One Happy Island – Aruba

Arub (19)

Die 80 nm von Curacoa nach Aruba sind bis auf die letzen Seemeilen eigentlich angenehm zu segeln. Allerdings sind die vielen Fracht- und Kreuzfahrtschiffe vor Willemstad durchaus ein Herausforderung, aber mit Radar und AIS können wir den Ozeanriesen sicher ausweichen. Nachdem wir mit 22 kn achterlichem Wind gestartet sind und die Sonne bereits zwei Stunden später untergegangen ist, stellen wir fest, dass wir viel zu schnell sind. Wir machen über 6 kn pro Stunde. Unter diesen Voraussetzungen kommen wir mitten in der Nacht in Oranjestad an. Also verkleinern wir unser Vorsegel auf Handtuchgröße und erreichen die Südwestspitze Arubas bei nachlassendem Wind pünktlich zum Sonnenaufgang. Hier begrüßen uns seit langem mal wieder ein paar Tüpfeldelphine – geht doch! Die letzten 10 nm bis zur Hauptstadt werden noch ein bisschen kappelig, aber das stört uns nicht mehr. Wir sind voll auf die bevorstehenden Einklarierungsformalitäten konzentriert. Eine halbe Stunde bevor wir den Kanal zur Hafeneinfahrt erreichen, melden wir uns via VHF bei Aruba Port Control und kündigen unsere Ankunft an. Port Control erklärt uns den Weg sowie das weitere Vorgehen. Wir müssen uns am Eingang des Zufahrtkanals nochmal melden, sobald wir die Freigabe erteilt bekommen, dürfen wir in den Kanal einschwenken – ein- oder auslaufende Kreuzfahrtschiffe haben in Aruba absolute Priorität und dürfen keinesfalls behindert werden! – sollen das angedockte Kreuzfahrtschiff westlich passieren und dahinter im zweiten Hafenbecken festmachen. Wir dürfen das Boot nicht verlassen und müssen warten bis die Beamten von Immigration und Customs eintreffen.

Arub (4)

Okay, kein Problem. Wir erreichen das zweite Hafenbecken und legen bei 25 kn Seitenwind längsseits am Pier an. Hier ist es ziemlich ungemütlich, der herrschende Schwell und der Wind drücken uns mit voller Kraft gegen die Betonmauer. Wir bringen alle Fender aus und versuchen den Druck bestmöglich auf den Rumpf zu verteilen. Die Leinen reißen tierisch an den Klampen und unsere arme Auriga ächzt und stöhnt herzzerreißend bei diesen Verhältnissen – Welcome to One Happy Island.

Da wir die Formulare für die Einreise im Internet heruntergeladen und bereits ausgefüllt haben, jedes natürlich in dreifacher Ausfertigung, hoffen wir auf eine schnelle Erledigung der Formalitäten. Die Wartezeit nützen wir um etwas aufzuräumen, schließlich müssen wir befürchten, dass die Offiziellen an Bord kommen wollen und es sieht mal wieder aus wie bei Hempels unterm Sofa! Endlich erscheinen die Beamten, jeder will nur ein einziges Formular! Dafür habe ich mir nachts mit Stirnlampe auf dem Kopf die Frisur ruiniert und mir die Finger wundgeschrieben, oder was? Es folgt das übliche Prozedere und nach einer Stunde ist alles erledigt. Bevor wir die Renaissance Marina im Zentrum Oranjestads anlaufen können, muss Port Control erneut befragt und um Durchfahrterlaubnis gebeten werden. Okay, Captain, you can leave, the dockmaster is already waiting for you. Call him on canal 16. We do, as commanded! Wir funken den Hafenmeister an, werden an der Einfahrt von einem Dinghy empfangen, zu unserem Liegeplatz geleitet und Antje parkt unsere Auriga rückwärts bei 25 kn Gegenwind spektakulär unspektakulär ein! Unsere Steuerfrau ist im Hafen halt doch immer wieder die Heldin, da soll nochmal einer behaupten Frauen können nicht einparken! Also gut wir wollen nicht übertreiben, ich meine natürlich mit dem Boot anlegen. Wir werden herzlich vom Hafenmeister empfangen, die Marinadinge können wir am nächsten Tag erledigen – sehr zuvorkommend – wir bekommen einen Adapter für den Stromanschluss und eine Kurzeinweisung in die Anlage. Wir befinden uns im Renaissance Hotel-, Casiono- und Marinekomplex Oranjestad, aha. Ähnlich wie in der Marigot Bay auf St. Lucia dürfen wir alle Hoteleinrichtungen nützen. Das Angebot ist allerdings der Hammer: Kostenloser Transfer zur Privatinsel!, zwei Pools, Handtuchservice, Fitnesscenter, Eismaschine und vieles mehr sind in der Liegegebühr eingeschlossen. Internet ist kostenlos, wenn wir fünf Tage bezahlen, können wir eine Woche bleiben – sehr geil! Wir erkunden ein wenig das Hotel, sehen uns die Pools an – ganz nett – gehen um die Ecke noch was essen und sind eigentlich schon bettreif, aber als wir am Nachmittag wieder in die Marina zurückkommen, bebt unser Boot im Rhythmus karibischer Bässe, die tägliche Party hat begonnen – One Happy Island, na herrlich!

Aruba wurde 1499 von den Spaniern entdeckt und besiedelt. 1636 erwarben die Niederländer die Insel. Aruba blieb jedoch wegen ihrer Bedeutungslosigkeit vom Sklavenhandel verschont, weshalb die ehemaligen Kolonialherren heute einigermaßen gut ankommen. Von 1825 bis etwa 1915 war auf Aruba die Goldgewinnung der größte Wirtschaftszweig. Die Reste einer alten Goldschmelze können im Südwesten der Insel noch besichtigt werden. 1924 siedelte sich die Lago Oil & Transport Company auf Aruba an, sie diente während des Zweiten Weltkriegs dem Energienachschub der amerikanischen Truppen. Nach 1945 verlor die Erdölindustrie an Bedeutung. Daneben existieren auf Aruba viele Offshore-Banken und Datenverarbeitungsfirmen. Seit Aruba auf dem Index der OECD als Steueroase steht, da seine finanziellen Strukturen einer großangelegten Steuerhinterziehung und Geldwäsche förderlich sind, hat die Regierung viele Schritte unternommen, um den „Steuersparern“ diese Möglichkeiten zu nehmen. Mittlerweile ist die Haupteinnahmequelle der Tourismus. Kilometerlange Badestrände, riesige Shopping Malls, Luxusgeschäfte jeder Art, alles natürlich umsatzsteuerfrei, Nightlife und unzählige Casinos ziehen jedes Jahr 1,5 Millionen Touristen an. Täglich liegen mindestens zwei Kreuzfahrtschiffe am Pier vor Oranjestad und die Insel wird mit Amerikanern und Kanadieren geflutet. Obwohl der Aruba Florin offizielle Währung ist, kann es schon mal vorkommen, wenn man in der Landeswährung zahlt, dass man US Dollar als Wechselgeld zurückbekommt – Sorry, we don´t have Florin! Die gesamte Tourismusindustrie ist auf nordamerikanische Urlauber ausgelegt – One Happy Island.

Für die ganze Woche auf Aruba haben wir keine größeren Ausflüge geplant, weil sich die Insel landschaftlich nicht sehr von den anderen ABC-Inseln unterscheidet. Außerdem können wir von unserem Liegeplatz Pelikane beim Fischen beobachten, Leguane und Eidechsen liegen wirklich an jeder Ecke herum und Flamingos soll es auf der Privatinsel am Flamingobeach geben, damit ist die Tierwelt Arubas auch schon abgehakt. Wir wollen uns ein wenig treiben lassen und unsere nächste Fahrt ins 280 nm entfernte Santa Marta in Kolumbien gemütlich vorbereiten.

Also startet Antje am Montag den Unterricht mit Felix, während ich zum Marinabüro schlappe und einchecke. Hans, der Marinamanager, ist sehr hilfsbereit, erklärt mir den Hotelkomplex sowie die nähere Umgebung nochmal ganz genau. Ohne fragen zu müssen zeichnet er Supermärkte, Hardwarestores, Laundrys und andere für Langzeitsegler wichtige Einrichtungen in den Stadtplan ein – er weiß sehr genau, welche Bedürfnisse wir haben! Wir bekommen Schlüsselkarten um überall in der Hotelanlage Zutritt zu bekommen. Seitdem wir in der Karibik sind gibt es in den Marinas eigentlich nur noch amerikanische Stromanschlüsse und wir müssen teilweise 5 US pro Tag Leihgebühr für einen Adapter zahlen. Weil mich das nervt, beschließe ich einen Adapter zu bauen. Hans hat einen entsprechenden Anschluss im Sortiment und so lege ich 100 US! für den blöden Stecker hin, nur für den STECKER, danach bin ich voll elektrisch und bastle uns einen funktionsfähigen Adapter. Der erste Test mit unserem Wasserkocher verläuft erfolgreich, keine Sicherung fliegt und wir haben wieder Landstrom – Hurra, One Happy Island.

Nach der Schule ist unser Sohn so gestresst, dass er unbedingt auf dem Boot bleiben will. Also machen sich Antje und ich alleine in die Stadt auf, auch mal schön. Wir schlendern durch die Geschäftsstraßen am Hafen, alle namhaften Luxusgeschäfte sowie zahlreiche Juweliere, unzählige Souvenirläden und die unvermeidlichen Shopping Malls konzentrieren sich auf ein paar Straßen um das Kreuzfahrterminal sowie die Innenstadt. Alles ist in niederländisch-kolonialem Stil oder postmoderner Architektur gehalten – eigentlich ganz hübsch. Dazwischen reichlich übergewichtige Amerikaner, die sich den Einkaufstüten zufolge, im Shoppinghimmel befinden müssen. Unser eigentliches Ziel ist aber Lin & Son, ein großer Supermarkt, der mit seinem amerikanischem Sortiment wirbt, we have all brands, you know. Das können wir uns natürlich nicht entgehen lassen! Zurvor Besuchen wir noch Iguana Joe´s Bar und genehmigen uns einen Joe´s Hurrikan und einen Mojito. Nach einem kurzen Fußmarsch von zwei Kilometern erreichen wir den einzigen amerikanischen Verpflegungsstützpunkt südlich des Hurrikangürtels. Zu unserer Enttäuschung finden wir allerdings nur wenig Unbekanntes oder wir erkennen es einfach nicht. Mit dem Taxi geht es zurück in die Marina und die komplette Familie macht noch einen Abstecher zum Pool. Das Wasser ist angenehm temperiert, wir bekommen Handtücher gestellt und verbringen den Rest des Nachmittags damit den Sonnenbrandgrad der Hotelgäste einzuschätzen, sofern sie noch laufen oder schwimmen können – Wir amüsieren uns köstlich, One Happy Island.

Am nächsten Nachmittag will die Privatinsel erkundet werden. Mit dem Shuttelboot geht es in zehn Minuten über´s Meer, bei gefühlten 500 PS Motorleistung kein Problem und schon sind wir auf Renaissance Island. Es gibt zwei Bereiche – Familylike and Adults only – die Buchten werden von Wellenbrechern geschützt, das Wasser ist türkisfarben, weiße Sandstrände, Liegestühle unter Palmen, an jeder zweiten Palme eine Steckdose, highspeed Internet, Bars und natürlich der Flamingobeach. Hier tummeln sich sechs bis sieben gestutzte und dadurch flugunfähige Vögel zur Belustigung der Besucher – wer´s mag! Wir plantschen ein bisschen im Wasser, ich versuche zu schnorcheln, aber das Wasser ist so trübe, dass man nicht wirklich was sehen kann. Ein Drink an der Bar und nach zwei Stunden lassen wir uns wieder in die Marina bringen. Vom Steg geht es direkt in den Pool zum Salzwasser ausspülen und Amis gucken. Zurück auf dem Boot erfahren wir, dass unsere lieben Freunde von der SY Samantha endlich Antigua in der Karibik erreicht haben – Wir ziehen den Hut vor eurer Leistung, freuen uns ganz arg für Euch und wären gerne dabei gewesen! Wir wären nach all den Rückschlägen wahrscheinlich nicht mehr losgesegelt! Erholt euch schön ihr Lieben und vielleicht treffen wir uns ja doch noch in Panama, müsst halt ein bisschen hinne machen! Mittlerweile wird es erst gegen 19:00 Uhr dunkel, man merkt doch, dass wir uns inzwischen 600 nm westlicher befinden. Sobald es dämmert legen die Kreuzfahrtschiffe ab, im Hafen geht die Lichtshow an, es wird laut und die Party beginnt – One Happy Island.

Wahnsinn, wie mich meine krauses Haupthaar mittlerweile nervt. Ich sehe aus wie ein … ein Blauwassersegler und muss schleunigst zum Frisuer. Am Vormittag schwächelt Felix ein bisschen und die Schule fällt nach der zweiten Stunde aus. Er soll sich ausruhen, während Antje und ich eine kostenlose Stadtrundfahrt mit der Trambahn machen wollen. Auf dem Weg laufen wir an einem Friseur vorbei und ich bin kurz entschlossen. Ich betrete als zerzauster Seebär den Barbershop und verlasse ihn als astreiner Amerikaner wieder – offensichtlich sprach der Frisur nicht das gleiche Spanisch wie ich! Hallo, I´m Helmut from Ohio, how are you?. Antje lacht sich halbtod und ich muss den Rest des Tages mit gegelter und Haarspray bearbeiteter Frisur leben.

Die Stadtrundfahrt ist vor allem wegen der schönen Trambahnen wirklich nett. Wir werden durch die Mainstreet kutschiert und danach am Cruising Terminal wieder ausgeladen. Ist aber alles halb so schlimm, weil sich der Busbahnhof um die Ecke befindet und wir noch zum Einkaufen müssen. Wir wollen zu „Superfood“ in den Norden. Unser Busfahrer, der wie alle Einheimischen wirklich unheimlich freundlich ist, gibt uns Bescheid und wir steigen am Eagle Beach aus.

WIR SIND AN DEM EAGLE BEACH! Mehrfacher sowieso Awardgewinner, schönster Strand der Karibik, 2014 schönster Strand der Welt …. und es ist, ja, was soll man sagen der reine WAHNSINN. Der Strand ist etwa 30 Meter breit, gefühlte drei Kilometer lang, weißer, weißester Korallensand ever, das Wasser natürlich mit einem fabelhaften Farbenspiel von türkis, über … bis … selbstverständlich! – WOW. Ich bin wahrlich kein Strandliebhaber, aber sowas habe ich noch nie gesehen – Sensationell, Aruba kann zum ersten Mal wirklich punkten! Wir genißen einen Cocktail am Strand, sind echt überwältigt, werden morgen die Schule ausfallen lassen und mit Felix nochmal herkommen – ach ja, Superfood war auch ganz toll! Da es Felix am Abend besser geht, wollen wir mal wieder ins Kino gehen. Bisher haben wir es nicht geschafft, weil „King Skull Island“ erst um 21:15 beginnt und wir dann meistens schon im Bett sind, aber heute sind alle wach. Pünktlich stehen wir vor dem Kino um zu erfahren, dass der Film seit heute nicht mehr läuft – Programmwechsel am Donnerstag! Da das Alternativprogramm am Abend nicht so prickelnd ist, fällt Kino wieder aus. Dafür spielt in der Shopping Mall, wo sich das Kino befindet, noch eine Steelband. Wir lauschen der Musik, genießen noch ein Glas Wein und freuen uns des Lebens – One Happy Island

Für Freitag ist ein klassischer Aruba-Tag geplant. Nach einem reichhaltigen Donuts-Frühstück packen wir unsere Badesachen ein und nehmen den Bus nach Palm Beach im Norden der Insel. Wir finden einen langen,langen weißen Sandstrand, der allerdings zum größten Teil von den Hotelanlagen okkupiert wird. Zwar sind alle Strände in Aruba öffentlicher Art, aber direkt am Wasser gibt es halt keinen Schatten und die Sonne brennt heute echt erbarmungslos. Bei 35°C in der Sonne latschen wir den Strand entlang bis wir ein paar schattenspendende Büsche finden. Alle wollen sofort ins Wasser um sich abzukühlen. Das Meer ist herrlich kühl, aber leider nur etwa 80 cm tief. Wer ins tiefere Wasser will läuft allerdings Gefahrt von irren Jetskifahrern oder anderen highspeed Spaßfahrzeugen überfahren zu werden, dann lieber doch im Nichtschwimmerbereich bleiben.

Trotz unseres opulenten Frühstücks ist die Brut bereits um 11:30 hungrig! Wehe der wächst schon wieder! Wenn es so weiter geht, müssen wir ihn bald in seine Kabine falten. Jaja, das Kind entwickelt sich prächtig, wir haben vor ein paar Tagen Bilder vom Anfang der Reise angesehen und festgestellt, wie süß unser Felix da noch war. Und jetzt? Wir haben inzwischen die gleiche T-Shirtgröße, seit heute ist er offiziell so groß wie Antje und immer diese Haare. Aber was soll´s, zum Bestrahlen ist es einfach schon zu spät. Nachdem Felix mittlerweile vor Hunger Bauchschmerzen hat, packen wir zusammen und nehmen einen sündhaft teuren Lunch in einem der Strandrestaurants zu uns. 82 USD für zwei Sandwiches, einen Salat, drei Getränke, 15% Servicegebühr und 2% Healthtax werden einfach oben drauf geschlagen – Autsch! One Happy Island

Danach geht es mit dem Taxi nochmal zum Eagle Beach. Hier stehen wenigstens keine Hotels direkt am Strand, sondern sind durch eine Straße nach hinten versetzt. Obwohl die einzelnen Resorts natürlich ebenfalls Platz für ihre Gäste beanspruchen, ist es hier doch deutlich weniger gedrängt. In der frühen Nachmittagshitze schlendern wir ein wenig herum, baden ist viel zu anstregend, also ab zur Strandbar und ein paar Cocktails schlürfen, ist heute auch schon Wurst! Im luftigen Schatten genießen wir den Ausblick und versuchen nicht übertrieben zu transpieren. Der Sand ist im Sonnenschein allerdings so hell, dass es ohne Sonnenbrille gar nicht geht, Strandblindheit ist im Verzug. Wir fotographieren noch ein bisschen, entdecken endlich einen der berühmten Divi-Divi-Bäume (die Baumkronen wachsen durch den steten Passatwind waagerecht) und ziehen 30 USD später weiter. Mit dem Bus geht es zurück zur Marina, direkt in den Hotelpool. Wir müssen uns schon wieder abkühlen. Obwohl immer eine kräftige Brise weht, ist es heute einfach extrem heiß, wir leiden unfassbare Qualen! Antje und ich gewinnen einen Sonnenbrand im Gesicht, unfassbar – obwohl wir mittlerweile doch eindeutig sonnengegerbt sind. Sobald wir abgekühlt sind, geht es natürlich … wieder an die Bar – heute ist schließlich Arubatag, oder so. Ich bin mir sicher, jeder eisgekühlte Cocktail verringert die Körpertemperatur bestimmt um … wenn nicht sogar mehr! Nach einer kurzen Ruhepause gehen wir noch ins Panekekkenhus und Felix lässt sich ein riesiges Schnitzel schmecken. Während das Kind einen elternfreien Abend genießen darf, machen sich Antje und ich ins Casino auf. Wir verbringen einen kurzweiligen Abend mit Roulette und Black Jack, gewinnen 300 USD und haben damit die Tagesausgaben mehr als wieder reingeholt. One Happy Island

Am Samstag sind die üblichen Abreisevorbereitungen dran. Es gibt allerdings nicht viel zu tun, da wir ja praktisch jede Woche auf einer anderen Insel waren und so ist alles schnell erledigt. Ein bisschen putzen, abwaschen, noch etwas Proviant einkaufen. Wir wollen Aruba am Sonntagmorgen verlassen und hoffen, am Dienstag oder Mittwoch in Santa Marta / Kolumbien anzulegen. Auf unserer Fahrt muss jedoch der nördlichste Punkt Südamerikas – Punta Gallinas und das berüchtige Kapo de la Vela umschifft werden und hier kann es ganz schön ungemütlich werden! Allerdings sind für die nächsten Tage nur 15-20 kn und 1-2 Meter Welle angesagt und wir rechnen mit einer ruhigen Überfahrt auf den südamerikanischen Kontinent. Inzwischen haben wir einen Agenten organisiert, der uns in Santa Marta beim Einklarieren helfen wird. Laut unseren Informationen sind die Einreiseformalitäten sonst nicht zu machen, weil alles auf Spanisch ist und die Beamten zicken wohl auch rum. Bereits gegen Mittag ist alles erledigt, wir machen uns einen lazy Spätvormittag am Pool, um der Mittagshitze zu entgehen flüchten wir ins Kino und schauen den neuen Schlümpfefilm an. Danach kurz in die Stadt und sofort wieder zum Pool! Nach dem Abendessen hängen wir noch ein bisschen auf dem Boot herum und schlafen schön aus. Eigentlich wollten wir am Sonntag ablegen, aber Felix hat ein schlechtes Gefühl für die Überfahrt nach Kolumbien. Also tagt der Familienrat und wir beschließen erst am Montag aufzubrechen, auch recht! Wir starten mit einem reichhaltigen Frühstücksbuffet im Hotel in den neuen Tag… One Happy Island

Fazit ABC-Inseln

Grundsätzlich finde ich, wenn schon unbedingt in die Karibik dann auf die ABC-Inseln. Obwohl sich Aruba, Bonaire und Curacao was die Landschaft, Flora und Fauna betriff sehr ähnlich sind, unterscheiden sie sich in ihrer Entwicklung doch erheblich. Wer es gerne ruhiger hat, auf Natur und unglaubliche Unterwasserwelten steht, ist in Bonaire genau richtig. Kulturliebhaber und Freinschmecker kommen in Curacao auf ihre Kosten. Natürlich kann man auf allen Inseln in warmen, türkisfarbenen Wasser baden, aber Aruba besitzt eindeutig die schönsten Strände und bietet das umfangreichste Unterhaltungsprogramm. Alle Inseln sind europäisch-niederländisch geprägt, haben sich aber ihren eigenen karibischen Charm erhalten. Die Menschen sind unglaublich freundlich und hilfsbereit. Wir haben uns überall sicher und wohl gefühlt, auch wenn Bonaire unser absoluter Favorit ist. In diesem Sinne – Ayo, ihr abwechselungsreichen Inseln

Fair winds und bis bald,

euer Urlaubs-TÜV von der SY Auriga

Kolumbien – Liebe auf den ersten Blick!

Montagmorgen haben sich alle Bedenken in Luft aufgelöst. Bei Hans bezahlen wir unsere Liegegebühr, schaffen eine Übersichtskarte für die süd-westliche karibischen See an und bekommen zu unserer Überraschung noch einen echt klasse Cruising Guide für Kolumbien geschenkt, vielen Dank. Dann heißt es bye, bye Aruba, ayo ABC-Inseln! – für uns kein leichter Abschied. Bevor wir zum Ausklarierungspier umsiedeln können, melden wir uns vorschriftsmäßig bei Port Control, bekommen die Freigabe und tuckern los. Die Beamten von Custom und Immigration sind schon vor Ort und die Formalitäten können rasch erledigt werden, wie auf den anderen Inseln der ehemaligen niederländischen Antillen ist alles umsonst. Wir verlassen den Hafenkanal durch die nördliche Zufahrt, bringen den Foerthmann in Stellung, rollen unsere Genua aus und setzen Kurs 300° auf den 100 nm entfernten nördlichsten Punkt des südamerikanischen Kontinents – Punta Gallina. Bei 4-5 Bft. achterlichem Wind und bis zu 2 kn westlicher Strömung machen wir zwischen 6-7 kn Fahrt. Bei der Geschwindigkeit haben wir das Gefühl uns anschnallen zu müssen, wir düsen ganz schön und erreichen ein Rekord-Etmal von 150 nm. Am zweiten Tag lassen Wind und Strömung etwas nach, aber trotzdem erreichen wir Santa Marta am Mittwoch Nachmittag, nach nur 53 Stunden mit einer Durchschnittsgeschwindigkeit von 5,7 kn! Offensichtlich wird unsere Auriga magisch von Kolumbien angezogen.

Kol1 (40)

Wir melden uns via VHF in der Marina Santa Marta an, werden kurz darauf von zwei Marineros in einem Dinghi empfangen und zu unserem Liegeplatz geleitet. Antje legt entspannt an, wir müssen uns allerdings nach 15 Minuten wieder verlegen, weil der zugewiesene Liegeplatz leider besetzt ist. Bei einer Affenhitze machen wir wieder alle Leinen klar, legen ab, fahren einmal um den Ponton herum und legen mit vielen helfenden Händen wieder an. Wir klären mit den Marineros die Stromversorgung, unser neuer Adapter kommt planmäßig zum Einsatz und wir melden uns danach in der Marina an. Seitdem wir vor über 14 Monaten Afrika / Agadir verlassen haben, haben wir heute zum ersten Mal wieder Festlandboden unter den Füßen. Im Marinabüro werden wir sehr, sehr herzlich empfangen und mit allen Einrichtungen vertraut gemacht, ein Marinaagent übernimmt für uns die Einklarierungsformalitäten. Kurz darauf besucht uns Matthias von der SY Jasina, er und seine Freundin Regina liegen mit ihrer Etap 32 seit etwa fünf Monaten hier, gibt uns ein paar Tipps und wir verabreden uns für den nächsten Abend – schöner Auftakt. Die Marina Santa Marta liegt direkt an der Strandpromenade und nur ein paar Meter vom historischen Stadtzentrum entfernt. Direkt neben den Wellenbrechern der Marina befindet sich ein langer, schöner Sandstrand. Nach einer herrlichen Dusche wollen wir natürlich noch zum Essen gehen.

Der Zugang zur Marina wird von mehreren Wachleuten und einem Soldaten mit angeschlagener MG bewacht. Mein Sicherheitsbedürfnis ist sofort aufs Höchste befriedigt, hier müssen wir uns auf alle Fälle keine Sorgen um unser Hab und Gut machen. Wir erkundigen uns nach dem nächsten Geldautomaten, heben gleichmal eine halbe Million Pesos (ca. 150 Euro) ab und fühlen uns wie Millionäre! An der Strandpromenade haben wir die Qual der Wahl. Es gibt jede Art von Restaurants und die Preise sind überschaubar … günstig … praktisch extrem billig. Wir finden auf keiner Speisekarte ein Hauptgericht für mehr als 10 Euro. Seit unserer Ankunft punktet Kolumbien schon zum dritten Mal! Nach einem gepflegten Dinner mit einer Flasche Wein und anschließendem Dessert sind wir gerade mal 120.000 Pesos los. Obwohl wenig englisch gesprochen wird, klappt die Verständigung trotzdem ganz gut und die Menschen sind unheimlich herzlich und freundlich. Ich fühle den Beginn einer großen Liebe! Nach dem Essen schlendern wir zurück, fallen todmüde in unsere Kojen und schlafen erstmal richtig aus.

Kol1 (24)

Santa Marta ist die Hauptstadt des Departamento del Magdalena und liegt im Nordosten des Landes relativ nah an der Grenze zu Venezuela. In Santa Marta leben 480.000 Menschen, im ganzen Departamento 500.000! Die Straßen sind geometrisch angelegt. In Nord-Süd-Richtung verlaufen die Carreras, die Wege von Ost nach West werden als Calle bezeichnet. Alles ist durchnummeriert, es gibt kaum Straßennamen, aber dadurch fällt die Orientierung sehr leicht. Nördlich von Santa Marta befindet sich die Sierra Nevada de Santa Marta mit den höchsten Bergen Kolumbiens, dem Pico Cristóbal Colón sowie dem Pico Simón Bolívar, die beide über 5.700 Meter hoch sind. Die Berge gehören zu den nördlichen Ausläufern der Anden (Kordillere) und sind damit das höchste Küstengebirge der Welt. Vom Meeresgrund aus gesehen sind die beiden schneebedeckten Gipfel praktisch über 10.000 Meter hoch. Santa Marta wurde am 29. Juli 1525 vom Conquistador Rodrigo de Bastidas als eine der ersten heute noch bestehenden spanischen Städte auf dem amerikanischen Festland gegründet. Ca. 16 km vom Stadtzentrum entfernt befindet sich die Quinta de San Pedro de Alejandrino, auf der am 17. Dezember 1830 der Freiheitskämpfer Simon Bolivar verstarb. Santa Marta ist eine der wichtigsten Hafenstädte im Norden Kolumbiens. Rund um die Stadt wird intensiv Landwirtschaft betrieben, es werden Palmen, Bananen und Mangobäume angepflanzt.

Am nächsten Morgen stehen um 09:00 Uhr die Einklarierungsbehörden auf der Matte – ups. Bei uns sieht es mal wieder aus….! Ein Beamter kommt an Bord um das Boot zu inspizieren. Wir müssen alle Unterlagen vorlegen, zum ersten Mal wird auch unser Gelbfieberimpfstatus überprüft, unser Bad (haha!) kontrolliert, aber alles ist okay und nach einer Viertelstunde zieht der Offizielle wieder ab, wir bekommen unsere Pässe zurück und dürfen 90 Tage in Kolumbien bleiben. Danach ist Felix gefragt, weil die nächste Bio-Schulaufgabe ansteht. Anschließend ist unser Sohn natürlich so erschöpft, dass er nicht in der Lage ist, in die Stadt mitzukommen. Mama hat mal wieder Verständnis und das Kind darf an Bord bleiben, während wir uns aufmachen. Zuerst besuchen wir aber die SY Jasina und machen unser Date für den Abend klar. Wir dürfen an Bord kommen und ich entdecke eine kleine kompakte Klimaanlage – A dream comes true! Wir erfahren, dass Klimaanlagen dieser Art überall erhältlich sind und ich habe sofort ein neues Objekt der Begierde, eine Haceb muss her! Da die beiden nächste Woche nach Panama wollen und anschließend in den Pazifik, schenken sie uns auch noch ihren Kolumbienreiseführer. Danach geht es ins Marinabüro, weil wir beschlossen haben, mindestens einen Monat hier zu bleiben, um von hier aus Kolumbien zu erkunden. Unser erstes Ziel in Santa Marta ist natürlich ein Supermarkt. Bei 32°C im Schatten latschen wir los und finden uns in einer richtigen Stadt wieder. Das Verkehrschaos tobt, es stinkt, es ist unglaublich laut, die Luft zum Schneiden, Smog pur, aber wir fühlen uns wohl. Zuerst stoßen wir auf einen Haushaltswarenladen, entdecken einen neuen Mülleimer, eine Köderbox, silikonierte Aufbewahrungsdosen, wir sind im Plastikhimmel – kaufen aber nichts, wir haben schließlich eine Mission. Die Carrera 5 ist Lateinamerika pur. Links und rechts Geschäfte aller Art, vor den Geschäften fliegende Händler und Garküchen, unbeschreiblich, endlich mal wieder Zivilisation. Wir finden den ersten Supermarkt, sondieren das Sortiment, ich entdecke eine Haceb für 110 Euro! Es gibt alles, was das Herz begehrt, die Preise treiben einem nach der Karibik die Tränen in die Augen – wir sind happy. Zigaretten kosten 1,30 Euro, 5 Liter Wasser 1,00 Euro, Grundnahrungsmittel sind etwa 60% billiger als in Europa, Bier gibt es für 0,50 Euro die Dose, Wein ist erschwinglich, Obst und Gemüse auf marokkanischem Niveau. Außerdem kann man echt billig Essen gehen. Für ein durchschnittliches Mittagessen legt man zwischen drei und fünf Euro hin! Wir besorgen ein paar Lebensmittel und fahren mit dem Taxis zur Marina zurück, dabei erfahren wir, dass man innerhalb des Stadtgebietes pro Taxifahrt nur 2 Euro bezahlt.

Am Abend treffen wir uns mit Matthias und Regina und lernen außerdem Hank und Susi kennen. Die beiden Amerikaner sind vor ein paar Wochen mit dem Boot aus Puerto Rico gekommen, waren so begeistert von Santa Marta, dass sie sich gleich um die Ecke eine Eigentumswohnung gekauft haben. Wir beschließen in die Stadt zum Essen zu gehen und verbringen einen kurzweiligen Abend in einem sehr netten Restaurant am Parque de Los Novios, dem Zentrum des Nachtlebens. Im Laufe des Abends erfahren wir viel über Kolumbien, Santa Marta und das Leben hier. Als wir das Lokal verlassen, tobt der Bär vor dem Lokal, Lebensfreude pur. Wir schlendern gemütlich zum Hafen zurück und legen uns erschöpft von so vielen neuen Eindrücken hin. Allerdings ist die Familie bereits um 02:30 wieder fit, es ist wahnsinnig warm und wir werden von einem Haufen Mücken malträtiert. Mitten in der Nacht beginnt eine wilde Jagd auf die kleinen Mistviehcher. Die erste Schlacht können wir zwar für uns entscheiden, allerdings befürchten wir eine langwierige Auseinandersetzung mit den Biestern. Wir müssen definitiv massiv aufrüsten. Obwohl am nächsten Tag Karfreitag ist, haben viele Geschäfte am Morgen geöffnet. Als erstes muss eine Klimaanlage her! Wir laufen wieder zum Supermarkt und erstehen die Haceb, die letzte, die es noch gibt. Danach geht es in die Abteilung Schädlingsbekämpfung – wir decken uns mit Mückengift, Klebefallen und Antimückenmittel ein. Wir wollen doch mal sehen, wer hier der Herr im Haus ist! Zurück an Bord wird die neue Klimaanlage natürlich sofort ausprobiert, mit der Größe einer Mikrowelle passt sie genau in den Niedergang. Wir lassen sie eine halbe Stunde laufen und unsere Kabine ist nach kurzer Zeit angenehm temperiert – sehr schön.

Abends laufen wir bei drückender Schwüle und 30°C zur Kathedrale und wollen uns die Karfreitagsprozession ansehen. Vor der Kirche herrscht Volksfeststimmung, einige Heiligenfiguren sind bereits auf Holztragen aufgestellt. Nach einer Stunde Wartezeit erscheinen sechs Würdenträger und es werden lange, lange Predigten zum Besten gegeben. Da auf dem Platz kein Lüftchen weht, wir mal wieder in unserem eigenem Saft stehen, brechen wir die Aktion Osterprozession ab und suchen uns ein gut klimatisiertes Restaurant auf dem Dach des Strandkasinos mit herrlichem Ausblick über den Hafen und lassen uns ganz unchristlich Steak und Meeresfrüchte schmecken. Wir kehren in unser wohltemperiertes Heim zurück und freuen uns auf eine ruhige Nacht. Als ich am nächsten Morgen aufwache, haben wir eine Innentemperatur von 23 °C – es ist saukalt! Antje hat sich nachts in eine Wolldecke eingerollt, dafür haben wir deutlich weniger Mückenstiche. In den nächsten Tagen werden wir ein bisschen mit den Einstellungen spielen und unser persönliches Wohlfühlklima sicher finden.

Durch die Neuanschaffung der Klimaanlage können wir seit langem wieder bei guten Bedingungen schlafen, aber tagsüber wird es trotz Windsegel unter Deck schweineheiß und unsere beiden kleinen Kabinenventilatoren bringen nur wenig Bewegung in die stehende, feuchte Luft. Nächstes Tagesziel – ein neuer Ventilator muss her. Vormittags schreibt Felix noch eine Deutschschulaufgabe, während ich die Jasina besuche. Matthias bekommt unseren alten, kaputten elektrischen Autopiloten (wir haben zwei vom gleichen Typ) und ich dafür einen aktuellen Cruising Guide für Panama. Da Matthias Schiffsingenieur ist, nutze ich die Gelegenheit und löchere ihn mit Fragen über dieses und jenes. Gleichzeitig kontrolliere ich die Bordapotheke der beiden, so wäscht eine Hand die andere – so habe ich mir das Blauwasserleben immer vorgestellt. Die beiden sind vor fünf Jahren in Hamburg gestartet und wollen innerhalb der nächsten zehn Jahre die Welt umsegeln – „Wir wüssten sonst gar nicht, was wir machen sollen“ – es gibt also genung Gesprächsstoff. Zu meiner Überraschung erfahre ich, dass wir am Ostersonntag zusammen mit Matthias und Regina bei den Amerikanern zum Essen eingeladen sind, wird bestimmt interessant. Am Nachmittag sind wir im Ventilator-Jagdfieber und machen uns in die Ocean Mall auf. Am frühen Nachmittag haben die Temperaturen bereits 33°C erreicht. Glücklicherweise ist die Mall klimatisiert und wir können eine 18-Zoll Windmaschine für wenig Geld erstehen. Damit sollte der Wohlfühlfaktor auf unserer Auriga weiter deutlich steigen. Außerdem bekommt der Kapitän ein neues Tablet.

Ostersonntag beginnen wir mit einem gemütlichen, reichhaltigen Frühstück. Bis alles fertig ist darf Felix nach seinem Ostergeschenk suchen, was bei unseren Wohnverhältnissen ja eher überschaubar ist. Nach einer kurzen Suche findet er seine neuen Kopfhörer und freut sich sehr darüber. Wir vertrödeln den Vormittag, treffen uns mittags mit den beiden Hamburgern und machen uns zu Hank und Susi auf. Ihr Appartment (200 qm) befindet sich direkt am Strand im 13. Stock und bietet einen herrlichen Ausblick. Auf der einen Seite kann man über den Hafen und das Meer blicken, auf der anderen Seite sieht man Santa Marta mit den Andenausläufern im Hintergrund – Wow. Wir kochen gemeinsam und verbringen einen netten, fröhlichen Nachmittag zusammen. Obwohl am Ostermontag in Kolumbien kein Feiertag ist, sind wir lazy, das Kind hat schulfrei und wir hängen ein bisschen herum. Nachmittags schlendern Antje und ich durch die Stadt, aber die Temperaturen machen uns mal wieder zu schaffen, nach zwei Stunden sind wir durchgeschwitzt und kehren zum Schiff zurück.

Außerdem haben wir heute mit der SY Samantha telefoniert. Die beiden sind ja mittlerweile vor einer Woche in Antigua angekommen und wollen jetzt zügig nach Süden segeln. Ich bin ja gespannt, wo und wann wir uns wieder treffen werden. Die nächsten Tage ist wieder verstärkt Schul- und Bordalltag angesagt. Abends treffen wir uns mit der Jasina-Crew zum Sundowner, tauschen Programme, elektrische Seekarten, Filme und mehr aus. Festplatten wandern über die Stege, mehrere Gigabyte Daten wechseln den Besitzer. Die beiden erfahrenen Segler geben uns viele Tipps für die San Blas Inseln und leihen uns zu guter letzt auch noch ein Ankerbuch. Wir genießen die gemeinsame Zeit mit den Hamburgern sehr, leider brechen sie nach meherern Aufschüben doch Ende der Woche nach Panama auf. Allerdings ist ein Wiedersehen in den nächsten Wochen geplant. Wir haben beschlossen, die beiden als „Lineholder“ während der Passage des Panamakanals zu unterstützen. Nach einem letzten gemeinsamen Abend, heißt es dann wirklich Abschied nehmen.

Obwohl uns der Abschied diesmal wirklich schwer fällt, geht das Leben natürlich weiter und wir haben für nächste Woche Ferien anberaumt. Während unserer Inselhüpferei waren die Ausflugsziele ja meistens ziemlich überschaubar. Hier in Kolumbien müssen wir uns erst einmal gedanklich umstellen. Mit einer Fläche von 1,1 Mio km² ist Kolumbien ungefähr drei mal so groß wie Deutschland, da gibt es natürlich einiges zu entdecken. Nach vielen Gesprächen und einer ausgiebigen Recherche haben wir uns entschlossen als erstes Medellin im kolumbischen Hochland zu besuchen. Flüge und Hotel werden über´s Internet gebucht und am Samstagmorgen geht es los. Wir sind sehr gespannt, was uns in der Metropole mit 3,5 Millionen Einwohnern erwartet! Eines wissen wir aber ganz gewiss – es wird deutlich kühler sein als an der Küste!

Kol1 (16)

Fair winds und bis bald,

eure Konquistadores von der Auriga

30 Grad und es wird immer heißer – Blue Curaçao

Wenn ich an Curaçao denke, fällt mir alles erstes der blaue Bitterorangen-Liquör ein und danach setzen die Kopfschmerzen wieder ein. Ich kann mich noch gut erinnern, Mitte der 80iger als ich vierzehn oder fünfzehn war, es war Sommer, zusammen mit ein paar Kumpels im Ostpark in München, eine oder zwei Flaschen Blue Curaçao … was habe ich gekotzt! Keiner von uns hätte gedacht, dass die Übelkeit und die Kopfschmerzen jemals wieder nachlassen werden. Am Samstag Morgen verlassen wir Bonaire bei sehr, sehr flauem Wind und motoren bei leichtem Wellengang die 35 nm bis nach Curaçao. Einziges Highlight der Überfahrt ist ein kleiner Schwarm Flamingos auf dem Weg zu ihren Futterplätzen. Wir warten schon seit Beginn unserer Reise auf Wale – Hallo, zeigt euch, springt aus dem Wasser oder macht andere Kunststücke! Delfine haben wir auch schon eine gefühlte Ewigkeit nicht mehr gesehen.

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Am frühen Nachmittag erreichen wir „Spanisch Waters“, einen herrlichen natürlichen Hafen im Südwesten der Insel. Die Einfahrt ist nicht ganz ohne, links von uns befinden sich reichlich Korallenriffe, rechts eine ausgedehnte Sandbank – Betonnung, Fehlanzeige. Antje steuert unsere Augria jedoch souverän durch den nur 15 Meter breiten „Bottleneck“ in die völlig geschütze blumenkohlförmige Lagune. Spanisch Waters diente schon den ersten Europäern, die hier 1499 anlandeten, als natürlicher Hafen. Wir checken in der Seru Boca Marina ein, befinden uns in der Windabdeckung eines größeren Berges, schwitzen bei 30° C im Schatten sofort wie die Schweine und befinden uns am Arsch der Welt, innerhalb einer riesigen Ferien- und Golfanlage! Eingentlich haben wir die Marina angesteuert, weil sich laut Crusing Guide direkt am Eingang der Anlage eine Bushaltestelle befinden soll, wo stündlich eine Verbindung zur Inselhauptstadt Willemstad besteht. Stimmt zwar auch, aber der Eingang des Santa Barbara Beach- und Golfresorts liegt etwa vier Kilometer nördlich – Pech gehabt! Glücklicherweise können wir in der Marina ein Auto für die nächsten zwei Tag mietem, da wir innerhalb von 24 Stunden nach unserer Ankunft zum Einklarieren nach Willemstad müssen.

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Am nächsten Morgen machen wir uns auf den Weg in die Inselhauptstadt. Wir parken in der Innenstadt und machen uns auf den Weg zur Einwanderungsbehörde. Wir laufen in sengender Hitze und laufen und laufen, verlaufen uns und stehen plötzlich in einem typischen Vorort Willemstads. Wir erkundigen uns nach Immigration, ernten nachhaltiges Achselzucken und laufen zurück Richtung Industriehafen. Hier finden wir einen Kontrollpunkt – Jackpot, wir sind richtig! Ein Passierschein wird ausgefüllt, wir laufen weiter und finden schließlich Immigration in einem kleinen, unscheinbaren Gebäude am Ende des Hafens. Ein wahrer Formularwahn erwartet uns, wir füllen zig Zettel aus: Bootsdaten, GPS-Seriennummer?, Eigenauskunft, Passnummern, wieso, woher, wohin und wie lange, natürlich alles in dreifacher Ausfertigung …. Ein echter Bürokratiemarathon, dafür aber für umme. Nach einer Stunde sind wir fertig, allerdings liegen Customs und Port Control noch vor uns. Port Control ist zum Glück um die Ecke, aber natürlich am Wochenende nicht besetzt. Warum auch? Schließlich befinden wir uns nur in einem der größten Karibikhäfen und am Ölumschlagplatz Nummer 1 vor der Küste Venezuelas! Wer sollte da am Wochenende schon vorbeikommen?

Die zwei Kilometer bis zu Customs laufen wir bei weiter steigenden Temperaturen auf einer Backe und genießen dabei den Blick auf das Weltkulturerbe – klein Amsterdam in der Karibik. Das gesuchte Gebäude befindet sich weit sichtbar, direkt an der Waterfront. Wir erreichen es gegen 11:00 Uhr, sehen an der Eingangstür einen Zettel – please call blabla for Service. Alles klar! Glücklicherweise funktioniert Antjes Handy, wir rufen an, erfahren dass die gestressten Beamten gerade Mittagspause machen und wir in drei Stunden wieder kommen sollen – ach nee! Damit können wir unsere Tagesplanung endgültig begraben. Eigentlich wollten wir noch den Nationalpark im Norden besuchen und an der Westküste zum Schnorcheln gehen. Also muss Plan B her, wir gehen Essen – guter Plan! Das ist allerdings leichter gesagt als getan. Obwohl ein großes Kreuzfahrtschiff am Außenpier liegt, ist Willemstad am heiligen Sonntag, die Bevölkerung ist zu 80% katholisch, wie ausgestorben. Wir latschen eine weitere Stunde ziellos durch die Stadt, bis wir ein nettes, windiges Restaurant finden, uns die Zeit im Schatten mit einem gepflegten Lunch und einem Blue Lagoon Cocktail vertreiben.

Pünktlich um 14:00 Uhr stehen wir vor dem Zollgebäude, erhalten Einlass und der nächste Papierkrieg erwartet uns. Während der zuständige Beamte versucht, unsere handschriftlich ausgefüllten Formulare in den PC einzugeben, beobachte ich seinen Kollegen wir er an seinem Kurzwellenfunkgerät herumspielt. Ich oute mich als Amateurfunker (DB5MP), wir kommen ins Gespräch, ich darf ins Büro hinter der Trennscheibe kommen, wir tauschen Rufnamen aus und unterhalten uns prächtig. Gegen 15:00 Uhr ist alles erledigt, wir gehen noch einkaufen, fahren in unser Touristenghetto zurück, sind durchgeschwitzt, fusßlahm und der Tag ist gelaufen…., da hatte Robi unser Marinamanager wohl doch Recht als er meinte die Einreiseformaliäten würden mindestens drei Stunden dauern!

Am nächsten Morgen geht es erneut zu Port Control, weil wir eine Anchorage-Permit benötigen. Die Dame vom Hafensicherheitsdienst hat es diesmal besonders wichtig und stellt uns drei Passierscheine für den Hafen aus – wir haben ja Zeit und die Temperaturen haben die 30°- Grenze noch nicht erreicht! Same procedure as yesterday – wir latschen wieder bis zum Ende des Hafen zu Port Control, müssen unsere Pässe sowie die Unterlagen von Custom und Immigration vorlegen, alles wird kopiert und wir erhalten nach Zahlung von 10 US Dollar eine offizielle Ankergenehmigung für 3 Monate – Zeitaufwand eine Stunde, was für ein Irrsinn!

Nach dieser Auftaktveranstaltung geht das Besichtigungsprogramm los, der im Norden gelegene Nationalpark „Christoffelpark“ ist unser Ziel. Die 25 km bis zum Eingang sind ziemlich… naja, man sieht kaum was von der Landschaft nur Baum- und Kakteengestrüpp am Straßenrand. Wir durchqueren mehrere ausgesprochen nichtssagende Ortschaften, hin und wieder ein Blick auf´s Meer – nicht besonders spannend oder einladend! Nach einem kleinen Frühstück geht es via Automobil durch den Nationalpark. Uns bietet sich ein ähnlicher Anblick wie in Bonaire nur unspektakulärer, irgendwie öder. Wir fahren an Kakteenmischwäldern vorbei, man sieht den Mount Christoffel im Hintergrund, Bromelien und Agaven blühen bereits, die Kupfermine ist ein Loch im Boden, dafür ist die Straße gut befahrbar und hat keine wesentlichen Schlaglöcher. Wir sehen eine Menge Eidechsen, aber keine Leguane, offensichtlich ist ihnen der Nationalpark auch zu langweilig!

Danach geht es zum Kalik Beach inklusive „Alice im Wonderland“ Schnorchelrevier, so verspricht es jedenfalls das Schild am Strandzugang neben den giftigen Manzanilla-Bäumen. Wir benötigen nämlich dringend eine Abkühlung! Kalik Beach ist „der“ Strand auf Curacao, weißer Sand, Palmen, türkisfarbenes Wasser, bei mir springt der Funke nicht so wirklich über – mal sehen was die Unterwasserwelt so zu bieten hat. Wir eilen voller Vorfreude ins Wasser, schließlich soll es hier u.a. Mantarochen geben. Die lassen sich allerdings nicht blicken, die Meeresschildkröten haben mal wieder Ausgang, die Unterwasserlandschaft ist nett, die Korallen sandig, das Wasser etwas trüb… Allerdings kann ich eine Flunder beim Flunderdinge machen filmen und wir entdecken neue Kugel- und Skorpionfische. Daneben zeigen sich selbstverständlich die üblichen Täter sowie viele andere kleine Fischchen, nur weniger halt.

Natürlich ist alles herrlich, sensationell und atemberaubend, aber vielleicht sollte man vorher nicht in Bonaire gewesen sein, um es wirklich großartig zu finden – eure verwöhnten Unterwasserfreunde von der Auriga. Auf dem Rückweg geht’s noch an der Flamingo-Area und an einem Sklaverei-Mahnmal vorbei. Schließlich war Curacao im 16. und 17. Jahrhundert der größte Sklavenumschlagplatz der gesamten Karibik. Zurück an Bord lassen wir den Tag entspannt im Cockpit bei einem Sundowner ausklingen. Wahrscheinlich sind die Höhepunkte Curaçao´s doch im UNESCO-Weltkulturerbe Willemstad konzentriert und nicht auf dem Land zu finden, wir werden es Ende der Woche herausfinden.

Eigentlich wollten wir uns am Dienstag zum Ankern verlegen, aber bei Nieselwetter hat keiner von uns so richtig Lust und so geht es erstmal mit Schule weiter. Außerdem gilt es ein paar Dinge am Boot zu erledigen. Tags darauf verlassen wir die Marina und wollen uns einen schönen, windigen Ankerplatz in den spanischen Gewässern suchen, weil wir die schwülen tropischen Nächte (Temperatur > 28° C Nachts) nicht mehr aushalten. Außerdem müssen wir möglichst weit weg von den umgebenden Mangrovenwäldern am Ufer, weil sich hier allerlei elendes Mückengetier tummelt, dass uns nachts ziemlich malträtiert. Dass die Crew gepiekst wird ist ja nichts besonderes und durchaus tolerierbar, aber diesmal trifft es auch den Kapitän höchstpersönlich – I am not amused! Ich werde unzählige Male gestochen – die Familie stellt treffend fest, dass den Zweiflüglern offensichtlich nichts zuwider ist! Befehl des Kapitäns: Sofort das Boot aufklaren, Leinen los, wir müssen weg … aber natürlich regnet es am Vormittag wieder. Also warten wir, aber es ist irgendwie keine wesentliche Besserung in Sicht. Da wir in der Seru Boca Marina allerdings schon ausgecheckt haben, wollen wir uns in die Kima Kalki Marina im Norden der Lagune verlegen, weil ankern bei Regen einfach keinen Spaß macht. Nach 15 Minuten erreichen wir die Marina bzw. das, was sich so nennt. Am Ende einer Bucht im Flachwasser gelegene windige Stege, kein freier Platz in Sicht – also doch ankern. Wir drehen und steuern die größte Bucht vor Ort an. Plötzlich stoppt das Boot abrupt, wir sind auf Grund gelaufen – Scheiße – Antje legt geistesgegenwärtig sofort den Rückwärtsgang ein und wir sind auch gleich wieder frei. Zum Glück war´s nur Schlamm und Matsch. Der Kapitän forscht natürlich sofort nach den Schuldigen, der Navigator hat versagt, der bin ja ICH – ach nee, MIST! Ich tadele mich selbst für schlechte Seemannschaft und verhänge die Höchststrafe…

Nach diesem Schock entschließen wir uns den Curacao Yachtclub anzulaufen. Wir legen uns an den Tankstellensteg und gehen ins Büro. Der Empfang ist unheimlich freundlich, einige Liegeplätze sind frei und wir können für drei Tage bleiben – super. Der Clubmanager weist uns einen Liegeplatz zu, bei 23 kn Seitenwind legt meine liebe Frau wirklich gekonnt an. Gegenüber liegt ein brandneuer Katamaran mit vier professionellen Skippern an Bord und Antje erhält von den Jungs 10/10 Punkten für´s Anlegemanöver! Dickes Zwischendurch-Küsschen. Wir organisieren für die nächsten zwei Tage ein Auto, da wir Willemstad noch ausführlich erkunden wollen und erholen uns erstmal von den Ereignissen des Tages. Glücklicherweise ist unser Liegeplatz sehr windig, dadurch schaukelt das Boot zwar in der Nacht, aber die Innentemperatur sinkt endlich mal wieder unter 28 °C und uns erwarten erholsame Nächte.

Am Donnerstag wird unser Mietauto pünktlich nach der Schule angeliefert und wir steuern den Oistrich Park im Südosten der Insel an. Zum Glück hat das Auto Klimaanlage, sonst wäre die Fahrt in der Mittagshitze kaum zum Ertragen. Wir machen eine Tour in der Straußenfarm mit und lassen uns allerhand interessante Dinge über die großen Laufvögel erzählen. 150 bis 200 kg schwer, 50 kg verwertbares Fleisch, laufen auf zwei Zehen, die Weibchen zupfen den Männchen die Rückenfedern aus, benötigen eine Ei-Attrappe um in Stimmung zukommen…. Besonders fazinierend finde ich, dass die Vögel mit ihrem kastaniengroßen Hirn nur über ein Kurzzeitgedächtnis von acht Minuten verfügen sollen – sicher ein Segen in der Kindererziehung. Ihr irrer Blick verstärkt zusätzlich noch den Eindruck, dass sie den gefühlten IQ eines Klappstuhls besitzen und immer dieses Herumgepicke! Strauße – eigentlich riesige Hühner auf zwei Zehen, nur blöder!. Darüberhinaus gibt es noch sehr süße Hängebauchschweine (Felix Favoriten), Emus, Ziegen, Perlhühner, Pfaue und Truthähne zu bewundern. Mir hat es allerdings ein junger „Großer Soldatenara“ angetan. Gott war der süß, aber überall standen Menschen herum und ich hatte keine Tasche dabei…! Nach der Tour haben wir uns noch einen Straußenburger genehmigt, der geschmacklich Kalbfleisch sehr nahe kommt und schon geht die Sonne gegen 18:00 Uhr wieder unter.

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Am nächsten Tag steht eine Exkursion nach Willemstad auf dem Programm. Willemstad besitzt ebenfalls einen natürlichen Hafen, Schottegat genannt, der durch die Sint Annabaai vom Meer abgeschirmt wird. 1634 wurde Willemstad durch die Niederländer erobert. Das Gebiet östlich der St. Annabaai wurde De Punt („der Punkt“) genannt; im Inseldialekt punta. Später wurde daraus Punda. Auf „dem Punkt“ wurde Fort Amsterdam gebaut, um den Hafeneingang zu beschützen. Um das Fort herum wuchs die Stadt. 1707 wurde auf der gegenüberliegenden Baai-Seite ein neues Viertel gegründet: Otrabanda („die andere Seite“). Die beiden gegenüberliegenden Stadtteile werden seit 1886 durch die 168 m lange Königin-Emmabrug verbunden. Die Brücke ist auf Pontons gelagert, schwimmt und kann bei Bedarf aus eigener Kraft zur Seite geschwenkt werden. Seit 1997 ist die Altstadt UNESCO-Weltkulturerbe und gilt als Klein Amsterdam der Karibik. Willemstad ist eine der drei “Hauptstädte”, die in der ersten Hälfte des 17. Jahrhunderts von der niederländischen Westindien-Kompanie gegründet wurden. Die beiden anderen waren Neu-Amsterdam, das heutige New York und Maurice Stadt, das jetzige Recife, in Brasilien. In den 1920er Jahren baute Shell in Willemstad eine der größten Erdölraffinerien der Welt. Hier wird seitdem Rohöl aus Venezuela verarbeitet. Für diesen Standort entschied man sich, da die politischen Verhältnisse auf dem Festland als zu instabil galten – die jüngsten Ereignisse in Venezuela geben den Planern absolut Recht! Seit den 1960er Jahren lebt Willemstad mehr vom Tourismus. Mittlerweile gibt es viele Hotels und Kasinos, Kreuzfahrtschiffe legen hier natürlich auch regelmäßig an.

Wir beginnen unseren Besuch auf dem Markt. Das Treiben ist bunt und hektisch, es gibt Obst, Gemüse, Souvenirs, allerlei Trödel. Da es schon beinahe Mittag ist, treibt es uns in eine unweit gelegene Halle mit mehreren Garküchen. Wir haben eine Mission und wollen Kaktussuppe und Leguaneintopf, die Spezialitäten von Curacao ausprobieren. In der dunklen Halle reiht sich eine Küche nach der anderen. Alle kochen auf riesigen holzbefeuerten Rosten. Wir werden natürlich fündig, müssen die Katussuppe aber erst probieren, bevor wir sie bestellen dürfen – Zu recht!. Der Geschmack ist gar nicht schlecht, aber die schleimige Konsistenz, wie Rotz, ist sehr eigenwillig, wir verzichten doch lieber. Dafür lassen wir uns den Leguaneintopf servieren. Allerdings muss eine Portion genügen. Geschmacklich erinnert das Essen sehr an Hühnersuppe – nicht schlecht, wird aber es wird nicht unser Lieblingsgericht werden.

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Danach geht’s zum Marine Museum. Zunächst laufen wir aber noch am „Floating Market“ vorbei. Hier bieten venezuelanische Händler in Booten Obst, Gemüse, frischen Fisch und Meeresfrüchte an, ein Kilo Languste 20 USD. Die Menschen leben zum größsten Teil auf den Booten und fahren zwei bis dreimal die Woche in ihre Heimat um neue Ware zu besorgen.

Gleich um die Ecke liegt das Marine Museum in einem herrlichen ehemaligen Handelshaus. Die Ausstellung befasst sich natürlich mit der Seefahrt, aber auch der Geschichte Willemstads. U.a. wird die verheerende Explosion der SY Alphen im 18. Jahrhundert sehr detailliert dargestellt, die einen Großteil der Altstadt zerstört hat. Danaben finden sich viele faszinierende Modelle von ehemaligen Handelsschiffen. Größtes Plus des Museums ist die funktionierende Klimaanlage! Danach schlendern wir ein bisschen durch die Einkausstraßen, ich kann mein obligatorisches Souvenir-T-Shirt erstehen und wir erreichen Fort Amsterdam, welches 1635 erbaut wurde und heute der Sitz der antillianischen Regierung ist. Leider können wir die Festung nicht besichtigen, weil am Freitag schon um 12:30 Uhr Schluss ist. Da wir bereits wieder hungrig sind, geht’s zu den Waterfront Arkaden am Meer weiter und wir lassen uns eine Pizza schmecken, während wir an- und abfahrende Frachtschiffe beobachten können.

Frisch gestärkt wollen wir uns noch die Mikve Israel-Emanuel Synagoge ansehen, da wir noch nie in einem jüdischen Gotteshaus waren. Die Synagoge ist über 250 Jahre alt und gilt als die älteste in der westlichen Hemisphäre. 1651 kamen die ersten Juden aus Amsterdam auf die Insel. Ein Freibrief garantierte ihnen umfangreiche Landrechte, Steuerfreiheit, Schutz durch die Behörden und das Praktizieren ihrer Bräuche und Religion. Sie errichteten eine hölzerne Synagoge und gaben ihr den Namen Mikve Israel, Hoffnung Israels. Im Inneren ist der Boden mit weißem Sand ausgestreut, er symbolisiert den Zug der Israeliten durch die Wüste. Altar, Betbänke und Decke bestehen aus Mahagoni – sehr beeindruckend! Damit war unser Kulturdurst dann aber auch schon wieder gestillt.

Auf dem Rückweg beschließen wir spontan nochmal schnorcheln zu gehen und fahren an den Caracas Beach, da hier unweit vom Ufer in geringer Tiefe ein altes Schiffswrack liegen soll. Der Strand ist verhältnismäßig unspektakulär, aber die Unterwasserwelt hat es echt in sich, bonaire-resk geradezu. Wir sind völlig aus dem Häuschen und entdecken sogar einen kleinen Stachelrochen und Steinfische. Leider funktioniert unsere Unterwasserkamera nicht, weil ich vergessen habe sie aufzuladen. Deshalb beschließen wir am nächsten Vormittag nach dem Ausklarieren nochmal zurück zu kommen. Und so wird es auch gemacht! Glücklicherweise brauchen wir für die Formalitäten diesmal nur eine Stunde und haben anschließend noch eine gute Stunde Zeit zum Schnorcheln, bevor wir unser Mietauto zurückgeben müssen. Ich denke die folgenden Bilder bedürfen keiner weiteren Erklärung – herrlich, oder?

Nachmittags machen wir unsere Auriga ausgehfein, damit wir um 17:00 Uhr den Yachtclub verlassen können, um die 80 nm bis Aruba zu segeln. Wir müssen eine Nachtfahrt einlegen, weil wir für die Strecke mindestens 16 Stunden benötigen und keinesfalls nachts an unserem nächsten Ziel eintreffen wollen. Ganz nach Plan verlassen wir am Nachmittag den Club, in dem wir uns sehr wohl gefühlt haben. Antje legt rückwarts bei 20 kn Seitenwind vom Steg ab, was ganz schön tricky ist bei so viel bewegter Luft. Wenn ich darüber nachdenke, dass wir vor einem Jahr bei solchen Verhältnissen auf gar keinen Fall den Hafen verlassen hätten, muss ich doch ein wenig schmunzeln. Ja, wir haben mittlerweile doch einiges an Erfahrungen gesammelt! Kurz darauf segeln wir mit wenig Tuch bei Windstärke 5-6 in den Sonnenuntergang und freuen uns auf die letzte ABC-Insel Aruba.

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Fair winds und bis bald,

eure Kulturfreunde von der Auriga

Bonaire = Paradies?

Endlich geht’s wieder nach Westen, wir wollen ja schließlich nicht in die Antarktis! Am Montagmittag verlassen wir nach den üblichen Ausklarierungsmodalitäten planmäßig Port Louis und lassen damit die eigentliche Karibik hinter uns. Unser nächstes Ziel ist die 400 nm westlich gelegene Insel Bonaire, die zu den ABC-Inseln gehört. Sobald wir Port Louis verlassen, will sich der angesagte ENE-Wind in der Abdeckung Grenadas so gar nicht einstellen. Wir müssen erst mal ca. 15 nm nach Westen motoren, um der Leeseite zu entkommen, bevor der ersehnte Wind endlich einsetzt und wir mit 15 bis 20 kn achterlichem Wind schön segeln können. Wir rechnen für die Überfahrt mit insgesamt vier Tagen. Nach 24 Stunden haben wir allerdings schon über 140 nm (neuer Rekord) zurückgelegt und sind damit deutlich schneller als erwartet. Schuld ist die Nordäquatorial-Strömung im Bereich der südamerikanischen Küste, die uns teilweise mit bis zu zwei Knoten nach Westen schiebt. Eigentlich wollten wir ja einige vorgelagerte Inseln der Küste Venezuelas anlaufen, aber die politische Lage ist einfach zu unsympathisch.

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Das Deutsche Auswärtige Amt zu Venezuela: „Die Regierung Venezuelas hat am 13. Mai 2016 den Ausnahmezustand über das gesamte Land verhängt. Bei politischen Protesten kam es zu gewaltsamen Auseinandersetzungen. Angesichts dieser aktuellen Lageentwicklung und dem fortbestehenden wirtschaftlichen und Versorgungsnotstand im Land wird von nicht dringenden Reisen nach Venezuela abgeraten. Piraterie – Segler sollten beachten, dass Raubüberfälle auf ankernde oder sich in Küstennähe befindende Schiffe bzw. Fälle von Piraterie entlang der venezolanischen Küste vorkommen und entsprechende Maßnahmen ergreifen“ – da wird Tesafilm oder ein Kakteenzaun wohl nicht reichen!

Also lassen wir Los Testigos, die Inseln Margarita, Tortuga und Los Roques links liegen und nehmen direkten Kurs auf Bonaire, wodurch wir stets über 100 nm von der Festlandküste entfernt sind. Trotzdem schalten wir nachts die Navigationsleuchten zur Sicherheit aus und kontrollieren immer wieder im Radar den Schiffsverkehr. Das Geschaukle hält sich ausnahmsweise mal in Grenzen und so vergehen die ersten zwei Tage Wal- und ereignislos. Einziger Höhepunkt ist der schmerzliche Verlust eines Kindels, als Antje nach einer Welle das Gleichgewicht verliert und aus Versehen auf ihr geliebtes Lesegerät fällt – Totalschaden! Am dritten Tag schläft auch noch der Wind ein, so dass wir unseren Ferryman anschmeißen, die letzten 120 nm bis Bonaire motoren und so bereits nach drei Tagen unser Ziel, die Harbour Village Marina in Kralendijk, erreichen. Wir kontaktieren die Marina und werden an den Officesteg gelotst. Hier erwarten uns bereits mehrere große Leguane als Begrüßungskomitee. Felix ist natürlich begeistert und füttert die Tiere sofort mit unseren alten Bananen. Später stellt sich heraus, dass es sich um die Haustiere des Dockmasters handelt.

Nachdem wir uns an unseren Liegeplatz verlegt haben und noch früher Nachmittag ist, begeben wir uns zum Einklarieren in die Stadt. Nach einem 15-minütigen Marsch erreichen wir die Hauptstadt Kralendijk und sind sofort begeistert. Man fühlt sich in eine niederländische Kleinstadt versetzt – nur bunter! Die Menschen sind freundlich, gepflegte Häuser, die Straßen sind sauber, nirgends liegt Müll rum, alles fühlt sich sicher an. Die Einklarierungsprozedur ist schnell erledigt und ausnahmsweise mal kostenlos – sehr schön. Anschließend geht es noch zum Türken und wir fallen nach 78 Stunden auf dem Wasser erschöpft ins Bett.

Zu den ABC-Inseln gehören die Inseln Aruba, Bonaire und Curaçao. Obwohl sie geografisch zu den Winward Islands gehören, befinden sie sich aus geologischer Sicht schon in Südamerika, da sie auf dem südamerikanischen Festlandsockel liegen. Bis 2010 bildeten die drei Inseln die niederländischen Antillen. Mittlerweile ist Bonaire eine besondere Gemeinde der Niederlande, während Aruba und Curaçao autonome Länder innerhalb des Königreichs der Niederlande sind. Amtsprache ist Niederländisch und Papiamentu. Offizelles Zahlungsmittel war mal der Euro, aktuell ist es aber der US Dollar – alles sehr verwirrend!

Bon (361)

Nach einer ruhigen Nacht gilt es am nächsten Tag erst einmal die Hauptstadt zu erkunden. Zuvor entdecken wir noch die SY FREJA (Odysse-Teilnehmer) im Hafen und verabreden uns für den Abend. Es gibt mal wieder einiges zu erledigen. Wir brauchen neue Augentropfen, da die bisherige Therapie bei Felix nicht richtig anschlägt, die obligate Nationalfahne muss organisiert, Supermärkte sondiert werden und wir wollen ein Auto mieten, um die Insel zu erkunden. Nach einem reichhaltigen englischen Frühstück starten wir per Pedes und finden als erstes einen Fotoladen mit einem umfangreichen Sortiment an Unterwasserkameras. Wir lassen uns beraten, einige Modelle vorführen, die Preise sind moderat, wir aber noch unentschlossen. Nächstes Ziel ist ein Marinestore. Hier finden wir natürlich eine Nationalfahne von Bonaire und decken uns noch mit preiswerten Fahnen für unsere nächsten Ziele Curacao, Aruba, Kolumbien und Panama ein. Danach geht es weiter ins örtliche Krankenhaus. Eigentlich wollten wir Felix bei einem Augenarzt vorstellen, aber so läuft´s nicht auf Bonaire. Erstmal zum Hausarzt, der entscheidet, ob und wie, usw. Also gehe ich in die Krankenhausapotheke und frage nach speziellen Augentropfen, da ich vermute, dass unsere bei einer Lagertemperatur von durchschnittlich 30°C nicht mehr wirksam sind. Ich lege meinen Arztausweis vor, bekomme ohne Probleme die rezeptpflichtigen, gewünschten Tropfen und diesmal schlägt die Therapie auch an und das Kind ist von seiner Konjunktivitis geheilt.

Bon (117)

Anschließend geht es zur Autovermietung, wir mieten einen geländegängigen Pickup für zwei Tage, Bringservice inklusive. In der Kaya International – 2 km entfernt – soll es einen großen Supermarkt geben und wir schlappen bei 32°C im Schatten weiter, erreichen die gesuchte Straße im Industriepark und finden einen Supermarkt nach dem anderen. Das Sortiment ist überwältigend europäisch, die Preise günstig und wir im Himmel! Wir entdecken schönes Obst, Gemüse, Salat, Schwarzbrot, Rind- und Schweinefleisch, Sauerkraut in Dosen und natürlich reichlich Süßigkeiten wie: Syrup Waffels, Speculaas, Hazelnoot Ballen und Pinda´s gezouten – herrlich! Wir versorgen uns mit dem Notwendigsten und müssen danach die sieben Kilometer zurück zum Hafen. Gegenüber des Supermarktes befindet sich eine „Bushalte“, aber leider kein Fahrplan. Die Crew beginnt langsam zu meutern und fordert ein Taxi. Aus Protest strecke ich den Daumen am Straßenrand nach oben, Felix hält die Idee für totalen Blödsinn, ich zeigte etwas mehr bayerisches Wadel und nach fünf Minuten hält ein freundlicher Einheimischer. Wir springen auf die Ladefläche des Pickups und werden zur Marina chauffiert – sehr lustig und vielen Dank. Am Abend treffen wir uns noch mit der Freja-Crew auf ein Bierchen, tauschen Neuigkeiten, Inseltipps und Reisepläne aus. Die fünf Dänen wollen auf der gleichen Route wie wir nach Panama – wir verbringen einen netten Abend zusammen und werden uns bestimmt wiedersehen.

Bon (89)

Da wir erst am übernächsten Tagen unser Mietauto bekommen, steht zunächst Schul- und Bordalltag auf dem Plan. Während Felix und Antje Sprachen büffeln, mache ich mich zu einem Optiker auf, da mittlerweile alle meine Brillen verloren gegangen oder kaputt sind. In der Nähe des Krankenhauses werde ich fündig. Der augenärztliche Kollege ist sehr hilfsbereit, vermisst meine Augen neu und hat zum Glück die passenden Gläser auf Lager. Meine lädierte Brille kann zwar nicht mehr repariert werden, dafür können die Gläser auf eine kleinere Fassung angepasst werden. Allerdings ist das einzig passende Nasenfahrrad eine lila Kinderbrille – aber was soll’s – ich habe wieder den Durchblick und zwei neue Brillen! Wer die Eidechse im rechten Bild nicht sieht, sollte man zum Augenarzt gehen…..

Auf dem Rückweg laufe ich nochmal am Fotoladen vorbei und erstehe kurz entschlossen eine Novita Hd2 Unterwasserkamera, schließlich gilt Bonaire als eines der besten Tauch- und Schnorchelgebiete der Welt. Bereits 1971 wurde die gesamte Küste Bonaires sowie Klein Bonaires zum Bonaire Marine Park erklärt mit dem Ziel, die Unterwasserwelt der Gegend zu schützen. 1997 erklärte ihn die Regierung offiziell zum Naturschutzgebiet. Um dieses Unterwasserparadies nicht zu gefährden, wurden strenge Regeln zu ihrem Schutz eingeführt, u.a. ist es strengstens verboten irgendwo zu ankern!

Am Sonntagmorgen wird unser Pickup pünktlich zur Marina geliefert. Nachdem wir in der Zeitung die Liste der ankommenden Kreuzfahrtschiffe studiert und gesehen haben, dass nur ein kleines Schiff mit 210 Passagieren ankommen soll, beschließen wir zuerst die Topattraktion an Land, den Washington-Slagbaai-Nationalpark, eine ehemalige Salzplantage im Nordwesten der Insel zu besichtigen. Zunächst geht es an der rauen Ostküste Bonaires nach Norden. Die an den Klippen brechenden Wellen sind ein ganz besonderes Schauspiel.

Wir entdecken die ersten wildlebenden Esel, riesige Leguane und wunderschöne Smaragdeidechsen. Überall führen gut gekennzeichnete Dustroads von der Straße zum Meer. Für die ersten 15 km benötigen wir schon fast drei Stunden, weil wir immer wieder anhalten, um die unterschiedlichen Eindrücke in uns aufzusaugen.Im Nationalpark können wir ausgedehnte Säulen- und Kandelaberkakteenwälder bewundern. Die Kakteen erreichen hier durchaus Baumhöhe, man fühlt sich irgendwie nach Mexiko versetzt – sehr beeindruckend. Heute noch werden aus den Kakteen ziegensichere Zäune überall auf der Insel gebaut.

Die ehemaligen Salzseen der Salinen im Nationalpark werden von großen Flamingoschwärmen genutzt, die jeden Tag von Venezuela aus hierher zur Futtersuche fliegen. Wir entdecken Pelikane beim Jagen, können Gelbschulteramazonen und andere einheimische Vögel beobachten. Natürlich gibt es auch einige Schnorchelspots im Nationalpark und wir gehen ins Wasser. Die Unterwasserwelt haut uns völlig um! Bereits drei, vier Meter vom Strand entfernt tummeln sich unzählige Fische. Vor allem die bunten Papagein- und Doktorfische haben es uns angetan – Es ist einfach unbeschreiblich! Das Wasser ist klar, die Korallenriffe größtenteils intakt. Natürlich kommt unsere neue Unterwasserkamera erstmalig zum Einsatz, wir machen erste Probeaufnahmen – nicht schlecht, aber durchaus verbesserungswürdig.

Tags darauf wollen wir den Süden Bonaires erkunden. Erstmal geht’s in den Supermarkt, der übrigens sieben Tage die Woche geöffnet hat und wir besorgen uns ein Frühstück to go. Unser erstes Ziel ist das Donkey Sanctuary. Auf dem Weg zum Eselpark entdecken wir einen kleinen Rastplatz und frühstücken mit Blick auf das türkisfarbene Meer. Das Farbenspiel treibt einem die Tränen in die Augen – sagenhaft und atemberaubend. Während auf den anderen Karibikinseln nur einzelne Küstenabschnitte dieses Farbenspektakel zeigen, sieht die gesamte Westküste Bonaires so aus – wow.

Frisch gestärkt geht es weiter zum Eselpark. Im 17. Jahrhundert wurden diese von den Spaniern ausgesetzt und vermehrten sich seitdem ziemlich unkontrolliert. Im Laufe der Zeit führten Inzucht, Nahrungsmangel und der zunehmende Straßenverkehr zu einer ernsthaften Gefährdung der Tiere. Heute leben ca. 700 Esel im Donkey Sanctuary und noch ca. 200 in freier Wildbahn. Wir lassen uns am Eingang ausführlich informieren und besuchen zunächst die Krankenstation der Anlage. Danach geht’s mit dem Auto durchs Gelände. Antje und Felix sitzen mit Karotten bewaffnet auf der Ladefläche des Pickups. Sobald wir in den Park kommen, sind wir von Eseln umzingelt, die Karotten gehen weg wie warme Semmeln. Die Unpaarhufer (Perissodactyla) sind zwar friedlich, aber sehr, sehr aufdringlich und in der Masse sowohl etwas bedrohlich als auch ungestüm.

Nach einer Stunde verlassen wir den Park wieder und fahren weiter nach Süden. Die Landschaft ist hier karg und herb. Hier befinden sich die meisten natürlichen Salzseen, die im 16.Jahrhundert von den Holländern zu Salinen ausgebaut wurden. Mittlerweile wird im Süden ein Viertel der gesamten Landfläche zur Salzgewinnung genutzt. Das Meerwasser wird in große, flache Becken geleitet, das Wasser verdunstet im Sonnenlicht und das hochwertige Meersalz kann abgebaut werden. Klingt einfach, war aber früher bestimmt echte Knochenarbeit. Noch heute sind an den alten Salzgärten die schlichten Steinhäuser zu sehen, in denen damals die Sklaven lebten. Die Salzproduktion wurde inzwischen industrialisiert und am Rande der Salinen türmen sich riesige Salzberge auf. Mitten in diesem Gebiet wurde ein Schutzgebiet für Flamingos errichtet, die hier in Ruhe ihren Flamingogeschäften nachgehen können.

Selbstverständlichen haben wir auch mehrere, der über 80 Divespots besucht. Wir schwimmen durch einen Schwarm blau-violetter Doktorfische, sehen Barrakudas (Pfeilhechte), Steinfische und natürlich wieder farbenprächtige Papageienfische sowie riesige Hirn- und Fächerkorallen. War es auf den Tobago Cays schon wie in einem Aquarium, dann ist die Küste Bonaires ein absolut überbesetzes Aquarium, so viele Fische haben wir noch nie gesehen – echt sehr, sehr geil!

Auf ausdrücklichen Wunsch von Felix fahren wir nochmal an die Ostküste, er will unbedingt eine Samaragdeidechse fangen. Beim Aussteigen fällt sein iPhone herunter, das Display ist gesprungen, Felix am Boden zerstört und wir haben eine neue Aufgabe für den nächsten Tag. Vor Sonnenuntergang geht es nochmal zum Einkaufen, da wir unsere Wasservorräte auffüllen müssen. Für die nächsten Tage steht der Speiseplan schon fest: Fischstäbchen mit Kartoffelbrei und roter Beete, Bratwurst mit Sauerkraut, Satespießchen mit Salat – wir haben bei diesem Angebot eigentlich gar keine Luste mehr Essen zu gehen, gönnen uns zum Abschluss des Tages aber doch noch einen lecker Döner, den ersten seit über einem Jahr – wer kann da schon wiederstehen!

Am nächsten Tag bringe ich morgens das Leihauto zurück und stelle dabei mit Entsetzen fest, dass unser Pickup über Nacht angefahren wurde. Zwei fette Kratzer zieren den hinteren Kotflügel, die Stoßstange ist verbeult, schöne Scheiße. Wir haben den Schaden, der Schuldige ist verduftet und wir sind unsere Selbstbeteiligung von 500 US los – Mist! Auf dem Rückweg finde ich dafür noch einen Laden, der Felix Handy reparieren kann und hole meine neuen Brillen ab – wenigstens etwas! Der Ärger über den Schaden verfliegt aber schnell wieder, wir können ja eh nichts machen, Shit happens! Nachmittags holen wir das iPhone ab, Felix ist wieder glücklich und ein weiterer Tag im Paradies ist vorbei.

Nach einem lazy Mittwoch, jeder darf nach der Schule am Nachmittag machen was er will, geht es am Donnerstag nach dem Unterricht zum Schnorcheln um die Ecke zum Coco Beach. Hier befindet sich ein halbversunkener Steg unweit vom Ufer. Mit der Unterwasserkamera bewaffnet geht’s ins Wasser und unsere Erwartungen werden nicht enttäuscht, vor allem weil die Unterwasserkamera endlich vernünftige Bilder liefert. Langsam haben wir den Bogen raus!

Nach acht sensationellen Tagen heißt es schon wieder auf Wiedersehen Bonaire. Bei leichtem Regen machen wir am Freitag unsere Auriga klar zum Auslaufen. Nachmittags geht es nochmals nach Kralendijk zum Ausklarien. Allerdings sind nur die Beamten von Customs vor Ort und wir müsssen vier Kilometer bis zum Flamingo-Airport latschen, um auch offziell auszureisen. Danach haben wir uns natürlich ein lecker Abschiedsessen verdient und so lassen wir uns Steak, Calamaris und Thunfisch am Abend noch schmecken und kommen trotzdem um 21:00 Uhr ins Bett, schließlich wollen wir am nächsten Tag bereits um 07:00 Uhr zur 40 nm entfernten zweiten ABC-Insel Curacao aufbrechen. Mit einem tränenden Auge lassen wir Bonaire in unserem Kielwasser. Die abwechslungsreiche Landschaft, Flora und Fauna sowie die unglaubliche Unterwasserwelt haben uns in ihren Bann gezogen, wir werden bestimmt nochmal zum Tauchen wiederkommen – Reisetipp Nummer 3!

Fair winds und bis bald

Marlin, Dorie & Nemo

Grenada – Landstrom, Sauerkraut, ein neuer Computer und viel Gewürze

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Grenada ist der südlichste Staat der kleinen Antillen und gilt als Gewürzinsel, da hier neben Bananen vor allem Muskatnüsse und Kakao angebaut werden. Die Muskatnuss hat es sogar auf die Nationalfahne des Inselstaates gebracht. Neben Grenada umfaßt das Staatsgebiet auch ein paar Inseln der nördlichen Grenadienen. Grenada liegt auf 12 ° nördlicher Breite und damit am südlichen Rand des Hurrikangürtels. Anfang September 2004 wurde Grenada vom Hurrikan Ivan schwer in Mitleidenschaft gezogen. 95% der Häuser der Hauptstadt St. George’s wurden zerstört oder beschädigt. Die für die Landwirtschaft wichtigen Plantagen der Insel wurden verwüstet. Im Juli 2005 wurde Grenada erneut von Hurrikan Emily heimgesucht. Am schlimmsten wurde damals wieder die Landwirtschaft getroffen und zahlreiche Muskatnussbäume wurden zerstörte. Außerdem war Grenada natürlich mal französisch, mal britisch, Sklavenumschlagplatz, Mitglied des Communwealth, unabhängig seit 1974, militärische Invasion unter Ronald Reagan 1981, kein Drehort von Fluch der Karibik, jetzt ein aufstrebendes, Amerikaner und Chartersegler verseuchtes Ferienparadies…wie die meisten Inseln der West Indies.

Obwohl für den Vormittag 20 -25 kn Wind angesagt sind, verlassen wir Union Island kurz nach Sonnenaufgang und segeln – jawohl wir segeln – unserem nächsten Ziel St. George auf Grenada entgegen. Nach dem Verlassen der Bucht bringen wir unseren Foerthmann in Position und es geht mit 20 kn achterlichem Wind los. Wir benötigen neun Stunden für die 40 nm, überqueren einen aktiven Unterwasservulkan, rollen durch die Gegend und erreichen am Nachmittag im strömenden Regen die Marina Port Louis in St. George, aber wir sind mal wieder gesegel und haben es nicht verlernt! Port Louis ist kurzgesagt ein Traum. Die erste richtige Marina seit wir Kontinental-Europa verlassen haben. Hilfsbereite Marineros, gepflegte Schwimmstege, Fingerpontons, der Hafen ist gut bewacht und es gibt Landstrom und Wasser – wir sind begeistert, alles passt! Wir sind gerade mal zwei Minuten am Steg fest, schon hat Felix den Landstrom installiert und seine geliebten Daddelgeräte hängen an der Steckdose. Da das Internet nicht bis zum Liegeplatz reicht, erhalten wir als – special service – einen eigenen Internetrouter plus Equipment mit highspeed Breitband, wow….sehr cool!

Bevor es zum Essen ins Restaurant geht, wir hatten schließlich einen anstrengenden Segeltag, werden noch die Sanitäranlagen inspiziert. Die nächste positive Überraschung! Anstatt der üblichen Duschkabinen gibt es hier richtige Badezimmer mit warmem Wasser, Regenduschen, großzügige Waschbecken, viel Platz, alles ist sauber – herrlich. Wir beschließen sofort eine Woche zu bleiben um genügend Zeit für einige, wichtige Arbeiten zu haben: Der Mülleimer muss ausgeleert werden, abwaschen, Fenster putzen, Treppe fegen, staubsaugen usw. – Außerdem soll es die ganze Woche viel Wind und Regen geben…blöd irgendwie! Trotzdem beginnt am nächsten Tag die Schule wieder und die zwei Wochen Frühlingsferien sind damit vorbeit. Felix ist zwar nicht begeistert, aber mit dem sensationellen Internetanschluss haben wir ein Druckmittel erster Sahne in der Hand, das Kind fügt sich in sein Schicksal und wir starten den Schulalltag mit mathematischer Kurzweil.

Nach dem Unterricht machen wir bei Nieselprimelwetter erst einmal eine Exkursion nach St. Georg. Auf den drei Kilometern bis zum Stadtzentrum liegen einige Marineläden, Supermärkte und PC-Stores, die wir aufsuchen wollen. Wir brauchen eine Nationalfahne von Grenada und sind auf der Suche nach einem neuen Computer für Felix. Gleich um die Ecke mit eigenem Dinghidock befindet sich „Foodland“. Wie immer, wenn wir irgendwo neu ankommen, sondieren wir erst einmal das Sortiment. Anhand der Preise für Fruchtsäfte, Wasser, Schinken, Obst und Toilettenpapier – im Schnitt ein Euro pro Rolle, Superflausch teilweise auch erheblich teuerer – lässt sich das Preisniveau der einzelnen Supermärkte ganz gut vergleichen. Auf den ersten Blick ist alles okay und die Erreichbarkeit via Dinghi ein weiteres Plus. Ein Stückchen weiter befinden sich die Halsabschneider von Island Water World, einem Yachtausrüster mit einem unverschämt gutem Sortiment und Phantasiepreisen vom Feinsten. Die Kette ist uns schon in St. Lucia begegnet und unangenehm aufgefallen. Grenadafahen sind selbstverständlich erhältlich, aber für 20 Euro pro Stück können wir uns auch eine maßschneidern lassen, also nichts wie raus.

Nach einem kurzen Spaziergang erreichen wir den Stadthafen (Carenage) und entdecken ein deutsches Schnitzelhaus….wir haben sofort Kohldampf und entern die Gaststätte. Die Speisekarte ist auf deutsch, es gibt Schnitzel in allen Variationen, Bratwürste mit Sauerkraut – jawohl, Sauerkraut, SAUERKRAUT, ich drehe praktisch völlig durch und beginne schlagartig an zu sabbern – Currywurst, Bratkartoffeln, deutsches Brot, Apfelstrudel und viele andere heimische Schweinerein. Damit kann Grenada zum zweiten Mal bei uns punkten, wir langen richtig zu und spülen alles mit ein, zwei großen Radlern herunter, mmmmh. Wenn man schon so lange unterwegs ist, sehnt sich die Seele und der Magen offenbar hin und wieder einfach nach einem Stückchen wohlbekannter Heimat. Vom Wirt lassen wir uns noch ein paar Tipps bzgl. unserer PC-Suche geben und ziehen mit bester Laune und kleinem Bäuchlein – im vierten Monat Schnitzel – weiter.

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Die ersten beiden PC-Läden holen uns allerdings schnell wieder in die Realität zurück. Kein Rechner unter 700 Euro, wir müssen ganz schön schlucken und Felix verfällt in eine Depression, weil eine mögliche Neuanschaffung in weite Ferne rückt. Wir versuchen ihm mit gespieltem Optimismus zu begegenen und wollen noch nicht aufgeben. Natürlich sind die nächsten PC-Stores ebenfalls eine Enttäuschung. Wir stehen gerade etwas unschlüssig am Stadtmarkt herum als unser Blick auf ein Pfandhaus fällt und plötzlich alle die gleiche Idee haben – warum eigentlich nicht! Das Pfandhaus ist der reinste Laptophimmel. Wir lassen uns ausgiebig beraten, testen DVD-Laufwerke, Lautsprecher und entscheiden uns schließlich für ein HP elitebook mit 8 GB Arbeits- und 500 GB Festspeicher für 250 Euro! Die Laune unserer Sohnes bessert sich schlagartig. Wir lassen uns das Ladekabal zeigen – oh nee – ein karibischer Stecker mit drei Polen, was sonst! Wir erklären Mandell, unserem Verkäufer, das Problem, wir brauchen einen europäischen Stecker oder einen Adapter. Er hat Verständnis, verspricht einen Adapter zu besorgen und sich am nächsten Tag bei uns zu melden.

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Jetzt heißt es für Felix warten. Unser Sohn schläft in dieser Nacht schlecht, ist bereits um 06:30 Uhr wach, sitzt anschließend bei mir im Cockpit und kaut mir ein Ohr ab. Offensichtlich ist er bzgl. der Computerwahl wieder unschlüssig. Reicht der Arbeitsspeicher zum Minecraft spielen, läuft dies und das reibungslos, sind seine Spiele mit Windows 7 kompatibel…und so diskutiere ich bei Sonnenaufgang, ohne Kaffee, mit unserem Pubertier weltbewegende Probleme. Im Laufe des Tages konferieren wir mehrmals mit Mandell und am Nachmittag fahren Felix und Antje mit dem Bus in die Stadt, um den so sehr ersehnten Computer doch zu kaufen. Auf dem Rückweg will Felix unbedingt laufen, weil ihm eine optionale Beschädigung des neuen Schatzes im engen Sammelbus zu gefährlich erscheint – echt süß.

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Zurück an Bord will der neue HP sofort ausprobiert werden, ungefähr drei GB Spiele werden heruntergeladen, die Funktionalität jedes Spiels mit dem alten PC verglichen, Vor- und Nachteile abgewogen usw…., aber Felix ist zufrieden und das HP-Logo auf dem Deckel leuchtet sogar im Dunklen, wow – wieder ein Problem weniger! Am nächsten Tag wollten wir am Nachmittag eigentlich die Grand Anse besuchen, einen drei Kilometer langen Sandstrand um die Ecke, der als der schönste auf den Westindies gilt. Felix wollte aus irgendeinem Grund nicht mit, aber sein neuer Computer macht uns einen Strich durch die Rechnung, der PC läd nicht! Der Kapitän nimmt sich des Problems an, findet heraus, dass die Sicherung für unsere 220 Voltsteckdosen geflogen ist und schraubt den Adapter auseinander – sehr windige chinesische Konstruktion. Wir packen uns den PC samt Ladekabel und schlappen ins Marinaoffice um zu testen, ob das Ladekabel okay ist. Adapter umsonst zerstört, das Ladekabel hat es erwischt. Die Stimmung bei Felix geht auf der nach unten offenen Richterskala ins Bodenlose, er ist für keine Vorschläge mehr offen – weitere Interventionen sind hoffungslos. Antje und ich beschließen trotzdem in die Grand Anse zu fahren und entdecken auf der Fahrt den „Grenada Computer Store“, erkundigen uns nach einen neuen Ladekabel und erfahren, dass wir mit dem PC wieder kommen müssen, aber die Verkäuferin ist sich sicher, ein passendes Kabel auf Lager zu haben. Wir schauen uns den riesigen Strand an – weißer Sand, Palmen, türkisfarbenes Wasser – voll geil, als ob wir noch nicht genug Strände gesehen hätten und fahren zurück.

Unser Sohn nimmt die neuesten Entwicklungen wohlwollend auf. Jetzt gilt es einen neuen Adapter zu besorgen und am nächsten Tag zum Grenada Computer Store zurück zu fahren. Wir satteln das Dinghi und versuchen es zunächst bei Island Water World – Fehlanzeige. Wir werden zu einem Laden um die Ecke geschickt, auch nichts. Hier empfiehlt man uns Hubbarts im Stadthafen, also zurück zum Dinghi und los. Hubbarts macht einen seriösen Eindruck, der Verkäufer hatte mal einen entsprechenden Adapter im Sortiment, der war grau, ist aber leider ausverkauft! Vielleicht bei ACE in der Innenstadt? – okay, wir latschen weiter. Ich voraus, das Kind mit hängendem Kopf und resignierter Miene hinterher, Frustrationstoleranz gleich Null. Bei ACE wieder kein Glück, aber irgendwas mit L.A. P…., den Rest habe ich nicht verstanden, könnte einen haben, ist wahrscheinlich aber schon geschlossen, dafür aber nur eine Straße weiter. Wir finden den Laden und er hat natürlich schon zu – Scheiße! Da wir uns mittlerweile fast bis zum Pfandhaus vorgearbeitet haben, machen wir einen letzten Versuch. Wir gehen zu Mandell, zeigen ihm das Ladekabel und sagen ihm, dass es nicht funktioniert. Er testet es – stimmt – riecht daran, okay durchgebrannt. Ohne viel Aufhebens bekommen wir ein neues Ladekabel – erste Glücksgefühle kommen auf. Auf der Straße fällt unser Blick auf den nächsten PC-Store, also nichts wie hin und rein. Wir schildern unser Adapterproblem. Rastaman meint daurauf, ist alles easy, ihr müsst nur den dritten Stift am Stecker abbrechen und dann passt er in die Steckdose – aha. Felix und ich sind offensichtlich ungläubig, also nimmt der Verkäufer seinen eigenen Stecker vom Ladekabel, bricht den dritten Pol (ich tippe auf die Masse) ab und demonstriert uns, dass alles völlig problemlos funktioniert – okay, ich bin überzeugt, so wird es gehen. Zurück an Bord stutzen wir den Stecker, ab in die Dose, der PC läd und Felix strahlt! Wir sind ausnahmsweise mal die besten Eltern der Welt, jeder bekommt ein Küsschen und der Bordfrieden ist wieder hergestellt.

Die nächsten Tage geben wir uns dem gewohnten Bord- und Schulalltag hin und machen erst am Samstagvormittag wieder einen Ausflug nach St. George, um den lokalen Markt zu besuchen. Wir nehmen den Sammelbus, passieren den 1895 fertiggestellten und 108 m langen Sendall Tunnel, der den Hafen mit der Stadt verbindet und starten mit einem Lokalbreakfest aus frittierter Brotfruch, Saltfish, Fishcake und einer Art Brotgebäck. Sehr lecker und ein guter Auftakt. Der Markt ist bunt, aber nicht gerade vielfällig. Für den Fischmarkt sind wir bereits zu spät dran. Wir beschließen Scott´s Kirk zu besuchen, eine Kerze anzuzünden und anschließend das über dem Carenage thronende Fort George zu besichtigen. In der Nähe des Forts bietet uns ein Taxifahrer eine kleine Inselrundfahrt an und wir steigen ein. Im Bus treffen wir Melanie und Benjamin, die heute morgen mit dem Kreuzfahrtschiff angekommen sind.

Zunächst besichtigen wir das neugebaute Kricketstadium, dann geht’s weiter ins Inselinnere und wir bekommen Kakaopflanzen, Muskatbäume und andere Gewürzpflanzen zu sehen. Im Inneren von Grenada ist es angenehm kühl, die Vegetation präsentiert sich wild und in allen erdenklichen satten Grüntönen. Nach einem kurzen Panoramaview-Stopp geht es weiter zu den „Annandale Waterfalls. Hier stürzen sich tollkühne junge Männer gegen einen kleinen Obulus in die Tiefe. Unsere Fahrt endet wieder an der Grande Anse. Wir geben den beiden Österreichern noch ein paar Tipps, einen Plan von Grenada und wünschen uns gegenseitig eine schöne Weiterreise, wirklich nette Bekanntschaft die Beiden. Auf dem Weg zur Hauptstraße stolpern wir noch über ein internationales Foodfestival und damit hat sich das Mittagessen auch schon erledigt. Zurück an Bord wird langsam unsere Abfahrt für Dienstag vorbereitet. Wir wollen noch weiter nach Süden, da sich dort ein Marinepark befindet, der sich über drei Buchten erstreckt. Nach der ganzen Müßiggeherei in Port Louis ist mal wieder etwas Wassersport angesagt – wir sind alle zu fett geworden.

Am Dienstag Morgen verlassen wir wehmütig Port Louis und brechen in die True Blue Bay auf. Der WLAN-Router wird noch mal liebevoll gestreichelt, wir verdrücken eine Träne, machen noch schnell zwei Stunden Schule, zahlen und dampfen ab. Die acht Seemeilen sind schnell zurückgelegt, allerdings passieren wir dabei den südwestlichsten Punkt Grenadas Pt. Saline. Bei 25 kn Wind und nur 10 Meter Wassertiefe wird es kurzfristig ziemlich kappelig im türkisfarbenen Wasser. Danach noch 2 nm gegen den Wind und wir können in die True Blue Bay einlaufen. Hier ist der Name wirklich Programm. Da es weiterhin ganz schön blasen soll, wollen wir uns an eine Mooringboje legen. Normalerweise werden wir schon eine halbe Seemeile vor jeder Bucht von Vendors abgefangen, aber jetzt wo wir mal wirklich Hilfe benötigen würden ist natürlich keiner da, typisch. Trotzdem klappt beim zweiten Versuch alles und wir liegen sicher an der Boje. Direkt neben uns befindet sich auf einem Hügel der Gebäudekomplex der St. George´s Universität. Studieren mit Blick auf´s offene Meer und einem langen Sandstrand direkt um die Ecke läßt doch ein wenig Neid aufkommen, hätte ich auch gerne gehabt. Leider hat Felix mittlerweile eine Bindehautentzündung entwickelt und der Kapitän ist gefragt. Ich greife zum Äußersten und starte eine qualifizierte Behandlung mit Augentropfen. Wassersport und Schnorcheln fällt allerdings für die nächsten Tage für Felix aus und wir gehen aus Solidarität nicht ins Wasser.

In der True Blue Bay herrscht ganz schön viel Schwell und die nächsten beiden Nächte werden ziemlich ungemütlich. Am zweiten Abend ist im Hotelresort eine lokal Streetfoodparty angesagt, wir gehen hin uns lassen es uns schmecken. Leider fällt Felix nach dem Anlegen mit dem Dinghi vom Steg ins Wasser und muss nochmal zur Auriga zurück, um sich umzuziehen – dabei hatte ich baden doch ausdrücklich verboten! Am Donnerstag sind wir früh auf den Beinen und wollen in die Prickley Bay um die Ecke. Das Ablegen von der Boje klappt super und schon eine halbe Stunde später sind wir in der Prickley Bay Marina angekommen. Der windiger Holzsteg wirkt nicht sehr vertrauenswürdig. Das Anlegemänover ist eine ausgemachte Katastrophe, bei 25 kn Seitenwind will unsere Auriga einfach nicht richtig rückwärtsfahren. Die Marineros stehen am Steg, sind keine Hilfe, beim dritten Versuch klappt es endlich und wir sind fest. Kein gutes Omen, wir sind nicht richtig glücklich! Die Stegklampen verbiegen sich bei jeder Böe, die Festmacherleinen reißen mit brutaler Gewalt an unseren Klampen und wenn die Leine an der Bugmooring reißt, krachen wir mit dem Heck voll gegen den Steg und unser Foerthmann ist hinüber. Wir sind mit der Gesamtsituation unzufrieden. Eigentlich wollten wir in der Prickley Bay noch ein bisschen schnorcheln, unsere Auriga für die nächste Etappe zu den ABC-Inseln vorbereiten und Proviant einkaufen usw. Der Familienrat wird einberufen, nach einer kurzen Sitzung lösen wir die Leinen und tuckern zurück nach Port Louis. Sobald wir die Hafeneinfahrt erreichen zeigen sich Meerschildkröten, das wirkt doch schon besser. Wir machen an unserem alten Steg fest, alles kein Problem und sind zufrieden.

Am nächsten Tag ist eine Biologie-Exkursion angesagt. Da Grenada über ein gutes Sammelbusnetz verfügt, geht es am Morgen zunächst in die Berge. Wir besuchen den Grand Etang Forest Reserve. Nach 15 Minuten aufregender Fahrt durch enge Kurven und reichlich Regenwald erreichen wir den 515 m über dem Meeresspiegel liegenden Nationalpark. Hauptattraktion neben der üppigen Vegetation ist ein kleiner Kratersee. Während es an der Küste bereits um 09:00 Uhr gefühlte 35 °C hat, herrschen hier oben eher frostige 18 °C und wir sehnen uns nach einer Jacke oder wenigstens einer langen Hose. Der Regenwald ist unglaublich grün und über dem See hängen noch die letzten Regenwolken.

Danach geht es weiter zum Belmonte Estate einer über 300 Jahre alten Plantage. Wir machen eine Führung durch die Anlage, die vor allem für ihre Kakaoproduktion bekannt ist. Unser Führer erklärt den Verarbeitungsprozess von der Ernte, über die Fermentierung und Trocknung bis zur Sortierung. Die hier produzierten Bohnen werden in alle Welt verkauft und natürlich auch an die hiesige Grenada Cocoa Association, die daraus lecker, lecker Schokolade produziert. Neben der Kakaoproduktion spielt die Muskatnuss natürlich auch eine große Rolle sowie der Anbau von Kukuma, Zimt und Ingwer. Der Tag vergeht wie immer viel zu schnell und mit dem Sammelbus geht es am Nachmittag zurück zum Hafen. Über´s Wochenende wollen wir unsere Auriga fit für die nächste Reise machen, es geht zu der 400 nm entfernten ABC-Insel Bonaire vor der Küste Venezuelas.

Zwischenzeitlich haben wir gute Nachrichten von der SY Samantha erhalten. Alex und Birger haben ihr Salzwasserproblem offensichtlich gelöst! Es waren wohl nicht die Kielbolzen undicht, sondern bei Steuerbord-Schräglage kam Seewasser durchs Spülbecken ins Boot. Sie haben daraufhin einfach das Seeventil geschlossen und bei der Probefahrt war alles trocken. Am 26.02. sind sie aufgebrochen und haben neun Tage später Mindelo auf den Kapverden erreicht. Wir vereinbaren am nächsten Tag via Satellitentelefon zu konferieren. Pünktlich um 2100 UTC klingelt das Telefon und wir freuen uns riesig, die beiden mal wieder zu hören. Glücklicherweise ist alles gut gegangen und sie werden Anfang nächster Woche zu ihrer Atlantiküberquerung aufbrechen. Fair winds und viel Glück ihr zwei! Im Laufe des Gesprächs stellt sich leider heraus, dass wir sehr unterschiedliche Pläne haben, was ein Treffen in dieser Saison ziemlich unwahrscheinlich werden lässt. Obwohl wir zunächst ernsthaft überlegen wieder nach Norden zu segeln, um die Beiden in Antigua zu empfangen, verwerfen wir die Option später wieder. 200 nm gegen Wind und Wellen sind einfach kein Spaß! Außerdem steht unser nächstes Ziel Bonaire schon fest. Danach soll es über Kolumbien und die San Blas Inseln weiter nach Panama gehen.

Ja, Panama – Panama wird wieder einer dieser neuralgischen Punkte auf unserer Reise werden, Entscheidungen müssen getroffen werden. Sollen wir doch noch den Pazifik in Angriff nehmen? Wir sind noch nicht zu spät dran, um Galapagos und die Südsee zu ersegeln. Vanuatu, Tahiti, Fidschi, Tonga, die Cook- oder die Gesellschaftsinseln – allein die Namen führen bei mir schon zu einer Dopaminausschüttung im Gehirn. Ich assoziere damit das pure Blauwasserleben und es geht nicht um herrliche Sandstrände oder einsame Inseln, eher um bedingt touristisch erschlossene Gebiete, Abenteuer mit anderen Kulturen und Gleichgesinnten und dem zweiten Versuch dem Rauchen zu entsagen. Auf der anderen Seite möchten bis Nuku Hiva, der ersten Marquesas-Insel in Französisch-Polynesien, beinahe 4000 nm überwunden werden und danach sind es nochmal 3000 nm bis Australien. Wir sind nicht sicher, ob wir wirklich dazu bereit sind. Es kann gut laufen und alles ist easy, oder wir machen wieder die unsympathische Variante und dann verlässt meine Frau das Boot oder mich oder beides! Die Alternative wäre, das Boot während der Hurrikansaison in Panama zu lassen und bis Anfang November anderweitig weiterzureisen. Mit dem Flieger nach Australien, Neuseeland, Südostasien, Japan, China und danach mit der transibirischen Eisenbahn von Peking nach Moskau und zurück nach Panama – auch nicht schlecht! Wir könnten ab November über Mexiko, Kuba zu den Bahamas segel, uns in Nassau eine USA-Visum besorgen und danach noch ein bisschen USA machen bevor es im Frühsommer zurück nach Europa geht. Zurzeit ist alles offen, wir sind noch unentschlossen – aber nicht mehr lange!

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Fair winds und bis bald,

Eure Auriga-Crew

Fake News und herrliche Unterwasserwelten in St. Vincent und den Grenadinen

Nach unserem Frühstart in Souffriere steuern wir als nächstes St. Vincent und die Grenadinen an. Der Inselstaat umfasst die Insel St. Vincent und die 32 Inseln der nördlichen Grenadinen. Kolumbus endeckte 1498 die Insel am St. Vincent-Tag und taufte sie entsprechend – echt kreativ Christoph, alter Schwede! In der Windabdeckung von St.Lucia herrschten zunächst herrliche Segelbedingungen und wir genießen die aufgehende Sonne und die morgendliche Kühle. Sobald wir die St. Lucia-St.Vincent-Passage erreichen ist es natürlich wieder vorbei mit Genusssegeln. Drei Meter Welle von der Seite, wir werden mal wieder kräftig durchgeschüttelt und sind entsprechend genervt. Nach 7 Stunden haben wir unser Ziel die Keartons Bay erreicht. Hier befindet sich ein Transocean-Stützpunkt und wir freuen uns auf eine leckeres Abendessen bei Rosi. Nachdem wir an der Mooring-Boje festliegen, können wir noch ein bisschen entspannen, weil wir erst ab 17:00 Uhr in der nahegelegenen Wallilabou Bay einklarieren können.

Da sich direkt neben unserer Mooring ein Schnorchelspot befindet beschließen wir erst einmal ins Wasser zu gehen. Das Riff ist nicht so toll, aber Antje entdeckt nahe einer Höhle zwei Rotfeuerfische und wir ziehen uns lieber wieder an Bord zurück. Um 17:00 Uhr werden wir pünktlich von einem Mitarbeiter Rosis mit dem Boot abgeholt und in die Wallilabou Bay chauffiert – auch mal ein cooler Service. Die Bucht ist nicht nur wegen des Mordes an einem deutschen Skipper vor einem Jahr bekannt, sondern vor allem weil sie als Filmkulisse für den ersten Teil von „Fluch der Karibik“ diente. Hier wurde vor einigen Jahren „Fort Royal“ aufgebaut. Laut unserem Cruising Guide gibt es hier ein kleines Museum mit Filmrequisiten zu bewundern. Das Museum entpuppt sich dann als düstere Baracke, in der einige Bilder der Hauptdarsteller an den Wänden hängen und ein Haufen alter Filmrollen in den Ecken liegt. Wahrscheinlich kann man am Boden noch einen Nasenpopel von Jonny Deep finden – der totale Reinfall! Zum Glück mussten wir keinen Eintritt zahlen. Dafür dürfen wir beim Einkalrieren kräftig löhnen, insgesamt 70 Euro für die Erlaubnis einen Monat in St. Vincent und den Grenadienen zu segeln. Ganz schön knackig, wie wir finden. Zur Abwechslung müssen wir allerdings nur ein einziges Formular im Customerbüro (ebensfalls eine ehemalige Filmkulisse) ausfüllen.

Am Abend geht es dann ins Rock Side Cafe zu Rosi. Die gebürtige Hamburgerin lebt seit ca. 20 Jahren auf St. Vincent und hat sich hier mit ihrem einheimischen Mann Orlando ein kleines Restaurant aufgebaut. Wir werden von der Eigentümerin herzlich mit einem Rumpunch begrüßt und kommen gleich ins Gespräch. Natürlich müssen wir von unserem Erlebnis in Souffriere berichten und werden ehrlich bemitleidetet, was uns wirklich gut tut. Außerdem werden wir noch mit ein paar guten Tipps bzgl. St. Vincent versorgt und Rosi organisiert uns einen Mechaniker für unseren Außenbordmotor, weil der die letzten Tage nicht so richtig will. Unser Chinese (Parsun) verweigert immer mal wieder den Dienst und geht einfach während der Fahrt aus. Blöd vor allem, wenn man sich gerade im Anfahrtskanal eines größeren Hafens befindet. Wir vereinbaren, dass sich Yellowman am nächsten Morgen unseren Chinesen ansehen soll. Anschließend sitzen wir unter Palmwedeln, beobachten die untergehende Sonne und genießen ein formidables 4-Gänge Menü. Was kann man sich nach einem langen, harten Segeltag sonst noch wünschen? Der Abend vergeht sehr kurzweilig, wir dürfen uns im Gästebuch verewigen und fallen später erschöpft in unsere Kojen. Wir schlafen allerdings sehr unruhig, weil in der Bucht viel Schwell herrscht und wir gut durchgeschüttelt werden, aber ohne ernsthafte Verletzungen am nächsten Morgen von einem Regenschauer geweckt werden. Der Himmel ist wolkenverhangen, die Temperaturen angenehm kühl und endlich mal keine Sonne zu sehen! Wir werden ein Kreuz im Kalender machen.

Pünktlich um 0800 erscheint Yellowman an unserer Auriga und wir besprechen unser Außenborderproblem. Der Chinese wird umgeladen, an Land gebracht, Felix und ich paddeln hinterher, weil wir bei der Reparatur dabei sein wollen. Obwohl der Parsun noch fabrikneu ist, ist der Vergaser schon verdreckt – 4-stroke-engines always make problems – so sieht´s nämlich aus! Yellowman erweist sich als geduldiger Lehrer und zeigt uns wie der Vergaser ausgebaut, gereinigt und wieder eingebaut wird. Alles in allem vom Schwierigkeitsgrad her überschaubar. Die nächste Reinigung werden Felix und ich sicher alleine hinbekommen. Der anschließende Testlauf verläuft zu Felix´s Zuriedenheit und wir hieven den Chinesen wieder an Bord. Dabei bemerken wir, dass sich die achterliche Mooringleine aus ihrer Verankerung gelöst hat und wir langsam seitwärts treiben. Wir fackeln nicht lange, schmeißen die Maschine an, lösen die Bugleine und dampfen ab – unser erster Notfallstart ist geglückt.

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Da unser nächstes Ziel, die Blue Lagoon Marina an der Südspitze von St. Vincent, nur 10 sm entfernt ist, motoren wir die zwei Stunden bis zur Marina und lassen die Hauptstadt Kingstown zunächst links liegen. Wie der Name schon sagt, liegt die Marina in einer Lagune und ist nur über einen relativ seichten Kanal zu erreichen, der bei Ebbe eine Wassertiefe von 5,5 ft hat, was unserem Tiefgang entspricht. Vor dem Kanal versuchen wir die Marina zu erreichen, bekommen aber leider keine Antwort. Während Antje am Ruder ist, stehe ich am Bug und sehe mit einem zunehmend mulmigen Gefühl, dass sich die unter uns befindlichen Korallenstöcke immer deutlicher am Meeresgrund abzeichnen. Plötzlich ein kurzer Ruck, ich halte den Atem an, Antje gibt Gas und wir sind in der Lagune. Glücklicherweise haben wir nur ein bisschen Sand aufgewühlt. Vor der Marina fordert uns Dockmaster Desmond auf, noch fünf Minuten zu kreisen bis eine französische Yacht ablegt und wir ihren Liegeplatz übernehmen können. Nach einem entspannten, lehrbuchmäßigen, seitlichen Anlegemanöver meiner Frau, entschuldigt sich Desmond und erklärt, dass er uns nicht hören konnte, weil sein Handfunkgerät ins Wasser gefallen ist- Okay, wir haben es auch so geschafft. Eigentlich haben wir die Marina angelaufen, weil wir mal wieder unsere Bordbatterien und elektrischen Geräte (Handys und Laptop) richtig aufladen wollten. Leider stellt sich heraus, dass die Wasser- und Stromleitungen am Pier gerade erneuert werden – also kein Strom die nächsten Tage, Mist! Dafür ist das WiFi sensationell und reicht bis zu unserem Liegeplatz.

„Unglücklicherweise“ ist die Marina an ein 5-Sterne-Hotelresort angeschlossen und wir überlegen natürlich, ob wir nicht sofort wieder ablegen sollen. Bis eine endgültige Entscheidung getroffen ist, gehen wir erst mal ins Loftrestaurant zum Essen. Hier können wir zum ersten Mal Conch (Riesen-Flügelschnecken) – eine Spezialität der Karibik – probieren, schmeckt nicht schlecht. Das Essen überzeugt und entgegen unseren Neigungen entscheiden wir fünf Tage zu bleiben! Nach dem Essen surfen wir noch ein bisschen im Internet und ich stelle fest, dass am Abend die Münchner Bayern im Championsleagueachtelfinale gegen Arsenal spielen. Da wir aber fünf Zeitzonen zurückliegen, ist bereits in einer halben Stunde Anpfiff, perfektes Timing. Ich frage unseren Kellner Andy, ob das Spiel im Fernsehen übertragen wird. Glücklicherweise entpuppt sich Andy als echter Bayernfan und wechselt sofort den Kanal. Während Antje und Felix auf´s Boot zurückgehen, hänge ich noch an der Bar rum und verfolge mit Andy das Achtelfinale – sehr lustig und gewonnen haben wir auch! Gegen Ende des Spiels komme ich mit zwei dänischen Seglern ins Gespräch und wir beschließen, den Abend mit unseren Crews in einer Kneipe um die Ecke zu verbringen. Es wird ein wirklich netter Abend. Felix kann mal wieder Billiard spielen und wird fast von der kompletten dänischen Crew herausgefordert. Wir amüsieren uns alle köstlich.

Die nächsten beiden Tage verbringen wir mit Schnorcheln im nahe gelegenen Riff, das leider ziemlich veralgt ist, aber wieder herrliche Fische zu bieten hat. Wahrscheinlich ist eine Marina für ein Riff nur schwer zu verkraften. Danach laufen die Vorbereitungen für Antje´s „35“-igsten Geburtstag auf Hochtouren. Auf Wunsch des Geburtstagskindes wollen wir Kingstown besuchen. Kingstown wurde 1722 von den Franzosen gegründet, 1779 von den Briten erobert und nach der Unabhängigkeit 1975 zur Hauptstadt von St. Vincent und den Grenadinen erhoben. Am 24. Januar 1793 legte Captain William Bligh (bekannt durch die Meuterei auf der Bounty) mit der HMS Providence im Hafen der Stadt an und brachte die ersten Brotfruchtsetzlinge auf die Insel.

Wir nehmen den lokalen Sammelbus in die Hauptstadt, schlendern zuerst durch die zentrumsnahen Straßen und entdecken zufällig ein Kaufhaus, in dem wir eine neue Kaffeemaschine erstehen – was für ein Geburtstagsgeschenk für meine kaffeabhängige Frau! Richtung Hafen finden wir den Obst- und Gemüsemarkt, lernen den singenden „Eggman“ kennen und flanieren weiter zum Fischmarkt. Hier sehen wir neben den üblichen Thunfischen ziemlich riesige Mahi-Mahi oder Goldmakrelen. Ein Fischer zeigt uns netterweise wie die Leckerbissen fachgerecht gehäutet werden. Wieder was gelernt! Wir besuchen die Kathedrale, nehmen einen kleinen Mittagssnack zu uns, gehen Proviant für die nächsten Tage einkaufen und schlendern zum Busbahnhof zurück. Wir zwängen uns wie die Sardinen in den Van und mit lauter Reggae-Musik geht es zurück Richtung Marina. Obwohl wir schon zwölf Leute im Auto sind, werden unterwegs noch weitere Passagiere aufgenommen. Zum Schluss sind wir 18 Menschen im Van, eine echte Vollkontakt-Fahrt, aber es funktioniert.

Zurück im Hafen erwartet uns eine Überraschung, unsere kanadischen Freunde von der SV ELEMENT sind während unserer Abwesenheit in der Marina angekommen. Nach einem herzlichen Wiedersehen beschließen wir, uns abends an der Bar zu treffen. Vorher dürfen Felix und ich das Geburtstagskind im Loftrestaurant noch auf eine leckere Languste und ein Glas Weißwein einladen. Der restliche Abend vergeht mit Sherrie und Shaun bei reichlich Rumpunsch wie im Fluge. Während wir die letzten Neuigkeiten austauschen, verziehen sich die Kinder auf unser Boot zum Daddeln und Youtuben. Tagsdarauf treffen wir uns zum Schnorcheln und abends zum Kartenspielen („Sets and Runs“ ein Mischung aus Romme und Canasta) auf der Element. Paige und Felix sind mal wieder unzertrennlich und geben sich zwischendurch der Lizzard-Jagd hin. Sie fangen insgesamt fünf Eidechsen, Bob wird in unserem Cockpit ausgesetzt und ward anschließend nicht mehr gesehen.

Obwohl wir eigentlich am nächsten Tag die Marina verlassen wollten, beschließen wir einen lazy Sunday einzulegen und bleiben noch einen Tag. Schließlich haben wir am Vormittag Wasser und Diesel gebunkert und das ist ja wohl genug Stress an einem Tag für einen Blauwassersegler! Am Nachmittag läuft dann noch zufälligerweise die SY ALRISHA mit Brigitte und Ferry ein…. Die beiden wirken nach einem vierwöchigen Besuch von Freunden aus Österreich etwas gestresst. Wir tauschen Neuigkeiten und Zukunftspläne aus. Die beiden müssen am nächsten Tag weiter nach Norden, um ihre Freunde in Martinique zum Flughafen zu bringen, während wir weiter nach Süden zu den ersten Grenadinen-Inseln wollen. Wir werden uns bestimmt nochmal irgendwo treffen. Am Abend lesen wir im Internet von Birger und Alex von der SY SAMANTHA, dass sie nach der geglückten Kielreperatur bei ihrem zweiten Versuch den Atlantik zu überqueren schon wieder Salzwasser in der Bilge haben und deshalb erneut nach La Palma zurückgekehrt sind. Diese Pechvögel! Wir hegen ernsthafte Zweifel, ob sie es jetzt noch ein drittes Mal versuchen werden.

Am Montag geht es dann aber endgültig los. Das nächste Ziel heißt Admirality Bay und liegt auf der Gernadinen-Insel Bequia. Wir sind mal wieder zu faul zum Segeln und motoren die 15 nm mit dem obligaten Geschaukle nach Bequia. Die Insel der Wolken ist mit 18 km2 die größte Insel der Grenadinen. Seit dem 18. Jahrhundert ist der Walfang ein wichtiger Teil der lokalen Wirtschaft. Unter dem Internationalen Übereinkommen zur Regelung des Walfangs ist es den Bewohnern offiziell erlaubt, eine limitierte Anzahl Buckelwale auf traditionelle Art zu fangen. Seit 2003 dürfen vier Wale pro Jahr gefangen werden, allerdings wurde in den letzten Jahren diese Zahl nie erreicht. Seitdem der letzte Walfänger „Athneal Ollivierre“ aufgegeben hat, ist diese Tradition möglicherweise ausgestorben. Die heutigen 5000 Bewohner Bequias sind längst auf die Jagd nach Seglern und Kreuzfahrern umgestiegen.

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Da der Ankergrund in der Bay nicht so gut sein soll und auch vor den meisten Mooringbojen gewarnt wird, entscheiden wir uns mit Daffodil (Osterglocke) Marine Services Kontakt aufzunehmen und uns an eine ihrer Bojen lotsen zu lassen, was alles wunderbar klappt. Da Daffodil auch einen Wäscheservice anbietet, geben wir seinem Mitarbeiter gleich einen Packen dreckige Wäsche mit und haben den ersten Punkt unserer To-Do-Liste damit schon abgehakt. Sobald wir festgemacht haben, springe ich ins Wasser und kontrolliere unsere Osterglocken-Boje – sieht alles gut aus. In unserem Crusing Guide wird die Admirality Bay und die dazu gehörige Stadt Port Elisabeth, übrigens die einzige auf Bequia, in höchstem Maße angepriesen. Es gibt alles und alles ist total super. Erfahrungsgemäß wird wahrscheinlich nur die Hälfte stimmen. In unseren Augen neigt Chris Doyle, der Autor, sehr zu Übertreibungen. Da kann aus einem einzelnen Steg schon mal eine ausgewachsene Marina mit höchstem Standard werden oder ein Tante Emma Laden mit Gaudakäse im Sortiment zum Gourmet Shop aufsteigen. Wir werden es ja sehen, springen ins Dinghi und motoren ohne Probleme nach Port Elisabeth.

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Auf dem Weg zum Dinghidock entdecken wir die SV ELEMENT und statten ihr einen kurzen Besuch ab. Von Sherrie erfahren wir, dass am nächsten Tag bei Bequia Dive ein Tauch-Schnupperkurs stattfindet. Außerdem wollen wir morgen eine Meeresschildkrötenaufzuchtstation besuchen und wir verabreden uns für den nächsten Tag. Der erste Eindruck von Port Elisabeth ist wirklich nicht schlecht. Überall an der Waterfront sieht man bunte, gepflegte Häuser mit Shops und Rstaurants. Wir legen vor dem berühmten Gingerbread Hotel an und melden Felix und Antje erstmal für das Schnuppertauchen an, während ich versuche das Shopmaskottchen, den Papagei Charlie, anzulocken. Danach schlendern wir gemütlich in die Stadt, kaufen ein paar wenige Lebensmittel ein und gehen etwas essen. Das Preisniveau ist selbst für die Karibik schockierend, auch lokales Obst und Gemüse ist extrem teuer.

Nach einer unruhigen Nacht mit viel Schwell treffen wir uns am Vormittag mit der Element-Crew und lassen uns mit einem Taxi zum „Old Hegg Turtle Sanctuary“ am anderen Ende der Insel fahren. Brother King, der Gründer der Einrichtung, versucht hier seit über 20 Jahren die echte Karettschildkröte (engl.: Hawksbill sea turtle) zu schützen. Verletzte Tiere werden medizinisch versorgt, Jungtiere bis zu einem Alter von 5 Jahren aufgezogen und anschließend ausgewildert. In mehreren Becken verteilen sich ungefähr 50 Schildkröten unterschiedlicher Größe. Wir machen eine kurze, sehr interessante Tour mit und erfahren, dass in den letzten 12 Jahren bereits über 800 Karettschildkröten ausgewildert wurden – Hut ab, vor so viel Engagement. Während Antje und Felix am Nachmittag zum Tauchen gehen, mache ich klar Schiff und lasse meinem Ordnungswahn freien Lauf. Wir gehen früh schlafen weil wir am nächsten Tag zu den Tobago Cays aufbrechen wollen. In der Nacht entläd sich ein ziemlich heftiger Sturm mit Platzregen und einigen kräftigen Böen über der Bucht. Zum Glück hält unsere Mooring, was man von der Boje unseres Nachbarn nicht sagen kann. Morgens sehen wir, dass die deutsche Motorjacht Oceanwolf, ein 20 Meter langes Stahlschiff, nur noch zwei Meter von unserem Heck entfernt ist. Wir warten nicht lange, starten die Maschine und sind weg. Kurz darauf sehen wir, wie die Oceanwolf unsere Mooringboje touchiert – da haben wir wohl nicht zu lange gezögert!

Die 30 sm zum Marinepark Tobago Ceys motoren wir – mal wieder, weil immer noch kein Bock auf Segeln – und lassen dabei die bekannte Promi-Insel Mustique links liegen, vor allem weil hier die Gebühr für eine Mooringboje 200 EC beträgt, auch wenn man drei Tage bleiben darf. Die Insel ist Besitz der Mustique Company, einer Aktiengesellschaft, die auf der Insel zwei Hotels und 89 private Villen besitzt. Weil sie über Luxus und Abgeschiedenheit verfügt, wird sie von vielen Prominenten besucht, zum Beispiel haben Bryan Adams, Mick Jagger und Tommy Hilfiger hier eine eigene Villa. Die Tobago Cays sind eine Gruppe von fünf kleinen Inseln. Geschützt werden die Inseln Petit Bateau, Baradel, Jamesby, die etwas südöstlich abgelegene Petit Tobac und die Hauptinsel Petit Rameau durch das “Horse Shoe Reef”. Dieses große Korallenriff umgibt vier der Inseln wie ein hufeisenförmiger Schutzwall und hält die Atlantikdünung weitgehend ab. Alle fünf Inseln sind unbewohnt und bilden zusammen den Marinepark Tobago Cays. Durch unseren frühen Start in der Admirality Bay erreichen wir die Inselgruppe bereits gegen Mittag. Die Ansteuerung ist nicht ganz einfach, da eine ganze Reihe vorgelagerter Riffe zu umschiffen sind, aber unsere Steuerfrau ist durch nichts aus der Ruhe zu bringen und wir gelangen sicher an unser Ziel.

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Die nächsten drei Tage schnorcheln wir wie die Wilden. Die Unterwasserwelt ist faszinierend. Obwohl wir dachten, in Souffriere schon viele Fische gesehen zu haben, stellen die Riffe in den Tobago Cays alles Bisherige in den Schatten. An den Riffhängen tummeln sich die Fische in Schwärmen. Die Wassertiefe ist nur drei Meter und wir haben bei strahlendem Sonnenschein eine sensationelle Sicht im türkisfarbenen Wasser – Ihr dürft ruhig neidisch werden! Meeresschildkröten sehen wir leider nur aus einiger Entfernung. Am ersten Abend springen Felix und ich nochmal vom Boot ins Wasser und schnorcheln zu den nahegelegenen Mangrovenwäldern an der Küste. Plötzlich sehe ich im Flachwasser einen großen Fisch, komme vorsichtig näher und sehe einen karibischen Riffhai. Die menschenfressende Bestie ist nur noch 2 Meter entfernt, dreht langsam in meine Richtung….

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wir sehen uns in die Augen, ich halte die Luft an und die riesige, 80 cm lange Fressmaschine zieht den Schwanz ein und verschwindet wieder…..haha, aber ein bisschen mulmig war mir doch!

Da die Inseln der Tobago Cays unbewohnt sind werden die Segler von sogenannten Venders oder Boatboys versorgt. Entgegen zu anderen Buchten sind die Venders hier sehr professionell. Wer keine Geschäfte machen will, wird in Ruhe gelassen – sehr sympathisch. Morgens werden die Segler mit frischem Brot versorgt und es können Bestellungen für den nächsten Tag aufgegeben werden. Außerdem organisieren sie abends am Strand Barbecues. Wir buchen bei Carlos, werden vor Sonnenuntergang abgeholt und zum gegenüberliegenden Strand gebracht. Wir sitzen unter Palmen barfuß im Sand, die Sonne versinkt langsam im Meer, jeder bekommt eine halbe Languste mit reichlich Knoblauchkartoffeln, gegrillten Bananen und Gemüse gereicht, eine gute Flasche Weißwein dazu – wir hatten schon schlechtere Tage! Hier in den Taboga Cays kommt zum ersten mal richtiges Karibikfeeling auf und die drei Tage vergehen wie im Flug. Am letzten Tag läuft natürlich noch die SV ELEMENT – ja,ja alle haben die gleichen Ziele – ein und wir verbringen noch einen gemeinsamen Abend mit Familie Schmidt, bevor sich unsere Weg vorerst trennen. Während wir als nächstes Union Island anlaufen, segelt die ELEMENT wieder nach Norden.

Union Island ist eine der südlichsten Inseln der Grenadinen und wird wegen ihrer vulkanischen Silhouette auch als Tahiti of the West Indies bezeichnet. Außerdem ist sie der südlichste Port of Clearence von St. Vincent und den Grenadienen. Da sie nur 10 sm entfernt ist und damit um die Ecke liegt, motoren wir schnell rüber. Unser Ziel ist der „Anchorage Yacht Club“ in Clifton, da wir seit dem Verlassen der Marigot Bay in St. Lucia immer noch auf der Suche nach Landstrom sind und die Anzeichen von Stromentzug bei unserem Sohn deutlich zunehmen – mir ist langweilig! Laut unserem Crusing Guide sind hier Strom und Wasser erhältlich. Die Marina entpuppt sich als wackeliger Holzsteg mit 8 Liegeplätzen. Strom und Wasser sind nur an den vordersten Liegeplätzen verfügbar und wahrscheinlich zweifelhafter Herkunft – schon wieder ein Reinfall! Wir verlegen uns an eine der vielen Mooringbojen in der Bucht, während Felix die Enttäuschung buchstäblich ins Gesicht geschrieben steht.

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Am Nachmittag besuchen wir Clifton…“the main Harbour is protected by a reef that shows off its brilliant kaleidoscopic colors and patterns as you sail in. The water to the east is an expanse of brilliant green-turquoise. Ashore, the main town, Clifton is charming and colorful, with a picture-perfect market around a green…there is a excellent choice of restaurants and bars where you can sit outside and watch life in the town! The bustling small port with a cosmopolitan atmosphere is the center of yachting in the southern Grenadines.“ Naja, ich würde das nicht wirklich unterschreiben. Es gibt eine leidlich gepflegte Hauptstraße mit ausgeblichenen, bunten Häusern, der picture-perfect market besteht aus vier Holzbuden, alle Geschäfte sind natürlich Gourmetshops und -restaurants. Das Wasser am Ufer kann man getrost als hochgradig verschmutzt bezeichnen. Das Preisniveau ist noch höher als in Bequia. 1 Liter Orangensaft 5 Euro, 500 ml Ölivenöl 12 Euro, ein Glas Nutella 10 Euro, Wein unbezahlbar und dazu noch Fusel aus Spanien oder Italien. Ja, ja Chris Doyle, nicht so viel Weed rauchen und dann klappt es auch mit den Beschreibungen besser oder handelt es sich einfach nur um alternative Fakten? Wer weiß das schon! Wir steuern trotzdem eine Imbissbude an und werden wenigstens satt.

51Immerhin sind seine Informationen zu Navigation und Clearence immer richtig. Am Flughafen um die Ecke kann man auch am Wochenende ausklarieren ohne „Overtime“ zu bezahlen. Trotzdem legen wir für Custom und Immigration nochmal 35 Euro hin. Da nachmittags eine Kaltfront über die Bucht zieht verzichten die Einheimischen wenigstens auf das Kassieren der Mooringfee. Wir freuen uns, können noch ein paar waghalsige Kitesurfer beobachten und machen unsere Auriga klar bevor es am nächsten Tag auf der Suche nach Landstrom und neuen Schnorchelerlebnissen nach Grenada geht…

Fair winds und bis bald,

Euer H.H. Cousteau von der SY Auriga

St. Lucia II – Urlaub vom Urlaub und Fluch der Karibik

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Dieses ständige Herumreisen stresst wirklich wahnsinnig. Da kam uns das Capella Resort gerade recht! Obwohl wir eigentlich nur ein paar Tage bleiben wollten, hängen wir nun schon fast zwei Wochen hier rum. Aber es ist auch einfach traumhaft – irgendwie Urlaub vom Urlaub. Jeden Nachmitag am Pool, schwimmen und entspannen. Das Internet ist schnell und kostenlos. Am Pool werden die Handtücher und kühles Wasser gereicht, Kokosnüsse serviert und ab und zu kommt ein kleiner Snack oder ein Obstspießchen vorbeigeflogen….und das ist alles in der Liegeplatzgebühr enthalten – ECHT COOL.

Wer will da schon freiwillig weg? Während Felix und Ich das Herumhängen in vollen Zügen genießen, bekommt der erste Offizier schon langsam „itchy feet“ und möchte weiter. Sie hat ja recht, obwohl wir natürlich auch etwas geschafft haben – nämlich viel, viel Schule. Es gibt eine 1 in Französisch, eine 2+ in Mathe, eine 2 in Englisch, eine 2 in Biologie sowie eine 4 in Deutsch zu vermelden. Die Ergebnisse können sich sehen lassen und wir haben ein gutes Gefühl was die Schulbildung unseres Sohnes angeht. Außerdem sind wir ziemlich stolz auf Felix! Letzte Woche haben wir erfahren, dass uns die Fernschule nicht den Realschulstoff sondern das Material für´s Gymnasium geschickt hat. Felix hat sich daraufhin natürlich wahnsinnig echauffiert und die Fernschule mit mehreren Flüchen belegt. Trotzdem klappt es gut und wir haben beschlossen, mit dem vorhandenen Schulstoff weiterzumachen. Zur Belohnung haben wir für nächste Woche Ferien angesetzt.

Selbstverständlich haben wir auch eine Tour durch den umliegenden Regenwald unternommen und sind die gegenüberliegenden Hügel hinaufgeklettert. Zuerst mit der Fähre ans andere Ufer, durch die dortige Hotelanlage bis zur Seilbahn und von der Mittelstation ging´s dann bis zum Gipfel und weiter zum Meditation Point und durchs Gelände zurück zur Bucht. Während der Kapitän sich als wahre Bergziege entpuppte, scheint es dem Rest der Crew etwas an Fitness zu mangeln. Das Gejammere über Muskelkater am nächsten Tag war jedenfalls ein eindeutiger Indikator! Okay, die hohe Luftfeuchtigkeit und die tropische Hitze sind naürlich nicht ganz ohne.

Und dann war natürlich noch der unvermeidliche Superbowl, der immer am ersten Sonntag im Februar stattfindet. In der Marina wurde eine riesige Leinwand aufgebaut und das Spiel inklusive Vorberichterstattung übertragen. Bis zum Beginn der Übertragung haben wir uns auf YouTube mit den Grundlagen des Spiels und dem Regelwerk vertraut gemacht. Touchdown, Field Goal und Quaterback kennt man ja irgendwie, aber bei Interseption, Fumble oder einer Two-Point Conversion wird es schon schwieriger. Wir waren um 1700 pünktlich am Start und hatten immerhin eine wage Vorstellung, wie American Football funktioniert. Die Vorberichterstattung sollte insgesamt drei Stunden dauern, wovon wahrscheinlich alleine zwei Stunden nur Werbung gesendet wurde. Glücklicherweise war während der gesamten Übertragung „all time happy hour“ und wir bis zum Spielbeginn schon reichlich angeheitert. Dann ging es los, die Partie hieß New England Patriots vs. Atlanta Falcons. Interessanterweise wird auch während des laufenden Spiels Werbung gesendet. Zweiter Höhepunkt des Abends war die Halbzeitshow von Lady Gaga. Es war wirklich spannend und nach einer dramatischen Aufholjagd haben die New England Patriots in einer bisher einzigartigen Verlängerung schließlich mit 34:28 gewonnen. Rückblickend ein wirklich netter Abend und unser erstes Football-Erlebnis.

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Ein Ausflug in die Hauptstadt Castries durfte natürlich auch nicht fehlen. Trotz zäher Verhandlungen mit dem Taxifahrer konnten wir uns zunächst auf keinen Preis einigen. Also dann halt nicht und wir haben uns zu Fuß Richtung Bushaltestelle aufgemacht. Nach zwei Minuten kam der Taxler angefahren, erneute Verhandlungen und es ging mit dem Auto weiter – zum Glück, denn die Bushaltestelle war ganz schön weit weg und es wären zwei steile Anstiege zu bewältigen gewesen. Castries war leider eine Enttäuschung. Als wir ankamen lagen im Stadthafen drei große Kreuzfahrtschiffe, allerdings waren nur wenige Kreuzfahrer zu sehen, was wahrscheinlich daran liegt, dass es in der Metropole mit 3500 Einwohnern außer einer schönen Holzkirche mit viel Lüftelmalerei nicht viel zu sehen gibt. Gegenüber der Pier befindet sich eine relativ große Markthalle und hier werden an allen Ständen die gleichen T-Shirts und Souvenirs verhökert. Da das gewünschte T-Shirt in meiner Größe aber nicht verfügbar war, wurden wir von der Verkäuferin ans hintere Ende der Markthalle geführt und mein T-Shirt wurde flugs mit der Bügelmaschine produziert – sehr lustig. Hinter der Markthalle erstreckt sich der lokale Obst- und Gemüsemarkt – nett, aber nicht gerade aufregend. Nach vier Stunden und einem Großeinkauf haben wir uns wieder abholen lassen und waren ziemlich froh, wieder in unserer sehr übersichtlichen Bucht zu sein.

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Nachdem wir unsere Abfahrt jetzt zum vierten Mal verschoben haben – keine Lust, auslaufen an einem Freitag bringt Unglück, noch mehr Unlust, es regnet – wie ihr seht lauter triftige Gründe im Resort zu bleiben, müssen wir aber wirklich weiter. Am Wochenende geht es zum Schnorcheln zur nur 10 sm entfernten Bat Cave bei Soufriere. Hier befinden sich auch der kleine und der große Piton, zwei sehr spitze Vulkankegel, die das Wahrzeichen von St. Lucia sind. Da wir zu faul zum Segeln sind, motoren wir am Samstag einfach schnell um die Ecke. Gegen Mittag erreichen wir die Einfahrt in die Bucht von Soufriere und werden kurz darauf von einem Boatboy abgefangen, der uns beim Anlegen an einer Mooringboje hilft – natürlich gegen ein entsprechendes Entgelt. Nach einer zunächst horrenden Forderung von 40 EC (ca. 15 Euro) einigen wir uns auf 15 EC und alle sind zufrieden. Unsere Boje befindet sich nur 20 Meter vom Ufer entfernt mitten im Marine Park – ideal! Am Nachmittag geht es zum ersten Mal ins Wasser zum Schnorcheln. Das Wasser ist türkisfarben und die Sicht ist gut. Bereits nach ein paar Metern sehen wir die ersten Fische. Je näher wir zum Ufer bzw. Riff kommen, um so mehr Fische in unterschiedlichen Farben und Formen gibt es zu beobachten. Da sind Papageienfisch, Lippfische, Doktorfische, Schnapper und Grunzer. Dazwischen immer wieder herrliche Fächer-, Röhren und Hirnkorallen. Es ist einfach unbeschreiblich und wir sind sofort von der Unterwasserwelt gefesselt. Obwohl das Wasser bestimmt 28 °C hat, wird es nach einer Stunde langsam kühl und wir gehen an Bord. Im Cockpit wird wild gestikuliert und jeder erzählt ,was er gesehen hat – alle sind begeistert und entzückt. Vor allem Felix kiegt sich schier nicht mehr ein, unter anderem weil er einen Sanddollar-Skelett (Seeigelart) gefunden hat. Wir haben alle das Gefühl durch ein Aquarium geschwommen zu sein.

Aber so viel Wassersport macht natürlich hungrig und wir starteten mit dem Dinghi zu einem Landausflug nach Soufriere. Die Stadt ist überschaubar, einige nette Häuschen, viele Restaurants und Bars – alles ein bisschen heruntergekommen, aber okay. Nach einem verspäteten Mittagessen schlendern wir noch ein bisschen durch die Stadt, finden einen Supermarkt, kaufen ein wenig ein und fahren zu unserer Auriga zurück. Vor Sonnenuntergang kommen die Parkranger vorbei und kassieren die Mooringfee. Alle sind sehr freundlich, warnen uns aber vor der herrschenden Kriminalität – Don´t leave the Boat in the night, when you go ashore, lock the boat and no cash inside! Okay, wir werden uns daran halten. Zum krönenden Abschluss des Tages sehen wir am Ende des Sonnenuntergangs noch unseren ersten „Green Flash“, was für ein Tag! Ein Green Flash ist ein seltenes atmospärisches Phänomen, das meist nur auf dem offenen Meer und bei klarer Sicht zu beobachten ist. Es entsteht beim Sonnenauf- oder -untergang und ist als „grüner Schein“ am oberen Rand der Sonne zu sehen. Manchmal erscheint auch ein „grüner Blitz“, nachdem die Sonne untergegangen ist.

Nach einer unruhigen Nacht mit viel Geschaukle, gibt es am nächsten Tag nur einen Programmpunkt – Schnorcheln. Antje und ich wechseln uns dabei ab mit Felix zu tauchen und kommen trotzdem beide dreimal ins Wasser! Dazwischen gibt es viel Aufregendes zu erzählen. Wir sehen Muränen, noch mehr bunte Fische, Seeigel, Korallen und reichlich unbekanntes maritimes Getier. Eins ist uns nach diesem Tag völlig klar, eine Unterwasserkamera muss her! Wir sind richtig angefixt, wollen am nächsten Tag in St. Lucia ausklarien und in den frühen Morgenstunden zum ca. 40 Seemeilen entfernten Wallilabou auf St. Vincent aufbrechen, zum Schnorcheln natürlich.

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Am Abend sind wir erschöpft, glücklich und haben alle einen leichten Sonnenbrand auf dem Rücken. Jetzt erstmal ausschlafen! Unser letzter Tag auf St. Lucia beginnt sehr gemütlich. Frückstück, ein wenig herumhängen, Sonnenbrand pflegen ect. Danach geht es an Land zum Ausklarien. Custom, Immigration, alle sind wichtig, immer das Gleiche, aber die Beamten sind alle sehr hilfsbereit. Ein Mittagessen und einen Einkauf später geht es zurück an Bord. Dort erwartet uns allerdings eine böse Überraschung – wir hatten Besuch: Diebe, Verbrecher und Halunken. Die Decksluke steht weit offen, im Boot herrscht Chaos, überall ist unser Hab und Gut verstreut. Nach einer ersten Sondierung sind zwei Computer, der Camcorder, ein Nintendo, das Tablet und ein wenig Bargeld weg – Autsch! Damit hatten wir nicht gerechnet. Dass es nachts zu Diebstählen kommen kann, wenn niemand auf dem Boot ist – okay, aber am helllichten Tag. SHOCKING. Selbst Felix hat es die Sprache verschlagen. Wir sammeln uns und informieren die Parkranger, die kurz darauf mit einem Polizeibeamten an Bord kommen, der die ganze Sache formell aufnimmt. Kopfschütteln auf allen Seiten, die Beamten sind sehr freundlich und zuvorkommend. Als Entschädigung wird uns die tägliche Mooringfee erlassen, wodurch sich unser Schaden auf ca. 400 Euro reduziert. Glücklicherweise wurde nichts Wesentliches zerstört und die wirklich wertvollen Dinge, wie z.B. unser Fernglas von Steiner, wurden zwar aus dem Regal gezogen, aber nicht mitgenommen. Wenigstens ein bisschen Glück im Unglück. Schade ist allerdings, dass fast alle Fotos auf Antje´s Computer gespeichert waren. Elende Schweine!

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Der Dieb war offensichtlich kein Profi und wird mit unseren Sachen nur wenig Spaß haben. Der Computer von Antje ist zehn Jahre alt und virenverseucht, beim Tablet war der Akku leer und es läd nur, wenn es ca. zwei Tage nonstop am Strom hängt und der Nintendo war auch kaputt. Nur der Computer von Felix und der Videocamcorder waren noch okay. Je länger wir darüber nachdenken, desto witziger finden wir die Vorstellung, dass unser Meisterdieb unsere Altelektronik für uns entsorgt hat, während er die wirklich wertvollen Dinge und fast 3000 US Dollar Bargeld an Bord gelassen hat – Blöder Sack! In Zukunft werden wir die Fenster mit Tesafilm sichern und dann will ich sehn, wie da einer reinkommt!

Trotzdem ist vor allem Felix auch Stunden später noch fassungslos und stinksauer, dass jemand in unser Zuhause eingebrochen ist. Gemeinsame Verwünschungen – Krebs, Pestilenz und Fußpilz – helfen uns über den Abend. Ja, wir sind alle ein wenig verunsichert und heilfroh, dass wir in den frühen Morgenstunden Soufriere verlassen können, um nach St. Vincent aufzubrechen. Natürlich schlafen alle in dieser Nacht schlecht und trotzdem sieht die Welt am nächsten Tag schon wieder anders aus. Die Sonne scheint – wahrscheinlich zum 500sten Mal seitdem wir aufgebrochen sind – und obwohl uns die Ereignisse des Vortages noch etwas nachhängen, lassen wir uns nicht unterkriegen. Kleine Rückschläge müssen auf so einer Reise verkraftet werden, aber die Vorfreunde auf die nächsten Inseln und die Aussicht, auf den Tobago Kays mit Meeresschildkröten zu schnorcheln, lassen den unschönen Vorfall langsam verblassen. Jetzt heißt es „Kopf hoch und Blick nach vorne“ – schließlich steuern wir heute die Wallilabou Bay auf St. Vincent an, in der erst letztes Jahr ein deutscher Skipper erschossen wurde. Wir werden es sicher überleben und unser Trauma überwinden…..Don´t worry, be happy!

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Fair winds und bis bald,

Eure Abenteurer von der SY Auriga

P.S. Liebe Oma Inge, wir haben die Nacht in Wallilabou gut überstanden, liegen zurzeit in der gut bewachten Blue Lagoon Marina an der Südspitze von St. Vincent und sind alle wohlauf. Also keine Sorgen machen!

Auf Dinghijagd in St. Lucia und Martinique

Nach einer Woche im Shallow Draught ging es wieder los – unser Ziel Rodney Bay St. Lucia. Nach einer eher langwierigen Ausklarierungsprozedur im Fährterminal von Bridgetown lagen wieder einmal 105 Seemeilen vor uns und somit war nach der Atlantiküberquerung gleich wieder eine Nachtfahrt angesagt. Ein völlig entspanntes und souveränes Antje-Ablege-Manöver unter der Mithilfe der Sundowner-Crew später verließen wir am frühen Nachmittag Barbados. Die Überfahrt war mal wieder etwas durchwachsen. Die ersten Seemeilen fielen definitiv in die Kategorie Genusssegeln – guter achterlicher Wind, kaum Welle und eine schöne Durchschnittsgeschwindigkeit von 5 kn sowie ein kitschiger Sonnenuntergang. Sobald wir allerdings die Leeseite von Barbados passiert hatten und in die Winwardpassage kamen fühlten wir uns sofort in unsere Atlantiküberquerung zurückversetzt. Es schaukelte wieder vom Feinsten – vier Meter Welle von der Seite und natürlich der eine oder andere Squall sollten uns die Überfahrt nach St. Lucia versalzen. Aber glücklicherweise geht ja alles irgendwann mal vorbei und so erreichten wir St. Lucia nach gefühlten 48 Stunden am nächsten Tag um 1500 LT bei gleißender Hitze.

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Brav meldeten wir uns auf VHF-Kanal 9 in der Marina an, doch die ließen uns zunächst warten und danach vertrösteten sie uns freundlich – please standby. Also standeten wir by und kreisten mit unserer Auriga ein paar Mal vor der Hafeneinfahrt herum. Bei 35°C Hitze brieten wir im eigenen Saft und waren schon beinahe medium well als wir immer noch warten sollten. Also musste die Kinderkarte gespielt werden! „Marina Rodney Bay, Marina Rodney Bay this is sailing vessel Auriga, we need a berth. It is hot and we have children on bord. 3 Sekunden später tönte es aus der Funke – Okay Captain, your Dockingplace is…- geht doch und wieder was gelernt – mehr war bei dem Genuschle allerdings nicht zu verstehen, also noch mal nachfragen, aber leider bekamen wir keine Antwort mehr. Dafür meldete sich zu unserer Überraschung Sherrie von der ELEMENT und meinte sie hätte B7 verstanden und sie würden uns am Steg erwarten, um beim Anlegen zu helfen. Also los und wenig später gab es ein herzliches Wiedersehen mit der Element-Crew, die wir seit Teneriffa nicht mehr gesehen hatten. Vor allem Felix freute sich, seine Freundin und Daddelgefährtin Paige wieder zu sehen.

Nach den üblichen Einklarierungsformalitäten – diesmal mit vier Durchschlägen – und der Anmeldung in der Marina hatten wir unseren Pflichtteil erledigt. Da der Kapitän auf kürzeren Überfahrten bis 36 Stunden praktisch nichts isst, hatte ich mal wieder gehörigen Kohldampf und das indische Restaurant neben dem Marineoffice kam wie gerufen und obwohl es erst 1630 war, hatte die Küche schon geöffnet – es war einfach….köstlich! Danach noch ein Drink mit der Element-Crew am marineeigenen Pool und die Welt war wieder in Ordnung! Am nächsten Tag stand die Reparatur unseres Kurzwellenfunkgerätes an. Wie bereits auf dem Atlantik vereinbart, meldeten wir uns bei Jörg von der Firma Jachtfunk und er versprach gleich am nächsten Tag vorbei zu kommen. Ausnahmsweise hatten wir richtig Glück. Das Kurzwellenfunkgerät war nicht kaputt, sondern die Amateurfunkfrequenzen waren einfach nicht freigeschaltet und dieses Problem ließ sich mit einer einfachen Tastenkombination beheben. Doch gut gemacht Sven – großes Lob! Nach 20 Minuten und einem netten Gespräch war unser Kurzwellenfunkgerät wieder voll funktionsfähig und der erste Teil unserer „To do Liste“ erledigt.

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Also konnten wir uns in den nächsten Tagen der Dinghisuche hingeben. Innerhalb des Marinageländes gab es einen sehr gut sortierten Nauticladen und da haben wir uns auch gleich nach einem Dinghi erkundigt. Der Verkäufer war sehr hilfsbereit und zeigte uns ein paar Beiboote unterschiedlicher Hersteller, die er im Lager hatte, allerdings war das Preisniveau geradezu schockierend. Schon das günstigste Dingi kostete 3000 US Dollar, also nicht ganz unsere Preisklasse. In unserem Törnführer hatte wir jedoch gelesen, dass es in der Umgebung ein „Liferaft and Inflatable Center“ geben sollte, der auch gebrauchte Beiboote vorrätig haben sollte. Am nächsten Tag pilgerten Antje und ich bei 30 °C Hitze nach Gros Islet und fanden den Shop auch tatsächlich. Ein ziemlich alter und schrulliger Engländer empfing uns und wir konnten in einer Baracke seine Hyperlon-Dinghis bewundern, die er für geradezu astronomische Preise verkaufte. Also wieder kein Glück und nach einigen Recherchen beschlossen wir, unsere Dinghisuche in Le Marin / Martinique fortzusetzen, da sich dort das größte Marinezentrum der Winward Islands befindet! Wir hofften auf alle Fälle das Beste.

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Auf dem Rückweg zur Marina liefen wir zufällig am örtlichen Markt in Gros Islet vorbei, wo wir nach einem netten Gespräch Tamerinde-Wurzeln erstanden, während die Verkäuferin noch ihr lecker riechendes Frühstück verzehrte. Auf die Frage wo wir den so ein „lokal breakfast“ bekommen würden, führte sie uns zu einer kleinen Bretterbude am Straßenrand und wir konnten nach der Dinghienttäuschung frittierte Hühnerteile, Fishcake und Tamarindenjuice geniessen. Obwohl wir insgesamt 10 Tage in der Rodney Bay Marina verbrachten, haben wir von St. Lucia praktisch nichts gesehen. Die anvisierte Inselrundfahrt wollten wir bei einem Preis von 110 US pro Person dann doch nicht ausprobieren. Interessanterweise hätte der Preis ohne Mittagessen immer noch 108 US pro Person betragen – da gab’s wohl nur Wasser und Brot!

Während der restlichen Zeit trafen wir uns häufiger mit den Crews der ELEMENT, ALRISHA, MANADU und der CAREKA und verbrachten auch mit dem einen oder anderen Stegnachbarn ein nettes Stündchen. Vor allem Felix konnte viel Zeit mit Paige verbringen und war endlich nachmittags aufgeräumt. Außerdem hieß es mal wieder richtig Schule machen. Nach der weitgehend schulfreien Atlantikzeit galt es einiges an Stoff aufzuholen. Außerdem besuchten wir in der Nähe ein Straßenfest mit extrem lauer Musik und verschiedenen Fressständen – sehr nett. Darüber hinaus war natürlich wieder einmal ein ordentlicher Bootsputz angesagt. Unglaublich, wie viel Flugrost so ein Boot ansetzen kann. Dazu noch einige Reparaturen – das Übliche halt. Alles in allem verging die Zeit wie im Flug, vor allem da uns die Atlantiküberquerung immer noch in den Knochen steckte und wir weiterhin viel Schlaf nachholen mussten. Ach ja, einen Strandausflug haben wir natürlich auch gemacht!

Und dann gab es natürlich noch einen riesen Aufreger im Hafen als ein Hochseefischerboot einen riesigen Marlin angeschleppt hat. Das gigantische Tier wog um die 350 kg und konnte nach einem harten 2,5-stündigen Drill ins Boot gehievt werden. Wirklich unglaublich! Leider fielen keine Marlinsteaks für die Schaulustigen ab….

Mitte Januar war es dann an der Zeit, die Rodney Bay zu verlassen und Le Marin im Süden der Insel Martinique anzusteuern. Martinique ist ein französisches Überseedepatment und damit ein Stück Europa in der Karibik. Wir freuten uns auf gut sortierte Supermärkte, leckeres Essen, savoir vivre, Euronen und ein Stück europäische Kultur in der Karibik. Obwohl die Distanz nur ca. 30 sm beträgt, muss man den St. Lucia-Martinique-Channel durchqueren und hier drückt sich der ungebremste Atlantik zwischen den Inseln durch. Wir hatten mal wieder Pech! Sobald wir die Abdeckung von St. Lucia verlassen hatten begrüßte uns die wohlbekannte 3 Meter Welle von der Seite. Antje wurde mal wieder grün um die Nase und ich konnte die sechsstündige Überfahrt auch nicht richtig genießen. Dieses elende Gerolle nervt einfach tierisch und verdirbt einem den ganzen Spaß am Segeln. Dazu kommen gefühlte 33°C Außentemperatur und immer nur Sonnenschein!

Die Marina von Le Marin ist mit ca. 850 Liegeplätzen die größte der Winward Islands und befindet sich in der Cul-de-Sac, am Ende einer verwinkelten und mit Untiefen gespickten ca. 3 sm langen Bucht. Nach einer anspruchsvollen Ansteuerung mit kreuzenden Optmisten, irren Motorboot- und Dinghifahrern erreichten wir den Hafen gegen 1600 Uhr. Wir funkten die Marina wie üblich an, bekamen sofort eine Antwort und warteten auf einen Marinero, der uns unseren Anlegeplatz zeigen sollte. Doch trotz mehrfachen Funkkontaktes wollte einfach keiner kommen. Nachdem wir eine halbe Stunde im Kreis gefahren waren, beschlossen wir einfach den nächsten freien Platz zu nehmen und Antje legte mal wieder ohne jedes Problem an. Nach dieser Fahrt genehmigten wir uns erst einmal einen schönen Schluck Wein. Als wir gegen 1730 zum Einklarieren schlappten, war allerdings schon alles geschlossen – also gut, mach ma´s halt morgen! Nach einer wirklich köstlichen Pizza gingen wir erschöpft ins Bett und konnten endlich mal wieder richtig ausschlafen!

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Am nächsten Tag erwarteten wir die übliche Einklarierungsprozedur, aber zu unserer Überraschung läuft in Martinique alles via PC. Im Einklarierungsraum stehen 4 Computerterminals wo ein französisches Einklarierungsformular ausgefüllt werden will, danach speichern und drucken. Ein Marinamitarbeiter schaut alles nochmal durch, Stempel und Unterschrift drauf und alles ist erledigt – wow, so einfach war es noch nie! Danach haben wir erst einmal die nähere Umgebung erkundet und sind sofort mehreren Nauticläden mit Dinghis in der Auslage! über den Weg gelaufen. Unsere Herzen schlugen sofort höher. Sollte hier ein erschwingliches Beiboot zu erwerben sein? Die Antwort lautete Ja! Nach mehreren Beratungsgesprächen und einer eingehenden, familieninternen Beratung beim Essen haben wir ein funkelnagelneues, blaues PVC-Dinghi (3D Tender) mit festem Aluminiumboden zu einem annehmbaren Preis erstanden. Glücklicherweise befand sich der Laden direkt am Meer und so wurde das Beiboot sofort aufgepumpt und Antje und Felix weihten es mit einer Paddeltour zu unserem Liegeplatz ein.

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Am nächsten Tag wurde unser fabrikneuer Parsun 2,6 PS Außenborder mit Öl und Benzin gefüttert, nach einigen Anlassversuchen startete der Motor und es ging zur ersten Hafenrundfahrt los. ENDLICH FREI. Anschließend wurde Felix zum neuen Kapitän des „Tender to Auriga“ ernannt, worauf er wahnsinnig stolz ist und seine damit verbundenen Aufgaben (Wartung und Reinigung) auch sehr ernst nimmt. Mit unserem neuen Böötchen konnten wir endlich die ganze Bucht erkunden. Viele Restaurants oder auch der Supermarkt verfügen über Dinghistege, so dass wir nun noch weniger laufen mussten als sonst. Speziell das Mango Bay Restaurant hatte es uns angetan, hier gab es jedes Wochenende sensationelle Rippchen, die wir mehrmals genossen haben. Und das Beste ist, dass uns Felix nach einem üppigen Mahl völlig nüchtern zurückchauffieren kann!

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Entgegen zu Barbados und St. Lucia haben wir uns auf Martinique ein Auto ausgeliehen – endlich mal wieder Rechtsverkehr sowie ein gültiger Führerschein, ole EU – und die Insel erkundet. Erstes Ziel war das „Anse Cafard Slave Memorial“ ein Mahnmal, welches an eine Sklaventragöde erinnert, als 1840 ein illegaler Sklaventransporter vor der Küste zerschellte und sank. Alle 40 an Bord befindlichen Sklaven ertranken, weil sie aneinander gekettet waren. Die Gesichter der Steinskulpturen zeigen alle zum Ort des Geschehens.

Danach ging es in die Hauptstadt Fort-au-France um den Markt zu besuchen. Fort-au-France mit seinen 100.000 Einwohnern wirkt wie eine der vielen dreckigen Pariser Vororte und hat einen entsprechenden Charme – wer´s mag! Die Markthalle „Marche Couvert“ entpuppte sich allerdings als farbenfroher Ort voller Leben. Neben den üblichen Souvenirs wurde vor allem Obst und Gemüse angeboten. Die im Reiseführer angepriesene unglaubliche Vielfalt exotischer Früchte suchten wir allerdings vergeblich. Innerhalb des Marktes gab es mehrere Restaurants, die kreolische Küche zu vernünftigen Preisen anboten. Wir haben bei „Chez Maria“ gut und reichlich gegessen.

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Anschließend besuchten wir die „Bibliothèque Schœlcher“, benannt nach dem Elsässer Victor Schœlcher, der sich vehement gegen die Sklaverei einsetzte, diese 1794 auf den französischen Antillen abschaffte und dafür mit einem Ehrengrab im Pariser Phanteon gewürdigt wurde. Das Gebäude wurde anläßlich der Pariser Weltausstellung 1884 gebaut und anschließend nach Martinique verfrachtet. Heute befindet sich hier die öffentliche Bibliothek der Stadt. Eine wirklich sehenswerte Stahlkonstruktion. Am Hafen findet man das ebenfalls beeindruckende Fort St. Louis, eine riesige Wehranlage. Bis 1973 befand sich hier das Oberkommando der Marine der französischen Antillen und Guyana.

Danach ging es weiter Richtung Norden zur Kirche Sacré Coer/Balata. Die Kirche wurde 1928 erbaut und ist eine verkleinerte Kopie des gleichnamigen Gotteshauses in Paris. Wie das große Vorbild wurde sie auf einem Hügel erbaut und bietet einen herrlichen Rundblick über die Bucht vor Fort-au-France.

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Unser eigentliches Ziel aber war der Botanische Garten in Balata. Er zählt mit seiner atemberaubenden Pflanzenwelt aus der ganzen Welt zu den spektakulärsten Gärten der Karibik. Die gut angelegte Wege schlängeln sich durch zwischen Blumenbeete und Palmenhaine hin durch. Der botanische Garten enthält etwa 3.000 verschiedene tropische Pflanzenarten, die aus der ganzen Welt zusammengesammelt wurden. 300 verschiedene Palmenarten gedeihen im Garten und spenden angenehmen Schatten. Spektakulär ist jedoch der Baumwipfelpfad, der einen schönen Überblick über den Garten gewährt. Mit etwas Glück kann man auch Kolibris beobachten oder sogar fotografieren – so wie wir!

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Auf dem Rückweg zum Hafen mussten wir natürlich noch einen Abstecher zu „Carrefour“ und „Hyper U“ machen. Supermärkte wie man sie sonst nur in Frankreich findet – herrlich. Das Angebot war überwältigend. Endlich wieder Weichkäse, Schinken, Terrinen, Brot, Macarons, Wein, Rindfleisch, Wachteln und vieles, vieles mehr. Wir fühlen uns wie Gott in Frankreich, haben Preise verglichen und eine Proviantliste geschrieben.

Am nächsten Tag ging es erst einmal in das Fischerdörfchen Vauclin. An der Südspitze des Stadtstrandes befindet sich ein sehr beliebter Kitesurfer-Spot und bei gutem Wind konnten wir einige der waghalsigen Sportler beobachten. Schlendert man zurück in die Stadt erreicht man als nächstes den Fischereihafen. Hier reihen sich kleine Fischerbuden wie Perlen aneinander. Vor den Hütten wird der Tagesfang zerlegt und verkauft. Wo in der Karibik bekommt man sonst Langusten für 25 Euro/kg? Leider waren wir erst am Anfang unserer Tagestour und konnten deshalb zu Felix´s Enttäuschung keine mitnehmen – obwohl sie sehr lecker aussahen.

Wer in die Karibik reist, kommt kurz oder lang nicht an einer Rumdestillerie vorbei, deshalb war unser nächstes Ziel die Habitation Clement. Die Straße dorthin führte durch einen wunderschönen Regenwald. Ich wußte gar nicht, dass es so viele verschiedene Grüntöne gibt – grün, hellgrün, mittelgrün, dunkelgrün und natürlich noch viele andere Grüntöne. Alleine die Strecke dort hin ist schon ein Genuss. Unterwegs kamen wir noch an einem Carrefour vorbei und haben unsere Vorräte etwas aufgestockt und noch einen kleinen Happen gegessen.

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Die Destillerie Habitation Clément wurde 1887 durch den Mediziner und Politiker Homère Clément gegründet. Das Gut liegt südlich von Le François, ist umgeben von Zuckerrohrpflanzungen und wird von einem 16 Hektar großen Park mit über 300 tropischen Pflanzen umgeben. Das Herrschaftshaus liegt auf einer kleinen Anhöhe umgeben von alten Bäumen. Das Haus ist vollständig und original möbliert. Zusammen mit den Nebengebäuden und den Terrassen ergibt es ein schönes Ensemble und führt zu einem hervorragenden Eindruck über die kreolische Architektur und das frühere Leben der Gutsbesitzer. Das Anwesen wurde 1996 zum historischen Monument erklärt.

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Nach dem Zweiten Golfkrieg trafen sich hier Präsident George W. Bush sen. und Präsident François Mitterrand, um die weltpolitische Lage zu erörtern. Daneben kann man natürlich auch die eigentliche Rumerzeugung besichtigen und selbstverständlich reichlich Rum verkosten. Vor allem das Anwesen des Gründers hat uns sehr beeindruckt und so ging auch unser zweiter Ausflugstag leider viel zu schnell zu Ende.

Natürlich waren in Le Marin auch wieder reichlich „social events“ angesagt. Sherrie von der Element feierte ihren 40. Geburtstag, die CAREKA-Crew lud zu einem Odyssee-Treffen ein, wir haben den einen oder anderen Wegbegleiter aus Las Palmas und Teneriffa wieder getroffen und natürlich das Handballendspiel Norwegen – Frankreich live mitverfolgt. Leider sitzen unsere Freunde Alex und Birger von der SAMANTHA immer noch in La Palma fest, aber der Kiel ist wieder eingeklebt und der Mast steht auch schon wieder. Wir hoffen sie werden es nächste Woche packen und endlich in die Karibik aufbrechen – Ihr Lieben, wir warten!!!

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Obwohl der Karibikfunke noch nicht so richtig übergesprungen ist, hat es uns auf Martinique doch sehr gut gefallen. Aber jetzt geht es erst einmal wieder Richtung Süden. Unser nächstes Ziel ist die Marigot Bay auf St. Lucia – hier gibt es in einer herrlichen Bucht einen riesigen Luxushotelkomplex mit Marina – Capella Resort and Marina. Wer im Hafen anlegt darf auch die Hoteleinrichtungen, wie Pool, Spa oder Gym benützen! Nach dem ganzen Dinghistress haben wir auch mal ein bisschen Urlaub verdient!

Fair winds und bis bald,

Helmtrude, eure Luxusschlampe von der SY Auriga

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P.S. Dieser Bericht wurde in o.g. Resort unter äußerst widrigen Bedingungen erstellt!

 

Happy New Year auf Barbados

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Vielen lieben Dank liebe Freunde und Familie zu Hause für eure zahlreichen Glückwünsche zu unserer Atlantiküberquerung. Ich war einfach nur froh, dass dieses elende Geschaukle und Gerolle endlich ein Ende hatte und wir in den Shallow Draught Hafen von Barbados, der östlichsten Karibikinsel, einlaufen konnten. Sue und Howard von der SY Sundowner halfen uns beim Anlegen und waren so lieb, uns ihr Dinghi zu leihen, damit wir vom Boot p1010550auch den Steg erreichen konnten. Ich weiß nicht, wer diesen Steg geplant hat, aber er war so hoch, dass man mit einem normalen Segelboot keine Chance hatte, sicher an Land zu gehen. Wir hatten unser Dinghi auf Teneriffa verkauft, da es zu groß war, um es für die Atlantiküberquerung ordentlich zu verstauen. Der Plan war, in der Karibik ein neues zu besorgen, was sich jedoch schwieriger gestalten sollte, als gedacht….An unserem Ankunftstag trafen wir noch ein paar andere Crews der Rally, die einfach nur „hallo“ sagen wollten bzw. schon beim Ausklarieren waren, um die nächste Karibikinsel zu besuchen. Nach den ganzen Einklarierungsformalitäten genossen wir eine ausgiebige Dusche und freuten uns auf ein leckeres Essen. Zu unserem Bedauern mussten wir jedoch feststellen, dass sämtliche Restaurants in der näheren Umgebung geschlossen hatten. Wir wunderten uns noch, denn schließlich kamen wir am 27.12. an, also nach den Feiertagen, aber ein Taxifahrer klärte uns auf, dass es in der Karibik üblich sei, den nächsten Werktag auch als Feiertag zu deklarieren, wenn der eigentliche Feiertag auf einen Sonntag fällt. Er war ganz erstaunt, dass dies in Deutschland nicht so ist. Sollte man vielleicht ändern!

Der Taxifahrer brachte uns zu einem Beachrestaurant am bekannten Sandy Lane, wo auchp1010507 die Sängerin Rihanna wohnt, die von dieser Insel stammt. Die Aussicht auf türkisfarbenes Wasser war traumhaft, aber die Musik dröhnend laut und es gab viel zu viele Menschen, so dass wir uns wie Aliens fühlten nach 3 Wochen Stille auf dem Ozean. Eindeutig zu viel Zivilisation für uns! Danach fuhren wir zurück zu unserem Boot und schliefen erst einmal 14 Stunden. Eigentlich sollten wir am nächsten Tag die Auriga in den Stadthafen von Bridgetown verlegen. Wir beschlossen aber, im Shallow Draught zu bleiben, der zwar etwas außerhalb lag, uns aber sicherer erschien. Von den anderen Rally Teilnehmern hatten wir schauerliche Geschichten  vom Stadthafen gehört, wie z.B. dass Leute nachts aufs Boot kamen und Sachen zerstört hatten.

20161231_101051Wir besuchten Bridgetown, die Hauptstadt der Insel, wo heute inklusive der Vororte ca. 90.000 Menschen leben. 2016 hatte die Stadt ein ganz besonderes Jubiläum, nämlich 50 Jahre Unabhängigkeit von den Briten, die 300 Jahre hier das Sagen hatten. Es gab zwar vereinzelt schöne Gebäude, wie z.B. die St. Mary`s Church, aber alles in allem waren wir doch ein wenig enttäuscht von der Stadt. Sehr kreativ fand ich allerdings die Weihnachtsbäume rund um den Stadthafen, die mit viel Phantasie und ganz einfachen Materialien – wie z.B. angemalten Plastikbechern – von den verschiedenen Grundschulen geschmückt worden waren. Es war Zeit, unsere Vorräte wieder aufzufüllen. Im Supermarkt, in dem auch die Einheimischen einkauften, staunten wir nicht schlecht über das hier herrschende Preisniveau: 1 USD für eine Rolle Klopapier gibt Anlass, sich Alternativen zu überlegen: Bananenblätter, Zeitungspapier??

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Zusammen mit den Crews von der Lilli und Alrisha feierten wir Silvester am Strand vom Yachtclub mit Rumpunsch und einem schönen Feuerwerk um Mitternacht. Happy New Year! Mal sehen, welche Abenteuer das neue Jahr 2017 für uns bereit hält. Wir wollten noch mehr von der Insel sehen, die keinen vulkanischen Ursprung hat, sondern auf einem alten Korallenplateau sitzt und beschlossen, eine Tour mit den öffentlichen Bussen am nächsten Tag zu unternehmen. Ferry und Brigitte von der Alrisha wollten uns begleiten, allerdings konnten sie nicht kommen, da ihr Außenbordmotor nicht ansprang und sie somit auf ihrem Ankerplatz in der Carlisle Bay festsaßen. Es regnete phasenweise in Strömen, so dass wir immer wieder Schutz suchen mussten, saßen an einer Bushaltestelle und plötzlich hielt ein Minibus und fragte, ob wir Lust hätten, eine kleine Inseltour zu machen. Er hatte schon zwei deutsche Kreuzfahrtgäste an Bord. Aber klar doch, er kam wie gerufen und wir fuhren mit ihm in den Norden der Insel und weiter ins Landesinnere, vorbei an zahlreichen Villen, grünen Wiesen mit braunen Kühen bis zum höchsten Punkt. Von hier hatten wir einen sehr beeindruckenden Blick auf die Ostküste der Insel. Auf dem Rückweg durchquerten wir, einen Wald am Rande eines Golfplatzes, in dem die sog. „green monkeys“ leben , die so heißen, weil ihr Rückenfell grünlich schimmert. Wir hatten Glück und erspähten einen ganz nah auf einem Ast. Sogar Felix fand die Tour „echt cool“.

Am 03.01.2017 segelten wir weiter nach St. Lucia, denn wir hatten eine Verabredung mit Jörg vom Yachtfunk, der sich unser Funkgerät anschauen wollte und hoffentlich den Fehler findet, warum wir nicht mit den anderen Funkern sprechen können.

Liebe Welle, bitte sei gnädig!

Eure Antje

 

Die große Überfahrt

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Wenn die Überfahrt zu den Kapverdischen Inseln unsere Feuertaufe als Blauwassersegler war, so kommt jetzt wohl die Reifeprüfung – Die Atlantiküberquerung. Es ist vorbei! Es gibt keine Ausflüchte mehr. Alle Zweifel und Ängste werden über Bord geworfen – jetzt geht es los. Der Traum Rotwein geschwängerter Abende vom großen Abenteuer und der großen Freiheit auf dem Meer wird jetzt Wirklichkeit, gelebte Realität. Die Woche in Mindelo war herrlich uneuropäisch und eine gute Einstimmung auf neue Kulturkreise, aber jetzt heißt es weiter Richtung Westen. Unsere Nahrungsvorräte werden noch einmal mit frischem Obst und Gemüse vom Markt ergänzt. Wasser und Getränke werden aufgefüllt. Am Mittwoch dann unser traditionelles Abschlussessen in unserem Lieblingsrestaurant. Noch ein bisschen chillen, das letzte Mal ausschlafen und dann geht es los – wir sind sowas von bereit!

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1.Tag, 09.12.2016, Position 16°48´N/026°58`W, Kurs 278°, Wind 10-15 kn NE, 2-3 m Welle , DNZ: 1899 nm

Bevor es am 08.12.2016 los geht heißt es erst einmal wieder warten. Unsere Wassertanks waren noch leer und die Wasserspender am Steg „out of order“. Das zerrt ganz schön an den Nerven, wenn man los will, aber nicht kann. Fünf Zigaretten, einen gefüllten Wassertank und ein unspektakuläres Ablegemanöver später noch kurz an der Tankstelle vorbei, volltanken inklusive Missgeschick mit reichlich verschüttetem Diesel (soll ja Glück bringen, oder?) und dann geht es wirklich los. Nächster Zigarettenautomat Bridgetown / Barbados, Entfernung ca. 2000 nm, ETA hoffentlich in 20 Tagen! Bereits nach dem Verlasssen des Hafens blies der Wind mit angenehmen 10 kn und wir konnten nach 10 Minuten unsere Segel setzen. An sich ein einfaches Manöver, aber auch dabei kann man sich die erste Brille ruinieren, indem man einfach drauf tritt. Super Start – nächste Zigarette (nur noch 10 Stück bis zum Nichtraucher). In der Straße von Sao Vicente zwischen den Inseln Sao Vicente und Sao Antao kann es bei richtigem Nordwind ziemlich heftig blasen, aber wir hatten Glück und konnten die Straße in Begleitung einiger großer Tümmler evtl. laut Felix auch gemeiner Dornhaie verlassen. Kurz darauf setzten wir bereits direkten Kurs auf Barbados. Die erste Nacht war ziemlch elend, da wir uns im Windschatten der Insel Sao Antao befanden und bei nordwestlichem Schwell kräftig durchgeschüttelt wurden. Hin und her, hin und her, 30° nach Steuerbord, 30° nach Backbord Es blieb uns nichts anderes übrig, als durch die Flautenzone hindurch zu motoren. Danach waren auch die letzten Zigaretten futsch. Über Nacht konnten wir bei 10 -15 kn Wind noch ein einigermaßen gutes Etmal von 98 nm in 22 Stunden erreichen. Nachts haben wir zwei Segelschiffe in unsere Nähe gesichtet, kein Funkkontakt, beide sind nach nordosten Richtung Martinique abgedreht.

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2.Tag, 10.12.2016, Position 16°50´N/028°25`W, Kurs 278°, Wind 10-15 kn NE, 2-3 m Welle, DNZ: 1781 nm

Mittagessen: Bratkartoffeln mit Zwiebeln, Speck und Spiegeleiern. Nachmittagssnack: Goldmakrelensashimi (freshest ever!) Felix hat eine 3/4 m lange und ca. 3 kg schwere Goldmarkrele gefangen. Ein wirklich schönes Tier. Nach einem harten Drill, einer schwierigen Landung und einem blutigen Gemetzel in unserem Cockpit konnte die jetzt eher grau-silbrige Makrele zu Sashimi verarbeitet werden. Die schöne goldgelbe Farbe verliert sich leider relativ schnell nach dem Ableben. Felix hatte heute eine Stunde Englischunterricht. Am Abend hatten wir Funkkontakt mit der SY LADY SUNSHINE einer 39 ft Phantom aus Deutschland, die ebenfalls Richtung Barbados unterwegs ist. Sehr nette Konversation, aber leider kein Sichtkontakt. Die Nachtfahrt war unspektakulär. Zunächst bei hellem Mondschein nur mäßiger Sternenhimmel, anschließend pechschwarze Nacht und ganz guter Sternenhimmel – bisher noch keine Milchstraße gesichtet. Die Crew schläft und liest viel. Die Softgetränke werden bestimmt nicht reichen……Tagsüber ist es ziemlich warm, obwohl der Wind von achtern (schräg-hintern) kommt und unseren Salon gut belüftet, haben wir ca. 29 °C und schwitzen viel…..Die ersten Tomaten werden bereits faul. Irgendwie bin ich leicht gereitzt – Nikotinentzug, das wird sich sicher die Tage wieder bessern.

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3.Tag, 11.12.2016, Position 16°50´N/030°37`W, Kurs 210°, Wind 10-15 kn NE, 3-4 m Welle, DNZ: 1669 nm

Mittagessen: Goldmakrelen-Tikka Masala mit Basmatireis. Damit ist unser erster Atlantikfang schon wieder verspeist und Felix darf wieder angeln. Wir haben den Schulunterricht jetzt auf 2 Stunden ausgeweitet, da unsere Auriga nicht so ausgeprägt rollt wie am ersten Tag. Bis auf ein paar fliegende Fische hatten wir noch keine weiteren Tiersichtungen. Warten immer noch auf unseren ersten Wal. In der Nacht hat der Wind deutlich zugenohmen. Böen bis 20 kn und reichlich unruhige See, wahrscheinlich 3-4 m Wellen direkt von Norden. Das Boot rollt wieder fürchterlich. Essen oder Toilettenverrichtungen sind sehr schwierig und nur mittels akrobatischer Verrenkungen möglich. Hin und wieder geht was daneben. Nachts sichten wir ein anderes Boot. Laut Radar etwa 6 nm nördlich von uns. Bei rauer See ist es aber im Radar nur kurz zu sehen – Schade eigentlich. Dann gegen 0300 UTC plötzlich Aufregung im Boot, Felix entdeckt Wasser an seiner Bordwand. Doch nicht schon wieder die Fenster! Die sind jedoch so mit Kondenswasser beschlagen, dass hier die Ursache des Wassereinbruchs liegt – puh. Gegen Morgen lassen Wind und Welle jedoch wieder etwas nach. Wir sind aber zu weit nach Norden versetzt worden und entschließen uns am Morgen zu einer Halse – unser erstes Segelmanöver nach 72 Stunden – neuer Kurs ist jetzt 210°, also Richrung Süden. Wir werden wohl bis zum 15. nördlichen Breitengrad segeln und dann wieder verstärkt nach Westen. Jetzt sollte langsam auch der Nordäquatorial-Strom einsetzen und uns mit 1-1,5 kn nach Westen schieben – wir werden sehen….

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4.Tag, 12.12.2016, Position 15°14´N/031°00`W, Kurs 270°, Wind 20-25 kn NE, 2-3 m Welle, DNZ: 1644 nm

Mittagessen: Bockwurst mit diversen Saucen, Abendessen: Reis-Thunfischsalat mit Brot. Obwohl wir unserem Ziel nur 20 nm näher gekommen sind, haben wir seit gestern ca 2 Breitengrade Richtung Süden geschafft und befinden uns jetzt in der Passat- oder Tradewind-Zone. Nachts hat es dann auch gleich mit 22-25 kn geblasen und mal wieder kräftig geschaukelt. Manchmal kommt unsere AURIGA dann ins Surfen und schlägt nach der nächsten Welle mit Mordsgetöse im Wasser auf. Aber unsere Förthmann (Selbststeueranlage Windpilot Pazifik) hatte alles im Griff. Langsam kriegen wir raus, wie man ihn einstellen muss. Nachts gab es mal wieder eine Schiffssichtung, die SEASTAR, ein 899 ft.langer Tanker auf dem Weg nach Cameron. Selbst aus 2,5 km Entfernung sah das Schiff noch ziemlich beeindruckend aus. Heute haben wir zum ersten Mal die Intermarfunkrunde über Kurzwelle gut empfangen, leider konnten sie uns trotz aller Bemühungen nicht lesen (hören) – CQ,CQ,CQ de DB5MP/mm für Intermar Funkrunde. Ich haben ihnen daraufhin ein E-Mail geschrieben. Intermar veranstaltet zweimal am Tag auf 14313 MHZ eine Yachtfunkrunde für Segler. Nacheinander werden die einzelnen Seegebiete (Mittelmeer, westlicher und östlicher Nordatlantik) angefunkt und aktuelle Wetterberichte sowie Wetterentwicklungen durchgegeben. Segler aus den entsprechenden Gebieten können sich melden und hier mit den wirklich kompetenten segelnden Funkamateuren die weitere Reiserute diskutieren oder einfach nur ein bisschen plaudern. Und weil der 3. Advent war gab es eine Flasche Vinho Verde zum Abendessen – lecker…..

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5. Tag 13.12.2016, Position 14°59´N/032°58`W, Kurs 270°, Wind 15-20 kn NE, 2-3 m Welle, DNZ: 1528 nm

Mittagessen: Dicke Bohnen mit Speck, Abends: Ravioli mit Tomatensauce aus der Dose. Ich glaube Ravioli aus der Dose habe ich zum letzten Mal vor 30 Jahren beim Zelten in der Nähe von München gegessen. Geschmacklich hat es sich allerdings – was meine Erinnerung angeht – verbessert. Fehlt nur noch der obligate Feuerzauber Texas….Es geht aber auch anders, Mitsegler von der Odysee haben sich in Santa Cruz für zwei Tage eine Restaurantküche gemietet und für 3 Wochen vorgekocht, alles vakuumiert und tiefgekühlt. Sehr gute Idee! Machen wir beim nächsten Mal und dem nächsten Schiff mit richtigem Kühlschrank auch…hahaha. Uwe von Intermar hat sich via E-Mail gemeldet und uns eine sehr gute mittelfristige Wettervorhersage mit stabilen NE-Winden um die 15 kn gesendet. Wirklich ein sensationeller Service. Hoffentlich klappt es heute mit der Funkverbindung…oder muss ich das Mikrophon doch irgendwo einstecken??? Ansonsten ist heute Wasser- und Stromerzeugung angesagt. Leider liefert der Windgenerator bei achterlichen Winden nicht so viel Strom wie erhofft, so dass wir heute den Motor für 2 bis 3 Stunden laufen ließen um unsere Batterien wieder aufzuladen. Gleichzeitig läuft auch der Wassermacher und produziert hoffentlich in dieser Zeit 40 Litter Süßwasser. Bei der momentanen Schaukelei ist jedoch die Salzwasserzufuhr teilweise etwas problematisch, weil neben Seewasser auch immer wieder Luft ins System gelangt …hoffentlich hält die Membran durch….Die Nacht war ruhig, wir haben beinahe Vollmond und deshalb war es ziemlich hell. Heute mal ausnahmsweise kein Sichtkontakt zu anderen Schiffen. Mein Kommunikationsversuch via UKW-Funk war auch erfolglos – folglich sind wir im Umkreis von 50 nm völlig alleine.

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6. Tag 14.12.2016, Position 15°04´N/034°45`W, Kurs 270°, Wind 15-20 kn NE, 2-3 m Welle DNZ: 1428 nm

Abendessen: Schinkenudeln mit Ketchup – mmmh. Uns ist Langweilig! LANGWEILIG….immer blaues Meer, keine Animation, keine Wale und diese anderen Sympathieträger sind auch nicht zu sehen. Hin und wieder mal ein fliegender Fisch, aber sonst nichts….Dafür rollt das Boot wie verrückt, echt ätzend. Nicht mal das Anglerglück war uns hold. Unglücklicherweise schien auch noch die Sonne den ganzen Tag und es wird immer heißer. Scheiß Barfußrute – nächstes Mal nehmen wir die Fleecejackentour. Ich habe mittlerweile vier Bücher gelesen. „Die vierte Hand“ und „Bis ich dich finde“ von John Irving. Gestern in einer ereignislosen Nacht habe ich noch eine Biographie von Karl dem Großen beendet, nachdem ich schon eine über Fidel Castro gelesen habe. Highlight des Tages war die erste Haarwäsche. Herrlich, was man mit ein bisschen Shampoo und einem Liter Süßwasser alles bewirken kann. Ein schönes neues Kopfgefühl. Andere Schiffe haben wir schon seit zwei Tagen nicht mehr gesehen. Leider funktioniert unsere Kurzwellenfunkanlage nicht richtig. Wir können zwar alles empfangen und auch E-Mails senden, aber leider können wir uns nicht unterhalten. Im Intermarforum hatte unser Problem mittlerweile eine rege Diskussion ausgelöst und der Kontakt zu einem Fachmann von Yachtfunk wurde organisiert. Die Jungs sind wirklich sehr hilfsbereit. Bin gespannt wie es weiter geht…..

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7.Tag 15.12.2016, Position 14°34´N/036°34`W, Kurs 270°, Wind 20-25 kn NE, 3-4 m Welle DNZ 1318 nm

Mittagessen: Kaiserschmarrn mit Dosenpfirsich. Abendessen: Thunfisch-Nudelsalat. Ha, wir haben mal wieder ein Etmal von mehr als 100 nm. Allerdings hat der Wind im Schnitt auch um 5 kn zugelegt. Die Nacht war ziemlich anstrengend, weil die Welle mal wieder deutlich stärker geworden ist. Ich denke wir haben jetzt 3-4 Meter Höhe erreicht. Grundsätzlich nicht schlimm, aber da die Wellen von hinten kommen, wird das Heck jedesmal angehoben und das Boot fängt an anzuluven (also in Richtung Wind zu drehen, was mit einer nicht unerheblichen Schräglage verbunden ist) Heute in den Morgenstunden haben ich insgesamt 4 Mal Kaffee verschüttet und somit die Hälfte der Morgenproduktion im Boot verteilt. Gestern haben wir mal wieder einen Frachter oder Tanker in der Ferne gesehen. Konnten ihn aber nicht identifizieren, da er sein AIS nicht eingeschaltet hatte. Wahrscheinlich war er Richtung afrikanische Küste unterwegs. Unser Kurzwellenfunkgerät will einfach keine Sprchmeldungen senden. Aber da der Rest gut funktioniert, haben wir beschlossen, nicht daran herum zu basteln. Uwe von Intermar hat einen Kontakt zur Firma Yachtfunk organisiert und wir haben mit Jörg einen Termin in St. Lucia vereinbart, wo er sich in der ersten Januarwoche unsere Anlage anschaut. St. Lucia ist nur ca. 100 nm von Barbados entfernt und damit nach Neujahr unser zweites Ziel in der Karibik (hier endet auch die ARC jedes Jahr) Die nächsten Tage soll der Wind noch etwas auffrischen, aber wir sind gerüstet. Wir werden versuchen, die Odyssee-Boote vor uns via E-Mail zu erreichen um uns Wetterinformationen aus erster Hand zu besorgen.

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8.Tag 16.12.2016, Position 14°51´N/038°43`W, Kurs 225°, Wind 25-30 kn NE, 3-4 m Welle DNZ: 1195 nm

Mittagessen: Süßkartoffelstampf und Zucchiniwürfel in Balsamico, Wir hatten heute unseren vegetarischen Tag. Nachmittags hat Antje Brot gebacken – war zwar krustenlos, hat aber trotzdem ganz gut geschmeckt. Viel Lob von der Crew!! Die Odyssee hatte gestern ihre Abschiedsfeier, Wir wären gerne dabei gewesen und hätten mitgefeiert, aber da kann man halt nichts machen, Wenigstens sind wir nicht die Einzigen, die es nicht geschaft haben. Wenn wir es richtig mitbekommen haben, sind außer uns zurzeit noch sieben weitere Boote der Odyssee auf dem Atlantik. Die Nacht war zeimlich Scheiße, da wir weiterhin zunehmenden Wind hatten und die Wellen jetzt von Norden kamen und uns damit von der Seite treffen. Während man im Cockpit nur ein leichtes Schlagen hört, wenn wir von einer Welle getroffen werden – hört es sich unter Deck an, als würde man einen Kanonenschlag zünden. Die Einrichtung knarzt fürchterlich und es schwankt natürlich wieder sehr heftig. Glücklicherweise sind wir vor ein paar Tagen nach Süden abgedreht. Ab Sonntag soll der Passatwind in den nördlicheren Regionen auf über 30 kn zunehmen, in Böen werden 40 kn erwartet und das Spektakel soll einige Tage andauern. Wir haben deshalb wieder auf unseren Backbordbug gewechselt und haben Kurs 225° gesetzt (süd-westlich) und versuchen bis Sonntag die Höhe von Barbados auf dem 13. nördlichen Breitengrad zu erreichen. Gestern Nacht hat mich meine zunehmend wuchernde Gesichtsbehaarung dermaßen gejuckt und genervt, dass Felix mir bei einer nächtlichen Rasur im Cockpit assistieren musste. Das Ergebnis kann sich sehen lassen. Unsere Etmale werden wieder besser und wir haben in den letzen 24 Stunden 123 nm zurückgelegt. Da wir bei mehr Wind natürlich auch mehr Geschwindigkeit machen, hoffen wir in 10 Tagen Barbados zu erreichen. Wir werden ja sehn…..

 

 

9.Tag 17.12.2016, Position 13°40´N/040°11`W, Kurs 240°, Wind 25-30 kn NE, 3-4 m Welle DNZ: 1108 nm

Mittagessen: Reste und angebrochene Dosen aufbrauchen, Felix lehnt es kategorisch ab auch die Dosen zu essen…. Abendessen: Yam-Yam…mmmmh. Verpflegungstechnisch wird es jetzt langsam haarig, weil sowohl die Süßigkeiten als auch die koffeinhaltigen Softgetränke sich dem Ende zu neigen. Außerdem haben wir nur noch eine Flasche Wein an Bord. Hoffentlich schlägt das nicht zu sehr auf die Stimmung der Crew. In den letzten 24 Stunden hatten wir wieder mal ein eher schlechtes Emal mit 90nm. Das Wetter hält sich leider an die Prognosen und wird deutlich schlechter. Das Azorenhoch wurde durch ein zweites von Westen kommendes Hoch verstärkt, gleichzeitig hat sich ein Orkantief über der Neufundlandbank gebildet, dass bis in den Golf von Mexiko reicht und nur langsam nach Nordosten ziehen will. Die beiden Hochdruckgebiete weden sich vereinigen und können zurzeit aber nicht weiter nach Westen, weil sich in der Alboransee ein weiteres Tiefdruckgebiet festgesetzt hat. Durch diese Konstellation treten ungewöhnlich starke Passatwinde auf. In der Nacht hatten wir bis 20 kn Wind und Böen bis 25 kn. Bei gleichzeitig zunehmendem Schwell hat unser Förthmann versagt und wir mussten ständig korrigierend eingreifen. Immerhin haben wir 13°40 N (Barbados liegt auf 13°05N) erreicht und halten unseren Kurs wahrscheinlich noch die nächsten zwei Tage bis das Ärgste vorbei ist. Morgen um Mitternacht soll der Höhepunkt erreicht sein. Die SY ALRISHA von Ferry war gestern Nacht nur 2,5 Breitengrade nördlicher als wir und hatte mit Winden um die 30 kn und Böen bis 36 kn zu kämpfen. Die Entscheidung weiter nach Süden zu gehen war absolut richtig. Heute Morgen haben wir unser Großsegel eingeholt und segeln aktuell nur noch mit unserer Rollfock (Vorsegel). Das Großsegel einzuholen war mal wieder eine nasse und schaukelige Angelegenheit. Die Rollfock lässt sich stufenlos verkleinern oder vergrößern und wir können somit mühelos unsere Segelfläche den Windverhältnisen anpassen. Außerdem läßt sie sich vom Cockpit aus bedienen, was bei 3-4 m Welle deutlich sicherer ist. Jetzt fällt es dem Förthmann auch leichter den Kurs zu halten. Schiffe haben wir mal wieder keine gesehen und Meeressäuger lassen sich auch nicht blicken. Wir wollen langsam ankommen – aber die Hälfte ist ja beinahe geschafft….

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10.Tag 18.12.2016, Position 12°24´N/041°41`W, Kurs 280°, Wind 25-30 kn, NE, 3-4 m Welle DNZ: 1023 nm

Mittagessen: Linseneintopf mit Bockwurst, Abends: Schinken-Käse-Omelette. Unser Dosenbrot geht auch langsam zur Neige. Den ganzen Nachmittag haben wir versucht uns zu erholen. Der Förthmann macht seine Sache jetzt prima – weil der Segeltrimm endlich stimmt – und gleicht alle Wellen und Böen aus. Bis zum Sonnenuntergang haben sich nur die Wellen etwas vergrößert, der Wind ist bisher nicht wesentlich über 20 kn angestiegen. Am Nachmittag kam eine Welle über und ist in unseren Salon geschwappt – Schöne Bescherung. Zum Glück war der Wassereinbruch überschaubar und nichts Wesenliches, abgesehen vom Kapitän, wurde durchnässt. Wir warten immer noch auf den Höhepunkt der Wetterkonstellation. Nördlich von uns sind bis zu 40 kn Wind und Böen bis 45 kn Stärke angesagt. Bei den Windverhältnissen handelt es sich noch nicht um Sturm, ist aber nahe dran (near gale). Wir rechnen bei unserer sehr südlichen Position mit deutlich weniger Wetter. Rückblickend hatten wir auch Recht. Wind- und Böenstärke blieben gleich, nur die Wellen wuden ein wenig höher und trafen unsere AURIGA immer wieder mit teilweise brutaler Gewalt. Am Morgen waren wir bereits südlich von Barbados und setzten bei Sonnenaufgang direkten Kurs auf Bridgetown/Barbados. Wir hoffen, die letzten 1000 nm bei weiterhin stabilen Passatwinden in einer Woche zurückzulegen…..Mittlerweile hat sich auch eine gewisse Bordroutine eingestellt. Nachtwache, Antje und ich wechseln uns ab. Je nach Tagesform und/oder Wetterlage macht jeder zwischen 2 und 4 Stunden Nachtwache. Wir segeln nach UTC – ich weiß gar nicht, in welcher Zeitzone wir uns gerade befinden – die Nachtwache beginnt so zwischen 1900 und 2000. Beim Schichtwechsel immer kurze Übergabe mit Infos über Windstärke oder -richung, aktueller Kurs, Segelstellung usw…Um 0600 werden via Sailmail die aktuellen Wetterberichte für die Vorhersagegebiete Met 2 (nordöstlicher Atlantik bis 35°W) und Met 4 (nordwestlicher Atlantik und Karibik ab 35°W) heruntergeladen. In besonderen Fällen auch Wetterkarten und GRIP-Files. Um 0900 sind meistens alle wach und es gibt Frühstück nach eigenem Ermessen. Anschließend – wenn es die Wellen zulassen – Stromerzeugung mit dem Motor, Wassermachen (täglich 10-15 Liter), PC, Kindle ect. mit unserem 150 Watt Konverter laden. Wir lassen den Motor meist 90 Minuten im Leerlauf bei 1200 U/min laufen, was im Normalfall reicht, um unsere beiden Batterien wieder fast vollständig zu laden. Danach um 1100 Funkrunde von Intermar mit Wetterbesprechung und Positionsmeldung der anderen Yachten die sich zurzeit auf der Passatrute befinden. Anschließend E-Mailkorrespondenz bearbeiten, Positionsbestimmung und um 1200 Positionseintrag in die Seekarte sowie Mittagessen. Nach dem Essen meistens zwei Stunden Schule mit Felix. Um 1600 Nachmittgsnetz bei Intermar mit den neusten Nachrichten und Wetterprognosen. Abendessen und schon ist wieder Nachwache……Dazwischen sind wir immer wieder auf der Suche nach Geräuschursachen. Alles was nicht fest geschraubt oder festgezurrt ist, bewegt sich, schlägt irgendwo dagegen und macht somit Krach. Gestern habe ich unseren Mülleimer am Boden festgeschraubt – der bewegt sich keinen Millimeter mehr….

 

 

11.Tag 19.12.2016, Position 12°43 N/043°40`W, Kurs 290°, Wind 25 kn, Böen 30 kn NE, 5m Welle, DNZ: 905 nm

Mittagessen: Tomaten-Spagel-Salat und frisch gebackenes Brot. Die neuen Wetterprognosen sind noch schlechter. Die Azorenhochs haben sich vereinigt und es ist eine ziemlich breite (20 N bis 09 N) und stabile Passatzone mit Starkwinden entstanden. Das bedeutet für die nächsten Tage Wind bis 25 kn und Böen bis 30 kn, dazu immer wieder Gewitter mit Schauern und entsprechenden Böen. Außerdem ist mit größeren Wellen zu rechnen. Laut Vorhersage bis 5 Meter. Uwe von Intermar meinte in seinem täglichen E-Mail dazu: da könnt ihr was erzählen, wenn ihr in Barbados angekommen seid- „sportliche Angelegenheit“. Würde ich persönlich gerne drauf verzichten. Essenszubereitung und Toilettenbenützung sind mittlerweile kaum mehr zu machen. Wer es nicht glaubt, sollte mal versuchen sich die Hose einhändig an- oder auszuziehen und dabei einbeinig auf einem Schaukelpferd zu blancieren. Es spielen sich teilweis groteske Szenen ab, Slapstick pur. Die durchschnittliche Anzahl an blauen Flecken hat sich in den letzten 24 Stunden dramatisch erhöht. An Unterricht ist nicht zu denken. Denken fällt sowieso insgesamt eher schwer. Führt Dauerrollen zu lateralen Hirnkontusionen? Während der Vormittag noch einigermaßen ruhig verläuft, geht es nach dem Mittagessen langsam zur Sache. Der Atlantik hat seine blaue Farbe verloren und gibt sich jetzt in kämpferischem Grau mit weißen Schaumkronen. Wellenberge mit bestimmt 5 Metern Höhe türmen sich vor und hinter uns auf. Wir bekommen teilweise 7 kn Geschwindigkeit drauf, wenn wir in die Wellentäler surfen. Dazu gibt es immer wieder Gewitterböen bis 30 Knoten und Regenschauer. Gerade eben ist es noch verhältnismäßig ruhig, dann pfeift es in den Wanten und schon ist der Wind um 50% stärker als gerade eben. Glücklicherweise läuft das Boot dank unserem Förthmann auch bei diesen Bedingungen nicht aus dem Ruder. Immer wieder muss die Segelfläche an die Windverhältnisse angepasst werden. Am späten Nachmittag hat die Stimmung der Crew unter diesen Bedingungen ihren bisherigen Tiefpunkt erreicht. Der erste Offizier hat Tränen in den Augen und verweigert für die Zukunft jede weitere Fahrt über 1000 nm. „Kannst ja mit deinem Freund Balu in den Pazifik segeln!“ werde ich angemotzt, als ob ich fürs Wetter verantwortlich wäre. Süßigkeitenmangel und der Schlafentzug der letzten Tage haben meine liebe Antje mürbe gemacht. Ja, ich gebe es ja zu, in meinen Träumen war die Atlantiküberfahrt auch irgendwie entspannter…Trotz aller widrigen Umstände ist die Fahrt bisher aber nicht gefährlich. Unsere AURIGA wird zwar stark beansprucht, aber alles ist noch im Rahmen. Wir haben keine Angst, schließlich trennen uns 20 mm solides 40 Jahre altes Plastik von dem 3000 Meter unter uns liegenden Meeresboden, aber es ist wahnsinnig anstrengend und nervenaufreibend. Glücklicherweise haben wir heute die 1000 sm-Grenze durchbrochen. „Mehr als 1000 sm hört sich eben viel weiter an, als nur noch 990 sm bis zum Ziel. Am heutigenTag aus psychologischer Sicht sicher unbezahlbar. Zur Verbesserung der Stimmung darf Antje heute Nacht durchschlafen und ich mache die Nachtwache alleine. Der Kapitän ist eben doch immer der Held!

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12.Tag 20.12.2016, Position 13°04 N/045°44`W, Kurs 290°, Wind 20 kn, Squalls NE, 3-4m Welle, DNZ: 785 nm

Mittagessen: Tiroler Bauernschmaus mit Brot. Heute Vormittag ist der Atlantik wieder versöhnlicher, zwar hat er sein graues Gewand noch nicht abgelegt, aber wir segeln unter klassischer Passatbewölkung unserem Ziel entgegen. Die bösen schwarzen Wolken (Nimbustratus) haben sich aufgelöst und die Sonne scheint wieder. Vor allem die Wellen haben sich wieder etwas beruhigt und der Wind bläst stabil mit weniger als 20 Knoten. Tagsüber ist damit richtiges Genusssegeln möglich. Die Stimmung des ersten Offiziers hat sich nach einer ausgiebigen Nachtruhe deutlich verbessert. Bei einer genaueren Inspektion des Schiffes entdecken wir wieder Wasser im Boot. Keine großen Mengen, aber eben doch Wasser, wo es nicht hingehört. Meine Klamotten sind nass, im Regal zwei Bücher feucht, eine Backskiste ist undicht, 500 ml Wasser in der Bilge….Außerdem ist ein Griff am Niedergang abgerissen usw. Das schlechte Wetter der letzten Tage hat eben doch seinen Tribut gekostet, aber die Schäden sind überschaubar. Pünktlich zum Einbruch der Nacht werden die Wellen stärker und das Boot beginnt wieder richtig zu rollen und zu schaukeln. Endlich hat uns die Sturmdünung aus dem Norden erreicht – vielen Dank lieber Atlantik! Ein, zwei Regenschauer runden die Sache noch ab…..Als Entschädigung haben wir zu Beginn der Nacht einen sensationellen Nachthimmel. Unzählige Sterne hängen am Firnament und sind bei praktisch fehlender Lichtverschmutzung bis zum Ende des Horizontes zu sehen. Manche Sterne scheinen in den Ozean einzutauchen und dahinter zu versinken. Unheimlich romatisch und kitschig, aber es ist schwer, sich diesem Schauspiel zu entziehen. Ein herrlicher Anblick. Die Wettervorhersage sieht ebenfalls wieder besser aus. Das große Orkantief über den Neufundlandbanks zieht nach Nord-Osten und wird langsam vom Azorenhoch aufgefüllt. Winde mit Sturm- oder Orkanstärke sind nur noch nördlich des 40. Breitengrades zu erwarten und wir befinden uns auf 12° nördlicher Breite also mehr als 1800 nm oder 3000 km entfernt….Bis auf einen morgendlichen Squall mit Böen über 30 kn verlief die Nacht aber insgesamt sehr ruhig. Unser Förthmann hat die Böe ziemlich cool abgesegelt, blieb standhaft und lief nicht aus dem Ruder. Eine Umlenkrolle der Rollfock hat es aber dann doch erwischt….naja, was solls 2/3 der Strecke sind geschafft…

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13.Tag 21.12.2016, Position 12°57 N/047°41`W, Kurs 290°, Wind 25kn, Böen 35kn, NE, 4 m Welle, DNZ: 670 nm

Mittagessen: Nudeln mit Basilikumpesto und gemischter Salat. Der Squall in den frühen Morgenstunden war rückblickend nur der Auftakt für eine ausgewachsene Squallserie, die den ganzen Tag anhalten sollte. Von Sonnenauf- bis Sonnenuntergang ca. 2 Squalls pro Stnde. Ein Squall ist eine extrem starke, ohne Vorwarnung aufkommende Fallböe, die teilweise von Nebel, Sturzregen oder sogar Schnee begleitet wird. Squalls sind seltene und in der Seefahrt gefürchtete Wetterphänomene auf hoher See. Sie treten ohne die sonst üblichen Anzeichen wie Sturmwolken auf. Während wir unseren ersten Squall noch mit einem flauen Gefühl im Magen absegelten – schafft es der Förthmann oder müssen wir eingreifen – wird die Wettererscheinung nach dem 4. Durchlauf bereits zur Routine. „Schau mal nach Osten, siehst du die typische Wolkenformation – okay in 5 Minuten geht es wieder los, wir kochen später….“ Es ist schon verrückt. Gerade eben ist der Himmel noch blau und die Sonne schein, zwei Minuten später sieht man eine weiß-graue Wolkenfront hinter sich und es beginnt zu regnen, danach kommt der Wind. Die höchste von uns registierte Windgeschwindigkeit waren ca. 35 Knoten (ca. 65 km/h), was einer Windstärke von 8 Beaufort oder stürmischem Wind entspricht. Das würde an Land bedeuten, dass sich große Bäume bewegen, Äste brechen und beim Gehen erhebliche Behinderungen auftreten. Bei diesen Windgeschwindigkit legt sich unsere AURIGA ganz schön auf die Seite, aber sie rollt praktisch nicht mehr, sondern pflügt mit teilweise mehr als 7 Knoten durch die Wellen. Es ist laut, der Wind pfeift durch die Wanten, Gischt und Meerwasser spritzen überall hoch. Glücklicherweise dauert der Spuk nur ein paar Minuten und dann ist alles wieder auf Ausgangsposition. Blauer Himmel, ein, zwei Wölkchen, Wind bis 17 Knoten…. Danach gibt sich der Atlantik wieder ganz unschuldig und tut so, als wäre nichts gewesen. Zwischen den einzelnen Squalls vergeht nicht mal genung Zeit damit unser Cockpit richtig trocknen kann. Dieser ständige Wetterwechsel schlägt mächtig auf die Stimmung. Alle sind irgendwie gereizt und wollen nur noch ankommen. Die Schaukelei nervt jeden Tag mehr, manchmal möchte man schreiend durchs Boot lauf zum Beispiel wenn der frische Kaffee zum 10ten Mal an diesem Tag auf dem Boden landet. Wenigstens war es in der Nacht einigermaßen ruhig. Am frühen Morgen flogen ein paar fliegende Fische durch das Cockpit – war auch sehr interessant. Leider hat es nicht für ein Frühstück gereicht. Wir haben seit Tagen kein anderes Schiff mehr gesichtet oder auf dem Radar entdeckt. Im Morgengrauen zeigten sich wenigstens die ersten Möven am Himmel, Land rückt also näher. Immer noch keine Wale in Sicht…..

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14.Tag 22.12.2016, Position 13°16 N/049°54`W, Kurs 290°, Wind / Böen 25kn, NE, > 5m Welle, DNZ: 542 nm

Mittagessen: Bananenkuchen, Abendessen: Chili con carne und Dosenfrüchte. Boh ey, diese scheiß Schaukelei nervt voll. Wir wollen wieder nach Hause. So hoch und kräftig wie heute waren die Wellen noch nie…5 Meter und mehr- gefühlt über 10 Meter. Riesige Wellenberg, tiefe Wellentäler, wir surfen die Abhänge wie die Weltmeister hinunter. Tasten uns an die Schallmauer von 8 kn Geschwindigkeit heran – Wahnsinn, wir fliegen bestimmt gleich. Darüberhinaus sind noch kurze Wellen, kleine Wellen, steile Wellen, brechende Wellen und Wellen auf dem Rücken von anderen Wellen geboten. Außerdem haben wir die immer wieder beliebte Kreuzsee, d.h. der Wind schiebt die Wellen aus NE vor sich her und aus N kommt noch die Orkandünnung der letzten Tage dazu. Echt super blöder Atlantik! Wir haben heute desmaßen oft angeluvt, dass jeder von uns wieder kräftig Hämatome sammeln konnte. Krönung des Tages war, als Antje und ich das Gleichgewicht verloren und gemeinsam auf unserem Salontisch landeten und den Tischfuß dabei aus seiner Verankerung gerissen haben. „Es wird ein bisschen kabbelig“ hieß es heute morgen von Uwe – sehr richtig und es ist zum Kotzen. Er versorgt uns weiterhin täglich mit Wetterprognosen und sonstigen guten Tipps. Übrigens befinden wir uns seit Beginn der Dämmerung wieder in Reichweite eines Rettungshubschraubers, nur für den Fall…aber es beruhigt doch irgendwie, dass eine direkte Rettung nun wieder möglich ist. Entgegen der Vorhersagen ist der angekündigte Regen ausgeblieben. Bei Wind von hinten bedeutet Regen, dass man das Boot verrammeln muss, weil es sonst nass wird im Salon. Sobald das Boot allerdings dicht ist wird es warm und es beginnt langsam zu riechen. Oja, es riecht nach ungewaschenen Menschen. 14 Tage ohne Dusche lässt sich nicht so einfach überriechen. Wir haben zwar eine Campingdusche mit Kanister, aber bei dem Wellengang ist das Duschen im Cockpit oder auf der Badeplattform einfach zu gefährlich. Also Nase zu und durch. Außerdem fühlt sich mittlerweile alles irgendwie klamm an. Sobald wir im Hafen sind müssen wir die Entfeuchtungsautomatik von unserem Klimafreund (Klimaanlage) erst einmal testen. Glücklicherweise hat sich das Meer in der Nacht etwas beruhigt und wir konnten bei konstanten 20-22 kn Wind zügig weiter nach Westen segeln und schafften unser bisher bestes Etmal mit 128 nm. Mit Ferry und Brigitte von der SY ALRISHA haben wir ebenfalls jeden Tag Kontakt. Die beiden Österreicher haben wir via Intermar kennengelernt, sie segeln auch nach Barbados und sind ca. 2,5 Längengrade westlich vor uns. Wir freuen uns, die beiden nach 12-tägigem anonymen E-Mailkontakt in Bridgetown kennenzulernen. Wir sind jetzt genau zwei Wochen unterwegs….3/4 sind geschafft

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15.Tag 23.12.2016, Position 13°00N/051°42W, Kurs 290°, Wind 18kn, Böen 20kn, NE, 3-4 m Welle, DNZ: 433 nm

Mittagessen: Frankfurter Würstel mit diversen Saucen und kalte Platte. Abendessen: Afrikanisches Curry mit Bananen. Frühstück: Rühreier mit Speck und gebackene Bohnen in Tomatensauce. Wir haben alle einen unglaublichen Muskelkater, das ständige Festhalten in unphysiologischen Stellungen fordert jeden Körpermuskel. Dazu kommen multiple Prellungen und Hämatome sowie Schürfwunden an allen Extremitäten. Auch wenn die Wellenhöhe inzwischen wieder auf moderate 3-4 Meter gefallen ist, dieses ewige Gerolle und Geschaukle wird zunehmend unerträglich. Vor allem die immer wieder unkonrolliert auftretenden Querschläger machen uns noch wahnsinnig. Wir sind wirklich geschafft, lädiert und echt urlaubsreif!! Zum Glück segeln wir in die Karibik und nicht durch die Nord-Ost-Passage. Weiße Sandstrände, türkisfarbenes Meer und reichlich Rumpunch sind in Reichweite und die wohlverdiente Erholung damit in Sicht. Wenn alles so weiter geht, könnten wir in drei oder vier Tagen Bridgetown / Barbados erreichen. Unser ertser Landfall auf den Windward Islands. Der Tag war relativ ereignislos. Wir hatten einen Fischbiss, aber leider hat uns der Fisch die komplette Schnur von der Angel gezogen. 400 Meter 1 mm Nylonschnur plus 1,5 Meter Stahlvorfach und dazugehöriger Thunfischköder (Wobler/Schaufler) futsch .-(. Ansonsten wie immer keine Schiffs-oder Tiersichtungen. Der Wind wird die nächsten Tag weiter beständig blasen, aber wohl nicht mehr so stark. Die üblichen, Passatwindtypischen 10-15 kn sind angesagt. Die letzten Tage auf dem Atlantik könnten also doch noch echtes Genusssegeln werden. Wir haben es nach den letzten sieben Tagen „Schwerwettersegeln“ und „Extremrollen“auch verdient.

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16. Tag 24.12.2016, Position 13°06 N/053°48`W, Kurs 290°, Wind bis 17 kn NNE, 2-3 m Welle, DNZ: 312 nm

Weihnachtsmenü: Kaiserschmarrn mit Dosenobst, Pizza Tono. Oh unserer Adventskalender ist ja schon leer, dann muss heute Weihnachten sein. Hurra ,, schöne Weihnachten, Feliz Navidad, Buon Natale, Joyeux Noel und Merry Christmas“. Heute Morgen haben wir reichlich Weihnachts-Emails verschickt und auch viele Antworten bekommen. Wir haben uns sehr über alle Nachrichten gefreut. Geschenke gibt es heute keine. Außer unser gestriges Etmal von 118 sm natürlich. Jeder darf sich was wünschen, wenn wir an Land sind, endlich an Land sind! Wir haben jedes Zeitgefühl verloren. Durch unsere Nähe zum Äquator befinden wir uns seit einigen Tagen in der Tag-Nacht-Gleiche, das bedeutet Tag und Nacht sind in etwa gleich lang. Die Sonne geht jetzt um ca. 0600 Ortszeit Barbados auf und um 1800 Ortszeit Barbados wieder unter. Die Dämmerungsphase ist mit 15 – 20 Minuten extrem kurz für unsere Verhältnisse. Zuerst hell und dann sofort dunkel, als ob jemand das Licht ausschalten würde….. Die Tage ziehen sich jetzt wie Kaugummi, zäh und klebrig (klamm). Seit zwei Tagen das gleiche Bild, blaues Meer, Passatwolken und Sonnenschein, aber immer noch kein Land in Sicht. Der Kurs stimmt, die Richtung auch, aber weit und breit kein LAND. Die Crew will endlich ankommen und beginnt schon von Landgängen, Sundownern und Restaurantbesuchen zu konfabulieren. Die Warterei aufs Ankommen schlägt allen aufs Gemüt. Meuterei liegt in der Luft….Dabei bieten die Wetterbedingungen nun optimale Verhältnisse für gepflegtes Passatsegeln. Der Wind hat leicht nach Norden gedreht, so dass er für uns jetzt aus einem angenehmen achterlichen Richtung (NNE) kommt. Mit 13-15 kn können wir reichlich Tuch geben und kommen auf eine Durchschnittsgeschwindigkeit von 5-6 kn und gleiten einem guten Etmal entgegen. Nur die scheiß Wellen beuhigen sich in unseren Augen viel, viel zu langsam – schönes Weihnachtsgeschenk lieber Atlantik. Wir sind jedoch viel zu angespannt um das Segeln wirklich zu genießen. Beim Fischen hatten wir einen Biss, dieser hat sich beim Einholen jedoch losgerissen und damit war nichts mit unserem Weihnachtssushi. Am Nachmittag sahen wir zwei Frachtschiffe am Horizont vorbeiziehen. Die erste Schiffssichtung seit 10 Tagen – unglaublich, wir kommen den kleinen Antillen wirklich näher…..5/6 sind geschafft. Wahrscheinlich werden wir am Dienstagmorgen Bridgetown erreichen und wir werden bereits erwartet. Die SY ALRISHA mit Ferry und Brigitte wird es wahrscheinlich heute Nachmittag schaffen und einige Teilnehmer der Odyssee sind auch noch vor Ort. Wir freuen uns auf ein Wiedersehen. Rumpunsch und Zigaretten habe ich per Email bereits geordert.

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17. Tag, 25.12.2016, Position 13°12 N / 057°58`W, Kurs 290°, Wind bis 17 kn NNE, 2-3 m Welle, DNZ: 190 nm

Mittagessen: Indisches Korma mit Basmatireis, Abends: Cous-Cous-Salat. Obwohl wir es fast geschafft haben ist die Stimmung an Bord eher bescheiden. Seit drei Tagen warten wir schon aufs Ankommen und das zerrt doch sehr an den Nerven. WIR WOLLEN ENDLICH AN LAND! Die Wetterbedingungen haben sich zu den letzten Tagen nicht geändert und werden sich bis zu unserer Ankunft auch nicht mehr ändern. Wir haben den VHF-Funk wieder eingeschalltet, da wir jetzt immer wieder andere Schiffe sichten. Außerdem heißt es jetzt wieder verstärkt „Gehörig Ausguck halten“ (in english: „keep sharp outlook“). Eigentlich sehen wir nur große Frachter und Tanker. Die meisten Segler sind entweder schon auf den Westindies oder starten erst nach Sylvester und sind dann frühestens Mitte Januar in der Karibik. Leider haben es unsere Freunde Alex und Birger von der SY SAMATHA noch nicht geschafft loszukommen. Eigendlich wollten sie schon auf den Kapverdischen Inseln sein, mussten dann aber auf halbem Weg von den kanarischen Inseln wegen reichlich Wasser in der Bilge umdrehen und liegen aktuell in La Palma. Wahrscheinlich dringt das Wasser zwischen Bootsrumpf und Kiel ein. Also muss der Kiel runter, alles abgedichtet und neu eingeklebt werden. Wir beneiden die Beiden nicht. Wenn alles klappt, und sie in 2-3 Wochen aufbrechen können, dann werden wir uns im Februar auf Antigua wiedersehen, dort Antjes Geburtstag feiern und gemeinsam die nördlichen karibischen Inseln und die großen Antillen erkunden. Angeltechnisch war heute auch kein Glückstag. Wir haben schon wieder zwei Köder und ein Stahlvorfach an den Atlantik verloren.

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18. Tag, 26.12.2016, Position 13°10 N/057°55`W, Kurs 290°, Wind bis 17-20 kn, NNE, 3 m Welle, DNZ: 95 nm

Mittagessen: Pfannkuchen mit Ahornsirup und Dosenfrüchten, Ravioli mit Tomatensauce. Der letzte Tag auf See steht an. Welle und Wind haben wieder ein wenig zugenommen und schleudern uns wie gewohnt duch Salon und Cockpit. Auf den letzten 100 sm müssen wohl noch ein paar Hämatome für alle drin sein. Außerdem gibt es noch einige Squalls mit Regenschauern und Böen bis 30 kn. Schönes Abschiedsgeschenk lieber Atlantik. Tagsüber sind noch ein paar Vorbereitungen zu treffen. Die gelbe „Q-Fahne“ (bedeutet „An Bord alles gesund“) und die Nationalfahne von Barbados müssen an der Steuerbord-Salling gehisst werden. Wir bereiten unsere Pässe und alle weiteren Papiere zum Einklarien vor. Sobald wir morgen in der Früh Bridgetown erreichen, müssen wir über VHF-Kanal 16 Port Conrol über unsere Ankunft informieren und auf weitere Instruktionen warten. Meist wird man zu einem sog. Welcome-Pier gelotst Hier befindet sich die Büros von Port Control, Immigration, Custom und Health Service und es heißt mal wieder zig Formulare ausfüllen. Ist alles erledigt, sind wir offiziell eingereist und dürfen uns in Barbados frei bewegen. Danach zurück auf´s Schiff und unseren Agenten Terry von der Odyssee-Organisation treffen. Er wird uns zu unserem Liegeplatz im Constitution River begleiten – so haben wir es heute jedenfalls via E-Mail mit Jimmy Cornell vereinbart. Bin ja gespannt ob es klappt. Leider können wir nicht in der vorgelagerten Carlisle Bay ankern, da wir unser viel zu großes Dingi in Teneriffa verkauf haben und hier auf Barbados eines der viel gerühmten Caribian Dingis (beste UV-Beständigkeit weltweit) erstehen wollen. Heute Nacht werden wir unsere Segelfläche ein wenig reduzieren müssen, um unsere Fahrt zu verlangsamen, da wir sonst Bridgetown im Dunkeln erreichen und nicht einklariren können, weil, die o.g. Behörden nur von 0800 bis 1900 geöffnet haben. Die Stimmung an Bord bessert sich langsam. Ich bin sicher, wenn erstmal Land in Sicht ist, sind alle wieder gut drauf!

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19. Tag, 27.12.2016, Landfall 1330 UTC / 0900 LT, Position 13°05,6 N / 059°37,0`W Bridgewtown, Barbados

Irgendwie war es ja klar, dass die Nacht unruhig werden würde. Wind zwischen 18 – 21 kn und Böen bis 25 kn. Dazu noch mehrere Squalls und natürlich die unvermeidliche Welle von Norden .-( Wir sind allerdings mit so wenig Tuch unterwegs, dass es absolut kein Problem ist. Um 0300 UTC können wir die Lichter der Ostküste von Barbados erkennen. Land in Sicht. LAND IN SICHT. Es ist schon unglaublich, wenn man 19 Tage nur von Wasser umgeben ist, auf einen Punkt im Plotter zusteuert und dann plötzlich- plötzlich ist da eine Insel, die Insel – wow! Kaum zu glauben wie die Seefahrer das vor 400 Jahren hingekriegt haben…aber ich weiß jetzt, wie sie sich beim Anblick von Land gefühlt haben. GROßARTIG! Wir brauchen jetzt noch 5 Stunden bis Bridgetown. Noch ist es stockdunkel, aber in 3 Stunden wird die Sonne aufgehen. Ich weiß gar nicht mehr wie grün aussieht……Endlich geht die Sonne auf. Wir sind nur 2-3 nm von der Küste entfernt und können Bridgetown und die Hafenanlagen schon sehen. Alle sind aufgeregt. Wir kontaktieren Port Control und werden kurz darauf vor der Hafeneinfahrt abgeholt und in den Shallow Draught geleitet. Unser Empfangskommitee sind Susan and Howard von der SY Sundowner. Mit vielen helfenden Händen legen wir an und dann, dann ist es wirklich geschafft – Wir haben festen Boden unter den Füßen und den Atlantik bezwungen! Dannach noch einklarieren, duschen!, essen und wir fallen todmüde aber glücklich um 1600 ins Bett und schlafen bis zum nächsten Morgen durch…Barbados wir kommen.

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Fazit unsrer Atlantiküberquerung

Wir haben für die 2235 nm (ca. 4150 km) lange Strecke von den Kapverden bis nach Barbados insgesamt 19 Tage und 2 Stunden oder 458 Stunden benötigt und haben damt eine Durchschnittsgeschwindigkeit von knapp 5 kn erreicht. Ganz schön schnell für unser kleines Schiff. Wir sind die gesamte Distanz gesegelt, haben während unserer Reise nur fünf Halsen benötigt um Barbados zu erreichen. Der Motor lief nur zur Stromerzeugung. Ich denke wir hatten insgesamt eine eher durchwachsene Überfahrt. Gute oder sogar typische Passatverhältnisse am Anfang und am Ende des Törns, der Mittelteil war eher was für Liebhaber. Dafür haben wir jetzt viel Praxis im Schwerwettersegeln, wissen, dass unsere Auriga Wind und Welle bis 8 Beaufort problemlos aushält. Wir haben gelernt Squalls und Regenwolken im Radar zu erkennen und uns rechtzeitig auf die folgenden Schauer und Sturmböen einzustellen. Viele Dinge haben ihren Schrecken verloren und wir deutlich an Erfahrung gewonnen. Ich denke, wir dürfen uns jetzt ohne Übertreibung als Seemänner und -frauen fühlen.

Wir hatten keine richtigen Downwind-Segel an Bord, also keine klassischen Schmetterlingsbesegelung oder einen Parasailor (spezielles Vorwindsegel). Wr sind die erste Hälte mit weit lee-seitig ausgebaumten Groß im 2. Reff gefahren und die restliche Strecke nur mit Vorsegel. Wenn man unser Großsegel auch vom Cockpit aus bedienen könnte, wäre es sicher im zweiten Teil öfter zum Einsatz gekommen und wir wären wahrscheinlich ein bis zwei Tage schneller gewesen.

Die technische Ausrüstung hat sich bewährt. Das Kurzwellenfunkgerät zur Email-Kommunikation auf hoher See ist wirklich super und der Email-Service von Sailmail sehr zuverlässig. Wir haben in den 19 Tagen über hundert Email geschrieben und empfangen. Die Jungs von Intermar und hier speziell Uwe waren einfach unschlagbar. Danke für die ausführlichen täglichen Wetterinterpretationen und Durchhalteparolen. Ich hoffe, wir haben in Deutschland mal die Möglichkeit, uns persönlich kennenzulernen, damit wir uns bei einem guten Essen bedanken können. Alleine wegen der Intermar-Funkrunde rentiert sich die KW-Funke schon. Wir haben Intermar e.V. nach unserer Ankunft natürlich eine Spende zukommen lassen – nochmals vielen Dank für die Hilfe

Unser Wassermacher hat seine Premiere einwandfrei überstanden. Der Geschmack ist nun – nun ja nicht so der totale Brüller, aber wenn es eng wird, besser als Seewasser saufen. Wir haben das entsalzte Wasser vor allem zum Abspülen und zur Körperpflege benützt. Wie versprochen hat der Watermaker 13 Liter / Stunde geliefert und funktionierte auch bei teilweise erheblichem Seegang noch ganz ordentlich. Wir sind insgesamt zufrieden.

Unsere ganze Liebe gilt aber dem Förthmann. Unser neu installierter Autopilot Marke Windpilot Pazifik ist einfach genial. Die Ausführung in eloxiertem Aluminum ist von zeitloser Eleganz und Schönheit. Im Förthmann vereinigen sich gutes Design und geniale mechanische Funktionalität. Nach einer kurzen Eingewöhnungszeit – man muss sich schließlich kennenlernen – hat uns unser Förthmann nie im Stich gelassen. Vor allem bei Starkwind oder überraschenden Böen hat er unsere AURIGA immer sicher gesteuert, allzeit verhindert, dass sie aus dem Ruder läuft oder querschlägt. Er hat damit die Sicherheit auf der Überfahrt erheblich erhöht. Ein riesen Dank an den Erfinder Peter Förthmann von Windpilot.

Leider haben wir unseren Sextanten bisher noch nicht ausprobiert, aber bei dem Geschaukle ist eine anständige Mittagsmessung einfach nicht möglich. Bis auf ein paar Kleinigkeiten gab es auf der Überfahrt keine größeren Schäden zu verzeichnen. Beim nächsten Mal nehmen wir sicherlich mehr Brot, Süssigkeiten, Softgetränke und Alkohol mit. So ein Sundowner auf dem offenen Meer ist schon was feines und wenn dann keiner mehr fahren muss, läßt sich der eine oder andere „green flash“ verdient genießen.

Während der Überfahrt hat die Crew sich gut bewährt. An dieser Stelle ein riesengroßes Lob. Natürlich gab es immer mal wieder Stimmungsschwankungen, Meinungsverschiedenheiten und mentale Tiefpunkte, vorallem wenn das Wetter tagelang schlecht ist und der Lebensraum sich 60° um die eigene Achse bewegt, aber niemand hat sich gehen lassen und wir haben als Crew und Familie zusammengehalten um dieses Abenteuer durchzustehen. Ein guter Auftakt für eine Weltumsegelung finde ich! Ich bin stolz auf meine beiden Süßen. Wir haben Wind, Welle und Seekrankheit getrotzt und den Atlantik nach 19 Tagen und Nächten sicher überquert. Die 3 ½-jährige Vorbereitung auf dieses Reise hat sich also doch gelohnt. Während viele Odyssee-Teilnehmer sich für die Überfahrt noch Verstärkung (Segellehrer, erfahrene Atlantiksegler) an Bord geholt haben, haben wir alles alleine gemeistert. Darauf bin ich als Skipper besonders stolz. Obwohl meine liebe Antje eine längere Überfahrt für die nähere Zukunft ausschließt, bin ich mir sicher, dass wir nächstes Jahr doch noch in den Pazifik segeln werden um dort die Galapagos-Inseln und die Südsee zu besuchen – aber wir werden sehen was passiert, den wenn ich eines bisher gelernt habe: Pläne ändern sich immer wieder! Felix möchtest Du nochmal über den Atlantik segeln? – Nee, da haben wir schon alles gesehen! Recht hat er, in diesem Sinne…….

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We did it, fair winds und bis bald

Kapitän H. Höppler SY AURIGA