venezuelas! Wer sollte da am Wochenende schon vorbeikommen?

Die zwei Kilometer bis zu Customs laufen wir bei weiter steigenden Temperaturen auf einer Backe und genießen dabei den Blick auf das Weltkulturerbe – klein Amsterdam in der Karibik. Das gesuchte Gebäude befindet sich weit sichtbar, direkt an der Waterfront. Wir erreichen es gegen 11:00 Uhr, sehen an der Eingangstür einen Zettel – please call blabla for Service. Alles klar! Glücklicherweise funktioniert Antjes Handy, wir rufen an, erfahren dass die gestressten Beamten gerade Mittagspause machen und wir in drei Stunden wieder kommen sollen – ach nee! Damit können wir unsere Tagesplanung endgültig begraben. Eigentlich wollten wir noch den Nationalpark im Norden besuchen und an der Westküste zum Schnorcheln gehen. Also muss Plan B her, wir gehen Essen – guter Plan! Das ist allerdings leichter gesagt als getan. Obwohl ein großes Kreuzfahrtschiff am Außenpier liegt, ist Willemstad am heiligen Sonntag, die Bevölkerung ist zu 80% katholisch, wie ausgestorben. Wir latschen eine weitere Stunde ziellos durch die Stadt, bis wir ein nettes, windiges Restaurant finden, uns die Zeit im Schatten mit einem gepflegten Lunch und einem Blue Lagoon Cocktail vertreiben.

Pünktlich um 14:00 Uhr stehen wir vor dem Zollgebäude, erhalten Einlass und der nächste Papierkrieg erwartet uns. Während der zuständige Beamte versucht, unsere handschriftlich ausgefüllten Formulare in den PC einzugeben, beobachte ich seinen Kollegen wir er an seinem Kurzwellenfunkgerät herumspielt. Ich oute mich als Amateurfunker (DB5MP), wir kommen ins Gespräch, ich darf ins Büro hinter der Trennscheibe kommen, wir tauschen Rufnamen aus und unterhalten uns prächtig. Gegen 15:00 Uhr ist alles erledigt, wir gehen noch einkaufen, fahren in unser Touristenghetto zurück, sind durchgeschwitzt, fusßlahm und der Tag ist gelaufen…., da hatte Robi unser Marinamanager wohl doch Recht als er meinte die Einreiseformaliäten würden mindestens drei Stunden dauern!

Am nächsten Morgen geht es erneut zu Port Control, weil wir eine Anchorage-Permit benötigen. Die Dame vom Hafensicherheitsdienst hat es diesmal besonders wichtig und stellt uns drei Passierscheine für den Hafen aus – wir haben ja Zeit und die Temperaturen haben die 30°- Grenze noch nicht erreicht! Same procedure as yesterday – wir latschen wieder bis zum Ende des Hafen zu Port Control, müssen unsere Pässe sowie die Unterlagen von Custom und Immigration vorlegen, alles wird kopiert und wir erhalten nach Zahlung von 10 US Dollar eine offizielle Ankergenehmigung für 3 Monate – Zeitaufwand eine Stunde, was für ein Irrsinn!

Nach dieser Auftaktveranstaltung geht das Besichtigungsprogramm los, der im Norden gelegene Nationalpark „Christoffelpark“ ist unser Ziel. Die 25 km bis zum Eingang sind ziemlich… naja, man sieht kaum was von der Landschaft nur Baum- und Kakteengestrüpp am Straßenrand. Wir durchqueren mehrere ausgesprochen nichtssagende Ortschaften, hin und wieder ein Blick auf´s Meer – nicht besonders spannend oder einladend! Nach einem kleinen Frühstück geht es via Automobil durch den Nationalpark. Uns bietet sich ein ähnlicher Anblick wie in Bonaire nur unspektakulärer, irgendwie öder. Wir fahren an Kakteenmischwäldern vorbei, man sieht den Mount Christoffel im Hintergrund, Bromelien und Agaven blühen bereits, die Kupfermine ist ein Loch im Boden, dafür ist die Straße gut befahrbar und hat keine wesentlichen Schlaglöcher. Wir sehen eine Menge Eidechsen, aber keine Leguane, offensichtlich ist ihnen der Nationalpark auch zu langweilig!

Danach geht es zum Kalik Beach inklusive „Alice im Wonderland“ Schnorchelrevier, so verspricht es jedenfalls das Schild am Strandzugang neben den giftigen Manzanilla-Bäumen. Wir benötigen nämlich dringend eine Abkühlung! Kalik Beach ist „der“ Strand auf Curacao, weißer Sand, Palmen, türkisfarbenes Wasser, bei mir springt der Funke nicht so wirklich über – mal sehen was die Unterwasserwelt so zu bieten hat. Wir eilen voller Vorfreude ins Wasser, schließlich soll es hier u.a. Mantarochen geben. Die lassen sich allerdings nicht blicken, die Meeresschildkröten haben mal wieder Ausgang, die Unterwasserlandschaft ist nett, die Korallen sandig, das Wasser etwas trüb… Allerdings kann ich eine Flunder beim Flunderdinge machen filmen und wir entdecken neue Kugel- und Skorpionfische. Daneben zeigen sich selbstverständlich die üblichen Täter sowie viele andere kleine Fischchen, nur weniger halt.

Natürlich ist alles herrlich, sensationell und atemberaubend, aber vielleicht sollte man vorher nicht in Bonaire gewesen sein, um es wirklich großartig zu finden – eure verwöhnten Unterwasserfreunde von der Auriga. Auf dem Rückweg geht’s noch an der Flamingo-Area und an einem Sklaverei-Mahnmal vorbei. Schließlich war Curacao im 16. und 17. Jahrhundert der größte Sklavenumschlagplatz der gesamten Karibik. Zurück an Bord lassen wir den Tag entspannt im Cockpit bei einem Sundowner ausklingen. Wahrscheinlich sind die Höhepunkte Curaçao´s doch im UNESCO-Weltkulturerbe Willemstad konzentriert und nicht auf dem Land zu finden, wir werden es Ende der Woche herausfinden.

Eigentlich wollten wir uns am Dienstag zum Ankern verlegen, aber bei Nieselwetter hat keiner von uns so richtig Lust und so geht es erstmal mit Schule weiter. Außerdem gilt es ein paar Dinge am Boot zu erledigen. Tags darauf verlassen wir die Marina und wollen uns einen schönen, windigen Ankerplatz in den spanischen Gewässern suchen, weil wir die schwülen tropischen Nächte (Temperatur > 28° C Nachts) nicht mehr aushalten. Außerdem müssen wir möglichst weit weg von den umgebenden Mangrovenwäldern am Ufer, weil sich hier allerlei elendes Mückengetier tummelt, dass uns nachts ziemlich malträtiert. Dass die Crew gepiekst wird ist ja nichts besonderes und durchaus tolerierbar, aber diesmal trifft es auch den Kapitän höchstpersönlich – I am not amused! Ich werde unzählige Male gestochen – die Familie stellt treffend fest, dass den Zweiflüglern offensichtlich nichts zuwider ist! Befehl des Kapitäns: Sofort das Boot aufklaren, Leinen los, wir müssen weg … aber natürlich regnet es am Vormittag wieder. Also warten wir, aber es ist irgendwie keine wesentliche Besserung in Sicht. Da wir in der Seru Boca Marina allerdings schon ausgecheckt haben, wollen wir uns in die Kima Kalki Marina im Norden der Lagune verlegen, weil ankern bei Regen einfach keinen Spaß macht. Nach 15 Minuten erreichen wir die Marina bzw. das, was sich so nennt. Am Ende einer Bucht im Flachwasser gelegene windige Stege, kein freier Platz in Sicht – also doch ankern. Wir drehen und steuern die größte Bucht vor Ort an. Plötzlich stoppt das Boot abrupt, wir sind auf Grund gelaufen – Scheiße – Antje legt geistesgegenwärtig sofort den Rückwärtsgang ein und wir sind auch gleich wieder frei. Zum Glück war´s nur Schlamm und Matsch. Der Kapitän forscht natürlich sofort nach den Schuldigen, der Navigator hat versagt, der bin ja ICH – ach nee, MIST! Ich tadele mich selbst für schlechte Seemannschaft und verhänge die Höchststrafe…

Nach diesem Schock entschließen wir uns den Curacao Yachtclub anzulaufen. Wir legen uns an den Tankstellensteg und gehen ins Büro. Der Empfang ist unheimlich freundlich, einige Liegeplätze sind frei und wir können für drei Tage bleiben – super. Der Clubmanager weist uns einen Liegeplatz zu, bei 23 kn Seitenwind legt meine liebe Frau wirklich gekonnt an. Gegenüber liegt ein brandneuer Katamaran mit vier professionellen Skippern an Bord und Antje erhält von den Jungs 10/10 Punkten für´s Anlegemanöver! Dickes Zwischendurch-Küsschen. Wir organisieren für die nächsten zwei Tage ein Auto, da wir Willemstad noch ausführlich erkunden wollen und erholen uns erstmal von den Ereignissen des Tages. Glücklicherweise ist unser Liegeplatz sehr windig, dadurch schaukelt das Boot zwar in der Nacht, aber die Innentemperatur sinkt endlich mal wieder unter 28 °C und uns erwarten erholsame Nächte.

Am Donnerstag wird unser Mietauto pünktlich nach der Schule angeliefert und wir steuern den Oistrich Park im Südosten der Insel an. Zum Glück hat das Auto Klimaanlage, sonst wäre die Fahrt in der Mittagshitze kaum zum Ertragen. Wir machen eine Tour in der Straußenfarm mit und lassen uns allerhand interessante Dinge über die großen Laufvögel erzählen. 150 bis 200 kg schwer, 50 kg verwertbares Fleisch, laufen auf zwei Zehen, die Weibchen zupfen den Männchen die Rückenfedern aus, benötigen eine Ei-Attrappe um in Stimmung zukommen…. Besonders fazinierend finde ich, dass die Vögel mit ihrem kastaniengroßen Hirn nur über ein Kurzzeitgedächtnis von acht Minuten verfügen sollen – sicher ein Segen in der Kindererziehung. Ihr irrer Blick verstärkt zusätzlich noch den Eindruck, dass sie den gefühlten IQ eines Klappstuhls besitzen und immer dieses Herumgepicke! Strauße – eigentlich riesige Hühner auf zwei Zehen, nur blöder!. Darüberhinaus gibt es noch sehr süße Hängebauchschweine (Felix Favoriten), Emus, Ziegen, Perlhühner, Pfaue und Truthähne zu bewundern. Mir hat es allerdings ein junger „Großer Soldatenara“ angetan. Gott war der süß, aber überall standen Menschen herum und ich hatte keine Tasche dabei…! Nach der Tour haben wir uns noch einen Straußenburger genehmigt, der geschmacklich Kalbfleisch sehr nahe kommt und schon geht die Sonne gegen 18:00 Uhr wieder unter.

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Am nächsten Tag steht eine Exkursion nach Willemstad auf dem Programm. Willemstad besitzt ebenfalls einen natürlichen Hafen, Schottegat genannt, der durch die Sint Annabaai vom Meer abgeschirmt wird. 1634 wurde Willemstad durch die Niederländer erobert. Das Gebiet östlich der St. Annabaai wurde De Punt („der Punkt“) genannt; im Inseldialekt punta. Später wurde daraus Punda. Auf „dem Punkt“ wurde Fort Amsterdam gebaut, um den Hafeneingang zu beschützen. Um das Fort herum wuchs die Stadt. 1707 wurde auf der gegenüberliegenden Baai-Seite ein neues Viertel gegründet: Otrabanda („die andere Seite“). Die beiden gegenüberliegenden Stadtteile werden seit 1886 durch die 168 m lange Königin-Emmabrug verbunden. Die Brücke ist auf Pontons gelagert, schwimmt und kann bei Bedarf aus eigener Kraft zur Seite geschwenkt werden. Seit 1997 ist die Altstadt UNESCO-Weltkulturerbe und gilt als Klein Amsterdam der Karibik. Willemstad ist eine der drei “Hauptstädte”, die in der ersten Hälfte des 17. Jahrhunderts von der niederländischen Westindien-Kompanie gegründet wurden. Die beiden anderen waren Neu-Amsterdam, das heutige New York und Maurice Stadt, das jetzige Recife, in Brasilien. In den 1920er Jahren baute Shell in Willemstad eine der größten Erdölraffinerien der Welt. Hier wird seitdem Rohöl aus Venezuela verarbeitet. Für diesen Standort entschied man sich, da die politischen Verhältnisse auf dem Festland als zu instabil galten – die jüngsten Ereignisse in Venezuela geben den Planern absolut Recht! Seit den 1960er Jahren lebt Willemstad mehr vom Tourismus. Mittlerweile gibt es viele Hotels und Kasinos, Kreuzfahrtschiffe legen hier natürlich auch regelmäßig an.

Wir beginnen unseren Besuch auf dem Markt. Das Treiben ist bunt und hektisch, es gibt Obst, Gemüse, Souvenirs, allerlei Trödel. Da es schon beinahe Mittag ist, treibt es uns in eine unweit gelegene Halle mit mehreren Garküchen. Wir haben eine Mission und wollen Kaktussuppe und Leguaneintopf, die Spezialitäten von Curacao ausprobieren. In der dunklen Halle reiht sich eine Küche nach der anderen. Alle kochen auf riesigen holzbefeuerten Rosten. Wir werden natürlich fündig, müssen die Katussuppe aber erst probieren, bevor wir sie bestellen dürfen – Zu recht!. Der Geschmack ist gar nicht schlecht, aber die schleimige Konsistenz, wie Rotz, ist sehr eigenwillig, wir verzichten doch lieber. Dafür lassen wir uns den Leguaneintopf servieren. Allerdings muss eine Portion genügen. Geschmacklich erinnert das Essen sehr an Hühnersuppe – nicht schlecht, wird aber es wird nicht unser Lieblingsgericht werden.

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Danach geht’s zum Marine Museum. Zunächst laufen wir aber noch am „Floating Market“ vorbei. Hier bieten venezuelanische Händler in Booten Obst, Gemüse, frischen Fisch und Meeresfrüchte an, ein Kilo Languste 20 USD. Die Menschen leben zum größsten Teil auf den Booten und fahren zwei bis dreimal die Woche in ihre Heimat um neue Ware zu besorgen.

Gleich um die Ecke liegt das Marine Museum in einem herrlichen ehemaligen Handelshaus. Die Ausstellung befasst sich natürlich mit der Seefahrt, aber auch der Geschichte Willemstads. U.a. wird die verheerende Explosion der SY Alphen im 18. Jahrhundert sehr detailliert dargestellt, die einen Großteil der Altstadt zerstört hat. Danaben finden sich viele faszinierende Modelle von ehemaligen Handelsschiffen. Größtes Plus des Museums ist die funktionierende Klimaanlage! Danach schlendern wir ein bisschen durch die Einkausstraßen, ich kann mein obligatorisches Souvenir-T-Shirt erstehen und wir erreichen Fort Amsterdam, welches 1635 erbaut wurde und heute der Sitz der antillianischen Regierung ist. Leider können wir die Festung nicht besichtigen, weil am Freitag schon um 12:30 Uhr Schluss ist. Da wir bereits wieder hungrig sind, geht’s zu den Waterfront Arkaden am Meer weiter und wir lassen uns eine Pizza schmecken, während wir an- und abfahrende Frachtschiffe beobachten können.

Frisch gestärkt wollen wir uns noch die Mikve Israel-Emanuel Synagoge ansehen, da wir noch nie in einem jüdischen Gotteshaus waren. Die Synagoge ist über 250 Jahre alt und gilt als die älteste in der westlichen Hemisphäre. 1651 kamen die ersten Juden aus Amsterdam auf die Insel. Ein Freibrief garantierte ihnen umfangreiche Landrechte, Steuerfreiheit, Schutz durch die Behörden und das Praktizieren ihrer Bräuche und Religion. Sie errichteten eine hölzerne Synagoge und gaben ihr den Namen Mikve Israel, Hoffnung Israels. Im Inneren ist der Boden mit weißem Sand ausgestreut, er symbolisiert den Zug der Israeliten durch die Wüste. Altar, Betbänke und Decke bestehen aus Mahagoni – sehr beeindruckend! Damit war unser Kulturdurst dann aber auch schon wieder gestillt.

Auf dem Rückweg beschließen wir spontan nochmal schnorcheln zu gehen und fahren an den Caracas Beach, da hier unweit vom Ufer in geringer Tiefe ein altes Schiffswrack liegen soll. Der Strand ist verhältnismäßig unspektakulär, aber die Unterwasserwelt hat es echt in sich, bonaire-resk geradezu. Wir sind völlig aus dem Häuschen und entdecken sogar einen kleinen Stachelrochen und Steinfische. Leider funktioniert unsere Unterwasserkamera nicht, weil ich vergessen habe sie aufzuladen. Deshalb beschließen wir am nächsten Vormittag nach dem Ausklarieren nochmal zurück zu kommen. Und so wird es auch gemacht! Glücklicherweise brauchen wir für die Formalitäten diesmal nur eine Stunde und haben anschließend noch eine gute Stunde Zeit zum Schnorcheln, bevor wir unser Mietauto zurückgeben müssen. Ich denke die folgenden Bilder bedürfen keiner weiteren Erklärung – herrlich, oder?

Nachmittags machen wir unsere Auriga ausgehfein, damit wir um 17:00 Uhr den Yachtclub verlassen können, um die 80 nm bis Aruba zu segeln. Wir müssen eine Nachtfahrt einlegen, weil wir für die Strecke mindestens 16 Stunden benötigen und keinesfalls nachts an unserem nächsten Ziel eintreffen wollen. Ganz nach Plan verlassen wir am Nachmittag den Club, in dem wir uns sehr wohl gefühlt haben. Antje legt rückwarts bei 20 kn Seitenwind vom Steg ab, was ganz schön tricky ist bei so viel bewegter Luft. Wenn ich darüber nachdenke, dass wir vor einem Jahr bei solchen Verhältnissen auf gar keinen Fall den Hafen verlassen hätten, muss ich doch ein wenig schmunzeln. Ja, wir haben mittlerweile doch einiges an Erfahrungen gesammelt! Kurz darauf segeln wir mit wenig Tuch bei Windstärke 5-6 in den Sonnenuntergang und freuen uns auf die letzte ABC-Insel Aruba.

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Fair winds und bis bald,

eure Kulturfreunde von der Auriga

Bonaire = Paradies?

Endlich geht’s wieder nach Westen, wir wollen ja schließlich nicht in die Antarktis! Am Montagmittag verlassen wir nach den üblichen Ausklarierungsmodalitäten planmäßig Port Louis und lassen damit die eigentliche Karibik hinter uns. Unser nächstes Ziel ist die 400 nm westlich gelegene Insel Bonaire, die zu den ABC-Inseln gehört. Sobald wir Port Louis verlassen, will sich der angesagte ENE-Wind in der Abdeckung Grenadas so gar nicht einstellen. Wir müssen erst mal ca. 15 nm nach Westen motoren, um der Leeseite zu entkommen, bevor der ersehnte Wind endlich einsetzt und wir mit 15 bis 20 kn achterlichem Wind schön segeln können. Wir rechnen für die Überfahrt mit insgesamt vier Tagen. Nach 24 Stunden haben wir allerdings schon über 140 nm (neuer Rekord) zurückgelegt und sind damit deutlich schneller als erwartet. Schuld ist die Nordäquatorial-Strömung im Bereich der südamerikanischen Küste, die uns teilweise mit bis zu zwei Knoten nach Westen schiebt. Eigentlich wollten wir ja einige vorgelagerte Inseln der Küste Venezuelas anlaufen, aber die politische Lage ist einfach zu unsympathisch.

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Das Deutsche Auswärtige Amt zu Venezuela: „Die Regierung Venezuelas hat am 13. Mai 2016 den Ausnahmezustand über das gesamte Land verhängt. Bei politischen Protesten kam es zu gewaltsamen Auseinandersetzungen. Angesichts dieser aktuellen Lageentwicklung und dem fortbestehenden wirtschaftlichen und Versorgungsnotstand im Land wird von nicht dringenden Reisen nach Venezuela abgeraten. Piraterie – Segler sollten beachten, dass Raubüberfälle auf ankernde oder sich in Küstennähe befindende Schiffe bzw. Fälle von Piraterie entlang der venezolanischen Küste vorkommen und entsprechende Maßnahmen ergreifen“ – da wird Tesafilm oder ein Kakteenzaun wohl nicht reichen!

Also lassen wir Los Testigos, die Inseln Margarita, Tortuga und Los Roques links liegen und nehmen direkten Kurs auf Bonaire, wodurch wir stets über 100 nm von der Festlandküste entfernt sind. Trotzdem schalten wir nachts die Navigationsleuchten zur Sicherheit aus und kontrollieren immer wieder im Radar den Schiffsverkehr. Das Geschaukle hält sich ausnahmsweise mal in Grenzen und so vergehen die ersten zwei Tage Wal- und ereignislos. Einziger Höhepunkt ist der schmerzliche Verlust eines Kindels, als Antje nach einer Welle das Gleichgewicht verliert und aus Versehen auf ihr geliebtes Lesegerät fällt – Totalschaden! Am dritten Tag schläft auch noch der Wind ein, so dass wir unseren Ferryman anschmeißen, die letzten 120 nm bis Bonaire motoren und so bereits nach drei Tagen unser Ziel, die Harbour Village Marina in Kralendijk, erreichen. Wir kontaktieren die Marina und werden an den Officesteg gelotst. Hier erwarten uns bereits mehrere große Leguane als Begrüßungskomitee. Felix ist natürlich begeistert und füttert die Tiere sofort mit unseren alten Bananen. Später stellt sich heraus, dass es sich um die Haustiere des Dockmasters handelt.

Nachdem wir uns an unseren Liegeplatz verlegt haben und noch früher Nachmittag ist, begeben wir uns zum Einklarieren in die Stadt. Nach einem 15-minütigen Marsch erreichen wir die Hauptstadt Kralendijk und sind sofort begeistert. Man fühlt sich in eine niederländische Kleinstadt versetzt – nur bunter! Die Menschen sind freundlich, gepflegte Häuser, die Straßen sind sauber, nirgends liegt Müll rum, alles fühlt sich sicher an. Die Einklarierungsprozedur ist schnell erledigt und ausnahmsweise mal kostenlos – sehr schön. Anschließend geht es noch zum Türken und wir fallen nach 78 Stunden auf dem Wasser erschöpft ins Bett.

Zu den ABC-Inseln gehören die Inseln Aruba, Bonaire und Curaçao. Obwohl sie geografisch zu den Winward Islands gehören, befinden sie sich aus geologischer Sicht schon in Südamerika, da sie auf dem südamerikanischen Festlandsockel liegen. Bis 2010 bildeten die drei Inseln die niederländischen Antillen. Mittlerweile ist Bonaire eine besondere Gemeinde der Niederlande, während Aruba und Curaçao autonome Länder innerhalb des Königreichs der Niederlande sind. Amtsprache ist Niederländisch und Papiamentu. Offizelles Zahlungsmittel war mal der Euro, aktuell ist es aber der US Dollar – alles sehr verwirrend!

Bon (361)

Nach einer ruhigen Nacht gilt es am nächsten Tag erst einmal die Hauptstadt zu erkunden. Zuvor entdecken wir noch die SY FREJA (Odysse-Teilnehmer) im Hafen und verabreden uns für den Abend. Es gibt mal wieder einiges zu erledigen. Wir brauchen neue Augentropfen, da die bisherige Therapie bei Felix nicht richtig anschlägt, die obligate Nationalfahne muss organisiert, Supermärkte sondiert werden und wir wollen ein Auto mieten, um die Insel zu erkunden. Nach einem reichhaltigen englischen Frühstück starten wir per Pedes und finden als erstes einen Fotoladen mit einem umfangreichen Sortiment an Unterwasserkameras. Wir lassen uns beraten, einige Modelle vorführen, die Preise sind moderat, wir aber noch unentschlossen. Nächstes Ziel ist ein Marinestore. Hier finden wir natürlich eine Nationalfahne von Bonaire und decken uns noch mit preiswerten Fahnen für unsere nächsten Ziele Curacao, Aruba, Kolumbien und Panama ein. Danach geht es weiter ins örtliche Krankenhaus. Eigentlich wollten wir Felix bei einem Augenarzt vorstellen, aber so läuft´s nicht auf Bonaire. Erstmal zum Hausarzt, der entscheidet, ob und wie, usw. Also gehe ich in die Krankenhausapotheke und frage nach speziellen Augentropfen, da ich vermute, dass unsere bei einer Lagertemperatur von durchschnittlich 30°C nicht mehr wirksam sind. Ich lege meinen Arztausweis vor, bekomme ohne Probleme die rezeptpflichtigen, gewünschten Tropfen und diesmal schlägt die Therapie auch an und das Kind ist von seiner Konjunktivitis geheilt.

Bon (117)

Anschließend geht es zur Autovermietung, wir mieten einen geländegängigen Pickup für zwei Tage, Bringservice inklusive. In der Kaya International – 2 km entfernt – soll es einen großen Supermarkt geben und wir schlappen bei 32°C im Schatten weiter, erreichen die gesuchte Straße im Industriepark und finden einen Supermarkt nach dem anderen. Das Sortiment ist überwältigend europäisch, die Preise günstig und wir im Himmel! Wir entdecken schönes Obst, Gemüse, Salat, Schwarzbrot, Rind- und Schweinefleisch, Sauerkraut in Dosen und natürlich reichlich Süßigkeiten wie: Syrup Waffels, Speculaas, Hazelnoot Ballen und Pinda´s gezouten – herrlich! Wir versorgen uns mit dem Notwendigsten und müssen danach die sieben Kilometer zurück zum Hafen. Gegenüber des Supermarktes befindet sich eine „Bushalte“, aber leider kein Fahrplan. Die Crew beginnt langsam zu meutern und fordert ein Taxi. Aus Protest strecke ich den Daumen am Straßenrand nach oben, Felix hält die Idee für totalen Blödsinn, ich zeigte etwas mehr bayerisches Wadel und nach fünf Minuten hält ein freundlicher Einheimischer. Wir springen auf die Ladefläche des Pickups und werden zur Marina chauffiert – sehr lustig und vielen Dank. Am Abend treffen wir uns noch mit der Freja-Crew auf ein Bierchen, tauschen Neuigkeiten, Inseltipps und Reisepläne aus. Die fünf Dänen wollen auf der gleichen Route wie wir nach Panama – wir verbringen einen netten Abend zusammen und werden uns bestimmt wiedersehen.

Bon (89)

Da wir erst am übernächsten Tagen unser Mietauto bekommen, steht zunächst Schul- und Bordalltag auf dem Plan. Während Felix und Antje Sprachen büffeln, mache ich mich zu einem Optiker auf, da mittlerweile alle meine Brillen verloren gegangen oder kaputt sind. In der Nähe des Krankenhauses werde ich fündig. Der augenärztliche Kollege ist sehr hilfsbereit, vermisst meine Augen neu und hat zum Glück die passenden Gläser auf Lager. Meine lädierte Brille kann zwar nicht mehr repariert werden, dafür können die Gläser auf eine kleinere Fassung angepasst werden. Allerdings ist das einzig passende Nasenfahrrad eine lila Kinderbrille – aber was soll’s – ich habe wieder den Durchblick und zwei neue Brillen! Wer die Eidechse im rechten Bild nicht sieht, sollte man zum Augenarzt gehen…..

Auf dem Rückweg laufe ich nochmal am Fotoladen vorbei und erstehe kurz entschlossen eine Novita Hd2 Unterwasserkamera, schließlich gilt Bonaire als eines der besten Tauch- und Schnorchelgebiete der Welt. Bereits 1971 wurde die gesamte Küste Bonaires sowie Klein Bonaires zum Bonaire Marine Park erklärt mit dem Ziel, die Unterwasserwelt der Gegend zu schützen. 1997 erklärte ihn die Regierung offiziell zum Naturschutzgebiet. Um dieses Unterwasserparadies nicht zu gefährden, wurden strenge Regeln zu ihrem Schutz eingeführt, u.a. ist es strengstens verboten irgendwo zu ankern!

Am Sonntagmorgen wird unser Pickup pünktlich zur Marina geliefert. Nachdem wir in der Zeitung die Liste der ankommenden Kreuzfahrtschiffe studiert und gesehen haben, dass nur ein kleines Schiff mit 210 Passagieren ankommen soll, beschließen wir zuerst die Topattraktion an Land, den Washington-Slagbaai-Nationalpark, eine ehemalige Salzplantage im Nordwesten der Insel zu besichtigen. Zunächst geht es an der rauen Ostküste Bonaires nach Norden. Die an den Klippen brechenden Wellen sind ein ganz besonderes Schauspiel.

Wir entdecken die ersten wildlebenden Esel, riesige Leguane und wunderschöne Smaragdeidechsen. Überall führen gut gekennzeichnete Dustroads von der Straße zum Meer. Für die ersten 15 km benötigen wir schon fast drei Stunden, weil wir immer wieder anhalten, um die unterschiedlichen Eindrücke in uns aufzusaugen.Im Nationalpark können wir ausgedehnte Säulen- und Kandelaberkakteenwälder bewundern. Die Kakteen erreichen hier durchaus Baumhöhe, man fühlt sich irgendwie nach Mexiko versetzt – sehr beeindruckend. Heute noch werden aus den Kakteen ziegensichere Zäune überall auf der Insel gebaut.

Die ehemaligen Salzseen der Salinen im Nationalpark werden von großen Flamingoschwärmen genutzt, die jeden Tag von Venezuela aus hierher zur Futtersuche fliegen. Wir entdecken Pelikane beim Jagen, können Gelbschulteramazonen und andere einheimische Vögel beobachten. Natürlich gibt es auch einige Schnorchelspots im Nationalpark und wir gehen ins Wasser. Die Unterwasserwelt haut uns völlig um! Bereits drei, vier Meter vom Strand entfernt tummeln sich unzählige Fische. Vor allem die bunten Papagein- und Doktorfische haben es uns angetan – Es ist einfach unbeschreiblich! Das Wasser ist klar, die Korallenriffe größtenteils intakt. Natürlich kommt unsere neue Unterwasserkamera erstmalig zum Einsatz, wir machen erste Probeaufnahmen – nicht schlecht, aber durchaus verbesserungswürdig.

Tags darauf wollen wir den Süden Bonaires erkunden. Erstmal geht’s in den Supermarkt, der übrigens sieben Tage die Woche geöffnet hat und wir besorgen uns ein Frühstück to go. Unser erstes Ziel ist das Donkey Sanctuary. Auf dem Weg zum Eselpark entdecken wir einen kleinen Rastplatz und frühstücken mit Blick auf das türkisfarbene Meer. Das Farbenspiel treibt einem die Tränen in die Augen – sagenhaft und atemberaubend. Während auf den anderen Karibikinseln nur einzelne Küstenabschnitte dieses Farbenspektakel zeigen, sieht die gesamte Westküste Bonaires so aus – wow.

Frisch gestärkt geht es weiter zum Eselpark. Im 17. Jahrhundert wurden diese von den Spaniern ausgesetzt und vermehrten sich seitdem ziemlich unkontrolliert. Im Laufe der Zeit führten Inzucht, Nahrungsmangel und der zunehmende Straßenverkehr zu einer ernsthaften Gefährdung der Tiere. Heute leben ca. 700 Esel im Donkey Sanctuary und noch ca. 200 in freier Wildbahn. Wir lassen uns am Eingang ausführlich informieren und besuchen zunächst die Krankenstation der Anlage. Danach geht’s mit dem Auto durchs Gelände. Antje und Felix sitzen mit Karotten bewaffnet auf der Ladefläche des Pickups. Sobald wir in den Park kommen, sind wir von Eseln umzingelt, die Karotten gehen weg wie warme Semmeln. Die Unpaarhufer (Perissodactyla) sind zwar friedlich, aber sehr, sehr aufdringlich und in der Masse sowohl etwas bedrohlich als auch ungestüm.

Nach einer Stunde verlassen wir den Park wieder und fahren weiter nach Süden. Die Landschaft ist hier karg und herb. Hier befinden sich die meisten natürlichen Salzseen, die im 16.Jahrhundert von den Holländern zu Salinen ausgebaut wurden. Mittlerweile wird im Süden ein Viertel der gesamten Landfläche zur Salzgewinnung genutzt. Das Meerwasser wird in große, flache Becken geleitet, das Wasser verdunstet im Sonnenlicht und das hochwertige Meersalz kann abgebaut werden. Klingt einfach, war aber früher bestimmt echte Knochenarbeit. Noch heute sind an den alten Salzgärten die schlichten Steinhäuser zu sehen, in denen damals die Sklaven lebten. Die Salzproduktion wurde inzwischen industrialisiert und am Rande der Salinen türmen sich riesige Salzberge auf. Mitten in diesem Gebiet wurde ein Schutzgebiet für Flamingos errichtet, die hier in Ruhe ihren Flamingogeschäften nachgehen können.

Selbstverständlichen haben wir auch mehrere, der über 80 Divespots besucht. Wir schwimmen durch einen Schwarm blau-violetter Doktorfische, sehen Barrakudas (Pfeilhechte), Steinfische und natürlich wieder farbenprächtige Papageienfische sowie riesige Hirn- und Fächerkorallen. War es auf den Tobago Cays schon wie in einem Aquarium, dann ist die Küste Bonaires ein absolut überbesetzes Aquarium, so viele Fische haben wir noch nie gesehen – echt sehr, sehr geil!

Auf ausdrücklichen Wunsch von Felix fahren wir nochmal an die Ostküste, er will unbedingt eine Samaragdeidechse fangen. Beim Aussteigen fällt sein iPhone herunter, das Display ist gesprungen, Felix am Boden zerstört und wir haben eine neue Aufgabe für den nächsten Tag. Vor Sonnenuntergang geht es nochmal zum Einkaufen, da wir unsere Wasservorräte auffüllen müssen. Für die nächsten Tage steht der Speiseplan schon fest: Fischstäbchen mit Kartoffelbrei und roter Beete, Bratwurst mit Sauerkraut, Satespießchen mit Salat – wir haben bei diesem Angebot eigentlich gar keine Luste mehr Essen zu gehen, gönnen uns zum Abschluss des Tages aber doch noch einen lecker Döner, den ersten seit über einem Jahr – wer kann da schon wiederstehen!

Am nächsten Tag bringe ich morgens das Leihauto zurück und stelle dabei mit Entsetzen fest, dass unser Pickup über Nacht angefahren wurde. Zwei fette Kratzer zieren den hinteren Kotflügel, die Stoßstange ist verbeult, schöne Scheiße. Wir haben den Schaden, der Schuldige ist verduftet und wir sind unsere Selbstbeteiligung von 500 US los – Mist! Auf dem Rückweg finde ich dafür noch einen Laden, der Felix Handy reparieren kann und hole meine neuen Brillen ab – wenigstens etwas! Der Ärger über den Schaden verfliegt aber schnell wieder, wir können ja eh nichts machen, Shit happens! Nachmittags holen wir das iPhone ab, Felix ist wieder glücklich und ein weiterer Tag im Paradies ist vorbei.

Nach einem lazy Mittwoch, jeder darf nach der Schule am Nachmittag machen was er will, geht es am Donnerstag nach dem Unterricht zum Schnorcheln um die Ecke zum Coco Beach. Hier befindet sich ein halbversunkener Steg unweit vom Ufer. Mit der Unterwasserkamera bewaffnet geht’s ins Wasser und unsere Erwartungen werden nicht enttäuscht, vor allem weil die Unterwasserkamera endlich vernünftige Bilder liefert. Langsam haben wir den Bogen raus!

Nach acht sensationellen Tagen heißt es schon wieder auf Wiedersehen Bonaire. Bei leichtem Regen machen wir am Freitag unsere Auriga klar zum Auslaufen. Nachmittags geht es nochmals nach Kralendijk zum Ausklarien. Allerdings sind nur die Beamten von Customs vor Ort und wir müsssen vier Kilometer bis zum Flamingo-Airport latschen, um auch offziell auszureisen. Danach haben wir uns natürlich ein lecker Abschiedsessen verdient und so lassen wir uns Steak, Calamaris und Thunfisch am Abend noch schmecken und kommen trotzdem um 21:00 Uhr ins Bett, schließlich wollen wir am nächsten Tag bereits um 07:00 Uhr zur 40 nm entfernten zweiten ABC-Insel Curacao aufbrechen. Mit einem tränenden Auge lassen wir Bonaire in unserem Kielwasser. Die abwechslungsreiche Landschaft, Flora und Fauna sowie die unglaubliche Unterwasserwelt haben uns in ihren Bann gezogen, wir werden bestimmt nochmal zum Tauchen wiederkommen – Reisetipp Nummer 3!

Fair winds und bis bald

Marlin, Dorie & Nemo

Grenada – Landstrom, Sauerkraut, ein neuer Computer und viel Gewürze

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Grenada ist der südlichste Staat der kleinen Antillen und gilt als Gewürzinsel, da hier neben Bananen vor allem Muskatnüsse und Kakao angebaut werden. Die Muskatnuss hat es sogar auf die Nationalfahne des Inselstaates gebracht. Neben Grenada umfaßt das Staatsgebiet auch ein paar Inseln der nördlichen Grenadienen. Grenada liegt auf 12 ° nördlicher Breite und damit am südlichen Rand des Hurrikangürtels. Anfang September 2004 wurde Grenada vom Hurrikan Ivan schwer in Mitleidenschaft gezogen. 95% der Häuser der Hauptstadt St. George’s wurden zerstört oder beschädigt. Die für die Landwirtschaft wichtigen Plantagen der Insel wurden verwüstet. Im Juli 2005 wurde Grenada erneut von Hurrikan Emily heimgesucht. Am schlimmsten wurde damals wieder die Landwirtschaft getroffen und zahlreiche Muskatnussbäume wurden zerstörte. Außerdem war Grenada natürlich mal französisch, mal britisch, Sklavenumschlagplatz, Mitglied des Communwealth, unabhängig seit 1974, militärische Invasion unter Ronald Reagan 1981, kein Drehort von Fluch der Karibik, jetzt ein aufstrebendes, Amerikaner und Chartersegler verseuchtes Ferienparadies…wie die meisten Inseln der West Indies.

Obwohl für den Vormittag 20 -25 kn Wind angesagt sind, verlassen wir Union Island kurz nach Sonnenaufgang und segeln – jawohl wir segeln – unserem nächsten Ziel St. George auf Grenada entgegen. Nach dem Verlassen der Bucht bringen wir unseren Foerthmann in Position und es geht mit 20 kn achterlichem Wind los. Wir benötigen neun Stunden für die 40 nm, überqueren einen aktiven Unterwasservulkan, rollen durch die Gegend und erreichen am Nachmittag im strömenden Regen die Marina Port Louis in St. George, aber wir sind mal wieder gesegel und haben es nicht verlernt! Port Louis ist kurzgesagt ein Traum. Die erste richtige Marina seit wir Kontinental-Europa verlassen haben. Hilfsbereite Marineros, gepflegte Schwimmstege, Fingerpontons, der Hafen ist gut bewacht und es gibt Landstrom und Wasser – wir sind begeistert, alles passt! Wir sind gerade mal zwei Minuten am Steg fest, schon hat Felix den Landstrom installiert und seine geliebten Daddelgeräte hängen an der Steckdose. Da das Internet nicht bis zum Liegeplatz reicht, erhalten wir als – special service – einen eigenen Internetrouter plus Equipment mit highspeed Breitband, wow….sehr cool!

Bevor es zum Essen ins Restaurant geht, wir hatten schließlich einen anstrengenden Segeltag, werden noch die Sanitäranlagen inspiziert. Die nächste positive Überraschung! Anstatt der üblichen Duschkabinen gibt es hier richtige Badezimmer mit warmem Wasser, Regenduschen, großzügige Waschbecken, viel Platz, alles ist sauber – herrlich. Wir beschließen sofort eine Woche zu bleiben um genügend Zeit für einige, wichtige Arbeiten zu haben: Der Mülleimer muss ausgeleert werden, abwaschen, Fenster putzen, Treppe fegen, staubsaugen usw. – Außerdem soll es die ganze Woche viel Wind und Regen geben…blöd irgendwie! Trotzdem beginnt am nächsten Tag die Schule wieder und die zwei Wochen Frühlingsferien sind damit vorbeit. Felix ist zwar nicht begeistert, aber mit dem sensationellen Internetanschluss haben wir ein Druckmittel erster Sahne in der Hand, das Kind fügt sich in sein Schicksal und wir starten den Schulalltag mit mathematischer Kurzweil.

Nach dem Unterricht machen wir bei Nieselprimelwetter erst einmal eine Exkursion nach St. Georg. Auf den drei Kilometern bis zum Stadtzentrum liegen einige Marineläden, Supermärkte und PC-Stores, die wir aufsuchen wollen. Wir brauchen eine Nationalfahne von Grenada und sind auf der Suche nach einem neuen Computer für Felix. Gleich um die Ecke mit eigenem Dinghidock befindet sich „Foodland“. Wie immer, wenn wir irgendwo neu ankommen, sondieren wir erst einmal das Sortiment. Anhand der Preise für Fruchtsäfte, Wasser, Schinken, Obst und Toilettenpapier – im Schnitt ein Euro pro Rolle, Superflausch teilweise auch erheblich teuerer – lässt sich das Preisniveau der einzelnen Supermärkte ganz gut vergleichen. Auf den ersten Blick ist alles okay und die Erreichbarkeit via Dinghi ein weiteres Plus. Ein Stückchen weiter befinden sich die Halsabschneider von Island Water World, einem Yachtausrüster mit einem unverschämt gutem Sortiment und Phantasiepreisen vom Feinsten. Die Kette ist uns schon in St. Lucia begegnet und unangenehm aufgefallen. Grenadafahen sind selbstverständlich erhältlich, aber für 20 Euro pro Stück können wir uns auch eine maßschneidern lassen, also nichts wie raus.

Nach einem kurzen Spaziergang erreichen wir den Stadthafen (Carenage) und entdecken ein deutsches Schnitzelhaus….wir haben sofort Kohldampf und entern die Gaststätte. Die Speisekarte ist auf deutsch, es gibt Schnitzel in allen Variationen, Bratwürste mit Sauerkraut – jawohl, Sauerkraut, SAUERKRAUT, ich drehe praktisch völlig durch und beginne schlagartig an zu sabbern – Currywurst, Bratkartoffeln, deutsches Brot, Apfelstrudel und viele andere heimische Schweinerein. Damit kann Grenada zum zweiten Mal bei uns punkten, wir langen richtig zu und spülen alles mit ein, zwei großen Radlern herunter, mmmmh. Wenn man schon so lange unterwegs ist, sehnt sich die Seele und der Magen offenbar hin und wieder einfach nach einem Stückchen wohlbekannter Heimat. Vom Wirt lassen wir uns noch ein paar Tipps bzgl. unserer PC-Suche geben und ziehen mit bester Laune und kleinem Bäuchlein – im vierten Monat Schnitzel – weiter.

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Die ersten beiden PC-Läden holen uns allerdings schnell wieder in die Realität zurück. Kein Rechner unter 700 Euro, wir müssen ganz schön schlucken und Felix verfällt in eine Depression, weil eine mögliche Neuanschaffung in weite Ferne rückt. Wir versuchen ihm mit gespieltem Optimismus zu begegenen und wollen noch nicht aufgeben. Natürlich sind die nächsten PC-Stores ebenfalls eine Enttäuschung. Wir stehen gerade etwas unschlüssig am Stadtmarkt herum als unser Blick auf ein Pfandhaus fällt und plötzlich alle die gleiche Idee haben – warum eigentlich nicht! Das Pfandhaus ist der reinste Laptophimmel. Wir lassen uns ausgiebig beraten, testen DVD-Laufwerke, Lautsprecher und entscheiden uns schließlich für ein HP elitebook mit 8 GB Arbeits- und 500 GB Festspeicher für 250 Euro! Die Laune unserer Sohnes bessert sich schlagartig. Wir lassen uns das Ladekabal zeigen – oh nee – ein karibischer Stecker mit drei Polen, was sonst! Wir erklären Mandell, unserem Verkäufer, das Problem, wir brauchen einen europäischen Stecker oder einen Adapter. Er hat Verständnis, verspricht einen Adapter zu besorgen und sich am nächsten Tag bei uns zu melden.

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Jetzt heißt es für Felix warten. Unser Sohn schläft in dieser Nacht schlecht, ist bereits um 06:30 Uhr wach, sitzt anschließend bei mir im Cockpit und kaut mir ein Ohr ab. Offensichtlich ist er bzgl. der Computerwahl wieder unschlüssig. Reicht der Arbeitsspeicher zum Minecraft spielen, läuft dies und das reibungslos, sind seine Spiele mit Windows 7 kompatibel…und so diskutiere ich bei Sonnenaufgang, ohne Kaffee, mit unserem Pubertier weltbewegende Probleme. Im Laufe des Tages konferieren wir mehrmals mit Mandell und am Nachmittag fahren Felix und Antje mit dem Bus in die Stadt, um den so sehr ersehnten Computer doch zu kaufen. Auf dem Rückweg will Felix unbedingt laufen, weil ihm eine optionale Beschädigung des neuen Schatzes im engen Sammelbus zu gefährlich erscheint – echt süß.

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Zurück an Bord will der neue HP sofort ausprobiert werden, ungefähr drei GB Spiele werden heruntergeladen, die Funktionalität jedes Spiels mit dem alten PC verglichen, Vor- und Nachteile abgewogen usw…., aber Felix ist zufrieden und das HP-Logo auf dem Deckel leuchtet sogar im Dunklen, wow – wieder ein Problem weniger! Am nächsten Tag wollten wir am Nachmittag eigentlich die Grand Anse besuchen, einen drei Kilometer langen Sandstrand um die Ecke, der als der schönste auf den Westindies gilt. Felix wollte aus irgendeinem Grund nicht mit, aber sein neuer Computer macht uns einen Strich durch die Rechnung, der PC läd nicht! Der Kapitän nimmt sich des Problems an, findet heraus, dass die Sicherung für unsere 220 Voltsteckdosen geflogen ist und schraubt den Adapter auseinander – sehr windige chinesische Konstruktion. Wir packen uns den PC samt Ladekabel und schlappen ins Marinaoffice um zu testen, ob das Ladekabel okay ist. Adapter umsonst zerstört, das Ladekabel hat es erwischt. Die Stimmung bei Felix geht auf der nach unten offenen Richterskala ins Bodenlose, er ist für keine Vorschläge mehr offen – weitere Interventionen sind hoffungslos. Antje und ich beschließen trotzdem in die Grand Anse zu fahren und entdecken auf der Fahrt den „Grenada Computer Store“, erkundigen uns nach einen neuen Ladekabel und erfahren, dass wir mit dem PC wieder kommen müssen, aber die Verkäuferin ist sich sicher, ein passendes Kabel auf Lager zu haben. Wir schauen uns den riesigen Strand an – weißer Sand, Palmen, türkisfarbenes Wasser – voll geil, als ob wir noch nicht genug Strände gesehen hätten und fahren zurück.

Unser Sohn nimmt die neuesten Entwicklungen wohlwollend auf. Jetzt gilt es einen neuen Adapter zu besorgen und am nächsten Tag zum Grenada Computer Store zurück zu fahren. Wir satteln das Dinghi und versuchen es zunächst bei Island Water World – Fehlanzeige. Wir werden zu einem Laden um die Ecke geschickt, auch nichts. Hier empfiehlt man uns Hubbarts im Stadthafen, also zurück zum Dinghi und los. Hubbarts macht einen seriösen Eindruck, der Verkäufer hatte mal einen entsprechenden Adapter im Sortiment, der war grau, ist aber leider ausverkauft! Vielleicht bei ACE in der Innenstadt? – okay, wir latschen weiter. Ich voraus, das Kind mit hängendem Kopf und resignierter Miene hinterher, Frustrationstoleranz gleich Null. Bei ACE wieder kein Glück, aber irgendwas mit L.A. P…., den Rest habe ich nicht verstanden, könnte einen haben, ist wahrscheinlich aber schon geschlossen, dafür aber nur eine Straße weiter. Wir finden den Laden und er hat natürlich schon zu – Scheiße! Da wir uns mittlerweile fast bis zum Pfandhaus vorgearbeitet haben, machen wir einen letzten Versuch. Wir gehen zu Mandell, zeigen ihm das Ladekabel und sagen ihm, dass es nicht funktioniert. Er testet es – stimmt – riecht daran, okay durchgebrannt. Ohne viel Aufhebens bekommen wir ein neues Ladekabel – erste Glücksgefühle kommen auf. Auf der Straße fällt unser Blick auf den nächsten PC-Store, also nichts wie hin und rein. Wir schildern unser Adapterproblem. Rastaman meint daurauf, ist alles easy, ihr müsst nur den dritten Stift am Stecker abbrechen und dann passt er in die Steckdose – aha. Felix und ich sind offensichtlich ungläubig, also nimmt der Verkäufer seinen eigenen Stecker vom Ladekabel, bricht den dritten Pol (ich tippe auf die Masse) ab und demonstriert uns, dass alles völlig problemlos funktioniert – okay, ich bin überzeugt, so wird es gehen. Zurück an Bord stutzen wir den Stecker, ab in die Dose, der PC läd und Felix strahlt! Wir sind ausnahmsweise mal die besten Eltern der Welt, jeder bekommt ein Küsschen und der Bordfrieden ist wieder hergestellt.

Die nächsten Tage geben wir uns dem gewohnten Bord- und Schulalltag hin und machen erst am Samstagvormittag wieder einen Ausflug nach St. George, um den lokalen Markt zu besuchen. Wir nehmen den Sammelbus, passieren den 1895 fertiggestellten und 108 m langen Sendall Tunnel, der den Hafen mit der Stadt verbindet und starten mit einem Lokalbreakfest aus frittierter Brotfruch, Saltfish, Fishcake und einer Art Brotgebäck. Sehr lecker und ein guter Auftakt. Der Markt ist bunt, aber nicht gerade vielfällig. Für den Fischmarkt sind wir bereits zu spät dran. Wir beschließen Scott´s Kirk zu besuchen, eine Kerze anzuzünden und anschließend das über dem Carenage thronende Fort George zu besichtigen. In der Nähe des Forts bietet uns ein Taxifahrer eine kleine Inselrundfahrt an und wir steigen ein. Im Bus treffen wir Melanie und Benjamin, die heute morgen mit dem Kreuzfahrtschiff angekommen sind.

Zunächst besichtigen wir das neugebaute Kricketstadium, dann geht’s weiter ins Inselinnere und wir bekommen Kakaopflanzen, Muskatbäume und andere Gewürzpflanzen zu sehen. Im Inneren von Grenada ist es angenehm kühl, die Vegetation präsentiert sich wild und in allen erdenklichen satten Grüntönen. Nach einem kurzen Panoramaview-Stopp geht es weiter zu den „Annandale Waterfalls. Hier stürzen sich tollkühne junge Männer gegen einen kleinen Obulus in die Tiefe. Unsere Fahrt endet wieder an der Grande Anse. Wir geben den beiden Österreichern noch ein paar Tipps, einen Plan von Grenada und wünschen uns gegenseitig eine schöne Weiterreise, wirklich nette Bekanntschaft die Beiden. Auf dem Weg zur Hauptstraße stolpern wir noch über ein internationales Foodfestival und damit hat sich das Mittagessen auch schon erledigt. Zurück an Bord wird langsam unsere Abfahrt für Dienstag vorbereitet. Wir wollen noch weiter nach Süden, da sich dort ein Marinepark befindet, der sich über drei Buchten erstreckt. Nach der ganzen Müßiggeherei in Port Louis ist mal wieder etwas Wassersport angesagt – wir sind alle zu fett geworden.

Am Dienstag Morgen verlassen wir wehmütig Port Louis und brechen in die True Blue Bay auf. Der WLAN-Router wird noch mal liebevoll gestreichelt, wir verdrücken eine Träne, machen noch schnell zwei Stunden Schule, zahlen und dampfen ab. Die acht Seemeilen sind schnell zurückgelegt, allerdings passieren wir dabei den südwestlichsten Punkt Grenadas Pt. Saline. Bei 25 kn Wind und nur 10 Meter Wassertiefe wird es kurzfristig ziemlich kappelig im türkisfarbenen Wasser. Danach noch 2 nm gegen den Wind und wir können in die True Blue Bay einlaufen. Hier ist der Name wirklich Programm. Da es weiterhin ganz schön blasen soll, wollen wir uns an eine Mooringboje legen. Normalerweise werden wir schon eine halbe Seemeile vor jeder Bucht von Vendors abgefangen, aber jetzt wo wir mal wirklich Hilfe benötigen würden ist natürlich keiner da, typisch. Trotzdem klappt beim zweiten Versuch alles und wir liegen sicher an der Boje. Direkt neben uns befindet sich auf einem Hügel der Gebäudekomplex der St. George´s Universität. Studieren mit Blick auf´s offene Meer und einem langen Sandstrand direkt um die Ecke läßt doch ein wenig Neid aufkommen, hätte ich auch gerne gehabt. Leider hat Felix mittlerweile eine Bindehautentzündung entwickelt und der Kapitän ist gefragt. Ich greife zum Äußersten und starte eine qualifizierte Behandlung mit Augentropfen. Wassersport und Schnorcheln fällt allerdings für die nächsten Tage für Felix aus und wir gehen aus Solidarität nicht ins Wasser.

In der True Blue Bay herrscht ganz schön viel Schwell und die nächsten beiden Nächte werden ziemlich ungemütlich. Am zweiten Abend ist im Hotelresort eine lokal Streetfoodparty angesagt, wir gehen hin uns lassen es uns schmecken. Leider fällt Felix nach dem Anlegen mit dem Dinghi vom Steg ins Wasser und muss nochmal zur Auriga zurück, um sich umzuziehen – dabei hatte ich baden doch ausdrücklich verboten! Am Donnerstag sind wir früh auf den Beinen und wollen in die Prickley Bay um die Ecke. Das Ablegen von der Boje klappt super und schon eine halbe Stunde später sind wir in der Prickley Bay Marina angekommen. Der windiger Holzsteg wirkt nicht sehr vertrauenswürdig. Das Anlegemänover ist eine ausgemachte Katastrophe, bei 25 kn Seitenwind will unsere Auriga einfach nicht richtig rückwärtsfahren. Die Marineros stehen am Steg, sind keine Hilfe, beim dritten Versuch klappt es endlich und wir sind fest. Kein gutes Omen, wir sind nicht richtig glücklich! Die Stegklampen verbiegen sich bei jeder Böe, die Festmacherleinen reißen mit brutaler Gewalt an unseren Klampen und wenn die Leine an der Bugmooring reißt, krachen wir mit dem Heck voll gegen den Steg und unser Foerthmann ist hinüber. Wir sind mit der Gesamtsituation unzufrieden. Eigentlich wollten wir in der Prickley Bay noch ein bisschen schnorcheln, unsere Auriga für die nächste Etappe zu den ABC-Inseln vorbereiten und Proviant einkaufen usw. Der Familienrat wird einberufen, nach einer kurzen Sitzung lösen wir die Leinen und tuckern zurück nach Port Louis. Sobald wir die Hafeneinfahrt erreichen zeigen sich Meerschildkröten, das wirkt doch schon besser. Wir machen an unserem alten Steg fest, alles kein Problem und sind zufrieden.

Am nächsten Tag ist eine Biologie-Exkursion angesagt. Da Grenada über ein gutes Sammelbusnetz verfügt, geht es am Morgen zunächst in die Berge. Wir besuchen den Grand Etang Forest Reserve. Nach 15 Minuten aufregender Fahrt durch enge Kurven und reichlich Regenwald erreichen wir den 515 m über dem Meeresspiegel liegenden Nationalpark. Hauptattraktion neben der üppigen Vegetation ist ein kleiner Kratersee. Während es an der Küste bereits um 09:00 Uhr gefühlte 35 °C hat, herrschen hier oben eher frostige 18 °C und wir sehnen uns nach einer Jacke oder wenigstens einer langen Hose. Der Regenwald ist unglaublich grün und über dem See hängen noch die letzten Regenwolken.

Danach geht es weiter zum Belmonte Estate einer über 300 Jahre alten Plantage. Wir machen eine Führung durch die Anlage, die vor allem für ihre Kakaoproduktion bekannt ist. Unser Führer erklärt den Verarbeitungsprozess von der Ernte, über die Fermentierung und Trocknung bis zur Sortierung. Die hier produzierten Bohnen werden in alle Welt verkauft und natürlich auch an die hiesige Grenada Cocoa Association, die daraus lecker, lecker Schokolade produziert. Neben der Kakaoproduktion spielt die Muskatnuss natürlich auch eine große Rolle sowie der Anbau von Kukuma, Zimt und Ingwer. Der Tag vergeht wie immer viel zu schnell und mit dem Sammelbus geht es am Nachmittag zurück zum Hafen. Über´s Wochenende wollen wir unsere Auriga fit für die nächste Reise machen, es geht zu der 400 nm entfernten ABC-Insel Bonaire vor der Küste Venezuelas.

Zwischenzeitlich haben wir gute Nachrichten von der SY Samantha erhalten. Alex und Birger haben ihr Salzwasserproblem offensichtlich gelöst! Es waren wohl nicht die Kielbolzen undicht, sondern bei Steuerbord-Schräglage kam Seewasser durchs Spülbecken ins Boot. Sie haben daraufhin einfach das Seeventil geschlossen und bei der Probefahrt war alles trocken. Am 26.02. sind sie aufgebrochen und haben neun Tage später Mindelo auf den Kapverden erreicht. Wir vereinbaren am nächsten Tag via Satellitentelefon zu konferieren. Pünktlich um 2100 UTC klingelt das Telefon und wir freuen uns riesig, die beiden mal wieder zu hören. Glücklicherweise ist alles gut gegangen und sie werden Anfang nächster Woche zu ihrer Atlantiküberquerung aufbrechen. Fair winds und viel Glück ihr zwei! Im Laufe des Gesprächs stellt sich leider heraus, dass wir sehr unterschiedliche Pläne haben, was ein Treffen in dieser Saison ziemlich unwahrscheinlich werden lässt. Obwohl wir zunächst ernsthaft überlegen wieder nach Norden zu segeln, um die Beiden in Antigua zu empfangen, verwerfen wir die Option später wieder. 200 nm gegen Wind und Wellen sind einfach kein Spaß! Außerdem steht unser nächstes Ziel Bonaire schon fest. Danach soll es über Kolumbien und die San Blas Inseln weiter nach Panama gehen.

Ja, Panama – Panama wird wieder einer dieser neuralgischen Punkte auf unserer Reise werden, Entscheidungen müssen getroffen werden. Sollen wir doch noch den Pazifik in Angriff nehmen? Wir sind noch nicht zu spät dran, um Galapagos und die Südsee zu ersegeln. Vanuatu, Tahiti, Fidschi, Tonga, die Cook- oder die Gesellschaftsinseln – allein die Namen führen bei mir schon zu einer Dopaminausschüttung im Gehirn. Ich assoziere damit das pure Blauwasserleben und es geht nicht um herrliche Sandstrände oder einsame Inseln, eher um bedingt touristisch erschlossene Gebiete, Abenteuer mit anderen Kulturen und Gleichgesinnten und dem zweiten Versuch dem Rauchen zu entsagen. Auf der anderen Seite möchten bis Nuku Hiva, der ersten Marquesas-Insel in Französisch-Polynesien, beinahe 4000 nm überwunden werden und danach sind es nochmal 3000 nm bis Australien. Wir sind nicht sicher, ob wir wirklich dazu bereit sind. Es kann gut laufen und alles ist easy, oder wir machen wieder die unsympathische Variante und dann verlässt meine Frau das Boot oder mich oder beides! Die Alternative wäre, das Boot während der Hurrikansaison in Panama zu lassen und bis Anfang November anderweitig weiterzureisen. Mit dem Flieger nach Australien, Neuseeland, Südostasien, Japan, China und danach mit der transibirischen Eisenbahn von Peking nach Moskau und zurück nach Panama – auch nicht schlecht! Wir könnten ab November über Mexiko, Kuba zu den Bahamas segel, uns in Nassau eine USA-Visum besorgen und danach noch ein bisschen USA machen bevor es im Frühsommer zurück nach Europa geht. Zurzeit ist alles offen, wir sind noch unentschlossen – aber nicht mehr lange!

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Fair winds und bis bald,

Eure Auriga-Crew

Fake News und herrliche Unterwasserwelten in St. Vincent und den Grenadinen

Nach unserem Frühstart in Souffriere steuern wir als nächstes St. Vincent und die Grenadinen an. Der Inselstaat umfasst die Insel St. Vincent und die 32 Inseln der nördlichen Grenadinen. Kolumbus endeckte 1498 die Insel am St. Vincent-Tag und taufte sie entsprechend – echt kreativ Christoph, alter Schwede! In der Windabdeckung von St.Lucia herrschten zunächst herrliche Segelbedingungen und wir genießen die aufgehende Sonne und die morgendliche Kühle. Sobald wir die St. Lucia-St.Vincent-Passage erreichen ist es natürlich wieder vorbei mit Genusssegeln. Drei Meter Welle von der Seite, wir werden mal wieder kräftig durchgeschüttelt und sind entsprechend genervt. Nach 7 Stunden haben wir unser Ziel die Keartons Bay erreicht. Hier befindet sich ein Transocean-Stützpunkt und wir freuen uns auf eine leckeres Abendessen bei Rosi. Nachdem wir an der Mooring-Boje festliegen, können wir noch ein bisschen entspannen, weil wir erst ab 17:00 Uhr in der nahegelegenen Wallilabou Bay einklarieren können.

Da sich direkt neben unserer Mooring ein Schnorchelspot befindet beschließen wir erst einmal ins Wasser zu gehen. Das Riff ist nicht so toll, aber Antje entdeckt nahe einer Höhle zwei Rotfeuerfische und wir ziehen uns lieber wieder an Bord zurück. Um 17:00 Uhr werden wir pünktlich von einem Mitarbeiter Rosis mit dem Boot abgeholt und in die Wallilabou Bay chauffiert – auch mal ein cooler Service. Die Bucht ist nicht nur wegen des Mordes an einem deutschen Skipper vor einem Jahr bekannt, sondern vor allem weil sie als Filmkulisse für den ersten Teil von „Fluch der Karibik“ diente. Hier wurde vor einigen Jahren „Fort Royal“ aufgebaut. Laut unserem Cruising Guide gibt es hier ein kleines Museum mit Filmrequisiten zu bewundern. Das Museum entpuppt sich dann als düstere Baracke, in der einige Bilder der Hauptdarsteller an den Wänden hängen und ein Haufen alter Filmrollen in den Ecken liegt. Wahrscheinlich kann man am Boden noch einen Nasenpopel von Jonny Deep finden – der totale Reinfall! Zum Glück mussten wir keinen Eintritt zahlen. Dafür dürfen wir beim Einkalrieren kräftig löhnen, insgesamt 70 Euro für die Erlaubnis einen Monat in St. Vincent und den Grenadienen zu segeln. Ganz schön knackig, wie wir finden. Zur Abwechslung müssen wir allerdings nur ein einziges Formular im Customerbüro (ebensfalls eine ehemalige Filmkulisse) ausfüllen.

Am Abend geht es dann ins Rock Side Cafe zu Rosi. Die gebürtige Hamburgerin lebt seit ca. 20 Jahren auf St. Vincent und hat sich hier mit ihrem einheimischen Mann Orlando ein kleines Restaurant aufgebaut. Wir werden von der Eigentümerin herzlich mit einem Rumpunch begrüßt und kommen gleich ins Gespräch. Natürlich müssen wir von unserem Erlebnis in Souffriere berichten und werden ehrlich bemitleidetet, was uns wirklich gut tut. Außerdem werden wir noch mit ein paar guten Tipps bzgl. St. Vincent versorgt und Rosi organisiert uns einen Mechaniker für unseren Außenbordmotor, weil der die letzten Tage nicht so richtig will. Unser Chinese (Parsun) verweigert immer mal wieder den Dienst und geht einfach während der Fahrt aus. Blöd vor allem, wenn man sich gerade im Anfahrtskanal eines größeren Hafens befindet. Wir vereinbaren, dass sich Yellowman am nächsten Morgen unseren Chinesen ansehen soll. Anschließend sitzen wir unter Palmwedeln, beobachten die untergehende Sonne und genießen ein formidables 4-Gänge Menü. Was kann man sich nach einem langen, harten Segeltag sonst noch wünschen? Der Abend vergeht sehr kurzweilig, wir dürfen uns im Gästebuch verewigen und fallen später erschöpft in unsere Kojen. Wir schlafen allerdings sehr unruhig, weil in der Bucht viel Schwell herrscht und wir gut durchgeschüttelt werden, aber ohne ernsthafte Verletzungen am nächsten Morgen von einem Regenschauer geweckt werden. Der Himmel ist wolkenverhangen, die Temperaturen angenehm kühl und endlich mal keine Sonne zu sehen! Wir werden ein Kreuz im Kalender machen.

Pünktlich um 0800 erscheint Yellowman an unserer Auriga und wir besprechen unser Außenborderproblem. Der Chinese wird umgeladen, an Land gebracht, Felix und ich paddeln hinterher, weil wir bei der Reparatur dabei sein wollen. Obwohl der Parsun noch fabrikneu ist, ist der Vergaser schon verdreckt – 4-stroke-engines always make problems – so sieht´s nämlich aus! Yellowman erweist sich als geduldiger Lehrer und zeigt uns wie der Vergaser ausgebaut, gereinigt und wieder eingebaut wird. Alles in allem vom Schwierigkeitsgrad her überschaubar. Die nächste Reinigung werden Felix und ich sicher alleine hinbekommen. Der anschließende Testlauf verläuft zu Felix´s Zuriedenheit und wir hieven den Chinesen wieder an Bord. Dabei bemerken wir, dass sich die achterliche Mooringleine aus ihrer Verankerung gelöst hat und wir langsam seitwärts treiben. Wir fackeln nicht lange, schmeißen die Maschine an, lösen die Bugleine und dampfen ab – unser erster Notfallstart ist geglückt.

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Da unser nächstes Ziel, die Blue Lagoon Marina an der Südspitze von St. Vincent, nur 10 sm entfernt ist, motoren wir die zwei Stunden bis zur Marina und lassen die Hauptstadt Kingstown zunächst links liegen. Wie der Name schon sagt, liegt die Marina in einer Lagune und ist nur über einen relativ seichten Kanal zu erreichen, der bei Ebbe eine Wassertiefe von 5,5 ft hat, was unserem Tiefgang entspricht. Vor dem Kanal versuchen wir die Marina zu erreichen, bekommen aber leider keine Antwort. Während Antje am Ruder ist, stehe ich am Bug und sehe mit einem zunehmend mulmigen Gefühl, dass sich die unter uns befindlichen Korallenstöcke immer deutlicher am Meeresgrund abzeichnen. Plötzlich ein kurzer Ruck, ich halte den Atem an, Antje gibt Gas und wir sind in der Lagune. Glücklicherweise haben wir nur ein bisschen Sand aufgewühlt. Vor der Marina fordert uns Dockmaster Desmond auf, noch fünf Minuten zu kreisen bis eine französische Yacht ablegt und wir ihren Liegeplatz übernehmen können. Nach einem entspannten, lehrbuchmäßigen, seitlichen Anlegemanöver meiner Frau, entschuldigt sich Desmond und erklärt, dass er uns nicht hören konnte, weil sein Handfunkgerät ins Wasser gefallen ist- Okay, wir haben es auch so geschafft. Eigentlich haben wir die Marina angelaufen, weil wir mal wieder unsere Bordbatterien und elektrischen Geräte (Handys und Laptop) richtig aufladen wollten. Leider stellt sich heraus, dass die Wasser- und Stromleitungen am Pier gerade erneuert werden – also kein Strom die nächsten Tage, Mist! Dafür ist das WiFi sensationell und reicht bis zu unserem Liegeplatz.

„Unglücklicherweise“ ist die Marina an ein 5-Sterne-Hotelresort angeschlossen und wir überlegen natürlich, ob wir nicht sofort wieder ablegen sollen. Bis eine endgültige Entscheidung getroffen ist, gehen wir erst mal ins Loftrestaurant zum Essen. Hier können wir zum ersten Mal Conch (Riesen-Flügelschnecken) – eine Spezialität der Karibik – probieren, schmeckt nicht schlecht. Das Essen überzeugt und entgegen unseren Neigungen entscheiden wir fünf Tage zu bleiben! Nach dem Essen surfen wir noch ein bisschen im Internet und ich stelle fest, dass am Abend die Münchner Bayern im Championsleagueachtelfinale gegen Arsenal spielen. Da wir aber fünf Zeitzonen zurückliegen, ist bereits in einer halben Stunde Anpfiff, perfektes Timing. Ich frage unseren Kellner Andy, ob das Spiel im Fernsehen übertragen wird. Glücklicherweise entpuppt sich Andy als echter Bayernfan und wechselt sofort den Kanal. Während Antje und Felix auf´s Boot zurückgehen, hänge ich noch an der Bar rum und verfolge mit Andy das Achtelfinale – sehr lustig und gewonnen haben wir auch! Gegen Ende des Spiels komme ich mit zwei dänischen Seglern ins Gespräch und wir beschließen, den Abend mit unseren Crews in einer Kneipe um die Ecke zu verbringen. Es wird ein wirklich netter Abend. Felix kann mal wieder Billiard spielen und wird fast von der kompletten dänischen Crew herausgefordert. Wir amüsieren uns alle köstlich.

Die nächsten beiden Tage verbringen wir mit Schnorcheln im nahe gelegenen Riff, das leider ziemlich veralgt ist, aber wieder herrliche Fische zu bieten hat. Wahrscheinlich ist eine Marina für ein Riff nur schwer zu verkraften. Danach laufen die Vorbereitungen für Antje´s „35“-igsten Geburtstag auf Hochtouren. Auf Wunsch des Geburtstagskindes wollen wir Kingstown besuchen. Kingstown wurde 1722 von den Franzosen gegründet, 1779 von den Briten erobert und nach der Unabhängigkeit 1975 zur Hauptstadt von St. Vincent und den Grenadinen erhoben. Am 24. Januar 1793 legte Captain William Bligh (bekannt durch die Meuterei auf der Bounty) mit der HMS Providence im Hafen der Stadt an und brachte die ersten Brotfruchtsetzlinge auf die Insel.

Wir nehmen den lokalen Sammelbus in die Hauptstadt, schlendern zuerst durch die zentrumsnahen Straßen und entdecken zufällig ein Kaufhaus, in dem wir eine neue Kaffeemaschine erstehen – was für ein Geburtstagsgeschenk für meine kaffeabhängige Frau! Richtung Hafen finden wir den Obst- und Gemüsemarkt, lernen den singenden „Eggman“ kennen und flanieren weiter zum Fischmarkt. Hier sehen wir neben den üblichen Thunfischen ziemlich riesige Mahi-Mahi oder Goldmakrelen. Ein Fischer zeigt uns netterweise wie die Leckerbissen fachgerecht gehäutet werden. Wieder was gelernt! Wir besuchen die Kathedrale, nehmen einen kleinen Mittagssnack zu uns, gehen Proviant für die nächsten Tage einkaufen und schlendern zum Busbahnhof zurück. Wir zwängen uns wie die Sardinen in den Van und mit lauter Reggae-Musik geht es zurück Richtung Marina. Obwohl wir schon zwölf Leute im Auto sind, werden unterwegs noch weitere Passagiere aufgenommen. Zum Schluss sind wir 18 Menschen im Van, eine echte Vollkontakt-Fahrt, aber es funktioniert.

Zurück im Hafen erwartet uns eine Überraschung, unsere kanadischen Freunde von der SV ELEMENT sind während unserer Abwesenheit in der Marina angekommen. Nach einem herzlichen Wiedersehen beschließen wir, uns abends an der Bar zu treffen. Vorher dürfen Felix und ich das Geburtstagskind im Loftrestaurant noch auf eine leckere Languste und ein Glas Weißwein einladen. Der restliche Abend vergeht mit Sherrie und Shaun bei reichlich Rumpunsch wie im Fluge. Während wir die letzten Neuigkeiten austauschen, verziehen sich die Kinder auf unser Boot zum Daddeln und Youtuben. Tagsdarauf treffen wir uns zum Schnorcheln und abends zum Kartenspielen („Sets and Runs“ ein Mischung aus Romme und Canasta) auf der Element. Paige und Felix sind mal wieder unzertrennlich und geben sich zwischendurch der Lizzard-Jagd hin. Sie fangen insgesamt fünf Eidechsen, Bob wird in unserem Cockpit ausgesetzt und ward anschließend nicht mehr gesehen.

Obwohl wir eigentlich am nächsten Tag die Marina verlassen wollten, beschließen wir einen lazy Sunday einzulegen und bleiben noch einen Tag. Schließlich haben wir am Vormittag Wasser und Diesel gebunkert und das ist ja wohl genug Stress an einem Tag für einen Blauwassersegler! Am Nachmittag läuft dann noch zufälligerweise die SY ALRISHA mit Brigitte und Ferry ein…. Die beiden wirken nach einem vierwöchigen Besuch von Freunden aus Österreich etwas gestresst. Wir tauschen Neuigkeiten und Zukunftspläne aus. Die beiden müssen am nächsten Tag weiter nach Norden, um ihre Freunde in Martinique zum Flughafen zu bringen, während wir weiter nach Süden zu den ersten Grenadinen-Inseln wollen. Wir werden uns bestimmt nochmal irgendwo treffen. Am Abend lesen wir im Internet von Birger und Alex von der SY SAMANTHA, dass sie nach der geglückten Kielreperatur bei ihrem zweiten Versuch den Atlantik zu überqueren schon wieder Salzwasser in der Bilge haben und deshalb erneut nach La Palma zurückgekehrt sind. Diese Pechvögel! Wir hegen ernsthafte Zweifel, ob sie es jetzt noch ein drittes Mal versuchen werden.

Am Montag geht es dann aber endgültig los. Das nächste Ziel heißt Admirality Bay und liegt auf der Gernadinen-Insel Bequia. Wir sind mal wieder zu faul zum Segeln und motoren die 15 nm mit dem obligaten Geschaukle nach Bequia. Die Insel der Wolken ist mit 18 km2 die größte Insel der Grenadinen. Seit dem 18. Jahrhundert ist der Walfang ein wichtiger Teil der lokalen Wirtschaft. Unter dem Internationalen Übereinkommen zur Regelung des Walfangs ist es den Bewohnern offiziell erlaubt, eine limitierte Anzahl Buckelwale auf traditionelle Art zu fangen. Seit 2003 dürfen vier Wale pro Jahr gefangen werden, allerdings wurde in den letzten Jahren diese Zahl nie erreicht. Seitdem der letzte Walfänger „Athneal Ollivierre“ aufgegeben hat, ist diese Tradition möglicherweise ausgestorben. Die heutigen 5000 Bewohner Bequias sind längst auf die Jagd nach Seglern und Kreuzfahrern umgestiegen.

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Da der Ankergrund in der Bay nicht so gut sein soll und auch vor den meisten Mooringbojen gewarnt wird, entscheiden wir uns mit Daffodil (Osterglocke) Marine Services Kontakt aufzunehmen und uns an eine ihrer Bojen lotsen zu lassen, was alles wunderbar klappt. Da Daffodil auch einen Wäscheservice anbietet, geben wir seinem Mitarbeiter gleich einen Packen dreckige Wäsche mit und haben den ersten Punkt unserer To-Do-Liste damit schon abgehakt. Sobald wir festgemacht haben, springe ich ins Wasser und kontrolliere unsere Osterglocken-Boje – sieht alles gut aus. In unserem Crusing Guide wird die Admirality Bay und die dazu gehörige Stadt Port Elisabeth, übrigens die einzige auf Bequia, in höchstem Maße angepriesen. Es gibt alles und alles ist total super. Erfahrungsgemäß wird wahrscheinlich nur die Hälfte stimmen. In unseren Augen neigt Chris Doyle, der Autor, sehr zu Übertreibungen. Da kann aus einem einzelnen Steg schon mal eine ausgewachsene Marina mit höchstem Standard werden oder ein Tante Emma Laden mit Gaudakäse im Sortiment zum Gourmet Shop aufsteigen. Wir werden es ja sehen, springen ins Dinghi und motoren ohne Probleme nach Port Elisabeth.

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Auf dem Weg zum Dinghidock entdecken wir die SV ELEMENT und statten ihr einen kurzen Besuch ab. Von Sherrie erfahren wir, dass am nächsten Tag bei Bequia Dive ein Tauch-Schnupperkurs stattfindet. Außerdem wollen wir morgen eine Meeresschildkrötenaufzuchtstation besuchen und wir verabreden uns für den nächsten Tag. Der erste Eindruck von Port Elisabeth ist wirklich nicht schlecht. Überall an der Waterfront sieht man bunte, gepflegte Häuser mit Shops und Rstaurants. Wir legen vor dem berühmten Gingerbread Hotel an und melden Felix und Antje erstmal für das Schnuppertauchen an, während ich versuche das Shopmaskottchen, den Papagei Charlie, anzulocken. Danach schlendern wir gemütlich in die Stadt, kaufen ein paar wenige Lebensmittel ein und gehen etwas essen. Das Preisniveau ist selbst für die Karibik schockierend, auch lokales Obst und Gemüse ist extrem teuer.

Nach einer unruhigen Nacht mit viel Schwell treffen wir uns am Vormittag mit der Element-Crew und lassen uns mit einem Taxi zum „Old Hegg Turtle Sanctuary“ am anderen Ende der Insel fahren. Brother King, der Gründer der Einrichtung, versucht hier seit über 20 Jahren die echte Karettschildkröte (engl.: Hawksbill sea turtle) zu schützen. Verletzte Tiere werden medizinisch versorgt, Jungtiere bis zu einem Alter von 5 Jahren aufgezogen und anschließend ausgewildert. In mehreren Becken verteilen sich ungefähr 50 Schildkröten unterschiedlicher Größe. Wir machen eine kurze, sehr interessante Tour mit und erfahren, dass in den letzten 12 Jahren bereits über 800 Karettschildkröten ausgewildert wurden – Hut ab, vor so viel Engagement. Während Antje und Felix am Nachmittag zum Tauchen gehen, mache ich klar Schiff und lasse meinem Ordnungswahn freien Lauf. Wir gehen früh schlafen weil wir am nächsten Tag zu den Tobago Cays aufbrechen wollen. In der Nacht entläd sich ein ziemlich heftiger Sturm mit Platzregen und einigen kräftigen Böen über der Bucht. Zum Glück hält unsere Mooring, was man von der Boje unseres Nachbarn nicht sagen kann. Morgens sehen wir, dass die deutsche Motorjacht Oceanwolf, ein 20 Meter langes Stahlschiff, nur noch zwei Meter von unserem Heck entfernt ist. Wir warten nicht lange, starten die Maschine und sind weg. Kurz darauf sehen wir, wie die Oceanwolf unsere Mooringboje touchiert – da haben wir wohl nicht zu lange gezögert!

Die 30 sm zum Marinepark Tobago Ceys motoren wir – mal wieder, weil immer noch kein Bock auf Segeln – und lassen dabei die bekannte Promi-Insel Mustique links liegen, vor allem weil hier die Gebühr für eine Mooringboje 200 EC beträgt, auch wenn man drei Tage bleiben darf. Die Insel ist Besitz der Mustique Company, einer Aktiengesellschaft, die auf der Insel zwei Hotels und 89 private Villen besitzt. Weil sie über Luxus und Abgeschiedenheit verfügt, wird sie von vielen Prominenten besucht, zum Beispiel haben Bryan Adams, Mick Jagger und Tommy Hilfiger hier eine eigene Villa. Die Tobago Cays sind eine Gruppe von fünf kleinen Inseln. Geschützt werden die Inseln Petit Bateau, Baradel, Jamesby, die etwas südöstlich abgelegene Petit Tobac und die Hauptinsel Petit Rameau durch das “Horse Shoe Reef”. Dieses große Korallenriff umgibt vier der Inseln wie ein hufeisenförmiger Schutzwall und hält die Atlantikdünung weitgehend ab. Alle fünf Inseln sind unbewohnt und bilden zusammen den Marinepark Tobago Cays. Durch unseren frühen Start in der Admirality Bay erreichen wir die Inselgruppe bereits gegen Mittag. Die Ansteuerung ist nicht ganz einfach, da eine ganze Reihe vorgelagerter Riffe zu umschiffen sind, aber unsere Steuerfrau ist durch nichts aus der Ruhe zu bringen und wir gelangen sicher an unser Ziel.

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Die nächsten drei Tage schnorcheln wir wie die Wilden. Die Unterwasserwelt ist faszinierend. Obwohl wir dachten, in Souffriere schon viele Fische gesehen zu haben, stellen die Riffe in den Tobago Cays alles Bisherige in den Schatten. An den Riffhängen tummeln sich die Fische in Schwärmen. Die Wassertiefe ist nur drei Meter und wir haben bei strahlendem Sonnenschein eine sensationelle Sicht im türkisfarbenen Wasser – Ihr dürft ruhig neidisch werden! Meeresschildkröten sehen wir leider nur aus einiger Entfernung. Am ersten Abend springen Felix und ich nochmal vom Boot ins Wasser und schnorcheln zu den nahegelegenen Mangrovenwäldern an der Küste. Plötzlich sehe ich im Flachwasser einen großen Fisch, komme vorsichtig näher und sehe einen karibischen Riffhai. Die menschenfressende Bestie ist nur noch 2 Meter entfernt, dreht langsam in meine Richtung….

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wir sehen uns in die Augen, ich halte die Luft an und die riesige, 80 cm lange Fressmaschine zieht den Schwanz ein und verschwindet wieder…..haha, aber ein bisschen mulmig war mir doch!

Da die Inseln der Tobago Cays unbewohnt sind werden die Segler von sogenannten Venders oder Boatboys versorgt. Entgegen zu anderen Buchten sind die Venders hier sehr professionell. Wer keine Geschäfte machen will, wird in Ruhe gelassen – sehr sympathisch. Morgens werden die Segler mit frischem Brot versorgt und es können Bestellungen für den nächsten Tag aufgegeben werden. Außerdem organisieren sie abends am Strand Barbecues. Wir buchen bei Carlos, werden vor Sonnenuntergang abgeholt und zum gegenüberliegenden Strand gebracht. Wir sitzen unter Palmen barfuß im Sand, die Sonne versinkt langsam im Meer, jeder bekommt eine halbe Languste mit reichlich Knoblauchkartoffeln, gegrillten Bananen und Gemüse gereicht, eine gute Flasche Weißwein dazu – wir hatten schon schlechtere Tage! Hier in den Taboga Cays kommt zum ersten mal richtiges Karibikfeeling auf und die drei Tage vergehen wie im Flug. Am letzten Tag läuft natürlich noch die SV ELEMENT – ja,ja alle haben die gleichen Ziele – ein und wir verbringen noch einen gemeinsamen Abend mit Familie Schmidt, bevor sich unsere Weg vorerst trennen. Während wir als nächstes Union Island anlaufen, segelt die ELEMENT wieder nach Norden.

Union Island ist eine der südlichsten Inseln der Grenadinen und wird wegen ihrer vulkanischen Silhouette auch als Tahiti of the West Indies bezeichnet. Außerdem ist sie der südlichste Port of Clearence von St. Vincent und den Grenadienen. Da sie nur 10 sm entfernt ist und damit um die Ecke liegt, motoren wir schnell rüber. Unser Ziel ist der „Anchorage Yacht Club“ in Clifton, da wir seit dem Verlassen der Marigot Bay in St. Lucia immer noch auf der Suche nach Landstrom sind und die Anzeichen von Stromentzug bei unserem Sohn deutlich zunehmen – mir ist langweilig! Laut unserem Crusing Guide sind hier Strom und Wasser erhältlich. Die Marina entpuppt sich als wackeliger Holzsteg mit 8 Liegeplätzen. Strom und Wasser sind nur an den vordersten Liegeplätzen verfügbar und wahrscheinlich zweifelhafter Herkunft – schon wieder ein Reinfall! Wir verlegen uns an eine der vielen Mooringbojen in der Bucht, während Felix die Enttäuschung buchstäblich ins Gesicht geschrieben steht.

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Am Nachmittag besuchen wir Clifton…“the main Harbour is protected by a reef that shows off its brilliant kaleidoscopic colors and patterns as you sail in. The water to the east is an expanse of brilliant green-turquoise. Ashore, the main town, Clifton is charming and colorful, with a picture-perfect market around a green…there is a excellent choice of restaurants and bars where you can sit outside and watch life in the town! The bustling small port with a cosmopolitan atmosphere is the center of yachting in the southern Grenadines.“ Naja, ich würde das nicht wirklich unterschreiben. Es gibt eine leidlich gepflegte Hauptstraße mit ausgeblichenen, bunten Häusern, der picture-perfect market besteht aus vier Holzbuden, alle Geschäfte sind natürlich Gourmetshops und -restaurants. Das Wasser am Ufer kann man getrost als hochgradig verschmutzt bezeichnen. Das Preisniveau ist noch höher als in Bequia. 1 Liter Orangensaft 5 Euro, 500 ml Ölivenöl 12 Euro, ein Glas Nutella 10 Euro, Wein unbezahlbar und dazu noch Fusel aus Spanien oder Italien. Ja, ja Chris Doyle, nicht so viel Weed rauchen und dann klappt es auch mit den Beschreibungen besser oder handelt es sich einfach nur um alternative Fakten? Wer weiß das schon! Wir steuern trotzdem eine Imbissbude an und werden wenigstens satt.

51Immerhin sind seine Informationen zu Navigation und Clearence immer richtig. Am Flughafen um die Ecke kann man auch am Wochenende ausklarieren ohne „Overtime“ zu bezahlen. Trotzdem legen wir für Custom und Immigration nochmal 35 Euro hin. Da nachmittags eine Kaltfront über die Bucht zieht verzichten die Einheimischen wenigstens auf das Kassieren der Mooringfee. Wir freuen uns, können noch ein paar waghalsige Kitesurfer beobachten und machen unsere Auriga klar bevor es am nächsten Tag auf der Suche nach Landstrom und neuen Schnorchelerlebnissen nach Grenada geht…

Fair winds und bis bald,

Euer H.H. Cousteau von der SY Auriga

St. Lucia II – Urlaub vom Urlaub und Fluch der Karibik

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Dieses ständige Herumreisen stresst wirklich wahnsinnig. Da kam uns das Capella Resort gerade recht! Obwohl wir eigentlich nur ein paar Tage bleiben wollten, hängen wir nun schon fast zwei Wochen hier rum. Aber es ist auch einfach traumhaft – irgendwie Urlaub vom Urlaub. Jeden Nachmitag am Pool, schwimmen und entspannen. Das Internet ist schnell und kostenlos. Am Pool werden die Handtücher und kühles Wasser gereicht, Kokosnüsse serviert und ab und zu kommt ein kleiner Snack oder ein Obstspießchen vorbeigeflogen….und das ist alles in der Liegeplatzgebühr enthalten – ECHT COOL.

Wer will da schon freiwillig weg? Während Felix und Ich das Herumhängen in vollen Zügen genießen, bekommt der erste Offizier schon langsam „itchy feet“ und möchte weiter. Sie hat ja recht, obwohl wir natürlich auch etwas geschafft haben – nämlich viel, viel Schule. Es gibt eine 1 in Französisch, eine 2+ in Mathe, eine 2 in Englisch, eine 2 in Biologie sowie eine 4 in Deutsch zu vermelden. Die Ergebnisse können sich sehen lassen und wir haben ein gutes Gefühl was die Schulbildung unseres Sohnes angeht. Außerdem sind wir ziemlich stolz auf Felix! Letzte Woche haben wir erfahren, dass uns die Fernschule nicht den Realschulstoff sondern das Material für´s Gymnasium geschickt hat. Felix hat sich daraufhin natürlich wahnsinnig echauffiert und die Fernschule mit mehreren Flüchen belegt. Trotzdem klappt es gut und wir haben beschlossen, mit dem vorhandenen Schulstoff weiterzumachen. Zur Belohnung haben wir für nächste Woche Ferien angesetzt.

Selbstverständlich haben wir auch eine Tour durch den umliegenden Regenwald unternommen und sind die gegenüberliegenden Hügel hinaufgeklettert. Zuerst mit der Fähre ans andere Ufer, durch die dortige Hotelanlage bis zur Seilbahn und von der Mittelstation ging´s dann bis zum Gipfel und weiter zum Meditation Point und durchs Gelände zurück zur Bucht. Während der Kapitän sich als wahre Bergziege entpuppte, scheint es dem Rest der Crew etwas an Fitness zu mangeln. Das Gejammere über Muskelkater am nächsten Tag war jedenfalls ein eindeutiger Indikator! Okay, die hohe Luftfeuchtigkeit und die tropische Hitze sind naürlich nicht ganz ohne.

Und dann war natürlich noch der unvermeidliche Superbowl, der immer am ersten Sonntag im Februar stattfindet. In der Marina wurde eine riesige Leinwand aufgebaut und das Spiel inklusive Vorberichterstattung übertragen. Bis zum Beginn der Übertragung haben wir uns auf YouTube mit den Grundlagen des Spiels und dem Regelwerk vertraut gemacht. Touchdown, Field Goal und Quaterback kennt man ja irgendwie, aber bei Interseption, Fumble oder einer Two-Point Conversion wird es schon schwieriger. Wir waren um 1700 pünktlich am Start und hatten immerhin eine wage Vorstellung, wie American Football funktioniert. Die Vorberichterstattung sollte insgesamt drei Stunden dauern, wovon wahrscheinlich alleine zwei Stunden nur Werbung gesendet wurde. Glücklicherweise war während der gesamten Übertragung „all time happy hour“ und wir bis zum Spielbeginn schon reichlich angeheitert. Dann ging es los, die Partie hieß New England Patriots vs. Atlanta Falcons. Interessanterweise wird auch während des laufenden Spiels Werbung gesendet. Zweiter Höhepunkt des Abends war die Halbzeitshow von Lady Gaga. Es war wirklich spannend und nach einer dramatischen Aufholjagd haben die New England Patriots in einer bisher einzigartigen Verlängerung schließlich mit 34:28 gewonnen. Rückblickend ein wirklich netter Abend und unser erstes Football-Erlebnis.

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Ein Ausflug in die Hauptstadt Castries durfte natürlich auch nicht fehlen. Trotz zäher Verhandlungen mit dem Taxifahrer konnten wir uns zunächst auf keinen Preis einigen. Also dann halt nicht und wir haben uns zu Fuß Richtung Bushaltestelle aufgemacht. Nach zwei Minuten kam der Taxler angefahren, erneute Verhandlungen und es ging mit dem Auto weiter – zum Glück, denn die Bushaltestelle war ganz schön weit weg und es wären zwei steile Anstiege zu bewältigen gewesen. Castries war leider eine Enttäuschung. Als wir ankamen lagen im Stadthafen drei große Kreuzfahrtschiffe, allerdings waren nur wenige Kreuzfahrer zu sehen, was wahrscheinlich daran liegt, dass es in der Metropole mit 3500 Einwohnern außer einer schönen Holzkirche mit viel Lüftelmalerei nicht viel zu sehen gibt. Gegenüber der Pier befindet sich eine relativ große Markthalle und hier werden an allen Ständen die gleichen T-Shirts und Souvenirs verhökert. Da das gewünschte T-Shirt in meiner Größe aber nicht verfügbar war, wurden wir von der Verkäuferin ans hintere Ende der Markthalle geführt und mein T-Shirt wurde flugs mit der Bügelmaschine produziert – sehr lustig. Hinter der Markthalle erstreckt sich der lokale Obst- und Gemüsemarkt – nett, aber nicht gerade aufregend. Nach vier Stunden und einem Großeinkauf haben wir uns wieder abholen lassen und waren ziemlich froh, wieder in unserer sehr übersichtlichen Bucht zu sein.

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Nachdem wir unsere Abfahrt jetzt zum vierten Mal verschoben haben – keine Lust, auslaufen an einem Freitag bringt Unglück, noch mehr Unlust, es regnet – wie ihr seht lauter triftige Gründe im Resort zu bleiben, müssen wir aber wirklich weiter. Am Wochenende geht es zum Schnorcheln zur nur 10 sm entfernten Bat Cave bei Soufriere. Hier befinden sich auch der kleine und der große Piton, zwei sehr spitze Vulkankegel, die das Wahrzeichen von St. Lucia sind. Da wir zu faul zum Segeln sind, motoren wir am Samstag einfach schnell um die Ecke. Gegen Mittag erreichen wir die Einfahrt in die Bucht von Soufriere und werden kurz darauf von einem Boatboy abgefangen, der uns beim Anlegen an einer Mooringboje hilft – natürlich gegen ein entsprechendes Entgelt. Nach einer zunächst horrenden Forderung von 40 EC (ca. 15 Euro) einigen wir uns auf 15 EC und alle sind zufrieden. Unsere Boje befindet sich nur 20 Meter vom Ufer entfernt mitten im Marine Park – ideal! Am Nachmittag geht es zum ersten Mal ins Wasser zum Schnorcheln. Das Wasser ist türkisfarben und die Sicht ist gut. Bereits nach ein paar Metern sehen wir die ersten Fische. Je näher wir zum Ufer bzw. Riff kommen, um so mehr Fische in unterschiedlichen Farben und Formen gibt es zu beobachten. Da sind Papageienfisch, Lippfische, Doktorfische, Schnapper und Grunzer. Dazwischen immer wieder herrliche Fächer-, Röhren und Hirnkorallen. Es ist einfach unbeschreiblich und wir sind sofort von der Unterwasserwelt gefesselt. Obwohl das Wasser bestimmt 28 °C hat, wird es nach einer Stunde langsam kühl und wir gehen an Bord. Im Cockpit wird wild gestikuliert und jeder erzählt ,was er gesehen hat – alle sind begeistert und entzückt. Vor allem Felix kiegt sich schier nicht mehr ein, unter anderem weil er einen Sanddollar-Skelett (Seeigelart) gefunden hat. Wir haben alle das Gefühl durch ein Aquarium geschwommen zu sein.

Aber so viel Wassersport macht natürlich hungrig und wir starteten mit dem Dinghi zu einem Landausflug nach Soufriere. Die Stadt ist überschaubar, einige nette Häuschen, viele Restaurants und Bars – alles ein bisschen heruntergekommen, aber okay. Nach einem verspäteten Mittagessen schlendern wir noch ein bisschen durch die Stadt, finden einen Supermarkt, kaufen ein wenig ein und fahren zu unserer Auriga zurück. Vor Sonnenuntergang kommen die Parkranger vorbei und kassieren die Mooringfee. Alle sind sehr freundlich, warnen uns aber vor der herrschenden Kriminalität – Don´t leave the Boat in the night, when you go ashore, lock the boat and no cash inside! Okay, wir werden uns daran halten. Zum krönenden Abschluss des Tages sehen wir am Ende des Sonnenuntergangs noch unseren ersten „Green Flash“, was für ein Tag! Ein Green Flash ist ein seltenes atmospärisches Phänomen, das meist nur auf dem offenen Meer und bei klarer Sicht zu beobachten ist. Es entsteht beim Sonnenauf- oder -untergang und ist als „grüner Schein“ am oberen Rand der Sonne zu sehen. Manchmal erscheint auch ein „grüner Blitz“, nachdem die Sonne untergegangen ist.

Nach einer unruhigen Nacht mit viel Geschaukle, gibt es am nächsten Tag nur einen Programmpunkt – Schnorcheln. Antje und ich wechseln uns dabei ab mit Felix zu tauchen und kommen trotzdem beide dreimal ins Wasser! Dazwischen gibt es viel Aufregendes zu erzählen. Wir sehen Muränen, noch mehr bunte Fische, Seeigel, Korallen und reichlich unbekanntes maritimes Getier. Eins ist uns nach diesem Tag völlig klar, eine Unterwasserkamera muss her! Wir sind richtig angefixt, wollen am nächsten Tag in St. Lucia ausklarien und in den frühen Morgenstunden zum ca. 40 Seemeilen entfernten Wallilabou auf St. Vincent aufbrechen, zum Schnorcheln natürlich.

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Am Abend sind wir erschöpft, glücklich und haben alle einen leichten Sonnenbrand auf dem Rücken. Jetzt erstmal ausschlafen! Unser letzter Tag auf St. Lucia beginnt sehr gemütlich. Frückstück, ein wenig herumhängen, Sonnenbrand pflegen ect. Danach geht es an Land zum Ausklarien. Custom, Immigration, alle sind wichtig, immer das Gleiche, aber die Beamten sind alle sehr hilfsbereit. Ein Mittagessen und einen Einkauf später geht es zurück an Bord. Dort erwartet uns allerdings eine böse Überraschung – wir hatten Besuch: Diebe, Verbrecher und Halunken. Die Decksluke steht weit offen, im Boot herrscht Chaos, überall ist unser Hab und Gut verstreut. Nach einer ersten Sondierung sind zwei Computer, der Camcorder, ein Nintendo, das Tablet und ein wenig Bargeld weg – Autsch! Damit hatten wir nicht gerechnet. Dass es nachts zu Diebstählen kommen kann, wenn niemand auf dem Boot ist – okay, aber am helllichten Tag. SHOCKING. Selbst Felix hat es die Sprache verschlagen. Wir sammeln uns und informieren die Parkranger, die kurz darauf mit einem Polizeibeamten an Bord kommen, der die ganze Sache formell aufnimmt. Kopfschütteln auf allen Seiten, die Beamten sind sehr freundlich und zuvorkommend. Als Entschädigung wird uns die tägliche Mooringfee erlassen, wodurch sich unser Schaden auf ca. 400 Euro reduziert. Glücklicherweise wurde nichts Wesentliches zerstört und die wirklich wertvollen Dinge, wie z.B. unser Fernglas von Steiner, wurden zwar aus dem Regal gezogen, aber nicht mitgenommen. Wenigstens ein bisschen Glück im Unglück. Schade ist allerdings, dass fast alle Fotos auf Antje´s Computer gespeichert waren. Elende Schweine!

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Der Dieb war offensichtlich kein Profi und wird mit unseren Sachen nur wenig Spaß haben. Der Computer von Antje ist zehn Jahre alt und virenverseucht, beim Tablet war der Akku leer und es läd nur, wenn es ca. zwei Tage nonstop am Strom hängt und der Nintendo war auch kaputt. Nur der Computer von Felix und der Videocamcorder waren noch okay. Je länger wir darüber nachdenken, desto witziger finden wir die Vorstellung, dass unser Meisterdieb unsere Altelektronik für uns entsorgt hat, während er die wirklich wertvollen Dinge und fast 3000 US Dollar Bargeld an Bord gelassen hat – Blöder Sack! In Zukunft werden wir die Fenster mit Tesafilm sichern und dann will ich sehn, wie da einer reinkommt!

Trotzdem ist vor allem Felix auch Stunden später noch fassungslos und stinksauer, dass jemand in unser Zuhause eingebrochen ist. Gemeinsame Verwünschungen – Krebs, Pestilenz und Fußpilz – helfen uns über den Abend. Ja, wir sind alle ein wenig verunsichert und heilfroh, dass wir in den frühen Morgenstunden Soufriere verlassen können, um nach St. Vincent aufzubrechen. Natürlich schlafen alle in dieser Nacht schlecht und trotzdem sieht die Welt am nächsten Tag schon wieder anders aus. Die Sonne scheint – wahrscheinlich zum 500sten Mal seitdem wir aufgebrochen sind – und obwohl uns die Ereignisse des Vortages noch etwas nachhängen, lassen wir uns nicht unterkriegen. Kleine Rückschläge müssen auf so einer Reise verkraftet werden, aber die Vorfreunde auf die nächsten Inseln und die Aussicht, auf den Tobago Kays mit Meeresschildkröten zu schnorcheln, lassen den unschönen Vorfall langsam verblassen. Jetzt heißt es „Kopf hoch und Blick nach vorne“ – schließlich steuern wir heute die Wallilabou Bay auf St. Vincent an, in der erst letztes Jahr ein deutscher Skipper erschossen wurde. Wir werden es sicher überleben und unser Trauma überwinden…..Don´t worry, be happy!

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Fair winds und bis bald,

Eure Abenteurer von der SY Auriga

P.S. Liebe Oma Inge, wir haben die Nacht in Wallilabou gut überstanden, liegen zurzeit in der gut bewachten Blue Lagoon Marina an der Südspitze von St. Vincent und sind alle wohlauf. Also keine Sorgen machen!